Achtung: Blog-sabbatical bis zum 1.1.2010
Hiermit verabschiede ich mich für 2 Monate aus dem aktiven Bloggen – werde noch hier und da meinen Senf auf anderen Blogs mit kommentieren, aber ich denke, es ist mal wieder dran.
Was bewegt mich dazu? Viele liebe neue Leser sind dazu gekommen und haben wirklich tolle Komentare geschrieben, die meine Wahrnehmung hinterfragt und und mein geistliches Leben bereichert haben, im Augenblick wird dieses Blog zwischen 12.000 und 15.000 mal pro Monat angesteuert, wirklich schön. Aus privaten Zuschriften weiss ich, dass manche bewegt sind von den Themen und dass meine Gedanken hier und da weiter geholfen haben. Bzw: Gott hat meine Gedanken zum Segen eingesetzt. Warum also Pause?
Ich spüre, dass ich für eine gewisse Phase weniger produzieren, stattdessen mehr aufnehmen möchte – ich halte weiterhin Predigten und jeder kann sie anhören. Man kann mich anschreiben über die Kontaktfunktion bei direkten Fragen. Aber ich muss und will auf die Balance aus Abgabe und Aufnahme achten.
Auf einem anderen Blog, dessen Namen ich hier nicht nennen werde, wurde gerade wieder aufgrund meines Beitrags zum Christlichen Individualismus meine Person in eine bestimmte Ecke geschoben und diffamiert. Ein anderer Blog hat seinen Gegenartikel, der auch sehr verletzend war, wieder zurück genommen – danke und es hat Vergebung statt gefunden. Dafür bin ich dankbar. Ich bin mir bewusst, auf diversen Atheistenblogs lächerlich gemacht zu werden, damit kann ich leben. Wenn ein Christ aber unkorrigiert dermaßen um sich schießt, dann tat und tut mir das weh, in der Gemeinde und auch hier. Mir zumindest. Ich bin keine deutsche Eiche, an der alles abprallt und halte es auch nicht für erstrebenswert. Wer Blogs schreibt, macht sich verletzlich, das versteht sich von selbst – aber irgendwo ist die gerade aktuelle und persönliche Grenze erreicht.
Nur falls jemand auf diesen anderen Blog stößt (ich bin schon per mail angefragt worden): Nein, ich lösche keine kritischen Kommentare! 3 (in Worten: drei!) Leute sind auf meinem Blog als spam markiert und deren Beiträge bemerke ich gar nicht, weil sie von wordpress vorher ausgefiltert werden. Warum? Weil diese auch nach mehrfacher Aufforderung zur Mäßigung diffamierend und unter der Gürtellinie gearbeitet haben und so etwas muss ich in meinem virtuellen Wohnzimmer nicht haben. Aus keinem anderen Grund (es sei denn die üblichen: rassistisch, abwertend etc…)
Wer dieses Blog mitliest, weiß, dass hier durchaus kontrovers diskutiert wird. Dabei reagiere ich je nach Tagesform auch schon mal empfindlich – das ist eine meiner Schwächen, an denen ich arbeite, ohne hoffentlich die Sensibilität, die ich auch habe und benötige für meine kreative Arbeit im Reich Gottes, zu verlieren. Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich bei allen bedanken, die meine kleinen Marotten ausgehalten haben und mir mit einem positiven Grundbild begegnet sind. Ich bin es aber gerade auch ziemlich satt, zur Projektionsfläche für den Gemeinde- bzw. Leiter-Frust einiger weniger Leser zu werden. Gott sei Dank ist es die Ausnahme – aber ich kann es gerade nicht so gut ab. Deswegen Pause. Und ich freue mich auf ein Wiedersehen bzw. -lesen im neuen Jahr.
Euch gesegnete zwei Rest-Monate in 2009!
Ein Grund: Warum unsere Heiligung so kraftlos ist!
Es gibt viele theologische und seelsorgerische Gründe, warum das Wachstum im Glauben stockt… manchmal darf es auch einfach stocken und man muss nicht an sich selbst herum rupfen. Genau so wenig kann man einen Grashalm dazu bringen, schneller zu wachsen, indem man an ihm zieht. Unsere Aufgabe ist es aber, unsere Haltungen und Maßstäbe zu überprüfen und biblisch zu korrigieren. Eine innere Haltung ist mir aufgefallen, die Wachstum im Glauben effektiv behindert und verhindert…
… und das ist der Mangel an Hoffnung und an einer ausgeprägten und biblischen Sicht vom Kreuz. Ich erläutere das mal: Christ und Christin sind eingespannt zwischen zwei Polen, einem hinter uns liegenden Pol zuerst. Dieser Pol ist das Kreuz und all das, was Christus für uns am Kreuz vollbracht hat und was durch die Auferstehung besiegelt worden ist. Wir sind versöhnt, dürfen die Freundschaft mit Gott genießen und sind mit Verheißungen nur so überschüttet. Dieser historische Fakt, der bis heute in das Leben Einzelner hinein wirkt, dient als erster Motivator, ethisch zu leben und die Gebote Gottes gerne zu halten. Ein Ehemann, der seine Frau liebt, muss sich auch nicht anstrengen, nicht fremd zu gehen.
Müssen wir schon an dieser Stelle nachlegen? Ist das Wissen um diesen vergangenen und doch so gegenwärtigen Pol zu theoretisch, zu dogmatisch korrekt, aber zu wenig verinnerlicht? Ich denke, so ist es. Hier gälte es, kreative Formen und ganzheitliche Methoden der Vergegenwärtigung für die Menschen unserer Zeit zu entwickeln und neue Bilder für das Einmalige und Einzigartige zu finden. Der andere Pol liegt noch vor uns…
…und betrifft die Ewigkeit bei Gott und seine Wiederkunft. Die ersten Christen haben das Maranatha gebetet – heute beten wir: Herr, komme wieder, aber nicht so schnell, ich möchte gerne noch meine Kinder aufwachsen sehen. Oder Men in Black, Teil 3. Oder… In einer landesweiten Atmosphäre der relativen Hoffnungslosigkeit (sieht man vom Dauergrinsen Westerwelles ab) scheint auch den Christen der Blick auf die Herrlichkeit der Zukunft abhanden gekommen zu sein. Aber diese Hoffnung motiviert uns doch, Christus mehr Raum zu geben, uns vorzubereiten, uns einzustellen auf diesen wunderbaren Moment!
Natürlich: es gab auch die elende Druck-Variante, die mich schon beengt, wenn ich sie nur höre und die am Evangelium vorbei geht (huhu, Charly!). „Willst du wirklich vom Herrn im Kino überrascht werden, wenn er wieder kommt?“ Ja, toll. Was ist denn das für ein Gottesbild? Der Herr wird sich freuen, seine Nachfolger und Freunde zu sehen, wenn er wieder kommt. Er wird die eventuelle Sünde sehen, die gerade anliegt und sprechen: „Komm her, auch dafür bin ich gestorben! Du bist rein!“ Dann wird er auf die Seinen zugehen und sie in die Arme schließen und wir werden gemeinsam lachen.
Wir brauchen eine klare eschatologische, also in die Zukunft Gottes gewandte Hoffnung. Auch sie muss ganzheitlich, bildhaft, emotional, intellektuell unterfüttert sein, damit sie endlich unsere Herzen erreicht und wir dem gerne entgegen leben und so: gerne die Gebote halten, die zu halten überhaupt kein Problem ist für den, der liebt und der ein klares Bild vom Kreuz und von der Hoffnung hat.
Die sanfte Beseitigung biblischer Wahrheit: Christlicher Individualismus
Vorbemerkung (nachträglich ergänzt): einige wenige Leser, wahrscheinlich auch von Gemeinden verletzte Leser, haben diesen Artikel als einzige große Forderung gedeutet. Deutlich wird aber auch in den Zeilen: meine kritische Hinterfragung meint Leiter und Geleitete. Nur das entspricht dem Leibgedanken. Unterordnung und Hinterfragbarkeit muss für jeden Christen gelten – egal wo er steht, auch für Leiter.
Eindrücke (abstrahiert aus vielen Jahren der Beobachtung der christlichen Szene und nicht konkret auf meine Gemeinde, die FeG Eschweiler bezogen):
- Zum x-ten Mal wird ein Lopreislied gesungen, Text: ich und mein Jesus, begegne mir, gieße Ströme des Heils über mir aus, fülle mich… Ich sage: beten wir eigentlich Vater-Unser oder Vater-Meiner? Gehen die Paulusbriefe eigentlich überwiegend an Gemeinden oder an Einzelpersonen? Christlicher Individualismus.
- In zahlreichen christlichen Ratgeber und seelsorgerischen Büchern finde ich den Hinweis: du darfst von niemandem anders abhängig sein als von Jesus selbst. Ich sage: Theoretisch stimmt das. Praktisch sind wir aufgefordert, einander zu ermahnen und zu ermutigen, zu hinterfragen und Gutes, Wertschätzendes zu reden, das aufbaut. Gemeinde soll das Ziel haben, heilende Gemeinschaft zu sein. Es gibt natürlich ein Heil außerhalb der Kirche (entgegen dem „Extra Ecclesiam nulla salus“ der katholischen Kirche), wer zum Glauben kommt und kurz darauf stirbt, muss nicht um sich fürchten. Aber es gibt keine (langfristige) Heiligung, kein Wachstum außerhalb einer Gemeinschaft! Die zeitweilige Einkehr und freiwillige Einsamkeit muss dem dienen, gemeinschaftsfähiger zu werden, denn als Teil des Leibes dient jeder Teil den anderen und dem Ganzen. Christlicher Individualismus.
- Jemand sagt mir: ich verlasse die Gemeinde, weil der und der mich ungerecht behandelt haben und ich mich irgendwo nicht wohl fühle. Ich sage: Das klingt gut, ist aber ein verkappter Individualismus, denn er macht deinen Maßstab zum Maßstab für das Ganze. Gemeinschaft/Gemeinde ist kein Museum von Heiligen, sondern ein Hospital von Verletzten und Begnadigten. Spätestens wenn du dazu kommst (und ich als Pastor!) ist das so. Man muss mit Konflikten vernünftig umgehen und keine Probleme unter den Teppich kehren, aber man rennt nicht einfach so weg – in der Ehe nicht, in der Gemeinde nicht. Es sei denn, diese produziert grundlegende Irrlehren. Christlicher Individualismus.
- Nach der Predigt sagt mir jemand: ich kann die Predigt zu 80% unterschreiben, mit einigen Dingen bin ich nicht einverstanden. Ich sage: Gut, das ist auch in Ordnung so, wir können gerne diskutieren, aber warum setzt du dich selbst in den Mittelpunkt und hinterfragst sofort die Predigt? Du solltest sie erst hinterfragen, wenn du von ihr zuvor hinterfragt worden bist, denn sie Gottes Wort an dich. Du stehst nicht auf dem Wort, sondern unter ihm. Predigten sind nicht unfehlbar, aber ihre erste Aufgabe ist: Weckung des Glaubens und seine Heiligung und deine Aufgabe ist nicht zuerst, Wertungstafeln hoch zu halten. Christlicher Individualismus.
- Jemand sagt mir: mir geht es nicht gut und keiner kümmert sich um mich. Ich sage: kümmerst du dich denn um die, die sich um dich kümmern sollen? Wo investierst du , anstatt nur Forderungen zu stellen? Bist du in eine konkrete Gruppe integriert, wo du dich mitteilst und öffnest? Wo säst du, um auch zu ernten? Wenn alle säen, kann gemeinsam geerntet werden. Christlicher Individualismus.
- Jemand sagt zu mir: ich brauche keine Gemeinde, ich gehöre ja zum unsichtbaren Leib Christi. Ich sage: das ist ein Irrtum. Der Leib ist eine Dienstgemeinschaft und die geistlichen Gaben dienen konkreten Menschen und keiner Fata Morgana. Natürlich gibt es eine unsichtbare Gemeinde Gottes – weltweit. Aber sie muss biblisch konkret werden. So ist das: Christlicher Individualismus, der der Reibung mit dem Leib aus dem Weg geht und keine Verantwortung übernimmt.
- to be continued….
Der Individualismus hat längst im frommen Gewand Einzug gehalten in unseren Glauben und vernichtet schleichend nicht nur biblische Wahrheit, sondern auch Gemeinden. Grundlegende Forderungen und Verheißungen des NT basieren auf dem Gedanken des Leibes, des „einander“, des „füreinander“ und der Unterordnung. Wenn alle dies beherzigen, wird Gemeinde nicht nur funktionieren, sondern heilsam sein! Wer sich auf die eine oder andere Weise vom Leib Christi separiert, der schadet sich selbst (auch wenn es sich erst besser anfühlen mag) und dem Leib (denn jeder Verlust ist schmerzhaft). Christus ist unterwegs – zusammen mit seinem Leib. Sind wir dabei?
Ausprobierbefehl: zarte Töne – pulsierende Wellen – einfach schön!
Mal ein bisschen offtopic – aber was ist im geistlichen Bereich schon offtopic?
Es gibt Projekte, die zeichnen sich durch ihre Einfachheit aus, gepaart mit echter Schönheit. Die tonematrix ist so ein Projekt. Man kann sich wunderbar mit ihr entspannen und das Pulsen der Wellen beobachten und die Klangwelten durchforsten und ganz einfach verändern. Viel Spaß damit. Das Einfache und das Schöne, das zusammen erst durch den Betrachter komplex wird – das ist das Eigentliche.
Mmhm: Liebe ist… ja, was?
Liebe ist ein seltsames Ding. Sie ist rational nicht zu fixieren und basiert überwiegend auf Glaubens-Entscheidungen und Glaubens-Annahmen (was muss DAS ein Dorn im Auge von Atheisten und Rationalisten sein! Ist es aber nicht, weil diese in praxi selten über ihre Axiome nachzudenken scheinen, die in 100% der Fälle genauso Glaubensentscheidungen darstellen wie bei den naiven Christen).
Liebe ist dynamisch, man kann sie sicher indirekt fördern, wie man einen Acker bereitet und pflegt – aber machen kann man sie nicht. Im Gegenteil – je mehr man an den frischen Halmen der Liebe ziehen will, um sie zum Wachstum zu bewegen, desto leichter wird man sie ausrupfen und zerstören. Man erkennt die Liebe häufig an der Früchten und nicht an irgendwelchen überschwänglichen Gefühlsäußerungen. Bei meiner Frau und mir lautet eine nette „mathematische Gleichung“: „Je aufwendiger die Hochzeit, desto kürzer die Ehe!“
Bei Jesus-Punk (deren Geschichte mich berührt), habe ich einen schönen Satz gefunden:
Liebe ist, wenn Treue Spaß macht.
So einfach, so wahr. Klar ist natürlich: Liebe ist auch, treu zu bleiben, wenn es gerade mal keinen Spaß macht. Aber für den Gesundheitszustand der Liebe gibt es wohl keinen besseren Gradmesser als die Treue. Und damit wieder eine indirekte Äußerung der Liebe. Auch im Glauben.
In meiner Beziehung zu Gott stimmt es dann, wenn ich fast selbstvergessen durch den Alltag navigiere und nicht auf Anerkennung, Erfolg, Geld, Schönheit, Heilung oder fromme Taten schiele. Denn so schön diese sind – wenn sie sich in den Mittelpunkt rücken, werden sie selbst zum Gott und ich gehe fremd. So kann die fromme Tat sehr fleischlich sein, weil sie wichtiger geworden ist, als Gott selbst. So kann der Wunsch nach Heilung, Wundern, Wirksamkeit, Gemeindewachstum, heiler Gemeinde, einer bestimmten Theologie – was auch immer – wichtiger sein, als Gott selbst. Und damit Untreue und Götzendienst. So fromm – und doch so vorbei.
Liebe heisst: dem Anderen dienen und sehen und nichts von ihm zu erwarten als ihn selbst um jeden Preis. Das gilt für Gott – und für den Partner. Gott liebt dich so. Er will dich – und nicht deine Taten. Wenn du das verstehst, werden deine daraus folgenden Taten Taten nach seinem Willen sein.
Service: Halloween, nein Danke! zum Ausdrucken
Letztes Jahr war es schon ein Riesenknaller, das „Halloween-Nein-Danke“-Schild zum Selberausdrucken. Unser begabter Gemeindegraphiker Daniel Damrau hat es zusammen mit mir entworfen und wie immer kongenial umgesetzt.
Ausdrucken, an die Tür kleben und die Sache ist klar! Das Ganze gibt es kostenlos und in richtig guter Qualität unter dieser Adresse (<- bitte clicken)! Viel Spaß bei den dummen Gesichtern. Süßes oder Saures? Nö. Sankt Martin.
(Und liebe Halloween-Verteidiger, die jetzt wieder mit dem christlichen Feiertag und seinen keltischen Wurzeln kommen: spart euch die Kommentare. Ich weiß persönlich, dass Halloween einer der höchsten Feiertage unter Satanisten ist, dass damit Stück für Stück und sehr profitabel (So’n Scheiss, Sankt Martin lässt sich außer ein paar Papplaternen kaum vermarkten!) Sankt Martin und damit ein Fest der Nächstenliebe ersetzt wird. Ich bin nun kein Katholik, aber auffällig ist das schon… schon deswegen würde ich den Kram nicht mitmachen. Aus geistlichen Gründen schon gar nicht. n’Abend allerseits)
Am Rande gefragt: ist Scheitern unter Christen erlaubt?
Scheitern ist ein Tabu. Keiner will eine Sackgasse im Lebenslauf stehen haben! Eine Beziehung, die gescheitert ist… schwierig. Es muss alles funktionieren und nicht Weniges, was im Leben doch schief läuft, wird irgendwie noch als „Erfahrung“ integriert und so gerade gebogen. Hat jemand den Mut, in einem Vorstellungsgespräch zu sagen: hier bin ich mal ein Jahr lang in die falsche Richtung gelaufen? In diesem Job bin ich gescheitert? Dennoch ist Scheitern ja an der Tagesordnung…
Und unter Christens? Wie gehen wir mit Versagen um? Bieten wir Alternativen? Oder wird ein nicht erhörtes Gebet gleich zu einem negativen Gottesbeweis? Muss man deswegen alles irgendwie fromm passend machen, was einfach nicht passt, weil man sonst schon die Zweifel an der Tür pochen hört? Wie schnell kommen wir mit frommen Antworten auf komplexe Probleme und verletzen damit Menschen… wie gerne träumen wir den Traum von einem siegreichen Christentum, das ein Scheitern nicht mehr kennt. Der Gedanke dahinter ist zutiefst menschlich, aber er ist auch zutiefst heidnisch. Denn hier wird Gott nur noch missbraucht, um die Kontrolle zu bekommen und auf der Gewinnerseite zu stehen. Es geht nicht mehr um Gott selbst und das um jeden Preis – sondern um den Sieg und die Vermeidung des Scheiterns… der Glaube wird zur Selbstoptimierung, natürlich zur Ehre Gottes!
Wenn Christen nur noch siegen würden – mann, was bekämen wir einen Zulauf! Da hätten wir die neue Volksdroge. Dummerweise ist uns Verfolgung verheißen, der Weg ist schmal und wir folgen einem Herrn, der mitten durch das Scheitern gegangen ist und es so geadelt hat. Scheitern erlaubt. Denn wenn ich mit Gott scheitere, dann kann mir das zu etwas richtig Gutem dienen. Nicht im Sinne einer Aufwärtsspirale (mir geht es immer besser und erfolgreicher und toller), das wäre Kulturprotestantismus des 19. Jahrhunderts. Nein: immer wieder neu werden wir scheitern, werden Teile von uns dabei zerbrechen, damit Christus stark werden kann. Ich aber muss abnehmen, damit Christus zunehmen kann. Wer so denkt und spricht (wie Johannes der Täufer), der denkt nicht mehr über das eigene Scheitern nach – sondern über Christus.
Dietrich Bonhoeffer, eine kurze Biographie von ihm (Brunnen-Verlag) heisst: Vollendung im Fragment. Bonhoeffer ist nach menschlichen Regeln gescheitert. Aber er hat wie kein anderer Theologe gerade durch das Scheitern Vollendung erfahren und ist prägend geworden. Paulus: vom erfolgreichen Rabbi zu einem gesteinigten, verfolgten, geschlagenen, verspotteten Missionar, der sich mit seinen Gemeinden herum schlug. Vollendung im Fragment.
Schau auf Jesus – er macht auch dein Fragment vollkommen. Lege die Gelüste nach Perfektion, nach Macht und Vollkommenheit ab, das sind seelische Kategorien, die einem echten Wachstum in Christus entgegen stehen. Recke die leeren Hände zum Himmel, manchmal unter Tränen und konstatiere deine Hilflosigkeit in den wesentlichen Dingen. Lass dich füllen, mit dem was Christus dir schenkt – sich selbst. Und dann mach was draus. Diese Stärke, mit der darfst du wuchern. Aber hüte dich davor, wieder eigene Stärke einzusetzen. Dann säst du auf Fleisch und nicht auf Geist und das wird kein Bestand haben. Denke daran: Zerbruch macht dich stärker. Stärker werden wollen schwächt dich. Mut zur Vollendung im Fragment. Mut zu einer Gegenkultur des Scheiterndürfens.
Zwischenruf: Frontal21, Wort und Geist und die Zukunft der Freikirchen
Frontal21 hat also wieder zugeschlagen (nachdem Panorama erst vor kurzem dran war).
Journalismus der untersten Kategorie, bezahlt durch GEZ-Gebühren, der mit versteckten Kameras, Überrumpelungstaktiken und Methoden arbeitet, die man sonst eher im Bereich der Stasi verorten würde. Zum Beispiel dem Einschleusen vermeintlich bibeltreuer Teilnehmer als Spione. IM Frontal21 bzw. Panorama. Dazu geschickte Anmoderationen, die mal eben die Evangelikalen auf eine Höhe von Wort und Geist stellen. Freikirchen nähmen ja die Bibel wortwörtlich (Wie kann man nur! aber was heisst das? Welche Abstufungen gibt es hier? Unterschiede in der Hermeneutik? Herme…. was?). Aus jedem Wort der drei Berichte in den letzten Monate trieft die Ahnungslosigkeit über das evangelikale Spektrum. Ihr lieben Journalisten: ihr habt in den ersten beiden Programmen einen Bildungsauftrag. Der hat nichts mit BILD zu tun! Es wäre ein leichtes gewesen, sich sachliche Stellungnahmen zu holen, aber nö: es wird polemisiert. Die üblich unheilsschwangere Hintergrundstimme hinterlegt Beiträge, die nur eins im Sinn haben: zu diskreditieren, Stimmung zu machen. Tendenzjournalismus, wie man ihn nur aus Diktaturen oder dem untersten Boulevard kennt.
Klar ist: Wort und Geist ist mittlerweile ganz klar eine Sekte und produziert heftigste Irrlehren. Zahlreiche Männer und Frauen aus dem evangelikalen und charismatischen Spektrum haben das ganz klar benannt und davor gewarnt. Klar ist aber auch, dass immer noch evangelikale und charismatische Christen einen Schmusekurs mit solchen Bewegungen fahren und damit erweisen sie dem Ganzen einen Bärendienst!
Freikirchen bzw. Bewegungen haben nun eine zweifache Aufgabe: endlich politisch und medial aktiv zu werden und auf gute Weise den Mund aufzumachen. Lokalpolitiker anzusprechen und deutlich zu machen: wir tragen keine Bombengürtel und wollen dem Volk dienen. VEF, Evangelische Allianz, Kontakt zu den Bundestagsabgeordneten – das muss normaler werden, wenn man Vertrauen aufbauen will. Dazu: massiver Einspruch, mails, Leserbriefe an solche Sender wie ARD und ZDF, die solchen Journalismus dulden. Vielleicht ist irgendwann als Akt des sozialen Ungehorsams dran, die GEZ-Gebühren einzubehalten.
Ein zweites. Wir brauchen eine theologische Beschäftigung mit den Rändern des Evangelikalismus. Es müssen klare Aussagen der Abgrenzung getroffen werden, wenn Irrlehren im Raum stehen. Das gilt gegenüber Wort und Geist und ähnlichen Bewegungen genauso wie gegenüber extremen Brüdern, bei denen die Kinder, weil ungläubig, an einem anderen Tisch essen müssen, bei denen geprügelt wird (Frau und Kinder), bei denen den Töchtern verboten wird, zu studieren und Ärgeres mehr. Hier darf nicht aus einer falsch verstandenen Bruderliebe heraus der Deckmantel des Schweigens über alles gedeckt werden! Solche Bewegungen bewegen sich nicht in einer Grauzone des christlichen Glaubens, sondern sind ganz klar Sekte und auszugrenzen – hier muss Gemeindezucht zum Schutz des Leibes auch innerhalb des christlichen Spektrums ausgeübt werden! Dazu muss es quer durch alle evangelikalen und charismatischen Gemeinden und Freikirchen Gespräche geben,
- was Konsens ist, was unser Zentrum ist,
- mit welchen Abweichungen wir leben können,
- und wo endgültig Schicht im Schacht ist.
Diese Dinge müssen dann auch publik gemacht werden. So publik, dass Journalisten und die sonstige mediale Öffentlichkeit ganz klar Fakten vor sich haben, an denen sie nur unter noch gröberer Missachtung der journalistischen Ethik vorbei kommen.
Klar ist aber auch: die Luft wird dünner. Die Wahrheitsfrage steht bei allen Berichten unausgesprochen im Hintergrund und damit verbunden der Sündenfall in einer toleranten Gesellschaft: zu behaupten, es gäbe nur eine Wahrheit und die wäre Jesus Christus. Daran kommen wir nicht vorbei. Wie man die vermittelt – darüber sollte man reden. Daran fest halten – daran führt kein Weg vorbei. Es muss auch weiterhin möglich sein, das offen zu sagen und auch offen ethische Haltungen des christlichen Glaubens auszusprechen, auch wenn diese kontrovers sind. Wenn das nicht mehr möglich ist (siehe den Vorgang um Sarrazin) – dann Mahlzeit! Es wird spannend! Der Maulkorb wedelt am Horizont. Kriegen wir trotzdem auf evangeliumsgemäße Weise den Mund auf?
Gemeindezucht (furchtbares Wort): Wachsen wir nicht, weil wir Spaltung dulden?
Ich stolpere gerade über Titus 3, 10.11:
Wenn jemand unter euch Spaltungen auslöst, verwarne ihn ein erstes und dann noch ein zweites Mal. Danach gib dich mit dem Betreffenden nicht mehr ab (weise ihn aus der Gemeinde). Denn so ein Mensch hat sich von der Wahrheit abgewandt. Er sündigt und verurteilt sich damit selbst!
Spaltungen kommen durch alle möglichen Dinge zustande. Durch theologische Diskussionen ohne den nötigen Respekt vor dem anderen und ohne die Fähigkeit, Spannungen stehen zu lassen, durch Gerede übereinander und vor allem gegeneinander. Durch Wertungen, mit denen Menschen belegt werden. Durch einen Geist der Bitterkeit und der Kritiksucht. Durch fehlende Achtung vor der Leitung. Durch mangelnde Hinterfragbarkeit der Leitung. Vor allem: durch das sich selbst in den Mittelpunkt stellen. Böse Zungen behaupten: Die Katholiken haben ihren Papst. In Freikirchen ist jeder sein eigener Papst… sicherlich übertrieben und eher die Ausnahme, aber es kommt vor.
Paulus macht deutlich: es geht nicht um Harmoniesoße in der Gemeinde und auch nicht um ein: alles ist erlaubt, solange wir zusammen bleiben. Der Leib Christi wird verletzt durch Menschen, die spalten und nicht dienen (höchstens sich selbst). Diese Menschen, sagt Paulus, müssen entfernt werden, sonst verderben sie den Leib. Man tut damit nichts Böses – sondern vollstreckt nur das Urteil, dass sie sich selbst gesprochen haben.
Starker Tobak, oder? Klar: auch das kann missbraucht werden. Wird auch. Auf der anderen Seite: wo nehmen wir denn auf gute und barmherzige Weise diese Weisung von Paulus ernst? Wie könnte das aussehen? Klar ist auch: wo wir Spaltungen dulden, lassen wir den eigenen Leib verletzen und werden somit selbst zu Tätern und verschulden uns. Paulus meint das ernst! Ein verletzter Leib ist hochgradig gefährdet und das Wachstum stockt… Wir verhindern Spaltung nicht, indem wir den Mantel der Harmonie über alles breiten. Die Spaltung hat längst statt gefunden und blockiert nun den Leib. Was tun? Folgen wir Paulus und wenn ja: wie?
Immer neu bewegend: Gott braucht unser Gebet!
Heute ERF-Fernsehgottesdienst. Spannend und sehr aufregend. Kameras, Scheinwerfer – aber unsere Gemeinde hat sich von Anfang bis Ende gut aufgelegt gezeigt und alle haben letztlich sehr gelassen einen wunderschönen Gottesdienst geschaffen – Dank sei Gott. Wer die Predigt sehen möchte und das drumherum selbstverständlich auch (lohnt sich! Anspiel! Musikstücke!), der kann dies im ERF nächsten Sonntag ab 11 Uhr machen oder sich eben aufnehmen. Zum Thema eine Hammerstelle:
Hes 22,28-31:28 Deine Propheten übertünchen alles, geben leere Visionen weiter und verkünden erfundene Botschaften. Sie sagen: Das sagt Gott, der Herr, obwohl der Herr gar nicht gesprochen hat. 29 Sogar das Volk im Land erpresst und raubt. Die Menschen unterdrücken den Armen und Schwachen und bedrängen den Ausländer mit Gewalt, obwohl das gegen jedes Recht verstößt. 30 Ich hielt Ausschau nach einem unter ihnen, der die Mauer schließt und vor mir für das Land in die Bresche springt, damit ich es nicht zerstöre, aber ich fand niemanden. 31 Deshalb werde ich meinen Groll über sie ausgießen und das Feuer meines Zorns wird sie vernichten. Ich werde sie so bestrafen, wie sie es für ihr Verhalten verdienen, spricht Gott, der Herr.
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