Er senkt sich sanft in dein Krippenherz… (Nachdenkliches zur Weihnacht)

Still in eine unscheinbaren Krippe. Kommt Gott. Gottes Wunder geschieht da, wo wir zweifeln und taumeln, wo es bei uns ärmlich wird und schlicht.

egg-351814_640Still kommt Gott in dein Leben. Oder will kommen – wenn du ihn bisher nur beiläufig wahrgenommen hast. Du glaubst, du musst ihm großen Hofstaat machen. Den roten Teppich ausrollen. Er käme nur, wenn du lobpreist, gehorsam bist, brav und nett. Das Gegenteil ist der Fall… öffne deine Hände, auch die Hände deines Herzens wie eine Krippe – zeig Gott das Stroh in deinem Herzen, ja, da ist kein Gold… das wird später gebracht.

Und Gott legt sich unendlich sanft und still in deine Leere. In dein dürres Land. Dein taubes und wundes Herz. Immer wenn du glaubst, du kannst ihm mehr als dein Krippenherz bieten, versuchst du ihn zu kontrollieren, in den Griff zu bekommen, vielleicht sogar zu manipulieren. Du meinst den Königsweg gefunden zu haben, hier und jetzt doch schon… Paradies zu bauen. Zu schaffen.

Doch das Paradies auf Erden, das findet sich da, wo wir unser Krippenherz öffnen und sich Gott sanft hinein senkt. Genau an dieser Stelle leuchtet es hell auf. Sperren wir das Licht ein, verlassen wir die Krippe, versuchen wir das Licht zu nähren mit etwas anderem als unserer Bedürftigkeit, verlieren wir es. Kann es sein, dass Gott uns deswegen immer wieder nicht nur in die Vollmacht, sondern auch gleichzeitig in die tiefe Bedürftigkeit hinein führt?

Öffne dein Krippenherz, halte dein Stroh dem Kommenden hin. Es reicht ihm. Es zu füllen.

Wer immer nur schöpft, der wird schnell erschöpft… (Entwurf Radioandacht WDR 2015)

Zu einer Einsiedlerin kamen eines Tages Wanderer. Die fragten sie: „Welchen Sinn siehst du in einem Leben der Stille?“ Sie war gerade mit dem Schöpfen von Wasser aus einer tiefen Zisterne beschäftigt. „Schaut in die Zisterne, was seht ihr?“, fragte sie. Die Besucher: „Wir sehen nichts.“ Nach einer Weile forderte sie wieder auf: „Schaut in die Zisterne, was seht ihr?“ Sie blickten hinunter und sagten: „Jetzt sehen wir uns selbst.“ Die Einsiedlerin sprach: „Als ich vorhin Wasser schöpfte, war das Wasser unruhig und ihr konntet nichts sehen. Jetzt ist das Wasser ruhig, und ihr erkennt euch selbst. Das ist die Erfahrung der Stille.“

Guten Morgen liebe Hörerin, lieber Hörer! Ich liebe diese Geschichte und gleichzeitig ärgert sie mich. Warum? Dazu gleich mehr. Doch zuerst zur Weisheit dieser bekannten Geschichte. Erkenntnis Nummer eins: Wer immer nur schöpft, ist bald erschöpft. Lassen Sie sich einmal mit hinein nehmen in ein Gedankenspiel. Wer immer nur schöpft, der blickt vor allem auf äußere, zweifelsohne wichtige Dinge. Auf den Eimer als Schöpfinstrument. Die Wasseroberfläche als Ziel.

bubbles-51675_640Schauen auf den Eimer bedeutet: Wie gut ist er? Hat er Risse? Hält der Tragegriff? Wird er nicht langsam zu alt? Zu schwer für meine Kraft? Vielleicht könnte ich mir auch einen größeren Eimer leisten, um noch mehr zu schöpfen! Aber reicht dafür dann noch die Kraft? Vielleicht kurzfristig schon – aber langfristig?. Fragen des Alltags. Tausche Eimer gegen die eigenen Gaben, Talente, Kräfte, auch gegen Gesundheit und wir sind mitten drin in einer ganz alltäglichen Frage. Und eben: alles andere als einer unwichtigen Frage.

Und das Blicken auf das Wasser? Auch wichtig! Sind da Verunreinigungen, die ich nicht mit schöpfen möchte, ist noch genug Wasser da? Riecht es eventuell unangenehm wegen Bakterien? Überlebensnotwendige Fragen. Für uns übertragen: Reicht das Geld? Bezahlt mich mein Arbeitgeber angemessen? Sind die Dinge, die ich tu gut für mich? Sollte ich anderes tun? Erschöpfen sich die Vorräte meines Lebens?

Das sind alles andere als unwichtige Fragen. Mich stört an dieser Geschichte, dass sie erst einmal vermeintlich suggeriert: Das ist nicht so wichtig, hör mit dem Schöpfen auf, wichtiger ist, sich selbst zu erkennen. Nein: Diese Fragen SIND wichtig. Erkenntnis Nummer zwei also: Wie ich schöpfe und was ich schöpfe sind wichtige Fragen, die sich zu bedenken lohnen. Aber eben nicht dabei stehen bleiben! Weil sonst Erkenntnis Nummer eins greift: Wer immer nur schöpft, ist bald erschöpft. Warum ist das so? Weil ich vieles von dem, was ich bedenken muss eigentlich nur dann wirklich gut und erschöpfend zu bedenken ist, wenn man sich selbst und sein Leben erkennt und wahrnimmt. Wenn ich immer nur schöpfe, verliere ich die Eigenwahrnehmung, den realistischen Blick auf mein Leben. Das Problem: Es fühlt sich so gut und effektiv an – aber es vernachlässigt eben den entscheidenden Faktor. Das Entscheidende ist eben nicht äußerlich – es geht um mein Herz, meine Seele. Alleinerziehende kennen das Problem nur allzu gut – jeden Tag funktionieren, kaum eine Pause und zuhause das kleine Kind oder gar Kinder in Mehrzahl. Kaum Raum zum Luftholen – Leerlaufen droht. Man schöpft und schöpft und wird leerer und leerer. Eine bittere Paradoxie. Erkenntnis Nummer 3: Wenn ich aufhöre zu schöpfen, kann ich ruhig werden und mich besser erkennen.

Mich stört an der Geschichte, dass sie da stehen bleibt. Denn machen wir uns nichts vor: Das ruhig ist alles andere als einfach mitten im Stress. Es ist gut und nötig – aber eben schwer! Und wenn ich mal ruhig werde, erkenne ich mich zwar selbst – aber was ist, wenn ich innerlich unruhig bleibe? Was ist, wenn ich auf dem Boden des Brunnens in mir haufenweise bedrohlichen Müll sehe? Das äußerlich ruhig werden hat seinen Wert – aber wenn ich innerlich unruhig bin, was nützt es? Hier kommt Gott ins Spiel. Erkenntnis Nummer 4: Ich kann mich furchtlos erkennen, weil ich erkannt bin. Gott sagt: Ich kenne dein Herz, ich schau hinein, es schockt mich nicht, ja es schockt mich nie! Hier ist der eigentliche Wert der Stille: Nicht dass ich mich erkenne, sondern dass ich mich Gott hinhalte, der mich durch und durch erkennt. Zum Beispiel im Gebet ihm erzählen, was läuft. Wo es drückt. Weh tut. Unruhig ist. Leer und ausgelaugt. Wie einem Freund oder einer Freundin in der Kneipe alles erzählen. Und feststellen, dass Erkenntnis Nummer 5 greift: Still werden kann ich da, wo ich mich angenommen und geborgen weiß beim Schöpfer des Universums. Dann sogar mitten im Trubel. Das tut einfach gut.

Sherlock oder: Die Kehrseite des scharfen Verstandes (Entwurf Radioandacht für WDR 2015)

sherlock-holmes-462957_640.jpgKennen Sie Sherlock? Bevor Sie jetzt vorschnell Richtung Schulbuchlektüre Englisch, 7. Klasse abschwenken – ich meine die aktuelle englische Serie vom BBC, die auch in Deutschland auf ARD ausgestrahlt wird? Da wird die alte Geschichte von Sherlock Holmes und Doktor Watson kongenial in die heutige Zeit übersetzt. Mit einem irren Tempo und einer Unmenge von klugen Einfällen ist der moderne Sherlock ein hochintelligenter Blitzmerker, dem Watson kaum folgen kann. In Windeseile erfasst Sherlock komplexeste Zusammenhänge und bildet sich daraus ein Gesamtbild. Hochsensibel, alle Antennen auf maximale Leistung gestellt, mit wachen Augen und einem messerscharfen Verstand – so arbeitet Sherlock. Und der Zuschauer genießt das in vollen Zügen! Was aber in Sherlock gleichzeitig ganz deutlich wird, ist etwas Anderes und gleichzeitig Trauriges. Sherlock ist Soziopath. Er kann kaum Beziehungen aufnehmen. Er sieht Menschen als Objekte der Analyse, distanziert sie von sich, betrachtet sie durch die Brille des Verstandes. Da bleibt für Wärme und menschliche Unschärfe kaum Luft. Alles wird eingeordnet, katalogisiert. Klug, witzig – aber auch erschreckend kalt. Die Kehrseite der Verstandesschärfe.

Auf der anderen Seite Watson. Er versucht Schritt zu halten mit Sherlock und verzweifelt daran schier. Aber – so fasziniert er von seinem genialen Chef ist, Watson verliebt sich. Leidet. Versagt. Heiratet. All das. Eben das pralle Leben. Sherlock macht sich darüber oft witzig – aber ab und an spürt man ihm auch seine Einsamkeit und ein wenig Neid ab. Echte Beziehungen mit Auf und Ab. Das Risiko, wenn man Kontrolle abgibt und lebt und liebt. Wenn der Verstand nicht alles regiert, sondern das Herz sich dazu gesellen darf. Ein herrlicher Witz – ich hoffe Sie kennen ihn noch nicht – beschreibt diese beiden Typen Sherlock und Watson:

Sherlock Holmes und Dr. Watson gehen auf Campingtour. Nach einer guten Mahlzeit und einer Flasche Wein machen sie sich fertig für die Nacht und gehen Schlafen. Einige Stunden später wacht Holmes plötzlich auf and schüttelt Watson aus dem Schlaf. “Watson, schauen Sie mal hoch und sagen Sie mir, was Sie sehen”. Watson antwortet: “Ich sehe Millionen von Sternen, Mr. Holmes”. “Was sagt Ihnen das, Watson?”Watson denkt eine Minute lang nach. Astronomisch, sagt es mir, dass es Millionen von Galaxien und Milliarden von Planeten gibt. Astrologisch beobachte ich, dass Saturn im Löwen steht. Hinsichtlich der Zeitrechnung schließe ich, dass es Viertel nach drei nacht ist. Theologisch kann ich sehen, dass Gott allmächtig ist und wir klein und unbedeutend sind. Meteorologisch schätze ich, dass wir morgen einen schönen Tag haben werden. Und: Was sagt es IHNEN, Mr. Holmes?“ Holmes schwieg eine Minute und meinte dann: “Watson, Sie Idiot! Jemand hat unser Zelt geklaut!“

Da wollte Watson mal richtig klug sein und scharf denken – und wird doch wieder überrumpelt. Er sieht das Naheliegende, Einfache nicht, weil er versucht das Prinzip, das Komplexe dahinter zu sehen. Sherlock hat ihn aufs Glatteis geführt. Die Bibel sagt: Vertraue auf den HERRN mit deinem ganzen Herzen und stütze dich nicht auf deinen Verstand! Auf all deinen Wegen erkenne nur ihn, dann ebnet er selbst deine Pfade! (Spr 3,5-6, ELB). Der Verstand ist ein guter Diener, aber ein schlechter Herr. Genauso wie die Gefühle. Der Verstand als Maßstab verhindert etwas anderes – wie bei Sherlock: Das Vertrauen. Die Beziehungsebene. Auch zu Gott. Ihn gilt es aber zu erkennen und dieses erkennen ist im Hebräischen eine sehr sinnliche Vokabel. Sie wird sogar für die Intimität zwischen Liebenden verwendet. Gott sehnt sich nach Beziehung. Glaube gibt den Verstand nicht an der Pforte ab – aber gründet sich auch nicht auf ihn. Glaube ist und bleibt Wagnis aller Sinne.

Finja, hier! Komm her! – Von unzuverlässiger Kommunikation und Gottes Klarheit. (Entwurf Radioandacht WDR 2015)

„Finja, hier! Finja, kommst du?! Finja, mitkommen! Finja, wirst du wohl bei Fuß kommen!? Kommst du wohl her? Mistvieh!“

Nein – so haben wir es nicht gemacht bei unserem jungen Hund. Finja bereichert unsere Familie seit Frühsommer des letzten Jahres und eins haben wir ganz schnell gelernt: Sie ist durchaus intelligent! Hunde können ja im optimalen Fall mehrere hundert Wörter unterscheiden. Manchmal denke ich, dass Hunde damit so manchem Menschen durchaus voraus sind! Scherz beiseite – ich finde das eine beachtliche Leistung! Schnell wird ein Wort im Hundehirn verknüpft mit einer konkreten Tat und das Ganze geht umso leichter, je spielerischer dies erlernt wird. Gut – zugegeben, ein paar Leckerchen beschleunigen den Lernprozess erheblich! Beim Menschen ja auch. Aber es bleibt dabei: Hunde unterscheiden Wörter und wissen, was dann zu tun oder wie zu reagieren ist.

FinjaEins geht jedoch gar nicht: Wenn Herrchen oder Frauchen ein und dieselbe Handlung mit verschiedenen Worten verknüpfen! Erwünschte Tat: Hund soll herkommen! Soweit so gut. Die Aufforderung dagegen schwankt: HIER! Kommst du! Mitkommen! Wirst du wohl! Die Ansprache wandelt sich währenddessen von Finja zu Mistvieh! Sehr verwirrend für einen Vierbeiner und so manches Mal, wenn ich das bei anderen Hunden miterlebe, meine ich eine große Sprechblase über dem Hundekopf wahrnehmen zu können mit einem ebenso großen Fragezeichen drin.

Die Regel beim Hund lautet also: Eine Tag – ein Wort (oder Satz) – eine Ansprache. Hilfreich das zu wissen. Mir ist dabei irgendwann aufgefallen, dass es bei Menschen eigentlich nicht anders ist. Oder besser gesagt: dass es Menschen auch gut tut, wenn sie so leben können in den wichtigen Zusammenhängen des Lebens. Stellen Sie sich einmal vor, mit einem Menschen auskommen zu müssen, der extrem sprunghaft ist! Der zu seinem Wort nicht steht – wie wir ja schon so treffend sagen – sondern Wort- und Sinnverwirrung betreibt. Nie weiß man, wie er oder sie in einer konkreten Situation handelt. Ich bin um 15 Uhr da. Mal ist die Person das – mal kommt sie eine halbe Stunde zu spät. Das ist noch ein harmloses, wenn auch nerviges Beispiel. Aber was ist, wenn ein Mensch zu mir sagt: Ich bin dein Freund, deine Freundin und dann gilt das mal und ein anderes Mal werde ich fallen gelassen oder verleugnet. Da wird aus dem Ja ein vielleicht oder gar ein nein. Nein, den kenne ich nicht. In engen Beziehungen kann ein sprunghaftes und wenig zuverlässiges Verhalten zu beträchtlichen Schieflagen führen und tiefe Wunden reißen.

Jesus hat das am eigene Leibe erlebt. „Ich stehe immer zu dir, da kann kommen was mag!“ – so sagt es Petrus. Nur kurze Zeit später: „Den kenne ich nicht“. Jesus schaut Petrus wortlos voller Schmerz an. Der Hebräerbrief wird später nicht umsonst sagen, dass Jesus in allem mit uns mitleiden kann. Er weiß, was verleugnet werden und Unzuverlässigkeit bedeutet, wie sehr uns schwankender Beziehungsboden verunsichert. Und dieser Jesus selbst schreibt uns ja ins Stammbuch, dass wir Ja und Nein reden und klar und eindeutig sein sollen. Kein Rumgeeiere. Das verlangt allerdings auch Mut und gesunde Grenzen. Die Unklarheit, das Schwanken hat ja meist seinen Grund, entspringt in seiner verletzenden Wucht oft einer selbst erlebten Unsicherheit, einer erlittenen Verletzung…

Hier kommt Gott heilsam ins Spiel. Er steht zu seinem Wort. Sein ultimatives Wort an die Menschheit ist eine Person. Jesus Christus. Von dem heißt es: Wer ihn sieht, sieht den Vater. Wenn dir also jemand etwas von Gott oder in Gottes Namen verkaufen will, dass Jesus Wesen und Leben widerspricht, so ist es nicht Gott. Kurz gesagt: Gott ist wie Jesus. Wie wohltuend. Ein für allemal. Gott ist verlässlich.

Wenn sich Bitterkeit gegen Gott breit macht…

„Denn ich weiß genau, welche Pläne ich für euch gefasst habe“, spricht der Herr. „Mein Plan ist, euch Heil zu geben und kein Leid. Ich gebe euch Zukunft und Hoffnung.“ (Jeremia 29,11; NL)

Gefangen. Ein Mann sagt zu mir diese Woche in der Seelsorge: „Alles lastet zentnerschwer auf mir, schnürt mich ab, nimmt mir Luft zu atmen!“. Eingeengt. Gitterstäbe des Lebens. Das können innere Sätze sein, die uns seit Kindheit einengen und die nicht Gottes Wahrheit für ein aufblühendes Leben entsprechen. Das können Abhängigkeiten sein, die uns immer wieder in alte, ausgefurchte Lebenswege rutschen lassen, in denen wir dann wieder ein paar Meter wie ein alter Trecker herum rumpeln, anstatt voran zu kommen. Nicht umsonst ist Freiheit ein großes Ideal in unserer Gesellschaft, eine tiefe Sehnsucht. Aber wie finden wir sie? Wir finden sie in der tiefen Abhängigkeit von Gott. Doch was, wenn…

chain-257490_640… wenn wir den Glauben daran verloren haben, dass dieser Gott uns befreien möchte und uns zutiefst Gutes tun will? Wie schnell häuft sich dann in mir Bitterkeit an gegenüber Gott. Den Israeliten in der babylonischen Gefangenschaft ging das sicher nicht anders! Ihnen sendet Gott dieses Wort. Wenn das nun für das Volk des ersten Bundes galt, wie viel mehr für uns, die wir Jesus Christus sogar in uns tragen durch den Heiligen Geist? Wie fatal, wenn wir gegen etwas, das unser Zentrum bildet, bitter werden und „zumachen“!

Bitterkeit gegenüber Gott darf geäußert werden. Raus damit im Gebet! Und dann wieder die laute Aussprache der ewigen Wahrheit, wenn es sein muss täglich, stündlich: „Gott ist gut! Er will mir kein Leid geben, sondern Fülle! Er gibt mir Zukunft! Er gibt mir Hoffnung!“ Ich muss mir das immer wieder sagen.

Überraschung! Das Heiligtum bist: DU. Bete dort an!

So schaue ich im Heiligtum nach dir, um deine Macht und deine Herrlichkeit zu sehen. (Psalm 63,3; ELB)

Pilgerorte. Als ich junger Erwachsener war, war Taizé der Ort der geistlichen Sehnsucht und für viele ist diese überkonfessionelle Kommunität heute noch ein Sehnsuchtsort. Dort ist Gott für sie spürbar. Andere wiederum „pilgern“ zu bestimmten Konferenzen, auf denen eine bestimmte Atmosphäre herrscht, bekannte Redner ihr Bestes geben – Gott spürbar und erlebbar ist. Dieses Phänomen ist überhaupt nicht nur Ergebnis einer „event-Kultur“ und einer angeblich unbiblischen Erfahrungstheologie – die Sehnsucht nach und das Pilgern zu einem heiligen Ort ist so alt wie die Geschichte Gottes mit den Menschen.

church-199778_640Und so falsch ist das ja nicht! Es gibt heilige Orte, die da entstehen, wo ein Raum, eine Kirche mit Gebet und Gottesbegegnung gefüllt wird. Das spürt man. Hier herrscht ein anderer Frieden. Ich erinnere mich an unseren ersten Gebetsraum, den wir im Rahmen von 24/7-Gebet, einer weltweiten Gebetsbewegung, in unserer Gemeinde gestaltet hatten. Da betraten Männer nachts diesen Raum und konnten nicht anders, als die Tränen fließen zu lassen – so spürbar war die Gegenwart Gottes! Ja – Orte verändern sich, wenn sie mit geistlicher Praxis und Erfahrung gefüllt werden.

Aber das alles verliert seinen Sinn, wenn DER Pilgerort vergessen wird: das Heiligtum. Im Alten Testament konnte man sich dem Heiligtum nähern (es aber als Normalo nicht betreten). Seit dem Neuen Testament ist dieses Heiligtum: DU! Wahre Anbeter beten im Geist an – diesem inneren Raum, den wir von Gott geschenkt bekommen. So betont es Jesus (Joh 4,23). Wir finden IHN in uns. Wir sind der neue Tempel. Es ist alles vorbereitet!

Hör auf UM den Ertrag des Glaubens zu kämpfen – kämpfe VOM Ertrag her.

Denn Gott hat zu ihm gesagt: »Ich habe dich zum Vater vieler Völker gemacht.« Abraham hatte Gott vor Augen und glaubte ihm, der die Toten lebendig macht und das Nichtseiende ins Dasein ruft. (Römer 4,17; GN)

Ich stehe auf und beginne zu arbeiten, um etwas zu erreichen. Ein Ziel, das Ende eines Projektes, die nächste Lohnzahlung oder schlicht, dass die Kinder aus dem Haus sind und ich überlebt habe. Kurz: Wir investieren A wie Arbeit, um E wie Ertrag zu erreichen. Das bedeutet oft genug K wie Kampf. Denn nicht immer ist die Arbeit zielführend, manchmal frustrierend und andere äußere Faktoren stehen mir im Wege herum und ich erreiche das Ziel nicht oder verspätet. Ganz normal – so ist das Leben.

temptation-513494_640So ist auch der Glaube? Ich investiere A und K, um E zu erreichen? Kämpfe ich um den Ertrag meines Glaubens – oder kämpfe ich vom Ertrag her? Das ist ein entscheidender Unterschied, der mit den Zusagen Gottes zusammen hängt. ER liebt es, Fakten zu schaffen in seiner Gnade und uns hinein leben zu lassen. Ob wir das tun, bleibt weiterhin unser freier Wille. So sagt Gott zum lebenden Abraham: Ich HABE dich zum Vater vieler Völker gemacht. Da war dieser göttliche Fakt alles andere als sichtbar für Abraham! Gott liebt es, aus NICHTS alles zu machen und zu vollenden. Wie Eltern die Geschenke im ganzen Haus verstecken und die Kinder müssen sie lange und hochgespannt suchen – aber sie sind da und sie werden sie finden, wenn sie dran bleiben! So handelt Gott.

Der Sieg ist in Christus da. Er legt vor! Er hat bereits alles Wichtige vollbracht. Wir kämpfen nicht um den Ertrag – wir kämpfen vom Ertrag her, den Christus für uns erkämpft hat! Und keine Situation ist zu ausweglos und verfahren – denn genau da liebt Gott es, uns zu überraschen!

Verschnupfter Glaube! Einmal schnäuzen bitte!

Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es in Überfluss haben. (Johannes 10,10b)

allergy-18656_640Was für eine Nacht! Immer wieder bin ich aufgewacht und habe herum geröchelt – die Nase verstopft, keine Luft. Das hat etwas total Bedrängendes für mich, wenn ich nicht wie gewohnt durch die Nase atmen kann! Als Folge beginne ich mich oft auch im Kopf irgendwie „matschig“ zu fühlen. Kleine Ursache – große Wirkung. Endgültig durchgedreht wäre ich aber wohl – nur mal so angenommen – wenn ich als Folge des Nicht-mehr-richtig Atmen-Könnens behaupten würde, dass da draußen keine Luft mehr sei! Oder zumindest ein eklatanter Mangel an Luft. Ein ungewöhnlicher Gedanke, aber spielen wir ihn einmal durch! Wie geht das weiter?

Da ist also ein weltweiter Mangel an Luft! Das hat Konsequenzen. Weil das so ist, ist es wichtig, die Menschen zu warnen: Luft wird überschätzt! Sich wirklich lebendig fühlen, klar, frisch und frei – das ist nicht der Normalzustand in dieser Welt. Stufenweise wird also die Realität an die subjektive Wahrnehmung angepasst. Klingt das total versponnen? Genau das geschieht im Glauben allzu leicht.

Ich spüre Gott nicht? Der Heilige Geist ist für mich keine erfahrbare Realität? Also passe ich die Theologie an. Schraube die Verheißungen Jesu herunter. Damit wird meine subjektive Erfahrung des Glaubens zur Normalität und ist somit leichter auszuhalten. Die Spannung zwischen Soll und Haben wird aufgelöst. Dabei hat sich am Heiligen Geist, an den Zusagen nichts verändert – aber meine geistliche Nase ist verstopft und genau darauf weist Gott mich hin!

Wenn Gott distanziert scheint – vielleicht seit Jahren. Wenn du nicht weiter hinein wächst in die Zusagen Gottes – dann schraube nicht an der Theologie. Frage Gott nach Blockaden!

Glücklich die geistlich Armen – der paradoxe Weg zur Fülle!

Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel. (Matthäus 5,3; ELB)

Ich saß bei meinem Seelsorger und jammerte herum: “Ach, wenn mir diese Einsicht doch ins Herz rutschen würde! Sie ist eine reine Kopfsache!” Darauf meinte er: “Ja, wenn es denn ins Herz rutschen könnte – aber das ist voll!”

keys-452889_640Ertappt. Es gibt den Segen der geistlichen Armut, der paradoxerweise zum Erleben der geistlichen Fülle führt. Aber sowie man diese Fülle wieder selbst für sich in Anspruch nimmt, daraus ein Programm macht, eine eigene Leistung, verschwindet dieses ungewöhnliche Prinzip. Wenn ich geistlich arm bin, öffne ich aber meine Hände, bin zutiefst bedürftig. Erwarte nichts von mir, sondern alles von Jesus. Diese innere Haltung ändert nichts an meiner wunderbaren neuen Identität als Königskind und Erbe. Es geht bei Matthäus 5,3 nicht um das Heil und ums Sein – sondern um das Leben und mitherrschen im Königreich Gottes! Zu viele Christen beginnen in der Gnade – und laufen dann aus eigener Kraft weiter.

Aber auch der Weg in den Fußstapfen Jesu ist reine Gnade. Woher kommt die Kraft? Von Gott. Wie entsteht mein Gehorsam? Nur wenn ich aus dem Gehorsam Christi heraus lebe, der alles vollbracht hat. Wo kommt echte, tiefe Freude im Leid her? Aus Christus, der durch den Heiligen Geist in meinem Geist wohnt. Es bleibt: Gnade. Meine Aufgabe ist: Loslassen und mich immer neu in diese Ruhe bei Gott (Hebräer 4,1-11) hinein begeben und Kraft, Gnade, Freude und vieles mehr zu empfangen. Meine Aufgabe ist: Die eigene Bedürftigkeit anerkennen, alles von Jesus erwarten und dann aus dieser empfangenen Vollmacht kraftvoll leben. Paradox? Gewiss. Aber wo kämen wir dahin, wenn Gottes Weg in unser Hirn passte? Nirgendwo. Auf diesem neuen Weg aber wartet Glückseligkeit.

What would jesus do? Falsche Frage – besser: What Jesus has done?

Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jedem geistlichen Segen in den himmlischen Regionen in Christus (Epheser 1,3; S2000)

billboard-63978_640Vor etwa 15 Jahren tauchten sie zuerst auf – und es gibt sie bis heute: WWJD-Armbänder. What would Jesus do – eine einflussreiche Aktion war das. Was würde Jesus tun – das sollte man sich fragen in allen möglichen und unmöglichen Situationen des Lebens! Stress mit einem Kollegen – was würde Jesus tun? Depression – was würde Jesus tun? Keine schlechte Frage, aber… sie hat es in sich. Zuerst: Kann man das so genau herausfinden, was Jesus tun würde? Die Bibel bietet auf viele Fragen unserer Zeit eben keine direkte Antwort, ist kein Rezeptbuch. Deswegen betont ja bereits Jesus, dass der Heilige Geist uns (mithilfe der Bibel) in die Wahrheit hinein führt.

Abgesehen davon: Was geschieht, wenn ich die Frage falsch beantworte und dann das Falsche tu? Schlimm? Egal? Da schleicht sich schnell Leistungsdenken durch die Hintertür hinein. Und dann glaube ich: Die Frage WWJD wird erst dann gelassen stellbar, wenn man sich vorher WJHD beantwortet hat. What Jesus has done? Was hat Jesus getan? Nämlich eine ganze Menge! Wir leben aus dem Vollen, aus Verheißungen, Zusagen. Zum Beispiel, dass wir bereits allen geistlichen Segen empfangen haben. Das öffnet ganz neue Horizonte! Nicht mehr: Was muss ich machen, sondern: Was muss ich lassen, damit Blockaden für diese Zusage ihre Macht verlieren?

Ich glaube: Wer im Glauben ergriffen hat, was Jesus in Kreuz und Auferstehung bereits für uns geschaffen hat – wer im Bewusstsein des Heiligen Geistes lebt – der wird immer mehr und fast wie selbstverständlich in die richtige Tat hinein geführt werden. Ohne jeden Krampf.