Rasenmäherweisheiten gegen das Ausbrennen! (Entwurf Radioandacht WDR)

rush-361452_640Guten Morgen liebe Hörerinnen und Hörer! Auch wenn heute Sonntag ist und somit Ruhe gesetzlich verordnet ist, reden wir mal übers Rasenmähen! Ich erzähle Ihnen mal ganz persönlich, wie einer dieser ganz modernen und von Natur aus eher weniger intelligenten Mähroboter mich etwas sehr Wichtiges gelehrt hat. Klingt seltsam? Ist es auch. Doch der Reihe nach.

Dieses Rasenmähen ist mir in den letzten Jahren richtig verleidet worden. Unser Rasen ist in einem Neubaugebiet und gleicht eher einen Wildblumenwiese, besser Wildunkrautwiese inklusive Disteln, Löwenzahn und diversen wuchernden Bodendeckern. Da macht Rasenmähen keinen Spaß. Zumal eine Katze aus dem Viertel unseren Garten zum Katzenklo erkoren hat und ich dadurch gerne mal über stinkenden Tretminen fahre und diese mit zerschreddere. Bah! Keine wahre Freude. Wie kann man sich diese Arbeit erleichtern?

Da gibt es seit einiger Zeit: Mähroboter. Diese fahren selbstständig andauernd über den Rasen und mähen ihn ganz automatisch. Haben Sie so einen schon mal bei der Arbeit gesehen? Ich letztens schon und das sieht erst mal ziemlich albern aus. Denn diese Mähroboter fahren nach dem Zufallsprinzip einfach dauernd kreuz und quer über den Rasen und mähen. Wie von Geisterhand geführt. Ganz ernst nehmen kann man sie dann doch nicht, aber mich hat das dann doch fasziniert! Woher wissen die, wie sie fahren müssen bzw. wie weit sie fahren sie müssen? Warum rumpeln die nicht dauernd in irgendwelche Beete? Also mal kundig machen!

Bevor das Maschinchen sich in Bewegung setzen kann, muss man eine sogenannte Induktionsschleife verlegen, die den äußeren Rand des zu mähenden Gebietes markiert. Das ist ein dünner Draht, durch den ein schwacher Strom fließt. Der Mähroboter merkt dann: Hier ist eine Grenze, nicht weiter fahren, sondern umdrehen. Und das macht er dann auch. Innerhalb dieser gegebenen Grenzen ist dem Ding eine große Freiheit gegeben! Nicht übel das System. Aber wie kriegt es Energie? Nun – es fährt tapfer kreuz und quer über den Rasen und macht seinen Job, ziemlich chaotisch und dennoch auf Dauer eben überall. Sowie der Akku leer ist, passiert etwas Nettes. Der Mähroboter zockelt zurück zu seiner Ladestation und lädt sich auf und sowie er wieder Kraft hat, geht der Spaß von Neuem los. Das ist das ganze Geheimnis. Dadurch dass der Mähroboter dauernd arbeitet, ist die Arbeit von dem Kleinen gut zu leisten. Halt dauernd einen halben Zentimeter mähen statt einmal die Woche 4 Zentimeter.

Da stand ich nun im Nachbargarten und schaute mir dieses Ding an. Gut – das Geld reicht dafür nicht, aber das Prinzip war genial und geradezu vorbildlich. Gerade für gestresste Menschen. (1) Lieber gleichmäßig arbeiten und dafür leicht, als Arbeit anhäufen lassen und dann ab und an einen Riesenberg beseitigen. (2) Unser Leben braucht gesunde Grenzen, die uns sagen, wo wir drohen in ein Beet fahren und nicht weiter kommen. Gott markiert gesunde Grenzen aus Liebe zu uns. Ein freier Tag pro Woche, Muße zwischendurch, Gemeinschaft von Christen, die aufbaut, Ernährung, die frei ist von ungesunden Abhängigkeiten und vieles mehr. Gottes Grenzen wollen uns nicht knechten, sondern unser Leben aufbauen. (3) Die Ladestation. Und da bin ich nachdenklich geworden. Pause ist ja gut, aber lade ich auf? Das kann Schlaf und gute Nahrung sein, Menschen, die mir wohl tun – aber meine Seele braucht Gott. Ansonsten entsteht ein Vakuum, das sich gerne falsch füllt. Wenn mein Glaube keine Kraft schenkt, tröstet, aufbaut, ermutigt – dann wird es Zeit, diesem Aspekt Aufmerksamkeit zu schenken.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag, eine offene Ladestation und wohltuende Grenzen. Ihr Pastor Christof Lenzen aus Eschweiler.

Fürbitte – eine Reformation vom Herzen Jesu her

girl-15599_640Zwanzig Jahre meines Unterwegsseins mit Jesus habe ich mit dem Gebet nach außen gekämpft. Egal ob es um das persönliche Gebet ging oder um die Gebetsgemeinschaft – das fürbittende Gebet erschien mir reizlos, langweilig, anstrengend, bemüht. Eine Einbahnstraße. Bestenfalls eine Pflichterfüllung. Gut – hier und da gab es Gebetserhörungen, die je nach Wesensart (eher strukturiert, systematisch) noch in einem Notizbüchlein notiert wurden, quasi wie eine Wildtrophäe nach vollbrachter Jagd und gelungenem Fangschuss. Mich hat das immer abgeschreckt…

Doch ich bin nicht der Maßstab. Mein Empfinden ist bestimmt auch subjektiv und biographisch. Doch etwas von diesem Empfinden schien sich in diesen zwanzig Jahren auch in der christlichen Allgemeinheit langsam durchzusetzen. Gebetsabende, Allianzgebetswochen wurden und werden weniger besucht, unter jungen Leuten finden kreative Gebetsformen wie 24/7-Gebet Anklang, die “klassische” Gebetsgemeinschaft, aber auch die Fürbitte im eigenen Gebet? Schwierig. Manche mögen behaupten, da gebe es keinen Gebetskampf mehr, das sei Anfechtung, mangelndes Pflichtbewusstsein. Aber das greift zu kurz. Natürlich ist die Leidensbereitschaft, an einer geistlichen Übung festzuhalten, im fragmentierten Medienzeitalter nicht mehr so leicht zu entdecken. Aber ist das nur schlecht? Wenn aus dem Gebetskampf nur -krampf wird?

Was ist Gebet zuerst? Beziehung. Beziehungspflege. Wenn nun mehr und mehr Menschen im Gebet diese Beziehung nicht mehr erleben und stattdessen das Empfinden haben, zweifelsohne wichtige Anliegen herunter zu beten – dann stellt das eine grundlegende Frage: Haben wir fürbittendes Gebet richtig verstanden? Ich denke, das fürbittende Gebet, das Gebet nach außen, braucht eine Reformation von innen her, vom Herzen Jesu her. Das Gebet nach innen und nach oben ist der Vorläufer des Gebets nach außen – nicht das Sahnehäubchen, nachdem man das Gebet nach außen eingeübt hat.

“Wiederum sage ich euch: Wenn zwei von euch auf der Erde übereinkommen, irgendeine Sache zu erbitten, so wird sie ihnen werden von meinem Vater, der in den Himmeln ist.” (Mt 18,19, ELB). Ein bekannter Vers der Verheißung auf gemeinschaftlichem Gebet. Doch was sagt dieser Vers genau? Dass wir um etwas bitten, über das wir uns einig geworden sind. Da treffen sich also ein paar Menschen – mindestens zwei – und fragen sich: Was wollen wir beten? Da gibt es keine fertigen Anliegen! Es gilt herauszufinden, was Gott in diesem geistlichen Kampf, der um diese Welt zwischen Himmel und Erde tobt, für ein Herzensanliegen hat. Also fragen wir ihn! Hören auf sein leises Reden in uns. Geben Eindrücke weiter. Werden still, rücken an sein Herz. Erkennen unser Herz – ja, auch das ist notwendig, damit wir nicht “Dein Reich komme” beten und eigentlich meinen: “Mein Reich komme”. Wer sein Herz nicht kennt und bei seiner Realität angekommen ist, projiziert unweigerlich.

Das gilt auch für das fürbittende Gebet in der persönlichen Stille. Dem Unser-Vater geht die Aufforderung voraus, in die innere stille Kammer zu gehen. Die ersten Bitten lauten dann auch: “Dein Reich komme, dein Wille geschehe – überall! Im Himmel und auf Erden!”. Was heißt denn das? Das vor den konkreten Bitten mitten aus dem Alltag ein Hören und still werden steht, um zu wissen, was Gottes Reich und sein Wille gerade jetzt und hier bedeuten! Aus diesem Ahnen heraus erwächst das fürbittende Gebet. So verstanden stimmen wir dann (nur?!) ein in das Herzensanliegen Gottes und werden erstaunlich, manchmal erschreckend konkret auf die persönliche und gemeinschaftliche Situation bezogen. Da wird Fürbitte zum Abenteuer, in das Beten des Geistes vom Herzen her einzustimmen.

Mit erscheint Fürbitte ohne dieses stille und nach innen und oben gewandte Grundrauschen wie das Bemühen eines Ehemannes, an einem Abend einfach mal alle Tipps aus dem “So verwöhnen Sie Ihre Ehefrau”-Ratgeber über der Holden auszukippen. Die darunter verständlicherweise mindestens erstaunt zusammenbricht, normalerweise irritiert bis verärgert reagiert. Warum? Weil es nicht um Allgemeinplätze geht. So konkret und weise diese auch sein mögen – sie entwickeln erst ihre Kraft, wenn sie passgenau zur Situation dieser Ehe passen. Was helfen Verwöhnwochenenden und Geschenke, wenn das Manko einer Ehe das verletzliche, offene Gespräch ist? Dann braucht es nur die Umsetzung dieses einen Ratschlages: Sich Zeit zu nehmen und ehrlich zu werden – und sei es ehrlich über die eigene Unfähigkeit, verletzlich und ehrlich zu werden.

Nicht anders ist es im fürbittenden Gebet – wenn wir nicht das Herz Gottes, unser Herz (oder das unserer Gruppe/Gemeinde/Kirche) und die Bedürfnisse unserer Gesellschaft kennen, können wir nicht konkret beten. Dann wird es langweilig. Bestenfalls. Solches Gebet immunisiert uns gegen das Abenteuer der Fürbitte. Ich gehe aber davon aus: Wenn Gott mich sieht, meine Gemeinde, in der ich lebe, mein Ort, in dem ich wohne – da brennt ihm das Herz an einigen Punkten. Dieses Brennen will ich erfragen, erahnen, erbitten zu erfahren. Darin möchte ich einstimmen. Und so mit dafür sorgen, dass aus dem Brennen des Herzens ein Stück himmlische Realität auf Erden wird. So ist Fürbitte, die aus der Anbetung und der Stille beim Herzen Jesu erwächst. Voller konkreter und verändernder Kraft. Aus Kontemplation und Anbetung erwächst das Wunder der kraftvollen Gebets. So wird die fast schon gewagte Verheißung Jesu konkret: Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch geschehen. (Joh 15,7, ELB).

 

Gott fotografiert mich! (Radioandacht für Radio Salü)

thunderstorm-63205_640Was für ein heftiges Gewitter! Blitz und Donner wechseln sich ab und der Regen prasselt mit Getöse auf das Vordach des kleinen Reihenhauses. Die Eltern denken an ihre kleine, vierjährige Tochter und machen sich Gedanken, ob diese vielleicht in Panik geraten könne. Der Vater schleicht sich rauf ins Kinderzimmer und öffnet die Tür einen kleinen Spalt und lugt hinein. Im Bett: Niemand! Da reißt er die Tür auf und sieht zu seinem Erstaunen ein denkbar gut gelauntes Mädchen vor dem offenen Fenster posieren wie ein Model. Draußen zucken die Blitze und der Donner kracht nur so. „Was bitte machst du da?“ fragt der Vater entsetzt. Und die Kleine erwidert strahlend: „Ich glaube, Gott versucht gerade ein Foto von mir zu machen! Mit Blitzlicht!“

Diese Geschichte, die Tony Campolo von einem Freund erzählt, hat mich tief bewegt. Wie selbstverständlich weiß dieses kleine Mädchen etwas von seinem unschätzbaren Wert! Dass sie in den Augen Gottes etwas ganz Besonderes ist. Im Alten Testament spricht Gott den Menschen zu, dass er sie bereits im Mutterleib gekannt und gewollt hat. Keiner ist ein Zufallsprodukt. Keiner darf aufgrund von Aussehen, Behinderung oder Geschlecht abgewertet werden. Denn jeder Mensch ist ein Einzelstück und von Gott gleich liebevoll angesehen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der Mensch ein Geschöpf ist, das in eine strauchelnde und seufzende Welt hineingeboren wird und sich Gott bewusst zuwenden muss, um Frieden mitten in diesem Chaos zu finden. Ja, wir werden verwundet, wir verwunden andere, wir werden von dieser Welt gebeugt, manchmal leider auch gebrochen. Vielleicht ist die Nase zu lang und das Ideal weit entfernt. Wir dürfen von Gott her in den Spiegel schauen und die Worte aus Psalm 139 nachbeten und uns ins Gesicht sprechen: „Herr, ich danke dir, dass ich so wunderbar gemacht bin.“. Was für eine befreiende Botschaft!

Dein Herz – und seine offenen Ohren (Meditation 1)

heart-200815_640Dein Herz ist zentral – aber gespalten

Wenn du dem Herzen Jesu begegnen willst, geschieht das über dein Herz. Die Bibel spricht von “Ohren des Herzens”, die wahrhaftig hören und nicht nur akustisch wahrnehmen. Dabei meint Herz ursprünglich im Hebräischen Wesenskern. Verstand, Wille, Gefühl. Die Ganzheit des Wesens im seelischen Bereich. In unserer Kultur ist das Herz in seiner Gefühlskomponente in Verruf geraten. “Ich denke also bin ich” – das ist der Glaubenssatz unserer Kultur seit Jahrhunderten. Dies hat einerseits zu einem Intellektualismus geführt, der den Verstand überbetont und überfordert. Auf der anderen Seite steht eine Überbetonung des Gefühls, die aber als Gegenbewegung nur bestätigt, dass es zu einer ungesunden Aufspaltung zwischen Verstand und Gefühl gekommen ist und wir uns nach Ganzheit sehnen. Das Herz als Zentrum des Erkennens und Heilens, als Ort der Begegnung mit Vater Gott, dieses Herz ist gespalten. Verstand und Gefühl gehen vollkommen verschiedene Wege des Erkennens und beide sind nötig – Hand in Hand – damit wir heilen und reifen. Der Verstand versteht – das Herz (ab hier im Sinne von Gefühl, Phantasie, Empfindung gebraucht) erkennt und erlebt. Erst diese Herzensebene verwurzelt unser Verständnis. Ein Glaube ohne Erfahrung ist tote Orthodoxie. Ein Erleben ohne Verständnis wird beliebig und angreifbar für Manipulationen der sichtbaren und unsichtbaren Welt.

Dein Herz ist manipulierbar geworden

Im Laufe der letzten Jahrhunderte ist gegenüber dem Herzen als Organ tiefster Empfindungen großes Misstrauen entstanden. Die gegenwärtige manchmal kopflose Gefühlsduselei scheint das zu bestätigen und vertieft somit die Trennung zwischen Kopf und Herz. Kann es sein, dass wir auch deswegen so anfällig für Manipulationen jedweder Art sind, weil wir unser Herz nicht mehr auf Gott ausgerichtet haben und die Ohren des Herzens ungeschult sind? Wenn sich die Ohren des Herzens nicht mehr auf Gottes Gegenwart und Reden einstellen können, sind sie geöffnet für alles was kommt. Wir sind wie ein Radioempfänger, der sich für alle Frequenzen gleichzeitig öffnet, anstatt eingestellt zu sein auf die Frequenz Gottes. So werden wir überflutet – anstatt gefüllt zu werden. Wir werden gestopft – anstatt genährt. Doch dieser Prozess ist nicht unumkehrbar. Gott selbst hat uns alle Hinweise gegeben, wie unser Herz wieder zum Vaterherz kommen kann. Er ist Fachmann aus schmerzhafter Erfahrung mit unserem gespaltenen Herzen. Oft genug hat sich das Herz seines Volkes abgewendet und anderen Verlockungen zugewendet. Immer wieder wurde der schnelle Herzenskick der Götzen der tiefen, erfüllenden, aber auch radikal authentischen Begegnung mit dem Herzen Gottes vorgezogen. Der Weg zurück zur Begegnung unseres Herzens mit dem Vaterherzen, das dort in Jesus am Kreuz zu finden ist, dieser Weg ist offen. Immer noch. Doch Vorsicht: Es ist ein Weg der offenen Rebellion gegen alle anderen Herzensfüller. Aber auch ein Weg gegen tief verankerte falsche Theologie…

Dein Herz ist gut

Denn die Kopfbetonung des Glaubens ist längst in unsere DNA übergegangen. Wir lesen die Bibel als Informationsquelle (und nicht mit Ohren des Herzens), wir wissen viel über Gott, aber es sind Worte. Nur selten gefüllt mit Erfahrungen. Diese sind dann Highlights, die wir reproduzieren wollen – und damit genau echtes gegenwärtiges Erleben Gottes verhindern. Dazu kommt, dass auch theologisch lange Misstrauen gegen das Herz gesät wurde. Es ist unergründlich (was unserem Kontrollbedürfnis zuwiderläuft). Es ist böse von Anfang an. Was musste sich das Herz alles anhören? Klar ist: Wir tragen in unserem Herzen ein altes, falsches Selbst. Dieses Selbst ist losgelöst von Gott, verwundet vom Leben, verkrümmt vor Schmerzen. Doch das Herz immer noch so zu betrachten – das bedeutete, das Kreuz zu leugnen. Denn Gott hat uns so sehr geliebt, dass er das steinerne Herz entnommen und ein neues Herz implantiert hat. Ein neues, richtiges Selbst ist entstanden. Und genau wie das falsche Selbst Gefühl und Verstand umfasst, so wird auch das neue Selbst diese beiden in göttlichen Dienst nehmen. Viel zu oft wird so getan, als sei Gefühl “fleischlich” und “alte Natur” – und der Verstand nicht! Das ist biblisch unkorrekt. Beides ist Teil des falschen wie des richtigen Selbst. Beides kann rebellisch gegen Gott sein oder heilsam in seinem Dienst stehen. Eins aber gilt seit Ostern. Dein Herz ist gut. So darfst du es betrachten. Trotz und gerade wegen aller Wunden und allen Versagens. Weil Gott es so betrachtet. Seine Gnade gilt nicht nur einmal – sondern für den ganzen Prozess der Verwandlung bis zum letzten Atemzug. Im Laufe dieser Verwandlung wird das alte Selbst mehr und mehr an Raum verlieren dem neuen Selbst Raum geben. Dieser Prozess aber ist letztlich nicht unsere Angelegenheit. Wir sind Reben. Nicht Weinbauern. Wir halten uns hin. Wir schnippeln nicht selbst an uns herum. Unsere Aufgabe ist: Die göttliche Sichtweise auf unser Herz, unser Denken, Fühlen, Wollen zu übernehmen und einzuüben.

Herzensaussicht

Je mehr dein Herz als Einheit aus Verstand und Wille nun die Gegenwart des Herzens Gottes genießt (dies weiß, spürt, erlebt, davon bewegt wird), desto mehr wirst du hinein verwandelt in sein Bild. Diese Gegenwart ist längst da. Um dich herum. In dir. Es gilt, die Ohren des Herzens zu spitzen und offen zu werden. Dafür brauchst du dein Herz. Du kannst ihm vertrauen.

(Diese Texte werden als Grundlage Teil eines neuen Buches zum “Leben vom Herzen Jesu her”)

Radioandacht für den WDR(6): Gefährliche Stille!

balance-15712_640Diese Texte sind Grundlage der Radioandachten, die ab Montag, dem 17.2. auf WDR 3-5 ausgestrahlt werden für die evangelische Kirche…

Stille macht wahnsinnig. Guten Morgen liebe Hörerin, lieber Hörer! Vielleicht fragen Sie sich nun: Ja was denn jetzt? Sollte ich hier nicht positiv von der Stille reden? Werde ich auch. Aber ich muss zuerst vor den Gefahren der Stille warnen, denn diese gibt es nicht ohne Nebenwirkungen. Wer sich unvorbereitet auf Stille einlässt, wird vermutlich irgendwann frustriert aufgeben. Also: Stille praktisch!

An der Technischen Hochschule Aachen gibt es einen schalltoten Raum. 99,9% des Schalls werden dort geschluckt. Man denkt zuerst: Komm, lass uns himmlische Stille genießen! Von wegen. Kein Mensch hält es in diesem Raum länger als 45 Minuten aus! Wir ertragen diese extreme Stille nicht. Das Rauschen des Windes oder der Wellen, das Zwitschern der Vögel – das nennen wir Stille, aber das ist es eben streng genommen nicht. Wir können gar nicht absolut still werden, wir brauchen Hintergrundrauschen. Und genau hier scheiden sich die Geister. Denn es gibt Hintergrundrauschen, das uns krank macht, aber eben auch eins, das uns hilft, innerlich still zu werden. Permanente Berieselung mit Medien macht unruhig, hektisch, unkonzentriert. Es kann keine innere Stille entstehen. Dazu müssten wir die äußere relative Stille wagen. Die Stille des eigenen Zimmers, des Waldes, des Autos auf dem Parkplatz, das stille Örtchen (bitte ohne Duschradio!). Stille-Oasen. Die brauchen wir und die tun gut.

Nun begleite ich viele Menschen seelsorglich. Nicht wenige berichten mir, dass sie vor genau diesen Stille-Oasen flüchten. Weil es dann deutlich wird, wie laut es in ihnen ist. Also lieber ablenken und betäuben… Und ja: Wagen wir die äußere Stille, dann treffen wir auf den inneren Lärm. Und dieser innere Lärm kann ganz schön beängstigend sein! Was machen wir damit? Diese Angst vor dem inneren Lärm lässt uns ja vor der wünschenswerten Stille flüchten! Ich glaube, wir haben es hier mit einem epidemischen Phänomen zu tun! Eine sich ablenkende und betäubende Gesellschaft! Stille zu wagen wäre hier ein geradezu rebellischer Akt… Ich gebe Ihnen drei kleine Hinweise, wie innere Stille gelingen kann.

Geben (1) Sie das, was da in der Stille hoch kommt, im Gebet an Gott ab. Ärger, Zorn, Angst, Trauer… geben Sie es ungefiltert in Gottes Hände. Es ist ja eh in Ihnen und Gott sieht es und verurteilt es nicht. Wenn man so seine inneren Nöte und Impulse abgibt, kann schon ein ganzes Stück mehr Ruhe und Frieden hinein kommen.
Dann braucht es (2) Zeit. Unser Kopf ist wie eine große Flasche mit vielen aufgeregten Heuschrecken drin. Alles wuselt durcheinander. Wenn es äußerlich still wird, wird es auch dort stiller werden. Aber wir schalten nicht vom 5. in den 1. Gang – sondern stufenweise herunter. Wenn Sie hektisch bleiben bei den ersten Stilleversuchen: Einfach weiter versuchen. Fünf Minuten am Tag vielleicht. Klein anfangen. Sich Gott hinhalten. Was ganz oft in dieser Zeit hochkommt sind Gedanken wie: Was mache ich hier Nutzloses? Sollte ich nicht zumindest ein Vater-Unser beten, wenn ich schon was mit Gott mache? Das zeigt, wie sehr wir im Leistungsdenken gefangen sind. Wagen wir Stille als befreiendes Gegenmittel.
Aber dann gibt es auch (3) innere Impulse, die nicht weniger werden wollen, Bilder, die wehtun, alte Geschichten, die hochkommen. Ich mache Ihnen Mut, liebe Hörerin, lieber Hörer, sich dann einen guten Seelsorger oder therapeutischen Begleiter zu suchen. Manchmal suchen wir Lärm und Hektik, um vor vergangenem Schmerz zu fliehen.
Heilsame Stille also – äußerlich und innerlich. Ich konnte nur das Vorspeisenbuffet eröffnen – Appetit machen! Lassen Sie sich auf diese Entdeckungsreise mit Gott und sich selbst ein – es ist aufregend, anstrengend, aber es lohnt sich. Mitten im Alltag Stille wagen – das wünscht Ihnen Ihr Pastor Christof Lenzen aus Eschweiler.

Radioandacht für den WDR(5): Die Revolution: Bete an die Macht der Liebe!

love-229977_640Diese Texte sind Grundlage der Radioandachten, die ab Montag, dem 17.2. auf WDR 3-5 ausgestrahlt werden für die evangelische Kirche…

Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer. “Ich bete an die Macht der Liebe.” Das könnte der Titel eines deutschen Songs oder Schlagers sein. Aber wer von Ihnen ab und an in der Kirche gewesen ist in seinem Leben, weiß vielleicht: Diese erste Liedzeile geht weiter und stammt von Gerhard Tersteegen. Der war ein evangelisch-pietistischer Mystiker vom Niederrhein. 1750 hat er diese Zeilen gedichtet: “Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesus offenbart.” Offenbart meint: die sich gezeigt hat, die aufgedeckt wurde. Dieses Liebeslied singt also nicht von dem romantischen Gefühl zwischen zwei Menschen, sondern – hier geht es um eine ganz bestimmte Liebe, eine ganz besondere, die sich in Jesus den Menschen gezeigt hat und offenbar eine große Macht besitzt. Bevor Sie nun denken: „Das wird eine Predigt über den lieben Herrn Jesus“, setze ich einen zweiten Satz daneben: Wer Gott anbetet, der beugt sich keiner anderen Macht mehr! Der ist frei! Auch unter Druck von Systemen, Menschen und Meinungen. Wie denn das? Und was hat Jesus damit zu tun?

Etwas oder jemanden anbeten heißt “sich vor etwas beugen”. Alle Menschen – und seien sie noch so atheistisch – beugen sich vor etwas. Dienen einer Aufgabe, z.B. der Karriere, der Familie, einem Ideal, dem Verdienst, den Hobbys, der Anerkennung oder einfach nur: sich selbst. Das ist auch ganz normal. Wir leben ja nicht im luftleeren Raum, sondern haben die Sehnsucht, FÜR etwas zu leben. Wem wir nun dienen, vor was wir uns beugen, das wiederum ist ganz entscheidend für unser alltägliches Leben. Ich erlebe in mir zum Beispiel die Tendenz, mich vor meinem Smartphone zu beugen. Es hat durchaus Suchtcharakter, dem ich entgegen steuern muss und das auch tue. Wenn ich mich draußen auf der Straße über den kleinen Bildschirm beuge, um eine Nachricht zu schreiben und dabei weiter gehe, dann beuge ich mich ganz schnell unfreiwillig – dem nächsten Laternenpfahl! Gar nicht gut und sehr schmerzhaft…

So augenzwinkernd dieses Beispiel beschrieben ist – es lässt sich übertragen auf andere Lebensfelder, in denen wir anbeten und uns beugen. Nehmen wir das leidige Thema Geld! Wer darum kreist, wie er durchkommt und sein Eigentum optimieren kann – der beugt sich auch ganz schnell vor Wirtschaftskrisen, vor der Erpressung dubioser Kreditunternehmen und dem “was man so haben muss”. Wer dem Geld dient, hat einen schlechten Dienstherrn und wird unfrei.
Ein anderes Beispiel: die liebe Familie. Familie ist etwas Großartiges und von Gott Gewolltes. Aber in der Familie aufzugehen, die Harmonie der Familie als Ziel zu sehen und nur noch der Familie zu dienen – das macht abhängig von einem ebenso schlechten Dienstherrn. Denn was geschieht, wenn Familienmitglieder andere Wege gehen, als ich sie mir vorgestellt habe? Wenn man sich trennen muss – kracht dann alles zusammen? Leicht ist das nie – aber wenn ich meinen Wert und mein Ziel ganz auf die Familie ausgerichtet habe, dann werde ich daran auch glücklich oder unglücklich. Ein Fähnchen im Wind der Familie.

Was beten Sie an? Die Bibel sagt deutlich: Gott anzubeten ist heilsam. Seine Liebe lässt die kalten Mächte, die uns einengen, hinweg schmelzen. Jesus Christus lebte als Sohn Gottes diese Liebe. Seine Liebe zeigt, wie Gott ist. Jesus sagte einmal: Folgt mir nach. Ich nenne euch nicht mehr Diener – sondern Freunde. Freunde Gottes beten Gott an und wissen sich von ihm geliebt. Sie werden nicht eingeengt, sondern befreit. Es lohnt sich, sein Leben einmal auf ungesunde Anbetungen zu untersuchen, sie loszulassen und stattdessen Gott selbst anzubeten. Etwas Größeres und Liebevolleres gibt es nicht. Und so kann dann alles andere, was kleiner ist als Gott – also alles – seine Macht verlieren. Stück für Stück. Dass Sie diese Liebe spüren, das wünscht Ihnen Pastor Christof Lenzen aus Eschweiler.

Radioandacht für WDR (4): Segnen befreit!

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Diese Texte sind Grundlage der Radioandachten, die ab Montag, dem 17.2. auf WDR 3-5 ausgestrahlt werden für die evangelische Kirche…

Boah, was ärgere ich mich! Da wache ich heute Morgen endlich mal entspannt auf und dann machen unsere Kinder Stress: Nicht anziehen. Zeitverzögerungstaktik. Und wie ich diesen Tag kenne, geht das so weiter. Ich ärgere mich gleich über den arroganten Schnösel hinter mir auf der Bundesstraße, der zu dicht auffährt und über den Kollegen, der wieder mal die Email nicht beantwortet hat.

Liebe Hörerin, lieber Hörer. Sich so richtig ärgern! Kennen Sie? Setzen Sie einfach Ihre ganz persönlichen Ärger-Auslöser ein. Sie kennen sie bestimmt selbst am allerbesten. Aber vor lauter Ärger habe ich es fast vergessen: Guten Morgen liebe Hörerin, lieber Hörer. Vor kurzem ist mir bei all der “sich Ärgerei” aufgefallen, dass unsere deutsche Sprache da ganz sensibel formuliert. Denn eigentlich: ärgere ICH MICH. Nicht mein Sohn, nicht der Autofahrer, der Kollege – ich ärgere mich selber! Beweis? Andere Menschen mit eher robuster Gemütsverfassung zucken bei den gleichen Auslösern bloß die Schultern. Meine Ärgerfaktoren scheinen also nicht automatisch bei JEDEM Ärger zu erzeugen – also habe ICH was damit zu tun.

Nun rate ich nicht, den Ärger herunter zu schlucken. Ärger ist ja auch eine wichtige Botschaft. Er kann durchaus berechtigt sein: weil eine Grenzverletzung stattgefunden hat und ich mich wehren sollte zum Beispiel! Manchmal ist es dran, den Ärger auf eine gute Weise auszudrücken. Mit dem „Wie“ lassen sich ganze Kommunikationsseminare füllen. Da gibt es gute Tipps, wie man das macht, ohne allzu viel Porzellan zu zerschlagen. Aber was kann ich noch damit machen? Denn manchmal bleibt ja trotzdem was zurück. Und mancher Ärgerfaktor lässt sich auch nicht einfach abstellen: Wenn der Kollege unzugänglich ist, das Kind schlicht in einer Entwicklungsphase und der Autofahrer hinter mir – den sehe ich hoffentlich nie wieder. Übrig bleibt in mir ein ungesundes Grummeln…

Die Bibel kennt ein Gegenmittel: Segnen. Das ist längst nicht nur die Segensformel am Ende eines Gottesdienstes. Jesus sagt: Wir sollen Feinde segnen. Das scheint also etwas sehr Wirksames zu sein! Aber was ist dieses Segnen? Im Segnen spreche ich gute Worte in das Leben eines Menschen hinein. Das kriegt der meist gar nicht mit – aber mein Herz bekommt es mit und kann ruhig werden. Weil es nicht mehr im Groll stecken bleiben muss. Diese guten Worte sind mehr als positives Denken und Reden mit christlichem Anstrich. Wer segnet, wünscht dem anderen wie in einem Gebet: Gott möge mit dir sein. Wer segnet, heißt damit nicht gut, was der andere gemacht hat. Der Drängler auf der Straße ist ein Drängler – basta! Aber indem ich segne, setze ich etwas Positives dagegen und vor allem: jemanden Positives. Gott selbst. Der wird sich kümmern, der soll diesem Menschen gut tun.

Ganz praktisch: Ich ärgere mich über einen Kollegen. Er kann nichts dafür, ich komme mit seiner Art nicht zurecht. Tag für Tag. Aber ich will mich selbst nicht ärgern. Nachdem ich aber mich selbst wahrgenommen habe, wo vielleicht auch meine Schlagseite ist, meine Einseitigkeit, kann ich ganz konkret beten: “Herr, segne diesen Menschen. Sei in seinem Leben gegenwärtig und tu ihm Gutes. Berühr ihn, leite ihn. Schau liebevoll auf ihn.” – und dann kann ich vielleicht noch ergänzen: “Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes lege ich Gottes Segen auf meinen Kollegen und löse mich von meinem Groll und Ärger.” Dieses “im Namen” bedeutet: In der Kraft Gottes – denn manchmal habe ich selbst die Kraft nicht. Es bedeutet: Weil Gott es gut findet und es mir gut tut. Versuchen Sie es einmal, wenn Sie sich selbst ärgern. Segnen Sie. Wer segnet, tut dem anderen gut – aber vor allem auch dem eigenen Herzen. Das wünscht Ihnen Pastor Christof Lenzen aus Eschweiler.

Radioandacht für WDR (3): Die Goldene Regel! Ganz anders…

shield-97547_640Diese Texte sind Grundlage der Radioandachten, die ab Montag, dem 17.2. auf WDR 3-5 ausgestrahlt werden für die evangelische Kirche…

“Was du nicht willst, was man dir tu, das füge keinem anderen zu!” Guten Morgen liebe Hörerin, lieber Hörer. Diesen Satz kenne ich seit meiner Kindheit zur Genüge. Er wird von Generation zu Generation als so genannte Goldene Regel weiter gegeben. Und klingt er nicht christlich? Biblisch? Sinnvoll? Die klare und vielleicht erstaunliche Antwort lautet: Eher nein! Denn der Satz „Was du nicht willst was man dir tu, das füge keinem andern zu!“ geht haarscharf aber entscheidend an der jüdisch-christlichen Goldenen Regel, wie sie in der Bibel steht vorbei!

Warum ist das so? “Was du nicht willst, was man dir tu, das füge keinem anderen zu!” – da beginnt man automatisch erst einmal zu überlegen: Was will ich auf keinen Fall erleben. Davon ausgehend versucht man dann diese Dinge möglichst auch im Umgang mit anderen Menschen zu unterlassen. Ich will nicht belogen werden – also belüge ich andere nicht. Ich will nicht finanziell betrogen werden, also darf ich es auch nicht tun. Theoretisch ein gutes Konzept. Sich ein Verbot auferlegen, um nicht selbst schlecht behandelt zu werden. Aber: Funktioniert das auch? Doch wohl nicht immer. Entweder versage ich selbst oder die anderen werden trotzdem an mir schuldig. Dieses eigene Wollen und doch nicht können beschreibt auch schon der Apostel Paulus, wenn er sagt: Das Gute, das ich tun will, das tue ich nicht. Das Böse, das ich nicht tun will, das tue ich.“ Unsere ganz praktische Verhaltensregel dreht sich nur um das Negative, um das, was ich vermeiden soll. Aus Angst, dass ich sonst auch so etwas erleben muss. Das hat auch das christliche Verständnis des sperrigen Begriffs Sünde tief geprägt. Sünde ist das, was man nicht darf und tun sollte. Problem: Dieses Verständnis ist krumm und schief, macht aus Gott einen Spielverderber… Angst, Versagen, Vermeiden, Negativität… Soll das christlich sein? Dass jetzt der eine oder die andere vielleicht ruft: “Ja genau! So kommt Christsein rüber!” – umso trauriger.

Denn die Goldene Regel der Bibel lautet ganz anders. “Was ihr von anderen wünscht zu erleben – das tut anderen genauso!“(Lukas 6,31). Im Alten wie im Neuen Testament wirbt Gott um den positiven Weg. Er bekämpft nicht das Falsche – er überwindet es durch das Gute und Richtige! Und plötzlich können auch wir im Alltag ganz anders denken und handeln lernen! Was kann ich einer Kollegin, einem Nachbarn, meiner Familie Gutes tun?! Die Frage darf also plötzlich ganz positiv lauten: Hey – wie überrasche ich jetzt meinen Nächsten? Was baut unsere Beziehung auf? Was tut dem anderen so richtig gut? Gott wird dabei zum Förderer des Guten, Richtigen, das Beziehungen aufbaut – horizontal zu Menschen und vertikal zu ihm selbst.

Dass viele so an dem falsch verstandenen Begriff von Sünde hängen und um sie kreisen – das verhindert aber genau dieses positive und aufbauende Denken und Handeln. Sünde ist laut Bibel eigentlich eine Beziehungsstörung und kein moralischer Zeigefinger, kein „Du darfst nicht“, das Angst produzieren soll. Sünde ist: Wenn meine Beziehung zu Gott und zum Nächsten gestört ist. Solche Beziehungsstörungen behindern und belasten unser Leben. Jesus selbst hat vorgelebt, wie anders Leben aussehen kann. Wie heile Beziehungen zu Gott und dann auch zum Nächsten gelingen. Er zeigt uns bis heute mit seinem Leben die Spur, der sich zu folgen lohnt. Kein Drehen ums Negative – sondern versöhnt mit Gott leben, positiv mit den Mitmenschen umgehen, Gutes denken und auch tun. Das gibt Energie und baut auf!

Liebe Hörerin, lieber Hörer: “Was ihr von anderen wünscht zu erleben – das tut anderen genauso!” Dass Sie den wohltuenden Charakter der Goldenen Regel erleben, das wünscht Ihnen Ihr Pastor Christof Lenzen aus Eschweiler.

Radioandacht für WDR(2): Schabbat schalom! Den Tag am Abend beginnen.

kahl-68145_640Diese Texte sind Grundlage der Radioandachten, die ab Montag, dem 17.2. auf WDR 3-5 ausgestrahlt werden für die evangelische Kirche…

Guten Morgen liebe Hörerin, lieber Hörer. Hat Ihr Tag gestern Abend gut begonnen? Ähem – gestern Abend? Sie stutzen jetzt zu Recht, egal ob Sie beim Frühstück sitzen oder im Auto zuhören – der Tag hat doch gerade jetzt erst angefangen! Mit Sonnenaufgang! Warum frage ich also: Hat Ihr Tag gestern Abend gut begonnen? Nun – es tut immer gut, einen Blick über den eigenen kulturellen Tellerrand zu werfen. Zum Beispiel zum Judentum. Denn im jüdischen Leben beginnt bis heute der Tag mit dem Vorabend! Das wird schon auf den ersten Seiten der Bibel – die Juden und Christen teilen – im Schöpfungsbericht deutlich. Da heißt es: Es wurde Abend, es wurde Morgen – der zweite Tag. Und auch der Sabbat, der heilige Tag der Juden beginnt nicht mit dem Samstagmorgen, sondern mit dem Freitagabend. Eingeläutet von einem ganz bewussten Ritual, dem Kiddusch und einem Festmahl. Den Tag ganz bewusst beginnen und aus dem Glauben heraus leben. Ein echtes Kontrastprogramm zu dem, wie vermutlich die Mehrheit in den westlichen Gesellschaften den Tag beginnt.

Meist ist es ja so: Da stolpere ich rein in den Tag. Raus aus dem Bett, reingeschlungen das Frühstück – wer hat schon mitten im Beruf stehend die Muße morgens durch den Wald zu joggen oder eine viertel Stunde zu meditieren? Das bleibt irgendwelchen strahlend aussehenden Helden aus Hochglanz-Zeitschriften vorbehalten. Ich bin froh, wenn ich ohne Verletzungen an den Schreibtisch und zum ersten Kaffee komme. Und eins verhindert die Muße am Morgen zu 100%! Kleine Kinder! Vergiss es! Ist der Tagesbeginn am Abend dann nicht eine geniale Idee?

Ich denke schon! Wie wäre es mit heilsamen kleinen Abendritualen, die den alten Tag abschließen und den neuen beginnen? Ein Gebet sprechen. Darin meine Sorgen abgeben, loslassen. So ist die Tafel bereits am Abend frisch gewischt für den neuen Tag! Sich am Abend vor dem Schlafengehen mit dem letzten Schluck Wein oder einem Tee hinsetzen und die Tafel des alten Tages reinigen und damit Platz für den neuen Tag und für Neues zu schaffen. Sich nicht von den alten Buchstaben fesseln lassen, sondern das Leben noch mal neu buchstabieren. Tag für Tag. Am Abend schon zu wissen: Morgen kann ich neu anfangen. Es könnte sein, dass ich dann besser schlafen kann. Wenn die Nacht nicht der Punkt hinter einem langen Tag ist, sondern der Doppelpunkt vor einem neuen Tag.

Den Tag am Vorabend mit Gott zu beginnen – das hat noch andere Vorteile! Der Tag bewegt sich dann durch die Dunkelheit zum Licht, durch die Nacht zum Tag. Im Gegensatz dazu beginnt unser klassisches Tageslauf-„Modell” hell und endet dunkel. Stattdessen: im Dunkeln beginnen und zum Licht fortschreiten. Noch so ein Hoffnungszeichen im jüdischen Denken vom Tag! Es wird licht! So war es mit Jesus auch: Durch den Tod in die Auferstehung, durch die Niederlage am Kreuz in den Sieg! Auferstanden von den Toten, den Machthabern den Triumph nehmen. Was für eine ganz andere Sicht des Tags und damit des Lebens! Wir reisen der Morgenröte entgegen – nicht der Nacht!
Denn die Nacht ist ja auch die Zeit des Loslassens. Der Tag die Zeit des Einnehmens, des Eroberns. Neues Wissen. Mich von neuen Erfahrungen beschenken lassen. Weiter Horizont. So soll es sein. Aber eins ist doch klar: Bevor ich einnehmen und empfangen kann – muss ich vorher losgelassen haben! Wir denken meist: Tagsüber trage ich Lasten und arbeite und abends darf ich diese Lasten wieder abwerfen. Dagegen beginnt im jüdischen Denken und Empfinden der Tag mit dem Loslassen, dem Ruhen dürfen. Probieren Sie es doch einmal aus: Den Tag mit Gott am Vorabend zu beginnen. Anschauen was war und sich frei machen für Neues, das kommen soll, im Schlaf alles loslassen und Kraft schöpfen. Es könnte den Blick auf das Leben verändern… das wünscht Ihnen Ihr Pastor Christof Lenzen aus Eschweiler.

Radioandacht für den WDR (1): Begriffe auf dem Prüfstand!

Diese Texte sind Grundlage der Radioandachten, die ab Montag, dem 17.2. auf WDR 3-5 ausgestrahlt werden für die evangelische Kirche…

clouds-79376_640“Dies ist keine Pfeife.”, schrieb der Maler René Magritte auf Französisch auf ein Bild. Zu sehen ist darauf eine naturgetreu gemalte Pfeife. Und darunter steht nun: „Dies ist keine Pfeife.“ Eine radikale Anfrage an unsere Begriffe, die ja doch erst einmal nur leere Worthülsen sind, die inhaltlich gefüllt werden müssen. Und so mancher füllt sie anders als sein Nächster und vielleicht sogar falsch!? Was dann Auswirkungen hat…

Liebe Hörerin, lieber Hörer, guten Morgen – und ja, doch: Dieses ist eine Andacht und keine Kunstbetrachtung. Worte zu hinterfragen – das ist allerdings wichtig. Stellen Sie sich vor, zentrale Begriffe des Glaubens würden falsch oder einseitig gefüllt und man baut darauf seinen persönlichen Glauben auf. Für mich gilt: Je länger ich im Glauben alltäglich unterwegs bin, desto mehr misstraue ich Worten. Ich frage immer schneller – auch mich selbst: Wie füllst du diese Worte? Was genau bedeuten sie inhaltlich? Nehmen wir zum Beispiel den Satz: “Ich gehe sonntags in die Kirchengemeinde und feiere Gottesdienst.” Das ist fein und dagegen ist gar nichts einzuwenden. Nur: Wie genau wird jemand diesen Satz verstehen? Landläufig wohl so: Ich gehe in ein Kirchengebäude und dort erlebe ich einen Gottesdienst mit Pfarrerin oder Pastor, der dann mit dem Segen endet. Wenn jemand den Satz: „Ich gehe sonntags in die Kirchengemeinde und feiere Gottesdienst.“ so für sich übersetzt bzw. versteht, dann klingt das richtig, ist aber haarscharf daneben. Exakter formuliert: Er macht Nebensachen zur Hauptsache.

Kirchengemeinde übersetzt er mit Kirchengebäude. Was ist aber, wenn das Gebäude Kirche zusammenbricht? Ist die Kirchengemeinde dann nicht mehr existent? Antwort: Aber hallo! Natürlich! Denn Kirche, das sind die gesammelten Jesusnachfolger und eben kein Gebäude. Jesus selbst würde sagen: Kirche – das ist ein Leib und ich bin der Kopf. Gebäude ist nett – aber Nebensache. Und dieses Gebäude ist auch kein Haus Gottes – so sehr Gebäude eine heilsame Atmosphäre ausstrahlen können. Gott wohnt in denen, die an ihn glauben. Unser Leib ist sein Tempel, heißt es in der Bibel. Das hat Konsequenzen, wenn man es zu Ende denkt.
Und dann der Pfarrer, Pastor bzw. deren weibliche Pendants. Wie gut, dass wir diese Männer und Frauen haben! Aber: Was ist, wenn der kirchliche „Würdenträger“ fehlt? Wenn er oder sie nicht dabei sein können? Weil zum Beispiel krank? Oder verhindert durch Unfall? Ist das dann kein Gottesdienst? Das wäre schade. Ich denke, ich habe das Neue Testament auf meiner Seite, wenn ich behaupte: Es geht auch ohne Pfarrer oder Pfarrerin. Spricht das Neue Testament doch klar vom allgemeinen Priestertum aller Glaubenden, Männer wie Frauen. Die können auch Bibeltexte verlesen, Beten, Singen, einander lehren und ermutigen, sich untereinander segnen.

Und dann das Wort Gottesdienst. Da haben wir meist sofort die Veranstaltung am Sonntagvormittag vor Augen. Doch da lese ich beim Apostel Paulus: „Gebt euer ganzes Leben als lebendiges Opfer. Das ist ein sinnvoller Gottesdienst.“ (Römer 12,1) Ok?! Gottesdienst ist also nicht nur Sonntag, sondern: alles? Mein ganzes Leben? Jawohl. Und das ist alles andere als langweilig und eintönig – genau das ist die frohe Botschaft. Denn das heißt: Gott interessiert sich für Ihren und meinen alltäglichen Klein- und Großkram. Und will diesen verwandeln. Sie dürfen und können erleben, wie Ihr ganzes Leben ein heiliger Ort wird! Gott ist ein Gott der kleinen Dinge. Genau jetzt. Ob es um die Noten der Kinder, den Streit von gestern Abend mit dem Partner oder meine Traurigkeit heute Morgen geht – Gott interessiert es. Ihm diese vermeintlichen Kleinigkeiten im Gebet zu erzählen – macht aus den kleinen Dingen einen Gottesdienst. Diese Erfahrung wünscht Ihnen Ihr Pastor Christof Lenzen aus Eschweiler.