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Die Spiritualität des Alltäglichen (1)

Nach einigen Stunden am Schreibtisch (verschnupft und daher kaffeelos) den Staubsauger geschnappt und Wohnzimmer gesaugt und gewischt, dann noch die Treppe und den Spiegel im Bad und dann wesentlich zufriedener und entspannter zurück an den Schreibtisch.

Frage mich nun: mhmm, warum erst da so entspannt? Und ich stelle mal wieder fest, dass die alltäglichsten Dinge geistliche Bedeutung haben. Als Perfektionist befriedigt mich Putzen immer wieder, weil ich mir so – tiefenpsychologische Deutung – ein Stückchen heile Welt, sprich: Paradies zurückerobern kann. Die Kehrseite der Medaille ist: Wut und Enttäuschung über die gefallene Welt. Nun versucht ja jeder Mensch, egal ob Christ oder nicht, sich sein Stückchen Paradies auf Erden zu schaffen. Biblisch betrachtet müssen wir sagen: geht nicht, is nich’! Aber zeigt die Sehnsucht danach nicht etwas davon, dass wir für eine andere Welt geschaffen sind als nur für die sichtbare und gegenwärtige?

Wenn dann Gelassenheit das Gegenteil ist von Perfektionsdrang, was heisst das praktisch? Kraftvoll für das (nach göttlichen Maßstäben eines Tages perfekte, aber immer noch stückwerkige) Reich Gottes arbeiten, ja, aber wohl wissend, das nur Gott das wirklich Vollkommene schafft, nicht ich oder du. Ein ehrlicher Blick ins eigene Herz und viel Barmherzigkeit mit dem Fehlerhaften und Verbogenen – denn Perfektionismus ist immer unbarmherzig. Und der gnadevolle Blick ins eigene Herz macht dann vielleicht den Blick weicher für die gefallene Welt – und die Wollmaus, die ich ärgerlicherweise doch vergessen hatte, wegzusaugen…

Was sagt dein Hausputzverhalten über dich aus?

Kategorien:geistliches Leben
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