Ein kleiner Test, ob du ein Hektiker bist:
1. Du fährst auf einer zweispurigen Straße auf eine Ampel zu, auf beiden Spuren steht ein Auto an der Ampel. Fängst du nun sofort an zu raten, wer von den beiden Autos schneller losfährt, wenn es grün wird?
2. Wenn du im Supermarkt auf die Kasse zugehst, checkst du dann sofort die Länge der Schlange multipliziert mit der Anzahl der Produkte im Einkaufswagen, um herauszufinden, wo es am wenigsten lange dauert?
3. Ganz schlimm wird es, wenn du dann in der Schlange steht und beobachtest, ob du denn recht gehabt hast und dich dann ärgerst, dass es dann doch wieder bei der eigenen Schlange langsamer geht bzw. der Tag gerettet ist, wenn die Berechnung gestimmt hat…
Autsch. Ertappt. Diese Fragen stellt John Ortberg mit einem Augenzwinkern in der siebten Einheit von „Abenteuer Alltag“ - einem Jüngerschaftskurs, den wir im Augenblick in der Gemeinde mit knapp 30 Leuten erleben und genießen. Sehr empfehlenswert das Ganze, Humor und Tiefgang mischen sich und eigene Gedanken können leicht einfließen und das Ganze dann zu etwas Eigenem ergänzen - auf einen selbst und die Gemeinde zugeschnitten. Rückfragen zum Kurs gerne an mich…
Aber zurück zum Test: wir dürfen und sollen beschäftigt sein, aber niemals hektisch! Ersteres ist eine äußere Verfassung und letzteres ist eine seelische Schieflage. Hektik ist der Feind des geistlichen Lebens und muss ausgemerzt werden! Wie sieht das bei dir aus? Wie gehst du damit um? Was hilft dir?
Ob Beschäftigung tatsächlich “nur” eine äußerere Verfassung ist, da bin ich mir nicht so sicher. Wenn jemand beschäftigt, aber nicht hektisch ist, dann ist er doch in einem seelischen Gleichgewicht, obschon er viel zu tun hat, beschäftigt ist, oder?
Hektik dagegen ist tatsächlich Ausdruck einer innereren Schieflage, in der man etwas tun, erledigen muss oder vielleicht auch nur glaubt erledigen zu müssen, was man nicht wirklich will, was einen dann letztendlich erledigt. In der Hektik dient man inneren Göttern, die man über sich entscheiden lässt.
Ja - ich bekenne mich schuldig!
Besonders die Sache mit dem Einkaufen macht mich ganz hibbelich… das mag ich gar nicht, möchte so schnell es geht raus aus dem Konsumtempel und bekomme daher schnell die Krise - oft nicht erst an der Kasse…
Hmm - gebe die Frage mal zurück - was könnte denn helfen?
Beschäftigt sind wir alle (wenn nicht arbeitslos - und das ist dann eine ganz eigene und schwierige Problematik) - die Frage ist: trifft die Beschäftigung auf eine innere Verfassung mit den richtigen Prioritäten oder auf eine Seele, die sich von jeder Anforderung hin und herwerfen lässt? Das Ziel wäre also: vereinfachen, verlangsamen, entrümpeln - und sich dann klar werden, was die eigenen Werte und Prioritäten sind, nach denen zu handeln ist. Nein sagen scheint mir auch ganz wichtig zu sein - Spitzensatz von Ortberg: wer zu etwas Ja sagt, der sagt eben automatisch auch zu etwas im gleichen Moment Nein - denn wir haben nicht unendlich viel Zeit - also muss ich Maßstäbe finden, nach denen ich solche Entscheidungen treffe… aber da muss ich echt noch lernen…
Genau das aber scheint das Problem zu sein: was sind die richtigen Proritäten und wie finde ich sie ?Vor allem wenn es darum geht, anderen und ihren Ansprüchen gegenüber nein zu sagen, weil die eigenen Werte, die Achtsamkeit für das eigene Leben kaum mehr möglich ist. Oder hängt nicht beides zusammen, kann ich überhaupt zu anderen Ja oder Nein sagen, wenn ich nicht achtsam mit mir selbst umgehe. Was aber ist, wenn gesunder Egoismus nicht sein durfte/darf? Der gelernte Satz lautete: Liebe deinen Nächsten! wie dich selbst - diesen Teil, den gab es nicht. Dann ringt man bei vielen Entscheidungen damit, herausfinden zu müssen, welche Bedürfnisse nun Priorität haben sollen, dürfen. müssen….