Archiv

Archiv für März 2008

Individualismus und Einsamkeit

31 März, 2008 wegbegleiter 4 Kommentare

Heute morgen Beerdigung eines ganz lieben alten und weisen Mannes aus der Gemeinde: Günther. Er hatte sich schwarze Kleidung verbeten und so war die Beerdigung das, was sie sein kann im Kontext unseres Glaubens: eine Mischung aus Tränen und Jubel, aus Zuversicht und Schmerz, der immer dann entsteht, wenn irgendwo ein Loch in uns gähnt, das nie mehr gefüllt werden wird. Aber vor allem: Auferstehung pur. Hebräer 12 gab uns den Ton an – Günther sitzt nun auf den Rängen des Stadions, in dem wir noch unsere Runden drehen und feuert uns an. Eine schöne Vorstellung.

Nach dem Gottesdienst und der Beerdigung dann die Gespräche. Eine Frau: „ach wissen Sie, Herr Pastor, war ein toller Gottesdienst. Ich lebe ja meinen Glauben so für mich, das ist meine Wahrheit und die zwinge ich niemandem auf, aber ich habe meinen Weg gefunden.“ Ich habe ihr darauf gesagt, das genau dieser Günther den gegenteiligen Lebensentwurf repräsentiert hat – bewusst und transparent in der Gemeinschaft der Gemeinde lebend ist er umgeben von Kindern, Verwandten und Menschen aus der Gemeinde gestorben. Mitten in einem gemeinsamen herzhaften Lachen… zwischen zwei Tränen…

Ahnen die Menschen eigentlich, wie einsam sie mit „ihrem“ Glauben enden werden? Dass Glaube, wenn er denn tragfähig sein will, immer auf Gemeinschaft angelegt ist? Dass Glaube kein spiritueller Alleingang eines autarken Wesens darstellt? Ausreißer werden nicht nur im Sport kurz vor dem Ziel abgefangen! Wie viel Angst haben die Menschen davor, „ihre“ Wahrheit hinterfragen zu lassen, dass sie sich eher von der Gemeinschaft fern halten und so fast zwangsläufig irgendwann auch mit „ihrem“ Glauben allein sind. Und wenn der Glauben bröselt? Wenn eigentlich der Andere mir Christus sein sollte, weil ich Ihn – den Retter – aus den Augen verloren habe? Ich sage es offen: ich wäre ohne meine Geschwister, vor denen ich auch meine Glaubenskrisen leben durfte und darf – verloren. Einsam nur in Gemeinschaft mit einem kalten Universum. Warum wollen die Leute das so unheimlich gerne? Ahnen sie nicht, dass Individualismus zwangsläufig in Einsamkeit endet? Hier zeigt die Postmoderne neben allem auch Positivem ihr kaltes Gesicht. Gut, dass wir einander haben…

P.S. beim nächsten Eintrag passiert das bei Autoren Unvermeidliche: mein Erstlingswerk „Glauben genießen“ (Brockhaus) wird verlost. Zu den Bedingungen – siehe dann dort!

Den Tod ernst nehmen und dennoch verlachen

25 März, 2008 wegbegleiter 2 Kommentare

Mit dem Tod ist das seit der Auferstehung so eine Sache. Einerseits wird er in einer ewig juvenilen und fitten (wobei immer auch häufiger, Ironie der Wirklichkeit, „fatten“) Gesellschaft der Tod aufs Abstellgleis geschoben und Ideal ausposaunt: 150 Jahre alt und dabei kein bisschen weise werden. Die neue Marktlücke in wenigen Jahrzehnten: Bauchnabelpiercings für über 100-jährige. Sprich: Tod ist wichtig und Christen haben mit Mose zu betonen: bedenket, dass ihr sterben müsst, auf dass ihr klug werdet.

beerdigung.jpgAndererseits: der Macht des Todes ist gebrochen, Tod wo ist dein Sieg, wo dein Stachel? Deswegen darf der Tod als zerstörerische Macht verlacht werden und dieses nette Plakat macht das auf ironische Weise… Problem und das ist vielleicht der bittere Beigeschmack bei einer solch feinen Werbung; verlacht werden kann nur, was in Dunkelheit begriffen und durchbrochen worden ist. Verlache ich etwas Verdrängtes, wird dieses nur zum Ausweis der Peinlichkeit des Verdrängens. Das Verlachen wird zum Pfeifen im dunklen Keller, von dem man behauptet, er sei ja taghell.

Beides kommt bei mir im Augenblick zusammen: ein ganz lieber alter Mensch ist in unserer Gemeinde lebenssatt und voller Vorfreude gestorben, Günther Knuth, ein wirkliches Vorbild für viele Jüngere. Ein schmerzendes Loch ist gerissen. Andererseits dürfen wir lachen und fröhlich sein, denn er scheint mir schon jetzt aus der Ewigkeit entgegen zu lächeln. Dort, im Wartessal zur Auferstehung, wo er in Gegenwart seines Herrn endlich zur Ruhe kommen darf. So wird die Beerdigung in farbiger Kleidung stattfinden und explizit nicht in Schwarz. Der Herr ist wahrhaftig auferstanden. Wir haben als Christen als Einzige das Recht, den Tod zwar ernst zu nehmen, aber eben auch zu verlachen.

Danke Jesus! Aber: will ich überhaupt zum Kreuz?

21 März, 2008 wegbegleiter 7 Kommentare

6 Obwohl er Gott war, bestand er nicht auf seinen göttlichen Rechten. 7 Er verzichtete auf alles; er nahm die niedrige Stellung eines Dieners an und wurde als Mensch geboren und als solcher erkannt. 8 Er erniedrigte sich selbst und war gehorsam bis zum Tod, indem er wie ein Verbrecher am Kreuz starb.

Soweit das Zitat aus dem Philipperbrief. Wir denken oft ergebnisorientiert, linear, aus a folgt b. Geh zum Kreuz und bitte um Vergebung. Zack. Dir ist vergeben. Glaube auf diese oder jene Weise. Zack. Das ist das Ergebnis. Kann ja auch vorkommen. Und dennoch ist das nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist prozess- bzw. wegorientiert. Denn was hat Jesus alles losgelassen auf dem Weg zum Kreuz: Ichbezogenheit, Rechte und Privilegien, Diesseitsbezogenheit, Stolz… das hat er auf dem Weg zum Kreuz vorgelebt. Sind wir bereit, auch diesen Weg mit zu gehen? Und Stück für Stück im alten Menschen zu sterben (der in Gottes Augen schon gestorben ist, aber noch kräftig in unser Leben hineinschießt…)?

Danke Jesus, aber auch: gib mir den Mut, diesen schmerzhaften, aber befreienden Weg nachzugehen. Denn ich stehe nicht über dir…

Kategorien:Bibelgedanken, Theologie Schlagworte: ,

Perlentaucher (Teil 1) – Zitate zum Weiterdenken und -glauben

17 März, 2008 wegbegleiter Kommentieren

Letzte Woche war ein FeG-Treffen einiger Pastoren zum Forum für verheißungsorientierte Gemeindearbeit und ich habe selten eine so hilfreiche und wohltuende Dichte an Spitzenaussagen mitbekommen, an denen ich immer noch knabbere – und die ich hiermit weitergebe.

  • Wenn du Christus im Rücken hast (und das hast du!) – dann stehst du nie mit dem Rücken zur Wand!
  • Die Spannung des Christenlebens fasst sich in einem Satz zusammen: Christus ist souverän gestorben. (Souveränität und Kraft im Glauben passen durchaus mit dunklen und leidvollen Erfahrungen zusammen.)
  • Wollen wir in unseren Gemeinden eigentlich Mitglieder oder Jünger?
  • Wachstum ist Eigenschaft des Reiches Gottes – kein Ziel!
  • Das Ziel des Lebens ist nicht, Christus ähnlicher zu werden, sondern Christus in mir Gestalt und Kraft gewinnen zu lassen.

Viel Spaß beim Weiterdenken und -glauben… – eine gute Karwoche dir.

Komm zum Kreuz! – eine berührende Animation…

13 März, 2008 wegbegleiter 7 Kommentare

Schön, wenn man so begabte Leute die Daniel in der Gemeinde hat – Graphiker, Kreativling und immer dabei, wenn es um ästhetische Dinge geht (außerdem ein ziemliches Spielkind, wenn man seine Homepage anschaut, die alle paar Wochen ihr Layout ändert…;-).Nun also Karfreitag – suchst du noch eine Animation für den Gottesdienst? Suchst du eine Verdeutlichung von Ostern, die unter die Haut geht? Die eben andere Saiten in dir anschlägt als „nur“ den Intellekt? Dann bieten wir als FeG dir den besonderen – und kostenlosen – Service für einige Tage, diese Flash-Animation herunter zu laden, zu entpacken und zu genießen. Möge Ostern dein Herz berühren und dich unter das Kreuz führen. Dort wartet die Freiheit!

Geistliche Atmosphäre im „Wilden Osten“

9 März, 2008 wegbegleiter 3 Kommentare

War auf einer Tagung in Friedensau – in der Nähe von Burg – in der Nähe von Magdeburg. Absolute Pampa. Ansiedlungsverbot während der DDR-Zeit, Wohnerlaubnis nur für Studenten der Siebenten-Tags-Adventisten. Wie eine Enklave liegt das schöne Gelände mitten im Wald. Man meint den Rückzug aus der verfolgten und bedrängten Wirklichkeit immer noch spüren zu können.

Vorher Magdeburg, dort übernachtet und erschrocken. Neben den schönen alten Gebäuden und diversen Bausünden der vergangenen Jahrzehnte in Klotzbauweise vor allem Menschen, traurige Menschen, desillusionierte Menschen, leere Menschen. Ich gehe immer gerne durch die Straßen der Stadt und habe das stundenlang dort gemacht. Selten ein Lächeln, viel Härte und ganz viel Leere und geistliche Dunkelheit. Wie eine Regenwolke dunkel und schwer hing eine eigenartige Last auf mir, wie ich es sonst kaum erfahren habe.

Später erzählte mit ein sonst ganz nüchterner Christ, er würde wie eine graue Decke über der Stadt spüren, wie ein Schleier der Hoffnungslosigkeit. Eine Decke, die die frohe Botschaft fern hält, obwohl viele Menschen aller Denominationen beten und versuchen, Gemeinde zu bauen…Mich hat das frustriert – und vielleicht fehlt uns die Antenne oder auch die Methodik, um mit solchen „Decken“ umzugehen!?

Den Glauben weitergeben an die nächste Generation

5 März, 2008 wegbegleiter 1 Kommentar

Ab morgen bin ich drei Tage im wilden Osten, will meinen Frieden-sau, bzw. Friedens-au, das Seminar der STA. Dort findet die Frühjahrstagung des im übrigen sehr empfehlenswerten Vereins für Freikirchenforschung statt. Kirchengeschichtler und Interessierte (so wie mich) treffen sich, um aus der Vergangenheit zu lernen für die Gegenwart. Diesmal geht es um die Frage: wie hat man eigentlich Evangelium an die Jugendlichen der nächsten Generation weitergegeben? Was waren didaktische Konzepte, was waren Einseitigkeiten? Immer wieder spannend. Manchmal auch sehr speziell (im doppelten Wortsinn), aber immer bereichernd. Und außerdem komme ich endlich mal dazu, mein Tchibo-Ticket zu verfahren (wenn denn die Züge fahren) und den Magdeburger Dom kennen zu lernen. So long – Sonntag mehr von hier.

Kategorien:Alltägliches

Shampoo-Evangelium

2 März, 2008 wegbegleiter 6 Kommentare

washawaysins-150.jpg

Nettes Produkt aus der Reisebeilage der F.A.Z.: das Wasch-weg-Sünden-Shampoo. Nett. Vor allem der Tu-es-nochmal-Duft, der auch noch enthalten ist. Böse das.

Aber mal ehrlich: dass so was hergestellt wird, sagt ja was aus – vor allem über Christen. Oder einfach gefragt: was ist für dich Evangelium mehr als Sündenwasch-Aktion und In-den-Himmel-komm-Ticket-lös-Aktion? Wo geht für dich Evangelium über das rein funktionale (was tut Gott für mich, wenn ich dieses oder jenes tu oder glaube?) hinaus?