Um es vorweg zu sagen - weil einige seltsame Aufrufe meines Blogs von mindestens ebenso seltsamen Anti-Islam-Seiten kamen - nein: ich bin nicht gegen den Islam. Menschen dieses Glaubens sollten hier in Frieden leben und ihren Glauben ausleben dürfen. Von dieser Freiheit der Religionsausübung leben gerade Freikirchen - denn erst das zugehörige Gesetz des preussischen Staates hat es Freikirchen dermaleinst erlaubt, überhaupt auch offiziell existieren und praktizieren zu dürfen. Man bedenke: noch vor weniger als 100 Jahren wurden freikirchliche Beerdigungen - in Köln z.B. - systematisch von landeskirchlicher Seite aus gestört und verhindert. Und wer in unserer FeG Eschweiler mit den Alten spricht, der bekommt viel Unschönes an Ausgrenzung und Diskrimierung in einer rheinischen Kleinstadt mit - von katholischer wie von evangelischer Seite…
Wer also aus evangelikaler Ecke gegen den Islam schießt und die Religionsausübung behindert sehen will, der passe auf, dass er (meistens er, selten sie) nicht am eigenen Ast sägt. Trotzdem: Der Islam ist eben auch und gerade politisch und arbeitet an seiner Machtausbreitung in Europa. Und es fehlt mir einfach an nüchterner Wahrnehmung der Fakten. Warum gelingt das in Deutschland so schlecht, ohne direkt in die rechte Ecke abzurutschen? Oder abgerutscht zu werden von irgendwelchen toleranten Gutmenschen und Utopisten?
Parallel dazu die tot geschwiegene Christenverfolgung. Gestern in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ein herausragender Kommentar von Volker Zastrow, ein paar sinnerhaltende Zitate:
Die Ereignisse in Tibet verursachen im Westen eine etwas haltlose Erregung - der als Dalai Lama wiedergeborene Buddha und seine Mönche genießen hier etwa dasselbe Ansehen wie gewisse vom Aussterben bedrohte Walarten, möglicherweise sind sogar die Quellen dieser Sympathie benachbart. Dass zur selben Zeit das Christentum im muslimisch beherrschten Teil dieser Welt ausgerottet wird, interessiert im Westen weniger. (…)
Man redet sich nur allzu gerne ein, dass (islamische) Fanatiker Ausnahmegestalten, ihre Taten also Ausnahmen seien. Und verkennt, dass sie so etwas wie Finger des Islams im Westen darstellen. (…)
Derzeit vollendet sich ein offenbar ein Prozess, der schon Jahrhunderte dauert: die Ausrottung des Christentums in der islamischen Welt. (…)
In der Türkei gibt es auf einst byzantinischem Boden noch 100.000 Christen, sprich 0,15%, trotzdem beklagte der türkische Religionsminister unlängst in der Konversion von 368 Muslimen zum Christentum den Versuch, die Türkei zu zerstören. (…)
In Saudi-Arabien, das mit seinen Ölmilliarden den Moscheenbau in der ganzen Welt finanziert, ist selbst die private Ausübung der christlichen Religion verboten; dort trauen sich die wenigsten Christen, in den eigenen vier Wänden zu beten. In Pakistan sind die Christen rechtlos gestellt, sie werden in vielen Geschäften nicht bedient (…) in ländlichen Gebieten, etwa Ägyptens, kam es auch in jüngerer Vergangenheit zu Progromen. (…)
Geht das so weiter, wird es noch in diesem Jahrhundert im Orient, wo Jesus wandelte, so gut wie keine Christen mehr geben. Doch jetzt zurück nach Tibet.
Bedrückend. Politisch unkorrekt sicherlich, warum? Weil einfach Fakten genannt werden. Der Grinse-Keks Dalai Lama, der immer unkorrekt als Oberhaupt aller Tibeter bezeichnet wird, schafft es, die Medien zu beherrschen - dabei sind die Zustände in seinem Land bei weitem nicht so tragisch wie in zig anderen Ländern, wo Christen einfach sterben, ermordet oder ausgegrenzt werden. Schaffen Christen es, den Mund darüber auf zu machen und gleichzeitig deutlich zu machen, dass sie auch gegen Gewalt und Ausgrenzung von Muslimen sind? Schaffen wir diese Spannung? Oder benötigen wir Extreme wie die Ermordung von Theo van Gogh in den Niederlanden auch hier, damit wir aufwachen? Eins muss deutlich werden - gerade vom Kreuz her, unter dem es keinen Unterschied mehr gibt: es gibt in Deutschland keinen Platz für Rassismus: auch nicht für muslimischen.
du gestehst den moslems eine freiheit ei, die sie dir nicht eingestehen. nämlich das nebeneinander bestehen. platt ausgedrückt : wo eine religiöse freiheit ” für moslems gefordert wird, hängen sie uns an den nächsten baum…
http://www.pi-news.net/2008/03/fundsache-liebe-moslems-wir-sind-feinde/
Naja - aber was ist die Alternative? Sollen wir uns auf das Niveau der muslimischen Staaten begeben, deren Zustände wir beklagen? Kann ja wohl nicht sein. Wir müssen einerseits der friedlichen Religionsausübung Raum lassen, aber andererseits knallhart Regeln aufstellen, was passiert, wenn gegen die freiheitliche Grundordnung verstoßen wird… da müsste es weit konsequenter zugehen.
Und auch naja, die Homepage political incorrect, die du da angibst, ist manchmal schon ziemlich tendenziös und rechts. So Seiten könntest du auch über manche Auswüchse im christlichen Spektrum produzieren… fänden wir allerdings nicht sooo toll, oder? Wobei ich gerne politisch unkorrekt bin…;-)
so seiten gibt es über christliche auswüchse
). wobei, es ja immer auch eine überspitzung ist, beabsichtigt oder nicht…
( bluttransfusion verweigernde zeugen jehovas und prsosperitie
ich bin mir “unsicher” ob es es ein friedliches nebeneinander von islam und christentum geben kann…
das ist aufjedenfall ein “schweres ” thema und ich wünsch mir, dass sich nicht nur christen wie ich, sondern auch moslems zu wort melden…
Darf ich mal etwas provokant zurückfragen?
Du gestehst den Moslems freie Religionsausübung zu, weil Du die als Christ genauso erwartest. Gleiches Recht für alles. Stimmt das so?
Dann ist doch der “Motor” nicht wirkliche Toleranz sondern ein eigenes Freiheitsbedürfnis, oder?
Eine andere Frage ist, in wie weit die freie Religionsausübung für Moslems einen Konflikt zu Joh 14,6 darstellt. Dürfen wir das überhaupt wollen?
Neee, also wirklich nicht so. Freie Religionsausübung klaro - wenn sie sich innerhalb unseres Rechtsstaates bewegt, wobei auch das ist natürlich riskant. Ziehen wir bei uns den Antidiskriminierungsparagraphen durch, dann wird es ähnlich wie in Schweden für mich strafbar, was gegen Homosexualität von der Kanzel zu sagen. Würde man es deswegen lassen? Nö. Gott mehr gehorchen als den Menschen, gelle? Dürfen wir dann den Moslems Dinge verbieten, in denen sie auch nur Allah mehr gehorchen als den Menschen? Nicht sooo einfach zu klären.
Der Motor ist der Respekt vor dem Glauben des Anderen. Den soll er haben dürfen und ich soll ihn auch haben dürfen, meinen Glauben - und wir sollten uns nicht kloppen deswegen. Den Hinweis auf uns als Freikirchen, die ja auch freie Ausübung einfordern und ja auch bekommen, habe ich nur gebracht, weil manche Christen gerne genau aus dieser Ecke sehr restriktiv denken. Aber mit welchem Recht verbietet man Moscheen (ich meine damit nicht Prunkbauten mit strategischer Bedeutung!), gestattet sich aber ein schickes Gemeindehaus? So kann Demokratie kaum gestaltet werden…
Johannes 14,6 - auweia - daraus ein Gebot zu machen, Andersdenkende rauszuwerfen oder ihnen die Religionsausübung zu verbieten, wäre schon Hammer. Deutschland wäre recht leer. Man müsste den Atheisten ihre Religionsausübung verbieten, sprich: Karriere, Geldautomat oder was auch immer… also: der christliche Staat ist hoffentlich nicht im Fokus und er ist auch nicht gewollt und verheißen. Da stehe ich doch mehr auf Luthers richtig verstandenen (also nicht erst später pervertierten) 2-Reiche-Lehre. Wir müssen gucken, wie wir Zusammenleben gestalten, denn die Alternative wäre schlicht Krieg. Aber eben in diesem Zusammenleben sind klare Regel und Grenzen wichtig und die vermisse ich. Menschen aber den Glauben aufzudrücken oder sie spirituell zu kastrieren, weil sie anders glauben - na, dann sind wir ja schon in Saudi-Arabien. Ändert nichts daran, dass Allah nicht unser Gott ist und Jesus der einzige Weg ist.
Stichwort politisch unkorrekt: Ein Buch, das ich vor einiger Zeit just zu diesem Thema gelesen habe, war das Buch “Hurra, wir kapitulieren - von der Lust am Einknicken” von Henryk M. Broder.
Nun ja, man muss Broder nicht mögen, er geht manchmal auch in persönlichen Urteilen ziemlich weit, aber der Grundtenor des Buches gibt einem zu denken. Vor allem in der Art, wie wir in unserer Kultur nicht mit den Hunderttausenden friedlichen Muslime umgehen, sondern mit den zigtausenden radikalen und den paar tausend gewaltbereiten (Einschätzung des Innenministeriums). Auch wenn man Broders Meinung nicht in allen Punkten teilt - ein lesenswertes Buch!
Guten Tag, lieber Wegbegleiter,
vielen Dank für Deinen nachdenklich stimmenden Artikel. Viele wichtige Fragen werden hier aufgeworfen. In der Tat gibt es in Europa einen Reflex der Leugnung der relativ organisierten Vernichtung der orientalischen christlichen Kulturen, der vielleicht ein wenig durch “Hitlers langen Schatten” erklärt werden kann (was aber das Schweigen der Luxemburger, Niederländer, Briten, Italiener usw. nun wahrlich nicht zu erklären vermag).
Dem religiösen Weg des Individuums sind in der Demokratie große und breite Wege offen zu halten, durchaus ja, und es ist richtig, dass Du die gelegentliche Intoleranz der Großkirchen gegen die ‘kleinen Christen-Bewegungen’ ansprichst, denen schließlich schon die Waldenser (1699 vertrieben vom heute italienischen Fenestrelle im okzitanischen Piemont nach Charlottenberg bei Nassau/Lahn) unterworfen waren oder die unter Bischof Firmian vertriebenen Salzburger Evangelischen (v.a. nach Gumbinnen/Ostpreußen).
Der politische Islam ist ebenso wie der klassische Islam eine totale - aus Sicht der kulturellen Moderne damit: eine totalitäre - Gesellschaftsform, in der es individuelle Selbstbestimmung, das heißt auch sexuelle sowie religiöse Selbstbestimung nicht geben kann und nicht geben wird.
Viele Aspekte des politischen wie des klassischen Islam sind mit den Frauenrechten der universellen Menschenrechte nicht kompatibel. “Islam als Herrschaftsstruktur” (Hartmut Krauss) kann und darf daher in Europa nicht ‘realisiert’ werden.
Wir brauchen und können Islam als persönliche Spiritualtät nicht verbieten, jedoch ist die “Anwendung” des Islam, das heißt die gesellschaftliche Verformung (islamisches Umweltverändern) durch Schari’ah (Gottes eigenes Gesetz) und Fiqh (Islamisches Spruchrecht; Fatawa/Fatwas) von uns Demokraten jeder Religion dezidiert einzuschränken.
Durch uns Demokraten aller Religion - selbstverständlich auch der muslimischen, jedoch auch der ex-muslimischen. Am Beispiel des Rechtsbegriffs der ‘negativen Religionsfeiheit’ zeigt sich die begrenzte Toleranzfähigkeit = Demokratiefähigkeit des derzeitigen Islam deutlich.
“Erzwungene Muslimisierung” ist ein wichtiger Begriff einer hier lebenden türkischstämmigen Frau. “Aus Gastarbeitern wurden Türken, aus Türken Muslime” beschreibt die beginnende Segregation seit 1975 oder 1980 ebenfalls treffend.
Der islamisierte Teil der Welt windet sich in schmerzlichem Krampf “halbierter Moderne”, die verschiedenen theokratisch-faschistischen Srömungen wie HAMAS/Muslimbruderschaft zielen ebenso wie die rückwärtsgewandten (Wahhabiten, Salafiyya; auch: Ahmadiyya) auf einen veritablen Krieg gegen die universellen Menschenrechte, gegen Pressefreiheit und, da hat die ‘alte Feministin’ Alice Schwarzer ganz recht, gegen die absolute Gleichstellung der Frau. ‘Kollateralschaden dieser unterbundenen Demokratisierung’ sind Angriffe auf Prediger (Malatya) oder Gruppenvergewaltigungen an Christenmädchen (Kairo).
Wir haben ein Problem.
Gruß
vom Blog Sägefisch
Jacques Auvergne
http://jacquesauvergne.wordpress.com/