Klimatische Theologie…

12 05 2008

Manchmal scheint es mir, dass unser Klima auch Auswirkungen auf die Theologie hat. Bei diesem Wetter (fröhliche 26 Grad und blauer Himmel seit Tagen) werde ich unweigerlich entspannter, gelassener, aber auch ein Stück antriebsloser in meinem theologischen Denken - Australier würden das als laid back bezeichnen. Siesta und Revolutionsgetöse passen irgendwie nicht zusammen. Obwohl ja gerade die Südländer eine reiche Tradition im aufmüpfigen, verändernden Denken haben und in Italien nur eins vorhersehbar ist: das Ende der jeweils aktuellen Regierung und der Wechsel zur nächsten, die dann doch wieder leider vom Herrn Berlusconi geleitet wird (frisch geliftet). Ist es Zufall, dass der grübelige und strenge Protestantismus ausgerechnet in kühleren Regionen gewachsen ist?

Mit den steigenden Temperaturen sinkt bei mir die theologische Denkfrequenz - aber steigt die Reflexionsfrequenz und -tiefe. Bei einem guten Reserva den Blick in den Sternenhimmel vor dem nachtblauen Zelttuch des Horizonts gewandt… und unweigerlich gehen die Gedanken nach innen und nach vorne: wo gehe ich hin, was mache ich hier eigentlich, wer bin ich im Kern… keine intellektuelle Frage, eher eine stille Befindlichkeit. Seltsam. Aber eigentlich ganz schön… heiter, melancholisch, froh, still, leicht lächelnd und unter allem das Glimmen einer neuen Glut des Aufbruchs. 


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Eine Antwort zu “Klimatische Theologie…”

12 05 2008
Hans (10:02:58) :

Dazu würde Paulus wohl sinngemäß sagen: “Mein theologisches Wissen ist Scheißdreck; ich kenne nur noch das Wort vom Kreuz”. Ein kleiner Mystiker war er schon auch, der große Lehrer der Christenheit.

Ich kann immer wieder staunend und schweigend überwältigt sein von Aussagen wie z.B.: ‘Gott ist in der Mitten’ aus dem Lied ‘Gott ist gegenwärtig’ oder ‘… ein Wörtlein kann ihn fällen’, den Teufel nämlich, im Lied ‘Ein feste Burg ist unser Gott’.

Es gab mal einen Rabbi, der stets bei den Worten ‘Wajomer Adonai’ (der Herr sagte) in Verzückung und völlig außer sich geriet. Er taumelte dann durch den Raum, schlug seinen Kopf an die Wände und wiederholte ständig “Wajomer Adonai”. Seine Schüler mußten ihn festhalten, damit er sich in seiner Ekstase nicht verletzte. Was war sein Gedanke? Gott sagt etwas, er spricht zu uns. Er, der ‘Melech Ha’Olam’, der König des Weltalls, erachtet uns nichtige Menschengeschöpfe für würdig, zu uns zu sprechen. Das konnte der Rabbi nicht fassen.

Von Gottes Hoheit, Majestät, Souveränität, Allmacht sprachlos erfüllt und überwältigt werden - das Gefühl kenne ich auch. Das ergibt von allein die Konzentration auf das Wesentliche. Mit oder ohne Reserva. ;-)

Jaja, lieber Christof, ich verstehe Dich gut. Klimatische Theologie. Gefällt mir.

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