Cola und Kokain - Glaube und leere Versprechen

4 07 2008

Warum ist Cola so beliebt? Seien wir ehrlich: nicht wegen des Geschmacks. Schmeckt nicht schlecht, aber sooo einen Erfolg rechtfertigt die Brause doch wohl nicht allein durch den Geschmack?! Nun: die Mischung aus extrem viel Zucker und Koffein macht es. Das gute Gefühl. Die erste Rezeptur des Erfrischungsgetränks Coca-Cola enthielt bis 1906 sogar einen Extrakt aus Cocablättern (und erhielt so seinen Namen), so dass ein Liter Coca Cola rund 250 Milligramm Kokain enthielt. Dann häuften sich die Todesfälle und der Zusatzstoff wurde entfernt. Nun möchte man Cola keine Absicht unterstellen (Kokain galt bis 1926 offiziell als nicht schädigend) - aber so eine Munterbrause verkauft sich natürlich! Kundenbindung at it’s best…;-)

Bogen zum Glauben: auch da kann ich mich - wenn man sich mal in der freikirchlichen Szene evangelikaler und charismatischer Provenienz umguckt - nicht des Eindrucks erwehren, dass hier mit Speck Mäuse gefangen wird. Wenn sie denn noch gefangen werden, in deutschen Landeskirchen diskutiert man lieber darüber, ob denn der Sühnegedanke überhaupt noch tragbar ist für den modernen Menschen … (dazu an anderer Stelle mehr). Viele Versprechen werden gemacht, der Glaube wird marktwirtschaftlich und funktional aufgeladen (was bringt mir denn Jesus?).

Dumm nur, dass es gar nicht zuerst um das menschliche Wohlgefühl geht… es geht gar nicht so sehr darum, ob ich mich plötzlich viel besser fühle, weil mich Jesus befreit hat! Das mag sogar sein, aber die Fakten dahinter sind entscheidend: Versöhnung ist geschehen, Adoption, Kindschaft, Heiligung. Gefühle? Ertrag für den Alltag? Erst mal nebensächlich.

Und dann warnt Jesus davor, für einen Menschen allzu schnell den Bogen zum Reich Gottes zu schlagen. Nein, wir sollten über die Nebenwirkungen des Glaubens aufklären: Sterben des falschen Ichs, eventuelle Verfolgung, Leiden für Jesus wegen Spott und Hohn, Verantwortung für den Bau des Reiches Gottes, Hingabe an einen unsichtbaren (wenn auch erfahrbaren) Gott… mmhm… das sollten wir den Menschen sagen… und das verursacht bei mir immer noch Magengrummeln, wenn ich Bekehrungsaufrufe bei Evangelisationen erlebe… hat man den Leutchen gesagt, was auf sie zukommt? Hat man ihnen die Konsequenzen vor Augen geführt? Zu Jesu Zeiten waren die recht klar und deutlich. Heute sind sie verschüttet. Umso wichtiger, dass wir zur radikalen Nachfolge aufrufen und die Gnade nicht zu billig unters Volk werfen. Dieses wird sie dann - zu Recht -mit Füßen treten. Denn billige Gnade, das ist keine Gnade mehr.


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19 Antworten zu “Cola und Kokain - Glaube und leere Versprechen”

5 07 2008
Sebastian (01:57:56) :

Hallo Christof,
toller post! Damit hast du bei mir absolut einen Nerv getroffen. Mich bewegt auch diese Halbherzigkeit in der Nachfolge, die sich immer wieder fast unmerklich bei mir einschleicht und die ich auch bei vielen Mitchristen beobachte. Wollen wir unser Leben durch Jesus ’aufhübschen’? Sind wir auf der Suche nach einem Jesus, der unser Bedürfnis nach innerer Erfüllung in einem ansonsten von uns selbst bestimmten Leben befriedigen soll? Oder sind wir bereit Jesu Weg wirklich zu gehen - ihm nachzufolgen? Ob wir es wollen oder nicht, als Menschen, die wiedergeboren sind ist unser altes Ich mit Christus gekreuzigt. Wenn wir Gott nahe sein wollen und Frucht für ihn bringen wollen, müssen wir uns auf Jesu Weg mit uns einlassen. Für uns gilt: „… und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.“ (Lk 14, 27), „So auch jeder unter euch, der sich nicht lossagt von allem, was er hat, der kann nicht mein Jünger sein.“ (Lk 14, 33). Jesu Weg für uns Jünger führt immer wieder über das Kreuz. Dort soll unser altes egoistisches Leben mit seinen Leidenschaften, Begierden und Besitzansprüchen immer weiter sterben. Gleichzeitig fließt vom Kreuz auch die Gnade und Liebe Gottes, die uns in diesen Prozess führt und eine Umgestaltung unserer Herzen ermöglicht. Lassen wir uns von diesen Versen aus Lukas herausfordern und leben leidenschaftlich für Jesus!

5 07 2008
Bento (17:17:51) :

mit den ersten beiden Abschnitten ab “Bogen zum Glauben”, kann ich gut mitgehen - ich halte es aber nicht für angesagt, Menschen grossartig mit dem “Für und Wider” (Nebenwirkungen) der Nachfolge zu verwirren, sondern halte es für richtig, die, die die Botschaft der Liebe Gottes und der Befreiung durch Jesus (Evangelium) im Herz erreicht und mit “Ja + Amen” beantworten (Glauben) sofort zu Jüngern zu machen (taufen) - d.h. eine geistl. Realität zu schaffen - und ihnen DANN alles beizubringen, was sonst noch wichtig ist…

..so verstehe ich den Auftrag Jesu und so finden wir das auch i.d.Schrift - oder?

ok - Jesus hat schon solche Sachen gesagt wie “Füchse haben Höhlen… wer nicht Vater und Mutter hasst…Kosten überschlagen…wer sein Leben retten will” usw, das waren aber imho alles Hinweise: “Gib alles - keine halben Sachen!” und das halte ich ohnehin für einen Bestandteil des Evangeliums. Allein schon weil Jesus als der “Einzige” bezeugt/bekannt wird.
..zudem wächst ein Mensch i.d. Glauben hinein und braucht Anfangs Milch und keine “harten Knochen” ;-)

btw - Gnade ist nicht billig, sie ist geschenkt! :-)

5 07 2008
wegbegleiter (18:23:37) :

@Bento: naja, das mit der billigen Gnade ist ein Bonhoeffer-Zitat. Und ich denke, man kann sie billig machen, indem man sie wie Perlen vor die Säue wirft. Sagt zumindest Jesus so. Aber sie ist natürlich geschenkt, aber eben teuer erkauft durch den Tod und die Auferstehung Jesu. Wir werden diesem Opfer eben nicht gerecht, wenn wir es zur persönlichen Ergötzung (sic!) und Lebensaufhübschung verschenken. Und: in der Tat sollte einem Menschen, der sich für Jesus entscheidet (wobei das Wort auch schon wieder Quatsch ist), deutlich gemacht werden, dass da das Alte sterben muss. Dass Hingabe an Jesus bedeutet, ALLES auf den Prüfstand zu stellen. Natürlich nach dem da vorhandenen Erkenntnisstand. Ich habe auch erst manche Sachen gerade in der Ethik nach 2-3 Jahren des Christseins begriffen und dann übernommen. Aber natürlich: ein Babychrist braucht Milch - hier geht es aber nicht um Theologie, sondern um Konsequenzen der Nachfolge. Ich sollte vor allem Menschen nix versprechen, was nicht unbedingt zu halten ist. Ich sollte nicht mit Geld, Gesundheit, Wohlbefinden etc. locken - denn darum geht es nicht in der Beziehung zu Jesus. Letztlich ist nicht nur die Entscheidung für Jesus entscheidend, sondern die ersten Jahre - wie im Gleichnis vom vierfachen Acker deutlich gemacht. Diese erste Zeit entscheidet, wie es im Glauben weiter geht… aber die Frage muss auch sein dürfen: war der Boden gut vorbereitet?

5 07 2008
Bento (20:04:30) :

ok - ich versteh schon diese Sorge und die Bedenken bei so mancher Form von Verkündigung sind sicher angebracht!..
Was du über den Prüfstand sagst, den betrachte ich mehr als eine Dauerinstallation i.d.Nachfolge, als dass es eine Besonderheit der “Entscheidung” wäre, denn der Erkenntnisstand ist ja auch dynamisch -

und du hast völlig recht: Es ist gar keine Entscheidung, sondern ein “überführt werden” durch den Hl.Geist! An der Stelle hauen die Menschen ab, spotten und schmeissen mit Steinen oder es taucht die existenzielle Frage auf “was sollen wir denn tun?” Erkennt ein Mensch seine völlige Abhängigkeit von der angebotenen Gnade und ergreift die Hand Jesu (was ihn nun dazu bewegt ist sicher immer eine perönliche Sache), wer sind wir, dass wir das beurteilen könnten, ob es da “mit rechter Motivation” oder in gebührender Ehrfurcht usw. geschieht - der alte Mensch stirbt ja erst i.d.Taufe, dazu kann man sich ja auch nicht “entschliessen”!

..und was auch immer jmd. belastet, wenn er zu Jesus kommt, wird er ihn nicht hinaussstossen! ..ich bin immer mehr der Überzeugung, dass das Heil viel umfassender ist, als wie es seit Jhdten gepredigt wird…

nur ein Bsp: Jes.53,4+5 sagt, dass er UNSERE Sünden getragen HAT (Krankheit an sich ist ja eine Folge der Sünde), durch seine Striemen sind wir geheilt - in Mt.8,16+17 heisst es dann, Jesus heilte ALLE Leidenden und in Bezug auf die Prophezeihung Jesajas wird dann hier noch ausdrückl. die Krankheit genannt - so erfüllt sich das!
Nun ist Jesus heute derselbe wie damals und sein Werk wird durch den Hl.Geist fortgeführt…

ja, gut dass du den Sämann ansprichst - was ist denn die Aussage hier? Sät nicht auf den Weg, sät nicht auf den Felsen, sät nicht unter die Dornen? Wohl kaum, es ist einfach eine Tatsache - so ist das nunmal. Zudem bin ich der Ansicht und habe es so erfahren, dass Gott den Boden selber vorbereitet - ok er benutzt natürl. auch Menschen dazu.. ;-)

Segen!

5 07 2008
wegbegleiter (20:16:54) :

Gut, das mit dem Sterben des alten Menschen erst in der Taufe sehe ich anders - aber das Fass machen wir jetzt bitte nicht auf. Nur soviel: Ich bin jahrelang nach meiner Bekehrung nicht getauft gewesen (bin als baby getauft) und habe trotzdem eine beachtliche Weiterentwicklung im Glauben erlebt. Aber da das NT eigentlich Taufe und Bekehrung als Einheit siehst, hast du natürlich irgendwie Recht - beides wird quasi austauschbar an manchen Stellen verwendet, das wird nur der Realität des Auseinanderklaffens beider events heute nicht gerecht… denke ich… letztlich rettet der Glaube und nicht der Glaube plus die Taufe, dann Gnade Gott den armen Leutchen, die zwischendurch sterben… ach, jetzt habe ich doch wieder was erzählt, wollte ich gar nicht, also zurück marschmarsch.

Nur eine Beobachtung: ich habe des öfteren Jugendliche erlebt, die aus teils geistlichen, teils gruppendynamischen Gründen (meine Freunde gehen nach vorne) Christ geworden sind auf Evangelisationen und hinterher böse runter gefallen sind und dann eher massiv gegen den Glauben eingestellt waren…. das will ich vermeiden… ich begleite lieber persönlich und komme ins Gespräch und kläre werbend auf… und bereite so einen fruchtbaren Boden, soweit es an mir liegt. Was das Säen angeht, da hast du natürlich recht, raus mit der Botschaft, aber eben auch nicht Perlen vor die Säue… Segen und gute Nacht!

6 07 2008
Philip (00:30:34) :

Hmm, interessante Diskussion. Bei Jesus gibt es ja sehr unterschiedliche Momente. Mal zieht er die Massen an, dann laufen sie ihm wieder in Scharen davon, nämlich immer dann, wenn es um die radikale Nachfolge geht. Da habe ich mal ne Bibelstelle dazu rausgesucht:

Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm.
Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt ihr auch weggehen?
Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens;
und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.
(Joh 6, 66-69)

Interssant finde ich dabei, dass die Leute, die weggegangen sind, schon Jesu Jünger waren. Von daher würde ich persönlich eher Bento Recht geben, dass man sie zuerst zu Jüngern machen sollte.
Auf der anderen Seite ist natürlich klar, dass man schon ehrlich sein sollte und den Leuten klar machen sollte, was sie erwartet. Aber man muss die unangenehmen Dinge nicht übertreiben , Angst verbreiten und Dinge erzählen, die sie nicht richtig einsortieren können.
Das Joch von Jesus ist nämlich wirklich ganz sanft und leicht und deshalb sollte dieser Eindruck auch bei den Zuhörern entstehen. Trotzdem muss ihnen klar werden, dass sie eine Entscheidung treffen müssen. Ob sie sich an das alte Leben klammern möchten, oder an Jesus. Und beides zusammen geht nicht, man kann nur einem Herrn dienen. Die Taufe sagt ja genau das aus, dass man sein Leben in den Dienst von Vater, Sohn und Heiligem Geist stellen möchte.

6 07 2008
wegbegleiter (09:04:27) :

Jo. Philip fast es gut zusammen. Natürlich überwiegen die Vorteile der Hinabe an Christus bei weitem die Nachteile. Wobei schon diese Vorteil-Nachteil Denke vollkommen daneben ist und dem jüdischen Denken in keinster Weise entspricht. Wenn man sich in eine Frau verliebt, fragt man ja auch nicht nach den Vor- und Nachteilen. Oder doch? Mache ich da was falsch? Muss mal meine Frau Isa fragen…
Kurz: ein paar dicke Dinge auf der Ebene der Welt einzutauschen gegen das Leben auf einer ganz anderen Ebene des Reiches Gottes - das ist schon eine Sache, da fällt die Entscheidung nicht schwer. Aber - siehe reicher Jüngling - nicht immer fällt an dieser Stelle die Entscheidung für die Nachfolge Christi… aber stimmt schon: der Geschenkcharakter des Glaubens sollte deutlich sichtbar bleiben.

6 07 2008
Hans (19:47:04) :

Immer wieder habe ich junge Menschen davor gewarnt, vorschnell und unüberlegt den Schritt zur Taufe und zur Gemeindemitgliedschaft zu tun. Ich habe ihnen gesagt: “Überleg dir das gut! Führe kein Doppelleben! Das hat Jesus nicht verdient! Entweder, oder! Wenn du keinen Bock drauf hast, das komplett durchzuziehen oder das nur wegen deiner Familie oder Freunde tun willst, laß es lieber bleiben!” Und ich hatte immer das Gefühl, daß diese offene Ansage erstens so nicht erwartet wurde und zweitens Respekt und Hochachtung verursachte.

Nein, man darf es nicht ausnutzen, wenn Jugendliche auf einer Freizeit nachts am Lagerfeuer sitzen und in diese gewisse Stimmung kommen, in der du jeden ‘bekehren’ kannst. Ehrlicher wäre, die Leute noch mal eine Nacht drüber schlafen zu lassen.

Wir sind keine Türklinkenputzer, die gefälschte Orientteppiche verscherbeln. Wir haben die Adoption anzubieten, die Menschen zu Kindern des Allerhöchsten macht. Das geht nicht zwischen Tür und Angel und das ist auch nicht ‘kostenlos’. Es ist wie bei Zinzendorf, der auf den Gekreuzigten blickte und verstand: “Dies tat ich für dich. Was tust du für mich?”.

Wer Jesus UND seinen alten Adam liebt, der braucht eine ‘billige Gnade’. Und die gibt es nicht bei unserem Heiland.

Schalom aleichem,
Hans

7 07 2008
Philip (21:12:55) :

Aber Jesus hat doch seine Jünger auch zwischen Tür und Angel berufen, ohne dass sie nochmal ne Nacht drüber geschlafen haben …

8 07 2008
wegbegleiter (08:57:18) :

@Philip: dies Argument zieht nicht so dolle, weil erstens die Sache vor Ostern abgelaufen ist, also vor Kreuz und Auferstehung und zweitens eigentlich eine ganz normale Berufung eines Rabbis war. Der Rabbi geht zu Menschen, die er schon länger kennt und für geeignet hält und beruft sie in seine Nachfolge und sie fühlen sich dadurch hochgradig geehrt, weil sie genau wissen, was das bedeutet: in die Fußstapfen des Rabbis treten, ihn nachahmen bis zum bitteren Ende. So war das üblich im Judentum, sprich: die wussten, worauf sie sich einlassen, über die Konsequenzen der Nachfolge brauchte keiner einen Juden aufzuklären. Heute ist die Lage wohl anders: die Konsequenzen können eben nicht voraus gesetzt werden, sondern sind verloren. Glaube wird als Funktion gesehen, die das Leben bereichert und erst langsam entdecken wir die Thematik der Nachfolge wieder neu und beginnen, jüdischer zu denken… insofern kann ein seriöses Gespräch über Nachfolge kaum schaden…;-)

8 07 2008
Philip (10:06:55) :

Na gut, dann eben ein Ereignis nach Ostern:

Als sie aber das hörten, ging’s ihnen durchs Herz und sie sprachen zu Petrus und den andern Aposteln: Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun?
Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.
Denn euch und euren Kindern gilt diese Verheißung und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird.
Auch mit vielen andern Worten bezeugte er das und ermahnte sie und sprach: Lasst euch erretten aus diesem verkehrten Geschlecht!
Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen.
(Apg 2, 37-41)

Oder die Bekehrung von Paulus, auch sehr spontan:

Und sogleich fiel es von seinen Augen wie Schuppen und er wurde wieder sehend; und er stand auf, ließ sich taufen.
(Apg 9, 18)

Und dasselbe auch mit Nichtjuden:

Und sie sagten ihm das Wort des Herrn und allen, die in seinem Hause waren.
Und er nahm sie zu sich in derselben Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen. Und er ließ sich und alle die Seinen sogleich taufen.
(Apg 16, 32-33)

usw.

Ich finde eben, dass man es sich nicht zu kompliziert machen sollte. Ich finde sogar, wir machen aus der Taufe viel zu sehr ein Ritual. In der Bibel war das immer ein sehr spontanes Ereignis. Hat sich jemand für Christus entschieden, wurde SOFORT getauft und man hat nicht erst nochmal nachgeschaut, ob man in drei Monaten einen Termin frei hätte.

8 07 2008
wegbegleiter (10:25:36) :

@Philip: stimme dir ja zu, Taufe sollte schneller laufen usw. und man sollte Heiden auch nicht zu viel Last auflegen, bevor sie sich Nachfolger Christi nennen dürfen. Nur ist eben da heute eine kulturelle Kluft, die damals einfach nicht vorhanden war. Damals hatte JEDER eine Vorstellung von Jahwe-Gott, JEDER wusste, was es heisst Buße zu tun und einem Rabbi nachzufolgen. Heute weiß das fast keiner mehr und diese Kluft muss überbrückt werden.

8 07 2008
Philip (10:58:19) :

Hm okay. Ich bin auch nicht gerade ein erfahrener Evangelist, von daher wirst du und Hans schon wissen, wovon ihr redet.
Klar, die Leute müssen schon “richtig” Buße tun , bevor sie in die Gemeinschaft aufgenommen werden.

8 07 2008
wegbegleiter (11:02:24) :

@ Philip: Ach, erfahrene Evangelisten, den Schuh würde ich mir nie anziehen. Ich spüre einfach im Gemeindealltag immer häufiger, dass die einfachsten basics nicht mehr vorausgesetzt werden können und von daher ein längerer Anlaufweg nötig ist. Aber doch bitte einladend, fröhlich, denn immerhin ist das Evangelium eine Verlockung zum Glauben (Johannes Hansen)… und durchaus zügig taufend, da lassen wir uns zu viel Zeit… Segen dir!

8 07 2008
Hans (20:36:18) :

@ Philip: Wie tut man “richtig” Buße? Und wie merken die Anderen, daß einer “richtig” Buße tut? Schwierig.

Mir ging es bei obigem Kommentar besonders um Jugendliche, die in einem christlichen Umfeld aufwachsen und einfach so in eine Gemeinde hineinrutschen, ohne daß es diesen besonderen Moment einer bewußten Entscheidung gibt. Der Gruppenzwang wächst, die Erwartungshaltung der Eltern & Gemeinde ebenso. Irgendwann gehört es einfach dazu, sich taufen zu lassen. Und eben das finde ich nicht gut. Jeder Mensch hat das Recht, sich für oder gegen ein Leben mit Gott zu entscheiden. Und das sollte möglichst vor der Taufe und vor der Gemeindemitgliedschaft geschehen sein. Deshalb rate ich zum Innehalten, zum Nachdenken und zur klaren Entscheidung. Vor diesem Hintergrund halte ich spontane Taufhandlungen etc. für problematisch.

9 07 2008
Philip (00:32:45) :

Woran erkennt man richtige Bekehrung? Schwierig, ich habe keine Ahnung, deshalb ja die Anführungszeichen. Aber ich vertraue darauf, dass der Heilige Geist mir da helfen würde.

Ok, also ich bin von einem ganz anderen Szenario ausgegangen. Ich dachte, es geht um solche Bekehrungen, wie wir sie auch in der Bibel finden, wo mündige Menschen zu Gott umkehren.

Wenn jemand so in eine christliche Umgebung reinwächst, ist das irgendwie etwas anderes. Das merke ich schon bei mir selber. Ich kann kein richtiges, waschechtes Bekehrungserlebnis vorweisen, ich bin in den Glauben irgendwie so reingewachsen. Auch wenn man sagen könnte, dass ich vor ungefähr zwei Jahren die endgültige Entscheidung für Jesus getroffen habe, dachte ich auch schon vorher, ich hätte mich schon endgültig entschieden. Und an Jesus geglaubt habe ich seit ich denke kann … mal mehr, mal weniger stark, aber der Glaube war zu jeder Zeit da.
Ich könnte nicht sagen, wo da jetzt der beste Zeitpunkt zur Taufe gewesen wäre. Keine Ahnung …

Den Erwartungsdruck aus dem Umfeld kann man auch nicht einfach mal wegnehmen. Wenn deine Eltern dich wirklich lieben, dann wollen sie natürlich, dass du zu Gott findest und dich taufen lässt. Auch wenn sie dem Kind den Freiraum zur eigenen Entscheidung geben wollen, werden sie das nicht ausschalten können. Die Kinder werden dann in den allermeisten Fällen eben wirklich glauben oder heucheln.

9 07 2008
wegbegleiter (08:43:34) :

Jau, Kinder, die in der Gemeinde fromm aufwachsen, haben wirklich eine eigene Problematik, da kann ich nur als Beobachter mitreden. Ich wünsche mir nun als einer, der mittlerweile selbst Kinder hat, dass diese auch den Freiraum bekommen, außerhalb der Gemeinde Unsinn anzustellen und normale weltliche Wege zu gehen und sich dabei die Nase zu stoßen. Eine Überbehütung sorgt doch allzu leicht zu besagter gruppendynamischer Heuchelei… einen Aspekt haben wir noch nicht angesprochen: zu einer Taufe gehört eben auch die Einbindung in eine konkrete Gemeinde/Gemeinschaft/Kirche. Wir werden in einen Leib hinein getauft. Auch das ist dem jüdisch denkenden Gemeinschaftsmenschen zur Zeit Jesu selbstverständlich, heute muss es erklärt werden und solange kein JA zum Leib Christi besteht und die Taufe nur ein nettes individuelles Erlebnis sein soll, würde ich sie nicht spenden….

9 07 2008
Hans (18:24:23) :

Unsere beiden Söhne (30 und 28 J. alt) haben sich nicht für unseren Glaubens- und Lebensstil entschieden. ‘Technisch’ wissen sie, daß Gott existiert. Aus manchen Gesprächen weiß ich, daß jede Menge biblisches (Sonntagschul-) Gedankengut vorhanden ist - sie kennen die biblischen Geschichten, manchmal besser als gewisse Mitglieder meiner Gemeinde. Aber sie führen ein Leben ohne Gott. Jedenfalls aus meiner Perspektive. Das tut weh. Besonders meine Frau leidet darunter und betet ohne Unterlaß für unsere Kinder. Sie wissen das und wissen auch, daß ihre Mutter für ihre Prüfungen, Bewerbungsgespräche, schwierige Situationen und Reisen gebetet hat. Ich habe das Gefühl, das sie das gern in Anspruch nehmen. Was weiter wird, weiß ich nicht. Aber, ehrlich gesagt, ich bin froh, daß wir sie nicht zur Taufe gedrängt haben. Von einer Gemeindemitgliedschaft ganz zu schweigen. Ob Gott ihnen gnädig ist und ihnen den kräftigen Tritt in den Allerwertesten gibt, den sie bräuchten, um zu Jesus zu finden, weiß ich nicht. Aber ich hoffe es. Meinen Söhnen habe ich auf einem gemeinsamen Urlaub im letzten Sommer gesagt, daß ich sie liebe und daß sie meinem Leben einen Sinn gegeben haben. Sie sind meine Söhne, auch wenn sie (vorerst) keine Kinder Gottes sind. Ich weiß also, wie das ist, wenn die eigenen Kinder andere Wege gehen. Wie heißt es doch: ‘Gott hat keine Enkelkinder’. Jede Generation muß ihren Weg zu Gott selbst finden.

9 07 2008
wegbegleiter (18:29:38) :

@Hans: ach, ich glaube, das ist eine der allerschwersten Lektionen des Lebens, die eigenen Kinder loszulassen, die man bis zum Herz-zerbrechen liebt. Wir sind nun auch schon schwere Wege gerade mit unserer Jüngsten gegangen und ich habe dabei teilweise gelitten wie Sau. Und wenn ich meinen Sohn Ole anschaue, dann springt mein Herz vor Freude - auch wenn er Unsinn anstellt (oder vielleicht gerade deswegen?). Wenn ich daran denke, dass sie eines Tages den Weg bewusst ohne Gott gehen? Gar nicht auszudenken. Aber wie heisst es so schön: Leben heisst loslassen. Wie viel einfacher ist machen, machen, machen… wie schwer ist loslassen…

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