Amoklauf in Winnenden: nennen wir das Kind beim Namen!

11 Tote bei einem Amoklauf in einer württembergischen Realschule. Gerade eben. Nun werden sie wieder kommen. Die Stimmen, die Politiker mit betroffenem Dackelblick, Psychologen, die es erklären, die den sozialen Hintergrund klären, die uns deutlich machen: das sind Spezialfälle, die sind anders als ihr Fernsehzuschauer. Ihr seid brav, einige wenige Idioten, die vereinsamt Ballerspiele durchorgeln, die sind böse. Die BILD-Zeitung, dieses unsägliche, verblödende Hetzblatt, wird wieder moralisch entrüstet tun, so moralisch man eben sein kann, wenn man Bibeln verkauft und gleichzeitig die erste Seite mit Frischfleisch garniert. Der “Mann von der Straße” wird irgendwas von einsperren und wegsperren und böse Jugend faseln. Und alle werden sich gut dabei fühlen, denn sie sind ja nicht so.

Problem: doch, sie sind so. Die schlimmsten Massaker der Weltgeschichte wurden von braven Familienvätern verübt. Ich brauche die Namen der Orte des Grauens nicht zu nennen. Was nun wieder abgehen wird, ist eine unsägliche humanistisch verklärte Schwafelei und Gutmenschentum höchster Güte. Natürlich muss man nach Ursachen suchen und Schulen helfen, so etwas vorzubeugen. Aber der Kern dahinter ist einfach: Sünde. Die Fähigkeit zum Schlimmsten in jedem Menschen. Die Decke der Zivilisation ist extrem dünn. Und unsere Gesellschaft seit der unseligen Ausrichtung auf Geld und materiellen Wohlstand seit den 50er Jahren trägt daran strukturelle Mitschuld. Unser System züchtet solche Menschen. Weil es sinn-entleert ist. Geld ist ein beschissener Gott. Wohlstand und Wachstum ein Ziel, das sich spätestens im Sarg als vollkommen verblödet offenbart.

Schauen wir doch endlich auf die Ursachen und packen es an. Beenden wir die christliche Selbstbefriedigung und tun endlich das, was uns Jesus aufgetragen hat: mit ihm in den Bau des Reiches Gottes einzustimmen. Zu heilen, Dämonen auszutreiben (was sind die Dämonen dieser Gesellschaft?), zu verkünden, zu taufen, zu lehren, zu begleiten, zu lieben und um jeden Preis mit mutigem Herzen die Wahrheit zu sagen.

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update um 23 Uhr:

mich schmerzen die vielen Menschen in Trauer. Die Tränen. Die Fassungslosigkeit. Die zerstörten Familien. Die diabolische Wahllosigkeit des Tötens. Ich denke an die Menschen und bete für sie. Tu das doch auch, wenn du das liest…

Und weiter: unser vorgegaukeltes Sicherheitsdenken ist auch noch so ein Baustein. Er bröselt seit 9/11, er bröselt seit der Weltwirtschaftskrise, er bröselt immer weiter. Was oder wer gibt Sicherheit? Wer an eine sichere, heile Welt glaubt, der wird über ein solches Massaker erschüttert und erschrocken sein. Ich bin erschüttert, aber nicht erstaunt.

Und ein Letztes: ahnen die Menschen, dass hinter solchen grauenhaften Vorgängen reale geistliche Mächte stecken? Wie sagte mal jemand (wer war es noch gleich…): die Tragödien des Lebens kann man nur ertragen und angehen, wenn man sie als Teil eines kosmischen Dramas zwischen Gut und Böse begreift… wie gut, dass der Kampf geschlagen ist. Ein zugegeben für Nichtchristen vollkommen abgedrehter Gedanke. Aber eben auch Teil der Realität.

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update: Nach 60 Kommentaren, die kaum noch einer nachlesen kann, schließe ich die Diskussion. Manches wiederholt sich und Vorwürfe werden erneut adressiert, obwohl diese bereits angesprochen und beantwortet wurden. Vielen Dank für das rege Mitdiskutieren!

61 Gedanken zu “Amoklauf in Winnenden: nennen wir das Kind beim Namen!

  1. Hans sagt:

    Kyrie eleison

  2. [...] Und last but not least eine recht radikal-christliche Sicht, die das Böse auf der Welt eschatologisch betrachtet: wollen wir uns so verhalten, dass das Reich Gottes bereits im Hier und Jetzt beginnen kann, so wie Jesus es eins lehrte. Wollen wir dafür sorgen, dass die Liebe Gottes auch heute schon spürbar ist – um damit gesellschaftlichen Missständen entgegenzuwirken. Ein nicht ganz fernliegenderAnsatz, speziell für Christen: > hier. [...]

  3. andi-ranze sagt:

    Alles schön und gut. Wir leben in einer sündigen Welt. Und nicht erst der Geist des Humanismus gaukelt uns Sicherheit vor und versucht, uns einzulullen. Das wird schon seit 2000 Jahren versucht.

    Doch es stimmt nicht, dass wir Christen uns nur noch um uns selber drehen, uns gegenseitig auf die Schulter klopfen ob unseres Privilegs des Glaubens. Wohin man sich auch wendet, überall befinden sich Christen im Einsatz für den Herrn. Vielleicht nicht so deutlich sichtbar und so spektakulär, wie es sich wohl einige wünschen. Aber sie sind da. Betend, kämpfend und Verheißungen folgend.

    Die “Gegenseite” hat dies schon längst bemerkt. Und verfolgt neben dem offenen Kampf und direktem Angriff eine weitere Taktik: Kleine Stiche. “Zufällige” Seitenhiebe. Ironie. Vieles, was bedeutungslos scheint. Eigentlich zu harmlos, um als Verfolgung erkannt zu werden. Eigentlich. Daher warten immer noch viele auf den Angriff, der längst schon da ist.
    Viele. Aber nicht alle.

  4. wegbegleiter sagt:

    @andi-ranze: das wollte ich auch nicht absprechen, dass es Christen gibt, die die Menschen da draußen sehen und denen das Herz dabei weint und die anpacken. Aber es gibt auch die andere Seite: ein Wohlfühlchristentum, die stete Frage: “wie geht es mir denn, ist meine Gemeinde auch nett zu mir, geschieht mein Wille?”, Haarspaltereien um Bibelbersetzungen, Kirchengemeinden, die sich mehr um Häkelkurse und Yoga nach dem Vater-Unser drehen als um das, was zählt. Nicht wenige Christen leben mehr im Rückzug und in der Abgrenzung, was sie nicht sind, anstatt für das zu kämpfen, was ihnen geschenkt worden ist. Ich sehe mich da durchaus selbstkritisch!! McKinsey hat vor einigen Jahren mal den Landeskirchen etwas zurückgemeldet und das müssen sich auch charismatische und evangelikale Freikirchen sagen lassen: besinnt euch auf die Kernkompetenz. Die befreiende Botschaft. Die Radikalität des Glaubens. Lebt Versöhnung, liebt wild und ungewöhnlich das Verlorene. Kämpft für Gottes Gerechtigkeit. Ganz nüchtern, ganz gelassen: heilt, macht den Mund auf, berührt, treibt aus. Aber du hast Recht: es werden mehr, die beides zusammen bekommen wollen! Gut so!

  5. Peter sagt:

    Ob man das Ganze nun als Beweis für die Macht der Sünde, die Untauglichkeit der Waffengesetze, die fehlenden Sicherheitsvorkehrungen an Schulen oder das latente Gewaltpotenzial unserer ganzen Gesellschaft ansieht: Mich macht eher nachdenklich, wie jeder seine altbekannte Moral durch die Tragödie bestätigt sieht (und – sorry Christoph – auch bereitwillig beim Namen nennt). Gibt es wirklich nichts zu lernen?

  6. wegbegleiter sagt:

    @Peter: natürlich kann man was lernen, mir ging es auch eher um das reflexartige und immer gleiche Reagieren von Politikern und Psychologen. Die auf einem bestimmten Menschenbild aufbauen und wenn ich dieses falsch definiere, dann lande ich meines Erachtens nicht bei Lösungen, die wirklich greifen. Ähnliches erlebt man auch in der Schulpolitik und in vielen anderen Bereichen. Stereotype wie: gute Schüler, böse Lehrer u.v.m., anstatt hilfreich zu kapieren: den Gutmenschen gibt es nicht.

    Und auch sorry: wenn eine Moral altbekannt aber richtig ist, dann ist es doch gut, wenn man sie beim Namen nennt! Dann kann man die richtigen Schlussfolgerungen ziehen und wirklich helfen, nämlich z.B, die strukturelle Sünde unserer Gesellschaft ansprechen, anstatt immer nur auf zu kurz gehüpften Lösungsansätzen zu beharren (Ballerspiele zensieren etc.). Wenn man natürlich davon ausgeht (was ich dir nicht unterstelle, obwohl das “jeder seine Moral” doch arg postmodern klingt…;-D), dass es DIE Moral gar nicht mehr gibt, dann wird es schwer…

  7. Bernd sagt:

    Erst wenn wir uns selbst lieben können ( dass ist oft gar nicht so einfach )
    dann können wir andere -auch den ärgsten Feind lieben.
    Dass heißt nicht , so zu tun als wäre die Welt heil, nein dass hat uns Jesus erst ver-
    heißen wenn ” ER ” wiederkomt.
    Aber er sagt: Haltet Frieden mit Jedermann so es an Euch liegt.
    Versuchen , schadet auf keinen Fall.

  8. marco sagt:

    Amen und Hallelujah,
    lasst uns die Botschaft so einfach halten wie sie wirklich ist!
    Rausgehen und Gottes Güte, Gottes Liebe in die Welt bringen,
    Herzen für Ihn auzünden, die GUTE (!) Nachricht verkünden!
    Leute in eine Begegnung mit Ihm und Seiner Liebe zu führen!

  9. ini sagt:

    toller beitrag, um die vorurteile gegenüber christen in unserer gesellschaft erneut bestätigt zu sehen.

    entweder es ist nur ungeschickt formuliert – oder ich lese hier tatsächlich, dass wir eigentlich wieder zurück in die 50er müssen. noch vor die soziale marktwirtschaft. denn streben nach erfolg ist unheilig, macht primär kaputt, geld ist sowieso die wurzel allen übels.
    und ich lese hier: macht alle welt zu christen, dann ist das problem von hass und gewalt gelöst. was sollen die politiker denn sagen? “wir haben da was in der bibel gelesen, beschäftigt euch damit, dann wird alles besser?” warum sollte ich mich als christ solchen utopien hingeben?? zu diesem punkt werden wir nie kommen. und ich finde es unglaublich kontraproduktiv, diesen punkt ständig wieder als christliches fernziel anzuführen. innere umkehr findet (überraschung!) innen statt. wir können diese gesellschaft nur stück für stück ändern. alle anderen forderungen nach einem christlichen “gottesstaat” sind fern jeglicher realität – und meiner meinung nach auch fern jeglicher biblischer aussage.

  10. Draconis sagt:

    Was in Winnenden Passiert ist, ist eine große Tragödie, und ich stimme zu das vieles von dem was nun an diskussion zu diesem Thema geführt werden wird, vermutlich mal wieder weit am kern der sache vorbei gehet. Man sucht erklärungen für etwas, das so einfach nicht zu greifen ist. Die antworten die man sich gibt, füllen vieleicht kurtzfristig das die Leere die ein solches ereigniss in die Seelen reißt. Aber langfristig ändert es nichts an der situation, und nichts an den wurtzeln.

    Aber ist Sünde letztlich nicht ebenso ein schlagwort. ein Leerer begriff der stellvertretend für alles heran gezogen wird was in unserer Gesellschaft scheinbar verkehrt läuft. Letztlich suchen auch christen nur nach Sündenböcken, anstadt nach lösungen. Vieleicht sind es hier andere Kühe als sie von den Politikern durchs Dorf getrieben werden. Doch letztlich ist es auch nur ein Einlullen um sich selbst als besserer Mensch fühlen zu können.

    Letztlich sind wir alle mit Schöpfer der welt in der wir Leben, und enbenso Teil der gesellschaft, die wir als so schlecht empfinden. Diese welt zu heilen und zu versöhnen ist etwas das kein Gott und kein Heiland vermag, sondern nur Menschen.
    Keiner alleine mag die welt verändern. aber jeder einzelne kann sich ändern. Und durch das was er lebt letztlich in die welt trägt diese mit bestimmen. Das ist unsere verantwortung.

    Was die Toten des heutigen Tages Betrifft, egal ob opfer oder Täter, so mögen ihre Seelen sicher den weg ins nächste Leben finde. Auf das ihnen in diesem mehr glück beschieden sein mag als in jenem das sie verließen.

  11. Charly sagt:

    Eine übersteigerte Anklage ist sicherlich auch eine Art Entsetzen zu verarbeiten.

    Und das hätte dann dieses Massaker verhindert?

  12. Charly sagt:

    Sorry, das Zitat wurde geschluckt:
    “Schauen wir doch endlich auf die Ursachen und packen es an. Beenden wir die christliche Selbstbefriedigung und tun endlich das, was uns Jesus aufgetragen hat: mit ihm in den Bau des Reiches Gottes einzustimmen. Zu heilen, Dämonen auszutreiben (was sind die Dämonen dieser Gesellschaft?), zu verkünden, zu taufen, zu lehren, zu begleiten, zu lieben und um jeden Preis mit mutigem Herzen die Wahrheit zu sagen.”

    Und das hätte dann dieses Massaker verhindert?

  13. Eule sagt:

    @Christof

    Dein Text ist präzise geschnitzt – und sitzt gerade deshalb so wohltuend schmerzhaft in der mit ratloser Betroffenheit zugemogelten Wunde einer im Amoklauf um das goldene Kalb des Kapitals sich und um sich tötenden Gesellschaft. Kurzum: In der angstbedingten Krankheit zum Tode, der Sünde schlechthin. Ich wünsche Dir für Dein weiteres Ringen von Herzen Gottes Segen mit 1 Joh 4, 16.

  14. andi-ranze sagt:

    @wegbegleiter: Das habe ich auch alles schon erlebt. Kuschelchristentum. Wellness für die eigene Überzeugung. Doch oft hat Gott mich dann eines Besseren belehrt. Ich war noch nicht lange Christ, als ich mich erstmals – natürlich zusammen mit anderen – über diese Art von Christen in unserer Gemeinde aufgeregt habe. Und auch damals schon (vor ca. 25 Jahren) war uns, glaube ich, der Begriff “Wohlfühlchristentum” geläufig. Man kann sich gut vorstellen, wie beschämt ich war, als ich einige Jahre später erfuhr, dass einige dieser “Wohlfühlchristen” schon seit über vierzig Jahren für meine Familie beteten, dass meine Bekehrung nur eins von vielen wunderbaren Ereignissen war, welche ihr Gebet erst bewirkt hatte.

    Seither habe ich immer wieder erlebt, dass sich unter der Oberfäche viel mehr tut, als man beim ersten – manchmal auch beim zweiten – Hinsehen vermuten kann. Ich treffe beruflich mit vielen unterschiedlichen Leuten zusammen. Auch hier durfte ich immer wieder erleben, dass sich unter den Christen in unserer Region viel mehr tut, als man von außen vermuten kann. Und am Wächtergebet, welches ich hier im unmittelbaren Umkreis koordiniere, beteiligen sich Christen aller Couleur, von konservativen Landeskirchlern bis hin zu charismatisch geprägten Christen. Gott ist groß und wirkt oft im Verborgenen. Aber er wirkt!

  15. wegbegleiter sagt:

    @ini: ich habe nirgendwo einen christlichen Gottesstaat gefordert, ich habe nirgendwo ein Zurückgehen hinter die soziale Marktwirtschaft gefordert, man liest halt gerne was hinein, gelle? Mir geht es primär um das Menschenbild und das bringt der Artikel deutlich raus. Der Täter ist der Böse – wir sind die Guten und sind nun entsetzt. Lösungsvorschläge aber, die auf dem falschen Menschenbild aufbauen, werden immer ins Leere laufen. Das Menschenbild: der Mensch ist nicht von Natur aus gut, sondern man muss bei jedem Menschen mit Bösem zumindest rechnen – würde egal ob christlich oder wie auch immer eingefärbt helfen. Dazu: Reich Gottes aufbauen geht immer nur durch einzelne Menschen an einzelnen Menschen. Und nicht von oben – das widerspräche der frohen Botschaft und habe ich so auch nicht geschrieben. Ich höre nur keine Politikerstimme, die mal ehrlich sagt: ach wissen sie, so viel anders sind wir auch nicht. Ich hätte gestern noch einen Autofahrer hinter mir erwürgen können… ich glaube, eine solche Bemerkung würde viel verändern im Diskurs.
    Zur Marktwirtschaft: Geld und Konsum und Wachstum sind der Gott dieser Gesellschaft und das kann für keinen Christen wünschenswert sein. Die 50er Jahre haben dafür den Grundstock gelegt. Wenn diese drei Dinge dienende Funktion HÄTTEN – dann wäre es ok. Aber sie sind zum Inhalt und Ziel geworden und das soll mich ruhig sein lassen??

    @Draconis: ist mir zu verquast, nur so viel: ich habe ja gerade NICHT betont, dass ich mich besser fühlen will durch meinen Artikel. Ich weiß, wozu ich fähig wäre… und diese Ehrlichkeit bringt uns weiter. Und sonst: jeder Mensch hat einen Gott, selbst der Agnostiker und der Atheist… fragt sich nur welchen…

    @Charly: eine berechtigte Frage. Ich weiß es nicht. Aber wer sich unendlich geliebt weiß von einem Gott, wer in der Nächstenliebe geschult wird durch das Vorbild Christi, wer aus der Gnade lebt und nicht aus einem übersteigerten oder zu geringen Ich-Bild, der wird nicht um sich ballern. Und bevor der Einwand kommt: die Gewalt im Namen Gottes hatte letztlich immer andere Götter im Hintergrund und nicht den Gott der Bibel. Macht, Geld, Rechthaberei etc… ich zumindest kann sagen: ich weiß, wozu ich fähig wäre und ich bin dankbar für die Begegnung mit einem gnädigen Gott.

  16. wegbegleiter sagt:

    @andi-ranze: JA! Stimme dir zu!

  17. wegbegleiter sagt:

    @Eule: danke dir für deine Segenswünsche und für die feine Bibelstelle!

  18. Charly sagt:

    Nun, wenn du auch nicht weißt, ob dieser gehobene Ehrgeiz bei Christen diesen Amoklauf verhindern könnte, wozu dann angesichts dieses entsetzlichen Massakers diese Nabelschau? Deine Art dein Entsetzen zu verarbeiten?

    Ich bin überzeugt auch die lebendigste Gemeinde kann solche gesellschaftlichen Entwicklungen nicht verhindern. Was ich aber meine ist, dass die Gemeinde Gottes jetzt sichtbar sein sollte und den betroffenen, den geschockten Menschen unseren barmherzigen, vergebenden und nicht zuletzt gerechten Gott zu präsentieren – und auf Anklagen und Fingerzeige auf Sünde zu verzichten. Selbst die unfrommsten Menschen sind sich in solchen Momenten der Sünde bewusst.

  19. ini sagt:

    @christof genau, du hast es nicht genau so geschrieben und ja, man liest gern etwas in dinge hinein (gelle.) – und genau deshalb finde ich es einfach extrem wichtig, sich mit bedacht auszudrücken, damit man eben nicht dinge in etwas hineinlesen kann. worum es primär in einem artikel geht, kann schon mit einer unbedachten bemerkung (und dazu zähle ich die 50er-jahre-bemerkung) völlig in den hintergrund gerückt werden.

    auch die behauptung, dass die schlimmsten massaker von braven familienvätern verübt wurden: wer definiert brav und wer kann hinter die fassade dieser nach außen evtl. wie brave familienväter wirkende menschen sehen und ob sie nicht doch auch schon in ihrer familie angst und schrecken verbreitet haben? welche fälle meinst du? das ist starker tobak, den du da auftischst und dient nicht unwesentlich deiner weiteren argumentation. sowas sollte nicht einfach nur daher gesagt sein. das aber nur am rande.

    auch kurz am rande: deine meinung, es täte gut, wenn ein politiker nach einem solchen tag raushaut: gestern hätte ich auch jemanden erwürgen können, sind wir doch mal ehrlich: eigentlich sind wir doch alle so, wie der schüler heute – huuuiii! sowas ist (zumindest wenn ich so etwas sage) immer nur als schwarzer humor zu verstehen – nicht als tatsächlich in erwägung gezogene handlungsmöglichkeit. der unterschied zu einem schüler, der 15 menschen (aus bisher ungeklärten motiven) kaltblütig ermordet – und das auch tatsächlich TUT und nicht nur aus ärger mit galgenhumor daran GEDACHT hat – ist mehr als eindeutig!! ich verstehe nicht, wie eine solche aussage eines politikers in einem solchen zusammenhang für ein besseres verständnis des christlichen menschenbildes sorgen soll.

    und nochmal grundsätzlich: ich sehe uns christen nicht in der pflicht, das system zu ändern (zumindest nicht ein system, das vom grundsatz her menschenfreundlich ist, beim stichwort diktatur etc. wäre das nochmal eine neue diskussion) – sondern allein einzelne menschen. selbst wenn es in deutschland plötzlich 80 millionen christen gäbe, die “aus der gnade leben und nicht aus einem übersteigerten oder zu geringen ich-bild” – unsere welt wäre nicht viel besser, denn satan hätte weiter freie hand, jeden anzufechten. ein grundsätzlich gutes system können wir im himmel erwarten. aber nicht hier auf der erde. für nichtchristen völlig “weltfremde” forderungen nach der einführung einer neuen sicht auf die menschen zu stellen, mit dem versprechen, alles würde besser, ist in meinen augen absolut kontraproduktiv und verstärkt nur die ohnehin oft sehr problematische öffentliche sicht auf christen.

  20. Apassionata sagt:

    Wenn ich die Bergpredigt lese, weiß ich ,wer ich bin und wozu ich fähig sein könnte. Bei Gott wird man ja schon zum Mörder und Ehebrecher, wenn man falsch denkt oder anzüglich guckt. Das Massaker in Baden-Würtemberg ist erschütternd. Ich für mich denke, wir müssen die Liebe Jesu spürbar zu unseren Nächsten tragen, sei es durchs weitersagen oder durch Wärme und Zuwendung, die wir geben und den Nächsten fühlen lassen.

  21. [...] Blog-Beiträge zum Thema hier, dort, hier, dort, hier, dort, hier, dort, hier, dort, hier, dort, hier, dort, hier, dort, hier, [...]

  22. paulsen sagt:

    Nur ein kurzer Einwurf:
    Bei aller Liebe für saloppe Formulierungen: Angesichts der Tragik der Vorkommnisse von “Politikern mit betroffenem Dackelblick” zu reden, halte ich nun doch für ziemlich unangemessen. Den Reaktionen von Bundespräsident Köhler, Kanzlerin Merkel oder Familienministerin von der Leyen hat man zum Beispiel meines Erachtens echte Betroffenheit und echte Erschütterung über das unfassbare Geschehen abgespürt. Und auch den Schlußsatz von Frau Merkel “Wir denken an die Angehörigen der Opfer und beten für sie” halte ich für durchaus bemerkenswert. – Wie gesagt: Nur ein kurzer Einwurf. Der Grundaussage des Kommentars stimme ich ansonsten durchaus zu.

  23. jan.haa sagt:

    1. Johannes 4 ; 16 :

    Das haben wir erkannt, und wir vertrauen fest auf Gottes Liebe. Gott ist Liebe, und wer in dieser Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

    Ich möchte allen Kommentatoren von Herzen danken, für klaren Worte, für die
    Zeugnisse und Bekenntnisse.
    Diese zu lesen, haben mir sehr gut getan.
    Und gemeinsam gelesen mit 1.Joh. 4 ; 16 als Bestätigung waren sie eine
    wohltuende Morgenandacht.

    als Bestätigung,

  24. wegbegleiter sagt:

    @paulsen: es ist wohl die Problematik eines teils überspitzt satirischen Zwischenrufs, manchmal und in manchen Herzen unangenehm anzukommen. Das tut mir leid. Wobei ich Merkel ähnlich positiv wahr genommen habe, Köhler wieder einmal erschreckend blass und floskelhaft… überhaupt rotiert in solchen Zeiten die Phrasendreschmaschine in echter Hilflosigkeit auf Hochtouren. Die Aussagen sind fast auswendig mitsprechbar. Da ist die Aussage: “wir beten für sie” die ehrlichste, die man tätigen Kann.

    @charly: eben nicht. Wie die FAZ heute schreibt: “durch die Bilder des Grauens darf sich der unbescholtene Bürger noch ein bisschen unbescholtener fühlen”. Und genau DAS ist die Verdrängung der Wirklichkeit – wozu wir alle fähig sind. Diese deutliche Einsicht würde helfen. Die Sünder sind eben nur die anderen…

    @ini: natürlich war die Politikerbemerkung nicht ganz ernst – aber auch du verfehlst die Realität und nur die Wahrheit macht letztlich frei für neue Handlungsmöglichkeiten. Wer waren denn die Täter eines Massaker von Srebrenica? Was ist in diesem ganzen Krieg (exemplarisch) geschehen? Die Berichte sind da eindeutig. Familien haben nebeneinander gelebt, die Kinder haben zusammen gespielt, man hat zusammen gegrillt. Und wenige Wochen später wendet sich ein Nachbar gegen den muslimischen Nächsten und bringt ihn um, vergewaltigt Frau und manchmal auch Kinder und tötet sie auf brachialste Weise. Es bringt uns nicht weiter, diese Fakten von uns zu weisen. Und noch einmal: ich habe nirgendwo vom Gottesstaat gesprochen, sondern nur von der Frage: wie kann man ein Stückchen Reich Gottes in die Welt bringen. Verhindern wird man Sünde nie können und wer mein Blog kennt, der weiß, dass ich kein Utopist bin. Aber man wird doch wohl überlegen dürfen, was es für Handlungsmöglichkeiten gibt und sorry – Handlungsmöglichkeiten, die auf falschen Grundaxiomen beruhen (der Mensch ist eigentlich gut z.B.) führen zu falschen Ergebnissen. Es handelt sich dabei nicht um eine Forderung – sondern um Fakten! Das Menschenbild ist doch nicht zementiert! Ich habe Gefängnisarbeit gemacht einige Jahre und komisch: wenn man zu diesen Menschen geht, braucht man gar nicht am Menschenbild zu arbeiten – die meisten wissen, was Sünde ist und wissen, dass sie Böses getan haben. Geht doch! Ich saß vor einer Woche auf Mallorca beim Frühstück mit einem jungen Mann zusammen (mein Alter, räusper), der war offensichtlich kein Christ und meinte irgendwann: doch, er betrachte die Welt als im Kampf zwischen Gut und Böse befindlich, das würde er spüren und er würde bei seinen Kindern beobachten, wie sie zum Bösen fähig sind und deswegen müsste eine Politik und eine Erziehung das berücksichtigen. AMEN!!! Geht doch. Ich weiß nicht, warum DAS schlecht sein soll, einen gesellschaftlichen Diskurs über das Menschenbild zu führen. Aber wir können auch gerne kapitulieren, Ini, und auf falschen Axiomen weiter Pläne schmieden und bestimmt haben wir bald eine neue Waffenschrankverordnung. Toll.

  25. Quincy sagt:

    Ohne mir alle Kommentare hier genau durchgelesen zu haben, bin ich froh, dass Du dieses Thema aufgegriffen und wie immer klar auf den Punkt gebracht hast. Ich hab mich da nicht ran getraut. Ich bin einfach traurig und erschüttert.

    Neben der Tragödie finde ich am schlimmsten wie schnell sich die Menschen mit irgendwelchen windigen Erklärungsversuchen zufrieden geben. Klar der Junge hat Computergames gespielt, dann noch Metal-Musik gehört und Horrorfilme gesehen – das reicht aus um die Ängste und Sorgen wieder nach hinten zu verdrängen.

    Wie sich sowas verhindern läßt und was die Ursachen waren? Ich denke Christof hat genau ins Schwarze getroffen. Menschen sind einfach zu allem fähig und man kann sie zu allem benutzen. Heilung bring nur Jesus.

  26. Hans sagt:

    Hallo Leute, ich wundere mich über Eure wort- und geistreichen Kommentare. Wißt Ihr, was man empfindet, wenn man im 16. Stock eines Hochhauses sitzt, und ein Erdbeben alles ins Wanken bringt? Ich habe das erlebt, wie das ist, wenn es nichts mehr gibt, woran man sich festhalten kann, weil alles entgleitet. So geht es mir hier, ich bin sprach- und hilflos zugleich. Mehr als das ‘Kyrie eleison’ (siehe den ersten Kommentar zu diesem Post) bringe ich immer noch nicht heraus. Der Fürst dieser Welt hat uns wieder mal gezeigt, wer hier das Sagen hat. Noch … Maranatha!

  27. wegbegleiter sagt:

    @Hans: Ja. Wenn wir doch nur verstünden, dass der Kampf tobt… und alles Vertrauen auf den Herrn setzten… aber wie weit sind wir davon entfernt, manchmal selbst Christen… wir werden nie ein Paradies auf Erden schaffen, beten wir, ringen wir, dass sein Reich komme… Segen!

  28. Bento sagt:

    hmm – an heißen Eisen kann man sich eigtl. immer nur die Finger verbrennen, wenn man sie in die Hand nimmt und ich wollte auch grade weiterklicken und mich um eine Positionierung drücken..

    wir suchen nach Ursachen und Lösungsvorschlägen, doch von Jesus werden wir in andere Richtung gewiesen:
    Zu dem Massaker des Pilatus oder dem eingestürzten Turm von Siloah in Luk.13 (Mord/Unglück) sagt Er klar, dass es NICHT um die SchuldFragen geht (es sollen auch nicht zuerst die Bau- und Sicherheitsvorschriften für Türme neu überarbeitet werden oder über die Tauglichkeit von Gesellschafts- und Regierungsformen nachgedacht werden), sondern Seine Botschaft ist eindeutig:
    Tut Buße! – ändert euer Denken und Trachten, kehrt um, wendet euch vom selbstsüchtigen Leben und dem Götzendienst ab und wendet euch mit ganzer Hingabe dem Vater zu, damit SEINE Herrlichkeit offenbar wird und Menschen erkennen, wo die Rettung ist inmitten der gefallenen Welt und ihrer Katastrophen…

  29. Bento sagt:

    Sein Segen uns allen!

  30. wegbegleiter sagt:

    @Bento: wir sind wieder mal parallel – ich habe gerade meine Predigt für Sonntag beendet: unter dem Segen Gottes leben. Eine große Frage in schwerer Zeit… Christus ist zum Fluch geworden, damit wir im Segen leben können… (Galater 3,13-14…).

  31. PVM sagt:

    Bete, ob du kannst oder nicht, ob du fröhlich oder betrübt bist. Bete, mit vielen Worten, mit wenigen Worten oder ganz ohne Worte. Gewiss erhältst du eine Antwort, die dir Frieden gibt. John Wesley

    Mögen die Betroffenen und Trauernden Mitleiden und Hilfe erfahren durch betende Menschen.

    Psalm 95, In Gottes Hand sind die Tiefen der Erde, und die Höhen der Berge sind auch sein.

    Möge diese Kraft und Allmacht Gottes die Herzen berühren… alles ist in SEINER Hand… nichts und niemand ändert das… selbst mangelndes Verständnis, Verlust und Trauer ändern die erbarmenden Wege Gottes mit den Menschen nicht.

    Kolosser 2, V 2 auf daß ihre Herzen getröstet sein mögen, vereinigt in Liebe und zu allem Reichtum der vollen Gewißheit des Verständnisses, zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes,

    Wo sonst soll denn Hilfe und der Blick nach vorn herkommen?

  32. Amokläufe, scheinheilige Betroffenheit, richtige und falsche Theorien…

    Da sind sie also wieder, die Betroffenheitsgesichter der Journalisten, um uns “das Unbegreifliche begreifbar zu machen” (wie sie so schön daherschnulzen), während sie uns von ihren Spontanerrektionen anlässlich des Amoklaufs in Baden-W…

  33. Charly sagt:

    @charly: eben nicht. Wie die FAZ heute schreibt: “durch die Bilder des Grauens darf sich der unbescholtene Bürger noch ein bisschen unbescholtener fühlen”. Und genau DAS ist die Verdrängung der Wirklichkeit – wozu wir alle fähig sind. Diese deutliche Einsicht würde helfen. Die Sünder sind eben nur die anderen…

    Also bitte, seit wann ist denn die FAZ ein verlässlicher Maßstab für das Sündenbewusstsein der Gesellschaft?
    Ich weiß jedenfalls dass ich einem anklagenden und “Sünde” rufenden Christen (selbst als Christ) in solchen Zeiten kein Ohr leihen würde. Schon garnicht wenn dieser mir ein schlechtes Gewissen machen will, weil ein einzelner ein derart extremes Massaker verübt hat.

  34. wegbegleiter sagt:

    @Charly: wow, das war nun ein niveauvoller Beitrag. Wie dumm, dass das “Sünde rufen” zu biblischer Zeit die Propheten gemacht haben. Nicht ohne das Angebot der Versöhnung. Wie dumm, dass – siehe Bento oben – Jesus genau das gemacht hat. Buße gepredigt, Versöhnung angeboten. Das böse, böse S-Wort. Man darf es nicht sagen, Sünde nicht, Satan nicht. Trost den armen Hinterbliebenen, gemeinsames Trauern, Weinen, Klagen. Aber allen Scheinheiligen, die glauben, sie seien besser, sei genau das gesagt. Denn es geht nicht um schlechtes Gewissen (wobei – was wäre daran schlecht?), sondern um Realität. Und nochmal wie gesagt – ich nehme mich da nicht aus. Nur die Wahrheit – und die erkennen ja sogar manche Nichtchristen, siehe weiter oben – bringt weiter.

  35. Charly sagt:

    Och nun bitte, das habe ich so nicht gesagt. Das was ich hier sage ist, dass es eine Zeit gibt die Menschen auf ihre Sünde anzusprechen und eine Zeit – so wie diese – ihnen die Barmherzigkeit und Gerechtigkeit Gottes zu präsentieren. Glaub mir, ich bin einer der Letzten, die sich davor scheuen klar von Sünde zu reden. Hier aber angesichts dieser Tragödie einen pauschalen Sünderuf erschallen zu lassen, empfinde sicherlich nicht nur ich als völlig haltlos und eher abstoßend.
    Deine Art der Formulierung wird hier ja bei weitem nicht nur von mir bemängelt. Es ist die Art deiner Formulierung und das du hier mMn völlig unpassend meinst die Sünde, mit der alle Menschen – incl. Christen – zu kämpfen haben, als Ursache einer Gräueltat eines Einzelnen zu beschwören. Mit – wie du es nennst – Satire hat dein Posting mMn nichts gemein. Du äußerst darin mMn lediglich, dass dir das nötige Einfühlungsvermögen fehlt.

  36. wegbegleiter sagt:

    @Charly: ich fände es schön, wenn wir uns nicht noch weiter vom Textsinn meines Beitrags entfernen und uns hier gegenseitig beharken. Ich habe deutlich gesagt, dass mein Mitgefühl – auch im Beitrag im update deutlich zu sehen – den Betroffenen gilt und dass ich mit trauere, ich rufe zum Gebet für sie auf und habe gerade eben noch geschrieben, dass man mit ihnen trauern und weinen muss. Ich würde keinem Trauernden mitten Themen wie Sünde kommen!

    Mein Ruf nach einem anderen Menschenbild gilt denen, die glauben, sie könnten mit dem Finger auf den Täter zeigen und sich dabei besser fühlen. Ich habe außerdem nur in einzelnen Formulierungen satirisch überspitzt, das Gesamte ist sehr ernst gemeint. Unfreiwillige Satire finde ich eher die Betroffenheits-Rhetorik einer Bild-Zeitung oder mancher Politiker. Sünde ist letztlich Gottesentfernung und die einzelnen Sünden weisen darauf nur hin. Und wenn Menschen ernsthaft nach der Lehre aus einem solchen grauenhaften Massaker fragen, dann würde ich ihnen mit Jesus antworten (Lukas 13):

    Es kamen aber zu der Zeit einige, die berichteten ihm von den Galiläern, deren Blut Pilatus mit ihren Opfern vermischt hatte. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Meint ihr, daß diese Galiläer mehr gesündigt haben als alle andern Galiläer, weil sie das erlitten haben? Ich sage euch: Nein; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen. Oder meint ihr, daß die achtzehn, auf die der Turm in Siloah fiel und erschlug sie, schuldiger gewesen sind als alle andern Menschen, die in Jerusalem wohnen? Ich sage euch: Nein; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen.

    Solche Vorkommnisse sind grauenhaftes Abbild eines geistlichen Kampfes – darauf wird man hinweisen dürfen. Und sie sind eine Ermahnung, Versöhnung mit Gott zu suchen. Nur mal angenommen, eine Gang hätte eins unserer Kinder umgebracht… ich wüsste, wie sehr ich damit zu kämpfen hätte, nicht selbst eine Knarre zu nehmen und sie hinzustrecken… und damit bin ich kein Deut besser als diese Junge. Vor Gott zumindest.

    Ob mir – wie du freundlicherweise und wirklich vollkommen objektiv anmerkst – das Einfühlungsvermögen fehlt… das lasse ich lieber die beurteilen, die mich als Mensch kennen und die ich zum Beispiel als Seelsorger begleite.

  37. Eule sagt:

    @Christof

    Du hast Einfühlungsvermögen – das paust sich in jedem Deiner Beiträge durch. Du hast auch keinerlei Drohbotschaft formuliert, sondern thematisiert, daß die angstgenerierte Zielverfehlung des Menschen – d i e Sünde also – sich in soziokulturelle Strukturen übersetzt, Strukturen des Bösen, der Finsternis. Zu verschweigen, daß die ganze Welt in der Hand dessen liegt, der böse ist, hieße ja gerade, den eschatologischen Zukunftshorizont zu vernebeln. Summa summarum: Setzen wir also Vor-Zeichen unserer Hoffnung – in Denken, Wort und Tat. Zur Ehre Gottes. Möge Er uns armen Schweinen gnädig sein.

  38. [...] Eine radikaler Wahrheitsnenner… [...]Und unsere Gesellschaft seit der unseligen Ausrichtung auf Geld und materiellen Wohlstand seit den 50er Jahren trägt daran strukturelle Mitschuld. Unser System züchtet solche Menschen. Weil es sinn-entleert ist. Geld ist ein beschissener Gott.[...] [...]

  39. Seb sagt:

    Und ich frage mich immer noch ernsthaft, warum in einem Land, das den Holocaust verursacht hat, bei dem zehntausende von freidliebenden Familienvätern andere Familien abgeschlachtet haben, tatsächlich noch jemand vor einem Rätsel steht, wenn ab und zu mal ein Einzelner kollabiert.

  40. sabina sagt:

    Dein Update …

    Amen.

  41. Felyx sagt:

    Ganz davon abgesehen, dass ich überzeugter Atheist bin, und daher mit dem christlichen Teil der Argumentation schlicht nichts anfangen kann:
    Ich sehe keine Alternative als die Ausrichtung unserer Gesellschaft auf Weiterentwicklung, Wohlstand und Wachstum. Wie sähe sie auch aus? Im (wie auch immer gearteten) Sozialismus gäbe es keine solchen Gewalttaten? Wer glaubt das denn ernsthaft?

    Einige Menschen werden sich leider immer so labil/verzweifelt/hilflos/ängstlich entwickeln, und bei einigen führt dies dann zu einer solch schrecklichen Handlung. Natürlich kann man sich über gesetzliche Maßnamen unterhalten, aber wenn der derzeitige Aktionismus in Verbote ausartet, dann sehe ich eher eine Gefährdung der Freiheit jedes Einzelnen.

  42. wegbegleiter sagt:

    @Felyx: ich glaube, im ersten Satz liegt das Problem: die Alternative ist nicht Sozialismus, wurde hier nirgendwo geschrieben, sondern die Liebe Christi. Wachstum, Geld, Wohlstand sind nette Diener, aber schlechte Herren. Jeder Mensch – auch der Atheist – hat einen Gott, fragt sich nur welchen… Und noch einmal: das Potential zum Bösen steckt in jedem! Diese realistische Sicht würde weiter helfen – denn lange nicht jeder Täter ist labil/einsam/hilflos…

  43. Felyx sagt:

    Ich finde es immer etwas dreist, wenn behauptet wird, dass jeder Mensch einen Gott habe.

    “Das Böse” für Gewaltverbrechen verantwortlich zu machen hilft bei der Diskussion ja nun auch nicht grade weiter. Und dass “jeder” hierzu fähig wäre, mag unter extremen Bedingungen stimmen. Aber im täglichen Leben, das wir nunmal leben, sind es in erster Linie soziale Spezialfälle, die zum Täter werden.

  44. wegbegleiter sagt:

    @Felyx: da hast du Recht – mir geht es ja auch eher um die Empörung der “Guten”, die zu so was nie fähig wären (denken sie). Wer an den eigentlich guten Menschen glaubt, hat einfach ein meines Erachtens falsches Axiom und schließt daraus eben die falschen Therapien nach einer schiefen Analyse. Deswegen ist es sehr wohl wichtig, welche Axiome ich habe – denn daraus folgt alles andere.

  45. reg sagt:

    wie wäre es mit stellvertretender Busse vor Gott, oder sogar busse vor den angegörigen, dass wir christen selber oft versagen und zu lau sind. WIR klingt besser als IHR. Anklage gegen politiker und volgäre aussprache ist keine lösung…nur versteckter Ärger und Zorn oder hilflosigkeit oder Verwundung aus der Vergangenheit.
    was erwarten wir denn von Politikern – die ohne Jesus im zentrum leben?
    und was erwarten wir von Gott – einem liebenden Vater, der auch weint und betroffen ist…über so viel unnötiges Leid tag täglich.

  46. Eule sagt:

    “Ursache der Finanzkrise: Gier fraß Hirn” – so lautet bemerkenswerterweise ein heute auf http://www.idea.de/index.php?id=21 veröffentlichter Artikel. Warum dieser Hinweis? Die bereits mehrfach genannte Zielverfehlung resp. Krankheit zum Tode hat als Bewegung gemäß Martin Luther eine Endstation: Gier und Habsucht, die der Mensch bis zum Exzess zu Ende denken kann. Es besteht in der Perspektive christlicher Anthropologie also durchaus ein konkret nachvollziehbarer Zusammenhang zwischen innerer Grundausrichtung und Sozialstruktur, ja – da ist Christof nur zuzustimmen – sowie dem derzeit kultivierten Menschenbild, dem sog. “flexiblen Menschen” (Richard Sennett). Der “flexible Mensch” ist indes nur eine weitere Variante des sich durch seine eigene Leistung legitimierenden, kurzum sich selbst rechtfertigenden Menschen. Unter der Vorgabe eines derart menschenverachtenden Bildes sollte es nicht weiter verwundern, wenn Kinder und Jugendliche Schulen als das erleben, was sie de facto sind – als Verteiler gesellschaftlicher Chancen. Treten nun noch die primären Bezugspersonen, die Eltern, sekundierend hinzu, indem sie einfordern: “Nutze Deine Chance, oder Du bist aus dem Rennen”, dann entsteht ein Klima, das allenfalls noch Eskimos antörnt. Was bleibt dem Verzweifelnden? Die Flucht in die Innenwelt. Letztere implodiert – oder explodiert. Angesichts dieser Tragik wirkt das Betroffenheitsgetue nicht weniger Zeitgenossen als ebenso blind wie bekloppt. Namenlose Angst und Verzweiflung indes beruhigen sich nur im Gegenüber einer bedingungslosen Liebe, die der Christ in Jesus Christus, in seinem Wirken erkennt und glaubt. Dort hat er sein Heil. Gott sei mit uns in Seiner unbegreiflichen Gnade.

  47. nokturnaltimes sagt:

    Es sterben täglich 100 000 Menschen an den Folgen von Hunger. Darüber wird nicht täglich stundenlang berichtet. Aber wenn hierzulande Menschen erschossen werden, ist der bundesweite Aufschrei vorprogrammiert. Ein Beispiel der westlichen Verlogenheit.

  48. VauDeEmm sagt:

    Wenn nur Jesus Heilung bringt: Verlieren wiedergeborene Christen die Fähigkeit zum Amoklauf?

  49. Andy sagt:

    Guten Abend.
    Ganz ehrlich, das einzige was ich momentan aus dieser Diskusion rausziehen kann ist das man den Trauenernden zuhören muß. Das kann ich aber auch mit meinem naturalistischen Weltbild, für ein offenes Ohr brauche ich keinen Gott. Des weitern sollte man sich mal die Mühe machen und die elterlichen Struklturen welche überwiegend hinter den Jugendlichen stehen anschauen, nicht selten entdeckt man einen mittel bis stark ausgeprägten christlich Hintergrund. Die Welt auch nur im Ansatz in schwarz/weiß zu unterteilen halte ich für gefährlich, das Leben funktioniert so nun mal nicht.
    So leid es mir tut, aber das mit der Sünde liefert keine Erklärung und keine Lösung. Weiter Fälle wird man nicht durch Beichten und Beten verhindern können, sondern durch Psychologen und Sozialarbeiter in den Schulen.
    Es gab vor kurzem einen Weihbischof in Österreich, der hat von sich reden gemacht das hinter Katrina auch real geistliche Mächte steckten welche dafür sorgten das sämtliche Abtreibungskliniken in New Orleans dem Erdboden gleich gemacht wurden. Dieser Mann behauptet auch das Harry Potter ein satanisches Werk ist. Was kommt als nächstes? Scheiterhaufen? Und wie würde dieser Herr über Amokläufer urteilen? Was wäre denn wenn man gewalttätige Veranlagungen als gengetisch bedingt/abhängig wissenschaftlich beweist und manipulieren kann? Eben so wie man Gotteserfahrungen mittels eines Magnetfeldes welches bestimmte Hirnregionen stimmuliert erzeugen kann? Und vielleicht ist ja der Glaube wirklich eine art evolutionärer Schutzmechanismus zur Erhaltung der Art, das wir in psychischen Grenzsituationen eine Projektion haben die uns einen gewissen Halt gibt, so wie ich einem Kind einen Schnuller gebe damit es sich beruhigt?
    Bleibt nur die Frage welchen ‘Schnuller’ ich all den verzweifelten Jugendlichen gebe, die sich abgekapselt haben, in sich zurückgezogen sind und vielleicht irgendwann mal den Funken im Kopf haben es irgend wann mal allen zeigen zu müssen, sich auf diesen Tag vorbereiten, Ihn vielleicht sogar heimlich ersehnen? Schenkt den Kindern Aufmerksamkeit, hört Ihnen zu und gebt euch Mühe sie zu vestehen, begenet Ihnen mit Respekt, Würde und Anstand, denn sie sind genau so fühlende und Handelnde Personen wie ihr es seid. Wie sagte Kant doch sinngemäß: ‘Was Du nicht willst …’

    In diesem Sinne

  50. mentaer sagt:

    Ich bin Ateist. Glaube nicht an Gott. Habe den Text durch Zufall gefunden und bin leicht angetan. Ich bin zwar nicht auf dem selben Trichter wie ihr, aber ich denke auch, dass unsere Gesellschaft einer großen Unsinnigkeit verfällt. Ich bin der Meinung, dass der Glaube einfachen Menschen sehr wohl helfen kann. Ich glaube nicht, dass ein Gott oder ein Jesus ihnen helfen kann, aber der Gedanke dadran. Aber unsere Gesellschaft bietet wenig, an das wir Glauben können. Vielleicht ist das auch nur realistisch, vielleicht gibt es nichts langfristig Gutes an das wir glauben können. Die Decke der Zivilisation ist wirklich dünn und von allen Göttern ist Geld tatsächlich der beschissenste!

    Aber ich brauch mich auch nicht hinsetzen und die Zeit mit beten verschwenden oder meine Gedanken mit einem imaginären Gott teilen und sie in den Himmel schicken. Lieber teile ich meine Gedanken. Die Menschen denken viel zu wenig und noch weniger tauschen sie ihre wirklichen tiefen Gedanken aus. Und wenn ich an einen Gott oder einer Religion glaube verschwende ich die Kraft meiner Gedanken auf ein Ordnungssystem, dass mich in eine geistige Sackgasse lotst und ich immer fragen werde: was will Gott mir damit sagen? Macht die Augen auf! Zweifelt, fragt, denkt!

  51. [...] Amoklauf in Winnenden: nennen wir das Kind beim Namen! 11 Tote bei einem Amoklauf in einer württembergischen Realschule. Gerade eben. Nun werden sie wieder kommen. Die [...] [...]

  52. wegbegleiter sagt:

    @Mentaer: danke, dass der Glaube mir einfachen Menschen helfen kann. Dann brauche ich ja nicht weiter auf den Kommentar einzugehen. Sorry, aber ich erlebe Gott und das nicht durch Stimulation der Gehirnregion, sondern real. Die Experimente beziehen sich auf bestimmte Gehirnwellen und spirituelle, apersonale Wahrnehmungen – was mache ich aber damit, dass ich Jesus erlebe? Ihn höre….? Ab in die Klapse? Wenn Gott existiert, ist er der Baumeister des Ganzen hier und dann ist die Frage: was kann ich von ihm her lernen die Beste, die wir stellen können. Nicht für Sie, aber für Christen.

    @VaudeEmm (was heisst denn DAS?): gute Frage, die ihren eigenen Post würdig wäre. Gegenfrage: wenn man sich mal Jesusworte durchliest und sie wirklich ernst nimmt – passt dann ein solches Verhalten noch? Trotzdem brauchen wir nicht groß drumherum zu reden: Christen sündigen. Sie entfernen sich von ihrem Herrn und laufen wieder aus eigener Kraft und bauen Bockmist. Auch ich. Je näher ich aber an der Quelle bin, desto mehr kann ich anders leben und komme dem etwas näher, was Jesus in der Bergpredigt beschrieben hat. Sündlosigkeit ist Illusion und Religion im negativen Sinne kann im Menschen Schlimmes auslösen, haben wir genug gehabt. Frohe Botschaft, also Evangelium ist befreiend und nicht versklavend und setzt im Menschen die Fähigkeit zum Guten explosiv frei. Wieweit der das nutzt – das ist eine spannende Frage der Glaubenspraxis. Wenn ich mal in die Anfangszeiten unserer Bewegung schaue (1850 – Industrialisierung), dann ist gut belegt, dass Familien heiler geworden sind, wenn sich die Eltern zu Jesus gewendet haben. Der Vater hat aufgehört, seine Familie arm zu saufen, seine Frau zu schlagen, hat Verantwortung übernommen… hängt aber alles an der Hingabe in der Nachfolge Jesu, wenn ich es mal so theologisch ausdrücken darf. Wenn ich Glauben nur als spirituelles Vehikel zur Selbstverwirklichung betrachte, dann bringt das nix und ist ärger als vorher…

    @Eule: Respekt vor deiner Formulierungskraft! So knapp und gut und fundiert muss man es erst mal auf den Punkt bringen!! Merci!

  53. Eule sagt:

    Danke Dir, Christof ;-) .

  54. olyly sagt:

    “Was nun wieder abgehen wird, ist eine unsägliche humanistisch verklärte Schwafelei und Gutmenschentum höchster Güte. Natürlich muss man nach Ursachen suchen und Schulen helfen, so etwas vorzubeugen. Aber der Kern dahinter ist einfach: Sünde. Die Fähigkeit zum Schlimmsten in jedem Menschen. Die Decke der Zivilisation ist extrem dünn. Und unsere Gesellschaft seit der unseligen Ausrichtung auf Geld und materiellen Wohlstand seit den 50er Jahren trägt daran strukturelle Mitschuld. Unser System züchtet solche Menschen. Weil es sinn-entleert ist. Geld ist ein beschissener Gott. Wohlstand und Wachstum ein Ziel, das sich spätestens im Sarg als vollkommen verblödet offenbart.”

    Und was hier abgeht ist wieder mal der typisch christliche Versuch, ein Heilsversprechen zu konstruieren, das niemals auf Wahrheit beruhen kann.
    Wann jemals hat der Einzug des Christentums in nicht-christlichen Gesellschaftssystemen eine Verbesserung gebracht? Das missionarische Auslöschen fremder Kulturen ging gepaart mit der Förderung von Intoleranzen und Manipulationen nach Geschmack der Eroberer.

    Und was das humanistische Geschwafel betrifft: Klar ist, dass der Humanismus den Kirchen ein Dorn im Auge ist. Die internationalen Menschenrechtskonventionen wurden vom Vatikan bis heute nicht unterschrieben.

  55. olyly sagt:

    Übrigens: Strategisch nicht schlecht, kollektives Entsetzen zu nutzen um Kirchen wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Tut den Klingelbeuteln gut, nicht wahr?

  56. wegbegleiter sagt:

    @olyly: ach, das ist so unsachlich, das es kaum lohnt, ich könnte dir zahlreiche Beispiele nennen, wo Christen geholfen haben, die Gesellschaft positiv zu verändern, nehmen wir nur die Abschaffung der Sklaverei etc… lohnt aber nicht. Wenn dir dein Zynismus weiter hilft… deine beiden posts verraten mehr über dich als du denkst. Und wenn man dann bedenkt, dass selbst der Humanismus ohne christliche Vorgeschichte gar nicht entstanden wäre.. tja… aber lassen wir das.

  57. Heilung im Blutbad?

    Die beinahe zeitgleichen Amokläufe in Winnenden und im US-Bundesstaat Alabama offenbaren die menschliche Krise unserer globalisierten Gesellschaft. Deutschland gleicht Amerika mehr als es denkt, von der Wirtschaftskrise bis zur Mentalität. Was fehlt dieser Gesellschaft, dass es immer wieder zu solchen Exzessen kommen muss? Und was sagt uns der von dem Film „Zeiten des Aufruhrs“ (Sam Mendes, 2008) so treffend geprägte Ausdruck: hoffnungslose Leere?

    Beginnen wir unsere Suche bei dem 17-jährigen Täter von Winnenden. Die Polizei verkündete schon sehr bald ein „gekränktes Ego“ als Motiv. Ein Schulpsychologe sprach von Mobbing in den Klassen, das bekämpft werden müsse. Ein gefälschter Foren-Eintrag im Internet brachte es auf den Punkt: „Niemand erkennt mein Potential.“ Und was sehen 3,8 Millionen meist Jugendliche Zuschauer am Abend nach dem Amoklauf? Wie Vorbild Heidi Klum zusammen mit ihren zwei Side-Kicks teilweise noch minderjährige Mädchen fertig macht und hinterher scheinheilig fragt: „Ich weiß auch nicht warum die jetzt weint“. Im Rauswurf der Bewerberin Tessa zeigt sich dasselbe Muster, das den Täter Tim K. in Winnenden in eine Depression stürzte. Tessa beklagt sich in der Sendung „Germany‘s Next Top Model“, dass sie nicht als Mensch gesehen werde. Sicherlich ist es nicht Aufgabe einer Casting-Show Menschlichkeit zu demonstrieren, aber dieses Verhalten hat unsere Gesellschaft wie ein Krebs befallen. Bis hinein in die Schulen und Kindergärten reicht dieser Irrglaube, dass nur wer angepasst lebt, gesellschaftlich anerkannt werden kann. Die anderen werden ausgestoßen, wie vor 2000 Jahren die Aussätzigen.

    In der Legenda Aurea ist folgende Geschichte überliefert: Kaiser Konstantin wurde von einer unheilbaren Lepra befallen. Die Götzenpriester rieten ihm darauf dreitausend Kinder töten zu lassen und sich in dem noch warmen Blute zu baden. Doch die Mütter der Kinder kamen zu Konstatin und schrien in lautem Jammer. Da erbarmte sich Konstantin der Kinder, gab sie ihren Müttern zurück und nachdem ihm Petrus und Paulus im Traum erschienen waren, ließ er sich taufen. Das Taufwasser heilte schließlich seine Krankheit und Kaiser Konstantin befahl, dass von nun an das ganze römische Reich an Jesus Christus als den einzigen wahren Gott glauben sollte.

    Liest man diese Zeilen und denkt an die Schlagzeile der Bild-Zeitung „BLUTBAD“, dann muss jedem schlagartig klar werden, was mit hoffnungsloser Leere gemeint ist. Kein strengeres Waffengesetz, kein Verbot von Computerspielen und auch keine Metalldetektoren an Schulen, nichts von dem kann die Krankheit unserer Gesellschaft heilen. Tim K. sah sich unheilbar aussätzig, ein Dämon flüsterte ihm zu: „Nur das Blutbad kann dich retten, dann erkennen alle deine Stärke, dann werden alle (sogar deine Eltern) erstaunt sein, zu was du fähig bist!“

    Auch die Finanzkrise lässt sich leicht mit dem Verlust der Menschlichkeit und einem Blick auf die sieben Todsünden erklären. Die Manager der Banken waren befallen von der Vorstellung, dass sie nur Anerkennung finden könnten, wenn sie immer höhere Gewinne erzielten. Um sich zu heilen, mordeten sie tausende von Kindern. Das Blutbad in dem sie sich rücksichtslos badeten heißt: Gier und Selbstsucht. Vielleicht würde es uns gut tun, das ein oder andere Mal in die Bibel zu schauen oder auch die Legenda Aurea zu lesen, denn alle Menschlichkeit hat dort ihren Ursprung. Auch heute gibt es Vorbilder, die eine ähnlich große Wirkung haben, wie früher die Heiligen. Doch welche Botschaft geht von ihnen aus – von Heidi Klum, Josef Ackermann und wie sie alle heißen?

    Die Heiligen des Mittelalters waren meist Märtyrer, also Opfer. Sie haben an ihrem Glauben, an der Nächstenliebe bis zuletzt festgehalten. Sie hatten die unbeschreibliche Hoffnung, dass der Mensch gut ist und die Gemeinschaft jedem ermöglicht in seiner Weise ge- und beachtet zu werden. Und was tun wir? Was verbreiten die Medien jeden Tag? Durch die andauernde Berichterstattung und die unermüdliche Suche nach einer Erklärung für den Amoklauf wird der Täter zum Märtyrer stilisiert, das Blutbad geheiligt. Wo bekommen einmal die Opfer und die Barmherzigen ihren Platz im Himmel der modernen Götter? Bringt keine Quote, Auflage und Page-Impressions gehen runter! Ja, aber kann das die Antwort auf die offensichtliche Not der Gesellschaft sein?

  58. [...] Wegbegleiter – Fährtensucher – Wellenreiter: Amoklauf in Winnenden: Nennen wir das Kind beim Namen! [...]

  59. wegbegleiter sagt:

    Nach 60 Kommentaren, die kaum noch einer nachlesen kann, schließe ich die Diskussion. Manches wiederholt sich und Vorwürfe werden erneut adressiert, obwohl diese bereits angesprochen und beantwortet wurden. Vielen Dank für das rege Mitdiskutieren!

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