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Wellness für die Seele: das Weinen

Vorbemerkung: diese Texte sind Entwürfe für Radioandachten im WDR. Das erklärt den eher ungewöhnlichen Stil für dieses Blog. Sie werden so oder ähnlich gesendet in der Woche zwischen dem 27. Juli und dem 1. August. Für das Wegi-Blog ist die Anrede nur von “Sie” nach “du” mutiert…;-)

Wann haben Sie das letzte Mal geweint? Wenn ich das mal so persönlich sagen darf: Ich hatte Phasen in meinem Leben, in denen die Tränen selten geworden sind. Irgendwann waren sie komplett versiegt. Ich war seelisch trocken gelaufen. Schwere Zeiten der inneren Verhärtung. Gegenüber Menschen, vielleicht sogar gegenüber Gott. Eine gefährliche Zeit für die Seele. Denn Tränen sind Wellness für die Seele. „Ich habe keine Tränen mehr“ – das ist ein Warnzeichen ohne gleichen. Denn dann wird nach innen geweint und das verletzt und versalzt uns das Leben. Wann haben Sie das letzte Mal geweint?
Das Weinen wurde in der frühen Christenheit und im Mittelalter als gesundes Zeichen eines ganzheitlichen Glaubens gesehen. Tränen und Gebet – das zusammen war und ist ein Zeichen! Wenn das seelische Zentrum unseres Lebens unberührt bleibt, dann ist das so, wie wenn eine Fackel unangezündet bleibt. Die Fackel ist immer noch da, sie existiert – die Leuchtkraft aber fehlt…
Tränen in der Begegnung mit Gott sind ein Zeichen – kein untrügliches Zeichen wohlgemerkt, aber nichtsdestotrotz ein Zeichen – dafür, dass Gott dieses seelische Zentrum berührt hat. Sicherlich: Tränen können auch Masche sein, können Menschen emotional erpressen und man kann sich sogar in eine innere Leere hinein weinen. Und doch: wenn ich über die Straßen gehe, dann kann ich mich des Gefühls nicht erwehren: es wird zu wenig geweint und getröstet. Es wird zu viel nach innen geweint. Und die Gesichter werden hart und in sich gekehrt.
Der kürzeste Vers der Bibel berührt mich bis heute tief. „Jesus fing an zu weinen“ (Johannes 11,35). Jesus weint beim Grab seines gestorbenen Freundes Lazarus. Er weint, weil er die Tränen der Welt spürt, die tief im Herzen verankerte Trauer der Menschen und die Ausweglosigkeit so mancher Träne. Kurz: Jesus weint, weil er deine Tränen sieht.
Mich rührt der weinende Jesus an – weil er meine Härte durchbricht. Weil ich endlich wieder weinen kann und diese Tränen bei ihm ein gutes Ziel finden. Tränen ohne Ziel laufen leicht ins Leere und lassen uns um uns selbst drehen.
Einmal kommt eine Prostituierte zu Jesus und überströmt seine Füße mit Tränen des Kummers über ihr verpfuschtes Leben. Was macht Jesus? Er richtet sie auf und befreit sie von ihrer Last! Ihre Tränen sind Samen des Lebens, der Kraft und der Liebe. Bei den Füßen Jesu werden die Tränen verwandelt.
Mich fasziniert das: Ich muss nicht frisch geduscht, fröhlich lächelnd und mit einem Leben unter Kontrolle zu diesem Vater-Gott kommen, den mir Jesus zeigt. Ich darf so kommen, wie ich bin. Und dann werden Tränen getrocknet und verwandelt.
Wann haben Sie das letzte Mal geweint?
traene.jpgWann hast du das letzte Mal geweint? Wenn ich das mal so persönlich sagen darf: Ich hatte Phasen in meinem Leben, in denen die Tränen selten geworden sind. Irgendwann waren sie komplett versiegt. Ich war seelisch trocken gelaufen. Schwere Zeiten der inneren Verhärtung. Gegenüber Menschen, vielleicht sogar gegenüber Gott. Eine gefährliche Zeit für die Seele. Denn Tränen sind Wellness für die Seele. „Ich habe keine Tränen mehr“ – das ist ein Warnzeichen ohne gleichen. Denn dann wird nach innen geweint und das verletzt und versalzt uns das Leben. Wann hast du das letzte Mal geweint?

Das Weinen wurde in der frühen Christenheit und im Mittelalter als gesundes Zeichen eines ganzheitlichen Glaubens gesehen. Tränen und Gebet – das zusammen war und ist ein Zeichen! Wenn das seelische Zentrum unseres Lebens unberührt bleibt, dann ist das so, wie wenn eine Fackel unangezündet bleibt. Die Fackel ist immer noch da, sie existiert – die Leuchtkraft aber fehlt…

Tränen in der Begegnung mit Gott sind ein Zeichen – kein untrügliches Zeichen wohlgemerkt, aber nichtsdestotrotz ein Zeichen – dafür, dass Gott dieses seelische Zentrum berührt hat. Sicherlich: Tränen können auch Masche sein, können Menschen emotional erpressen und man kann sich sogar in eine innere Leere hinein weinen. Und doch: wenn ich über die Straßen gehe, dann kann ich mich des Gefühls nicht erwehren: es wird zu wenig geweint und getröstet. Es wird zu viel nach innen geweint. Und die Gesichter werden hart und in sich gekehrt.

Der kürzeste Vers der Bibel berührt mich bis heute tief. „Jesus fing an zu weinen“ (Johannes 11,35). Jesus weint beim Grab seines gestorbenen Freundes Lazarus. Er weint, weil er die Tränen der Welt spürt, die tief im Herzen verankerte Trauer der Menschen und die Ausweglosigkeit so mancher Träne. Kurz: Jesus weint, weil er deine Tränen sieht.

Mich rührt der weinende Jesus an – weil er meine Härte durchbricht. Weil ich endlich wieder weinen kann und diese Tränen bei ihm ein gutes Ziel finden. Tränen ohne Ziel laufen leicht ins Leere und lassen uns um uns selbst drehen.

Einmal kommt eine Prostituierte zu Jesus und überströmt seine Füße mit Tränen des Kummers über ihr verpfuschtes Leben. Was macht Jesus? Er richtet sie auf und befreit sie von ihrer Last! Ihre Tränen sind Samen des Lebens, der Kraft und der Liebe. Bei den Füßen Jesu werden die Tränen verwandelt.

Mich fasziniert das: Ich muss nicht frisch geduscht, fröhlich lächelnd und mit einem Leben unter Kontrolle zu diesem Vater-Gott kommen, den mir Jesus zeigt. Ich darf so kommen, wie ich bin. Und dann werden Tränen getrocknet und verwandelt.

Wann hast du das letzte Mal geweint?
Kategorien:geistliches Leben
  1. 16 Mai, 2009 um 1:19 | #1

    Gestern. Aber es hatte drei Tage gedauert, bis die Tränen kamen, ausgelöst durch Frust und Enttäuschung über das Verhalten eines gutes Freundes. Zu tief sitzt meine christliche Prägung, umgehend vergebungsbereit und tolerant zu sein, verbunden mit einem meiner Persönlichkeit entsprechenden Harmoniebedürfnis. Ich habe Gott in meiner Verwirrung bestürmt – und die Tränen waren eine echte Erlösung. Ich darf fühlen, was ich fühle. Und Jesus versteht mich.
    Schöner Text für eine Radioandacht!

  2. 16 Mai, 2009 um 1:39 | #2

    Danke Susi für deine persönlichen Worte. Ja, die Vergebung. Wenn wir sie doch endlich richtig verstehen könnten – und erkennen, dass sie nicht alle Verletzungen magisch beseitigt und Tränen nicht über-flüssig macht… ich kämpfe auch mit diesem Thema… Segen!

  3. 16 Mai, 2009 um 2:24 | #3

    uppsala … schöne Überschrift und Aufforderung, Tränen als Wellness zu betrachten.

    Sooo ungewöhnlich ist dieser Stil auf deinem Blog nicht, gelegentlich greift er doch mal durch.

    Sehr, sehr schön die Betrachtung. Mein letztes Mal war heute morgen, als ich gerührt war und mein nächstes Mal wird irgendwie übernächste Woche kommen … ich ahne es ;-)

  4. 16 Mai, 2009 um 2:40 | #4

    Ich trainiere meistens die Selbstbeherrschung, weil mir schon mal schnell die Tränen kommen, wenn mich was innerlich sehr berührt. Möchte niemanden mit meinen Tränen zur Last fallen. Aber unter geistlichen Geschwistern würde ich mich meiner Tränen nicht schämen müssen, weil man das richtig verstehen würde. Aber es gibt Menschen, die denken, man will was erpressen mit Tränen.

  5. Geli
    16 Mai, 2009 um 2:50 | #5

    Ich wünsche sehr, dass dann Viele vorm Radio hängen, egal warum und wo sie hören- damit durch diese wirklich tiefgehenden Gedanken Menschenseelen aufgeweicht werden – bei Gottfernen und Gottnahen.
    Tränen gehören i m m e r zum Heilwerden dazu, ob in der Beziehung
    Mensch – Gott, oder Mensch – Mensch.
    Denn es geht dabei immer um unser Herz – jede Tränen ist ein Buchstaben aus dem Herzens und viele Tränen sind eine Sprache – die von Herz zu Herz geht.
    Wie viele Male hat sich mein Herz schon bei JESUS „satt geweint“ , was dann oft der Beginn eines Heilungsprozesses war, weil ein neues Denken, Fühlen und Handeln begann. Wie wunderbar!
    Schön einen Wegbegleiter zu kennen, der aus der Ferne schon viele mal in mein Leben gesprochen hat.
    Danke dafür und bleib gesegnet von Gott auch Deinen Lesern segnend zugewandt.

  6. 16 Mai, 2009 um 2:52 | #6

    Wo ich gerade am Tippen bin, werden uns am 27.5 beim Bentotreffen sehen. Von Dir eine fabelhafte Idee, kann ja auch nur aus dem Rheinland kommen, mal so unter Gladbachern gesagt.

  7. 16 Mai, 2009 um 3:16 | #7

    @Geli: danke! Tun gut, deine Worte. Fühle mich gerade etwas depri…

    @Apassionata: wie schön!!! Bentotreffen und endlich lernt man mal ein paar Blog-Nasen direkt kennen! Freu mich drauf.

  8. Changie
    16 Mai, 2009 um 3:20 | #8

    Dieser Beitrag ist wunderschön und spricht mir aus der Seele. Ich muss dauernd weinen. Bin wohl – wie man so sagt – sehr nah am Wasser gebaut. Ich brauche nur ein wunderschönes Lied zu hören oder jemand erzählt eine traurige Begebenheit oder ich lese etwas über Krebs, schon kullert es. Ganz oft muss ich in der Kirche weinen, weil die Lieder und Texte mich so berühren. Ist manchmal wirklich peinlich.
    Dieser Beitrag macht mir Mut, meine Tränen nicht zu verstecken. Danke.

  9. 16 Mai, 2009 um 6:58 | #9

    Übrigens: bezeichnend und für mich erschreckend, dass bei solchen Themen vor allem Frauen angesprochen werden… kein Männerkommentar bisher…

  10. 16 Mai, 2009 um 9:56 | #10

    Ich glaube schon, dass Männer angesprochen werden und sie auch berührt sind. Aber Männern gestattet man in der Öffentlichkeit nicht zu weinen, ohne gleich als Memme dazustehen. Was sehr bedauernswert ist. Sie haben es sowieso schon schwer neben den starken Frauen. Und wenn Männer im privaten Kreis zugeben, ihnen ist zum weinen, dann kommst pflugst ganz schnell wieder die Stärke auf das Programm, man hätte alles im Griff. Dabei sind Männer so verletzlich, singt schon der super klasse Mann Grönemeyer. Ich kann nur Mut machen: lasst es zu! Es zeigt eure wahre Größe und nicht eure Schwäche, weil Jesus uns durch unsere Tränen adelt. Wie schön deshalb auch hier im Artikel der Aspekt, dass Jesus weinte und als Mann Tränen kennt.

  11. tobibo
    16 Mai, 2009 um 11:45 | #11

    Hi Wegbegleiter,

    ich bin ein Mann und ich steh dazu, dass ich oft weine. Aber ich weiß ja auch, dass da ein Tröster ist. So gut zu wissen, weinen zu dürfen, dass es nichts „unmännliches“ ist.

    Danke für Deine Blogbeiträge!

  12. 18 Mai, 2009 um 4:05 | #12

    Es gibt ein griechisches Volkslied mit dem Titel „Männer weinen nicht“. Dieses Lied wird sehr oft gesungen und ist sehr beliebt (bei der älteren Generation).

    Die zentrale Aussage dieses Liedes deckt sich jedoch ganz und gar nicht mit meiner persönlichen Gebetserfahrung.

    Ein Gebet unter Tränen scheint im wahrsten Sinn des Wortes den Himmel zu öffnen. Wer sich nach einem solchen Gebet dann wieder aufrichtet sieht die Welt mit anderen Augen, mit mehr Liebe. Oder mit den Augen Gottes, denn Gott ist Liebe.

  13. 18 Mai, 2009 um 6:41 | #13

    @tobibo: danke dir für deine Worte!

    @Bernhard: guter Hinweis auf das griechische Lied. Es ist für mich eine spannende Frage: wie kann starkes Mannsein gelingen ohne aufgeblasenes Machismo… Tränen stören dabei nicht!

  14. 21 Mai, 2009 um 12:15 | #14

    ..also ich verrate euch mal was:
    ich bin auch ein Mann und stehe dazu.. :-D
    (Scherz)
    ..na hoffentlich heulen wir nicht nur rum wie die Schlosshunde auf der Burg :-(
    (nochn Scherz)
    ..ja, das mit den starken Frauen ist echt zum heulen, Sabina ;-)
    (no go Scherz)

    aber jetzt mal im Ernst –
    ich geniesse die Tränen genauso wie das Lachen – und beides reichlich! Tränen spülen den Dreck aus der Seele.

    Danke für diese geniale Wellness-Reihe, Wegi!

  15. 23 August, 2009 um 10:34 | #15

    Ich finde ein Mensch, der nicht weinen kann, hat keine Gefühle… das weinen ist normal, dass weinen ist eine Gefühlsregung die man nun mal hat, wenn einem zum weinen zumute ist, dann solle man es doch tun… denn weinen ist menschlich

  1. 14 August, 2009 um 1:25 | #1