Vom Umgang mit alten Gedanken und Erlebnissen

4 09 2008

Seit einer Woche steht neben meinem Computer eine schicke Festplatte und diese beinhaltet die so genannte Time Machine. Mein iMac legt automatisch und für mich nicht wahrnehmbar Backups an und auf Knopfdruck kann sehr elegant jede noch so alte Datei, die einmal weggeworfen wurde wiederhergestellt werden. Das ist faszinierend, effektiv und très chic! Keine Daten gehen verloren - kein Photo, keine mail, alles ist wiederherstellbar. Für einen beruflichen Rechner eine unabdingbare Sache. Aber natürlich kommen mir da wieder geistliche Gedanken und Bezüge…

Wie ist das eigentlich mit unseren Gedanken und Erlebnissen? Auch diese werden abgespeichert und auch wenn sie vermeintlich vergangen sind - sie sind noch da! Zeit heilt keine Wunden und löscht auch keine Erlebnisse. Bei einem passenden Auslöser kommen die alten Kamellen wieder hoch und prägen erneut das Leben, ziehen herunter, drücken nieder. Jeder Mensch kennt das. Und irgendwann ist die innere Festplatte, unsere Seele (im hebräischen Sinne, also unsere näphäsch) einfach überfüllt, aber anstatt nun die alten Daten zu überschreiben (wie das time machine machen würde), kommt es zum Ausbrennen, zum Zusammenbruch, zur Depression. In der Depression ist ja im Wortsinn etwas niedergedrückt worden - unsere Seele vergisst aber nie, unser Körper übrigens auch nicht. Was ist also die Lösung für dieses Dilemma? Dass wir irgendwann an einen Punkt geraten, an dem wir innerlich überfüllt sind und nicht mehr ein und aus wissen?

Ich taste mich heran und vielleicht ergänzt du in den Kommentaren deine Gedanken. 

  1. Regelmäßige Seelenhygiene. Seelsorge, richtig verstandene Beichte, aber auch ein gesundes Maß an Gedankenkontrolle (was sage ich da eigentlich gerade? Welcher Gedanke kommt mir da eigentlich gerade - soll ich diesen durchlassen in meine Seele?). Gedankenkontrolle (man spricht im Mönchtum von der Türwächterübung) vermittelt der eigene Seele: ich achte auf dich, ich lasse nicht zu, dass dich alles zumüllen darf. Dabei wird der Gedanke nicht bekämpft, sondern gelassen abgewiesen. 
  2. Tagebuch. Im Tagebuch dürfen Gedanken zur Schrift werden und damit an Kraft verlieren. Tagebuchschreiben hat eine lange therapeutische Tradition. Es tut gut, sich Gefühle und Erfahrungen von der Seele zu schreiben…
  3. Gebet. Gott um Heilung der Gedanken bitten und ihm bewusst die Prägungen anvertrauen. Er kann aus Mist noch Diamanten formen…
  4. Ausrichtung auf den Nächsten. Ich mache die Erfahrung, dass Gemeinschaft gut tut. Der Mensch wird am Du zum Ich (Buber) - und so erlebe ich in schweren Phasen, das mir Menschen gut tun (ohne dabei das Schwere zu verdrängen). Natürlich nicht alle Menschen. Sondern Menschen, die aufbauen, die es gut meinen, mit denen man schweigen kann und lachen und weinen. Anderen gehe ich in solchen Momenten eher aus dem Weg - aus Selbstschutz. 
  5. Bewusst gute Gedanken und Prägungen pflegen. Seine Seele mit Positivem füttern. Die dunkle Sicht verdunkelt auch Dinge, die gar nicht dunkel sind. “Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er die Gutes getan hat!”
  6. Nicht kämpfen, sondern loslassen! Die dunklen Dinge, die mich bedrängen, sind nicht mein Feind (ich rede hier nicht von Kräften der unsichtbaren Welt - diese gehören mit Autorität bekämpft!) - sie sind Teil von mir. Ich kann aus ihnen lernen. Ich kann sie loslassen in die Hände Gottes, der damit etwas anfangen kann. Kämpfe ich gegen innere Regungen mit Gewalt, schade ich mir selbst und mache Teile in mir zu einem noch größeren Problem. Kurz: es ist ok, mal nicht gut drauf zu sein und eine Krise zu haben. Lassen wir nicht unser Seelenleben von Denken der dauergrinsenden Glückssucher infizieren - große Teile englischer Popmusik wären ohne Melancholie nicht entstanden…
  7. Hast du noch mehr Tipps? Dann los…;-)




Alles ist erleuchtet oder: der Gott der kleinen Dinge

2 09 2008

Bevor mich jetzt jemand aufgrund der Titelzeile des Pantheismus bzw. der Religionsvermanschung bezichtigt. Der Titel ist natürlich ein Wortspiel (wer den doppelten Ursprung der Titelzeile löst, bekommt einen Gummipunkt und eine Extra-Erwähnung in den Kommentaren…;-) Aber hinter dem Wortspiel steckt ein durchaus ernster Gedanke, der mich dieser Wochen wieder umtreibt, zumal ich mich wieder intensiver mit dem Buddhismus beschäftigte (für einen Vortrag in der FeG Kierspe morgen Abend).

Mal so ein paar Fragen: Haben wir es verlernt, Gott in den kleinen Dingen wahrzunehmen und zu hören? Erwarten wir vielleicht zu schnell das Spektakuläre und Große und sind nicht einmal fähig, unsere geistlichen Sensoren auf das Kleine auszurichten? Fehlt uns eine Form und eine Lehre Form der Achtsamkeit? Wird uns deswegen vielleicht das Große nicht anvertraut, weil wir das Kleine schon nicht wahrnehmen und verdauen? Rhetorische Fragen, denn ich denke: Ja! In der christlichen Tradition findet wir eine heilige Achtsamkeit auf die kleinen Dinge, z.B bei Bruder Lorenz oder bei Jean-Pierre de Caussade. Mir fiel die Schönheit dieses Gedankens wieder auf, als ein Mitglied unserer Gemeinde mit vor einigen Wochen ein Glaubenerlebnis schickte und dieses auch am Sonntag in unserer Gemeinde erzählt hat. Es handelt von einem wichtigen Punkt des Glaubens bzw. der Erkenntnis mitten in einem ganz normalen Moment… ich ziehe mich dann mal zurück und gebe Achim das Wort….:-)

Ich schleppe seit einigen Monaten ein paar grundlegende Fragen mit mir herum. Z.B. wie der Glaube und die Naturwissenschaften sich einander vertragen. Besonders der Punkt “Entstehung der Erde und der Menschheit” aus naturwissenschaftlerischer und biblicher Sicht widerspricht sich etwas. Wie konnte Gott Leiden in der Welt schon zulassen, bevor Adam und Eva in die Frucht bissen. Das passt einfach nicht. Auch die Sündenvergebung macht ja erst mit dem Sündenfall Sinn. Was ist mit all den Menschen, die jahrhunderttausende vor Abraham gelebt haben und immer noch neben dem Judentum und Christentum existieren. Und wenn ich das schon nicht verstehe, wie soll ich so was anderen klar machen. Die Wissenschaftliche Sicht finde ich logischer als die biblische. Meine Zweifel sind dementsprechend groß.

Als ich da nun mit meiner Familie in einem einsamem Bachtal irgendwo in der Mitte Korsikas saß, dachte ich wieder über diese Thematik nach und betete ich zu Gott: “Bitte gib mir eine Antwort auf die Frage nach …”. Aber ich konnte das Gebet nicht zu Ende bringen, weil Anika (oder war es Arik, ich weiß nicht mehr genau) mich unterbrach und ich erst mal was anderes tun musste. Danach versuchte ich erneut das Gebet zu formulieren, aber eine Wespe kreiste bedrohlich nah um meine nackten Füße. O.k. dann also mein dritter und damit vorerst letzter Versuch, weil ich das dann eh schon als Antwort gedeutet habe. Ich setzte also wieder zum Gebet an, da unterbrach mich Ayleen: “Papa, kannst du mir was vorlesen?”. Resigniert gab ich dieses Gebet vorerst auf und griff nach Christof Lenzens Buch “Glauben genießen”. Nach wenigen Zeilen stolperte ich über den Vers von 1. Korinther 8, 1: “Aber Erkenntnis macht hochmütig, nur die Liebe baut auf.”

Oder mit meinen Worten: wenn ich glaube die Antwort gefunden zu haben, macht mich dass an dieser Stelle hochmütig/rechthaberisch. Nur die Liebe bringt mich weiter.

So wie dieser Vers einen Perspektivwechsel erfordert, so ist auch Gottes Antwort auf meine Frage eine aus einer Richtung die ich mal wieder nicht erwartet habe. Natürlich macht mich diese Antwort nicht glücklich, weil ich immer noch das nicht sehe, was ich sehen will. Aber wahrscheinlich ist die Sicht für meine engstirnige Blickrichtung eh versperrt, weil meinen Primatenhirn diverse Sensoren fehlen.

Gott sagt mir:”Siehst du, ich antworte. Aber du kannst die Wahrheit jetzt noch nicht begreifen. Versuch’s so lange mit Liebe”.





Die versteckte Not der Seele: Scham.

29 08 2008

Das beschäftigt mich gerade im Rahmen meiner Predigtvorbereitung für Sonntag: Scham. Nicht das Schamgefühl, das uns gesunde Grenzen einhalten lässt - nein: die Scham, die im Tiefsten eine Empfindung auslöst: Ich bin ein Fehler. Die Scham, die genau diese vermeintlich fehlerhafte Identität durch eine äußere Hülle des Wohlverhaltens überdeckt (wie auch immer der jeweilige soziale Kontext Wohnverhalten definiert…).

Es ist diese versteckte Scham, die einen aggressiv reagieren lässt, wenn man von einem Autofahrer auf der Autobahn gedrängelt wird - denn dieser vermittelt dadurch versteckt: du bist ein Nichts, ich bin ein Jemand - verschwinde aus meinem Weg. Und genau diese oft überhaupt nicht realisierte Scham blockiert auch Freude im Glauben, letztlich wird sogar das Heil bedroht. Denn wer seine minderwertige Identität schützen will, der wird sie nur ungern öffnen vor dem Vater - schambesetzte Menschen können Geschenke nur schwer annehmen, auch das Geschenk der Gnade…

Und letztlich macht Scham eins: sie lässt einen um sich selbst und das eigene Ego kreisen. Deswegen fühlen sich schambesetzte Menschen in Gemeinden und Gemeinschaften wohl, in denen man sie Opfer sein und/oder ihre fromme Show bzw. Schutzschicht hochziehen lässt (wie auch immer die gefärbt ist: evangelikal, charismatisch oder kirchlich). Das Evangelium lehrt aber eins: Verantwortung übernehmen für das (auch verletzte) Ich, es freiwillig vor Jesus hingeben und Ihn Mittelpunkt sein lassen. Kann es sein, dass die Scham tiefer und in häufiger in uns sitzt, als wir denken?





Gesundes Selbstbewusstsein

23 08 2008

Dialog gerade am Frühstückstisch:
Ole (knapp 4): darf ich auf dem Klavier klimpern?
Isa und Christof (Alter wird verschwiegen): ja, warum nicht?
Einige Minuten später: Mamaaa, kannst du Wickie auf dem Klavier vorspielen?
Isa müht sich am Klavier durch die komplexe Tonfolge…
Ole (etwas ungeduldig, aber lieb): Komm, lass mich mal!

Während mir vor Lachen das Müslibrötchen aus der Hand fiel, kam ich ins Grübeln. Erfreut habe ich wieder mal bemerkt: wir haben Ole eingesundes Urvertrauen und Selbstbewusstsein mitgegeben. Das macht ihn manchmal anstrengend, aber es ist einfach gut. Er packt Dinge einfach an und probiert sie. Wenn es schief geht, schimpft er herum und macht es einfach nochmal. Und nochmal. Selbstverurteilung? Keine Spur. Ich? Ich bin klasse!! So ist Ole und so ist er gut. Und doch…

…ist es eben bei gar nicht vielen Menschen so selbstverständlich. Nun gibt es eine ungesunde Kreiserei um das Ich und die eigene Psyche, ich bin durchaus der Überzeugung, dass man dem so genannten inneren Kind auch mal einen Tritt in den Hintern geben muss. Aber man sollte es auch vorher entdeckt und gewürdigt haben! Die Mischung macht’s. Selbstreflexion ist kein Selbstzweck und auch nicht Ziel, sie ist nur Instrument und Teil des Weges, um als Mensch zu reifen. Doch die Beobachtung bleibt: viele Menschen arbeiten sich ab am Urvertrauen, am Selbstbewusstsein. Krebsen herum in Selbstverdammung und Zwängen. Mir geht es zumindest immer wieder mal so, auch wenn die Tendenz deutlich nach oben zeigt…

Was kann unser Glaube in diesem Bereich wirken? Jenseits wahrer, aber wenig hilfreicher Aussagen wie: du darfst dich selbst annehmen, weil Gott dich annimmt. Oder: deine Würde ist die eines Königskindes. Das ist wahr - aber erreicht es den verletzten Personenkern? Ich beginne, den Weg zu erahnen… Was sind deine Gedanken und Erfahrungen?





Gottes Liebe erfahren!

21 08 2008

Bin seit einiger Zeit an einem Thema dran, das mich ungemein beschäftigt: wie erfahre ich Gottes Liebe, die ja transzendent ist, aber ein immanentes Ziel hat, nämlich dich und mich. Was kann ich erwarten, was nicht? Habe ich Blockaden? Überspanne ich meine Erwartungen? Muss ich irgendwas anders machen, um mehr emotional und sinnlich berührt zu werden von dieser Liebe?

Fragen, die sich langsam lichten und schönen Einsichten Platz machen. Da ich hier nicht alles wiederholen will, verweise ich einfach auf die Diskussion bei und mit meinem lieben Mit-Blogger Achti, der genau dieselben Fragen durchackert und sich so seine Gedanken macht und da entsteht gerade ein Dialog, in den du doch einsteigen könntest…;-)





Wieder hier in meinem Revier…

9 08 2008

Ok, lange genug hat das Blog geschwiegen - nun ist wieder Zeit, durchzustarten in einen heißen Herbst, in dem viel von Gott zu erwarten ist! Ist es eigentlich auch sonst immer, man vergisst es nur leicht und gibt sich allzu leicht dem Prinzip des spannungslosen Fließens hin, einem geistlichen Selbstmord auf Raten. Was erwartest du vom Rest des Jahres und von Gott im Besonderen, sag doch mal! Wir empfangen nichts, weil wir nicht bitten und wir bitten nicht, weil wir nichts erwarten oder glauben, wir packten es selber…

Kurzinfo Urlaub: gut war es, spannend vor allem (wenn auch nicht unbedingt erholsam - aber das ist halt mit kleinen Kindern so). In so manchen Begegnungen mit Gott - meist nachts bei Windstärke 8 auf einer Mole stehend und den beleuchteten Schiffen nachsehend (Cuxhaven-Döse) hat der einfach so einiges an Fragen geschlossen oder umgeworfen, neue Blicke eröffnet und neugierig gemacht. Wird sicherlich in den nächsten Monaten immer wieder mal hier einfliessen. Anstrengend, aber gut.

Wer mein Gesicht auch mal in Bewegung sehen wollte: morgen Abend (Sonntag) bin ich Gast bei Café Aperto auf Bibel-TV (22 Uhr), wir auch noch ein paar Mal wiederholt. Ich finde solche Ankündigungen immer irgendwie peinlich und mit dem Geruch des Narzisstischen behaftet - aber manche wollten das wissen.





Leidenschaftlich in die Sündenfalle

17 07 2008

Ich bin ein emotionaler und leidenschaftlicher Mensch. Dazu passend die andere Seite der Medaille: ein Hang zur Melancholie und Depression. Und immer wieder tappe ich in Sündenfallen, die mich maßlos ärgern und mich manchmal auch unbarmherzig gegenüber mir selbst werden lassen. Zumal ich auch noch Perfektionist bin (quasi eine notwendige Vorbedingung für Depressionen). Vielleicht kennst du das ja ansatzweise.

Spätestens ab dem Punkt der Unbarmherzigkeit gegenüber einem selbst gilt der Satz von Johannes, dass die Gnade stärker ist, wenn unser Gewissen uns verurteilt, denn diese Art der Selbstverdammnis ist nicht von Gott. Er bewirkt einen Zug im Herzen, der uns in die Vergebung und die Buße zieht. Aber wenn beides geschehen ist, ist alles Folgende Reaktion unseres “Fleisches” - oder anders gesagt: unseres alten, gottlosen Menschen. Die gottgewollte Traurigkeit, von der die Bibel spricht, will zur Umkehr bewegen - sie fällt aber weg, wenn diese von Herzen gegangen wurde. Woher dann die Selbstverurteilung?

Ich habe bei Adrian Plass einen schönen Hinweis in einer Andacht über David gefunden (aus: Stürmische Zeiten). Adrian Plass und ich sind - so empfinde ich das bei der Lektüre seiner Bücher und bei den beiden Begegnungen mit ihm - irgendwie Seelenverwandte. Zudem er Engländer ist und dieses skurrile Volk schon immer meiner Sympathie genossen hat…;-). Er schreibt - sinngemäß zusammen gefasst - dass diejenigen Menschen, die leidenschaftlich und voller Herz für eine gute und göttliche Sache kämpfen leider genauso dazu neigen, leidenschaftlich und voller Herz in die Sünde hinein zu stapfen (siehe David). Weil ihr Charakter das so nahe legt. Ein Phlegmatiker, der schon für die Herstellung eines Frühstücksbrötchens seine Zeit braucht (wenn er sie denn angeht), der wird auch weniger schnell zur Sünde sein. Ein vorsichtiger Rationalist ebenso. Macht ihn das deswegen heiliger? Nein. Eben.





Die Tränen eines Sohnes - und unsere Tränen?

15 07 2008

Krieg ist grausam, meist sinnlos und immer unmenschlich. Ist er manchmal notwendig? Darüber kann man trefflich streiten, aber jeder Krieg, selbst der, der Diktatoren beseitigt, hinterlässt dafür wieder Tausende von Opfern, nicht mit gerechnet die, deren Seelen verwundet, ja traumatisiert sind. Ein gutes Mittel, mit Krieg umzugehen, das wissen Kriegspsychologen, ist den Krieg zu versachlichen und den Feind zu entmenschlichen. Ich sage: Ein gutes Mittel, um den Krieg spürbar zu machen ist, die Gefühle sichtbar zu machen. Hier ein Nachrichtenvideo von einem GI, der nach 7 Monaten Irak zurück darf und seinen Sohn in der Schule überrascht. Wenn man von der Abgeschmacktheit absieht, so etwas zu filmen und einem Millionenpublikum vorzuführen, so rührt diese Szene doch zu Tränen und macht deutlich, wie sehr Kinder leiden können, wenn sie keinen Vater haben (eine Option, die manche Väter ja auch noch freiwillig in Kauf nehmen und mit stolz geschwellter Brust 70 Stunden die Woche arbeiten).

Aber ich schlage für mich im Herzen die geistliche Brücke, denn irgendwie hat das was vom verlorenen Sohn, wenn auch umgekehrt. Die Tränen der Erleichterung, den Vater wieder in die Arme schließen zu können. Ihn zu spüren, zu riechen, zu drücken… möge unser Zulaufen auf den himmlischen Papa auch so unser Herz erreichen dürfen, gerade wenn wir nach einer Strecke der geistlichen Distanz IHN wieder im Türrahmen sehen…





Wie würdest du leben?

10 07 2008

Letzte Woche bei einem gemütlichen Fernsehabend (was im Augenblick entweder CSI Vegas (alte verpasste Folgen) oder 24 (neu!) heisst, Dr. House macht ja Pause…:-( - und das sind so die drei Sendungen pro Woche, die wir außer den Nachrichten sehen - naja, und im Augenblick natürlich Kalkofe). Ein Werbeblock wird wieder mal fröhlich per Festplatte übersprungen und wir hüpfen aus Versehen in eine Vorankündigung einer neuen Mysteryserie und dann der Hammerabschlußspruch: Wie würdest du leben, wenn du unendlich leben könntest? Keine Ahnung mehr, was das für eine Serie sein sollte, aber die Frage hat mich getroffen - hey, da kommen doch die Fernsehmacher auf echt gute Fragen (im Privaten muss man ja sagen: wahrscheinlich ohne es zu ahnen)!! Und ich werde das Gefühl nicht los, dass die Beantwortung dieser Frage, die ja nun für Christen Realität ist, unser Leben entscheidend beeinflusst und korrigiert. Also, du da: wie würdest du leben, sag doch mal!





downsize your life - das Leben vereinfachen und den Glauben stärken

8 07 2008

Über peregrinatio-Peter kommt heute ein wirklich herausforderndes Zitat aus einem Buch, das er gerade liest…:

Wenn wir in der Kirche wirklich zusammen Gottes Familie sind, dann wirkt sich die Entscheidung eines Paares, ein Ferienhaus zu kaufen, auf ihre Beziehung zu der alleinerziehenden Mutter in der Gemeinde aus, die zwei Jobs verrichtet, um die Miete zu zahlen und Essen auf den Tisch zu stellen. Es ist schwer vorstellbar, wie sie eine ehrliche Beziehung zu einander haben können, selbst wenn sie zu derselben Gemeinde gehören.

Puh, starker Tobak. Und dennoch ganz biblisch konform, sofern es sich um echte Not handelt und nicht um Herumliegen in der sozialen Hängematte. Man lese mal Apostelgeschichte 4, 32ff:

32 Alle in der Gemeinde waren ein Herz und eine Seele. Niemand betrachtete sein Eigentum als privaten Besitz, sondern alles gehörte ihnen gemeinsam. 33 Mit großer Überzeugungskraft berichteten die Apostel von der Auferstehung Jesu, und alle erlebten Gottes Güte. 34 Keinem in der Gemeinde fehlte etwas; denn wer Häuser oder Äcker besaß, verkaufte seinen Besitz 35 und übergab das Geld den Aposteln. Die verteilten es an die Bedürftigen.

Wie gesagt: starker Tobak, der mich immer wieder hinterfragt. Sorgen wir in der Gemeinde für einen gewissen Ausgleich? Gerade in Zeiten schrumpfender Sozialsysteme? Oder um es mit Haggai zu sagen: leben wir in feinen Häusern, während der Tempel Gottes in Trümmern liegt? Sind wir bereit, eine Nummer kleiner zu leben, wenn es dem Reich Gottes und den Bedürftigen in ihm hilft? Mir fällt immer wieder auf, wie viel Krempel man sich so anschafft. Gerade Kinder laufen aus Gruppendruck mit unheimlich viel Zeugs herum, dass nach wenigen Wochen out ist und entsorgt wird… aber sind Erwachsene immer besser?

Unsere Regel als Familie ist zunehmend geworden: (1) lieber wenig in guter Qualität kaufen und da dann teurer eine Nummer kleiner (Nachhaltigkeit) und (2): bei jedem Kauf eine Verzögerung einbauen und zwar: je teurer, desto länger (Das hat zur Folge, dass ich mir eine neue Digitalkamera, die ich ersehne, erst ein halbes Jahr später kaufe, um wirklich zu wissen, ob ich sie brauche). Und (3): bei jedem Kauf außerhalb des normalen Budgets fragen: brauche ich das wirklich? Brauche ich es auch noch in 2 Jahren? In 10 Jahren? Vielleicht hilft das ja, sensibel zu werden…