Gottes Liebe erfahren!

21 08 2008

Bin seit einiger Zeit an einem Thema dran, das mich ungemein beschäftigt: wie erfahre ich Gottes Liebe, die ja transzendent ist, aber ein immanentes Ziel hat, nämlich dich und mich. Was kann ich erwarten, was nicht? Habe ich Blockaden? Überspanne ich meine Erwartungen? Muss ich irgendwas anders machen, um mehr emotional und sinnlich berührt zu werden von dieser Liebe?

Fragen, die sich langsam lichten und schönen Einsichten Platz machen. Da ich hier nicht alles wiederholen will, verweise ich einfach auf die Diskussion bei und mit meinem lieben Mit-Blogger Achti, der genau dieselben Fragen durchackert und sich so seine Gedanken macht und da entsteht gerade ein Dialog, in den du doch einsteigen könntest…;-)





downsize your life - das Leben vereinfachen und den Glauben stärken

8 07 2008

Über peregrinatio-Peter kommt heute ein wirklich herausforderndes Zitat aus einem Buch, das er gerade liest…:

Wenn wir in der Kirche wirklich zusammen Gottes Familie sind, dann wirkt sich die Entscheidung eines Paares, ein Ferienhaus zu kaufen, auf ihre Beziehung zu der alleinerziehenden Mutter in der Gemeinde aus, die zwei Jobs verrichtet, um die Miete zu zahlen und Essen auf den Tisch zu stellen. Es ist schwer vorstellbar, wie sie eine ehrliche Beziehung zu einander haben können, selbst wenn sie zu derselben Gemeinde gehören.

Puh, starker Tobak. Und dennoch ganz biblisch konform, sofern es sich um echte Not handelt und nicht um Herumliegen in der sozialen Hängematte. Man lese mal Apostelgeschichte 4, 32ff:

32 Alle in der Gemeinde waren ein Herz und eine Seele. Niemand betrachtete sein Eigentum als privaten Besitz, sondern alles gehörte ihnen gemeinsam. 33 Mit großer Überzeugungskraft berichteten die Apostel von der Auferstehung Jesu, und alle erlebten Gottes Güte. 34 Keinem in der Gemeinde fehlte etwas; denn wer Häuser oder Äcker besaß, verkaufte seinen Besitz 35 und übergab das Geld den Aposteln. Die verteilten es an die Bedürftigen.

Wie gesagt: starker Tobak, der mich immer wieder hinterfragt. Sorgen wir in der Gemeinde für einen gewissen Ausgleich? Gerade in Zeiten schrumpfender Sozialsysteme? Oder um es mit Haggai zu sagen: leben wir in feinen Häusern, während der Tempel Gottes in Trümmern liegt? Sind wir bereit, eine Nummer kleiner zu leben, wenn es dem Reich Gottes und den Bedürftigen in ihm hilft? Mir fällt immer wieder auf, wie viel Krempel man sich so anschafft. Gerade Kinder laufen aus Gruppendruck mit unheimlich viel Zeugs herum, dass nach wenigen Wochen out ist und entsorgt wird… aber sind Erwachsene immer besser?

Unsere Regel als Familie ist zunehmend geworden: (1) lieber wenig in guter Qualität kaufen und da dann teurer eine Nummer kleiner (Nachhaltigkeit) und (2): bei jedem Kauf eine Verzögerung einbauen und zwar: je teurer, desto länger (Das hat zur Folge, dass ich mir eine neue Digitalkamera, die ich ersehne, erst ein halbes Jahr später kaufe, um wirklich zu wissen, ob ich sie brauche). Und (3): bei jedem Kauf außerhalb des normalen Budgets fragen: brauche ich das wirklich? Brauche ich es auch noch in 2 Jahren? In 10 Jahren? Vielleicht hilft das ja, sensibel zu werden…





Cola und Kokain - Glaube und leere Versprechen

4 07 2008

Warum ist Cola so beliebt? Seien wir ehrlich: nicht wegen des Geschmacks. Schmeckt nicht schlecht, aber sooo einen Erfolg rechtfertigt die Brause doch wohl nicht allein durch den Geschmack?! Nun: die Mischung aus extrem viel Zucker und Koffein macht es. Das gute Gefühl. Die erste Rezeptur des Erfrischungsgetränks Coca-Cola enthielt bis 1906 sogar einen Extrakt aus Cocablättern (und erhielt so seinen Namen), so dass ein Liter Coca Cola rund 250 Milligramm Kokain enthielt. Dann häuften sich die Todesfälle und der Zusatzstoff wurde entfernt. Nun möchte man Cola keine Absicht unterstellen (Kokain galt bis 1926 offiziell als nicht schädigend) - aber so eine Munterbrause verkauft sich natürlich! Kundenbindung at it’s best…;-)

Bogen zum Glauben: auch da kann ich mich - wenn man sich mal in der freikirchlichen Szene evangelikaler und charismatischer Provenienz umguckt - nicht des Eindrucks erwehren, dass hier mit Speck Mäuse gefangen wird. Wenn sie denn noch gefangen werden, in deutschen Landeskirchen diskutiert man lieber darüber, ob denn der Sühnegedanke überhaupt noch tragbar ist für den modernen Menschen … (dazu an anderer Stelle mehr). Viele Versprechen werden gemacht, der Glaube wird marktwirtschaftlich und funktional aufgeladen (was bringt mir denn Jesus?).

Dumm nur, dass es gar nicht zuerst um das menschliche Wohlgefühl geht… es geht gar nicht so sehr darum, ob ich mich plötzlich viel besser fühle, weil mich Jesus befreit hat! Das mag sogar sein, aber die Fakten dahinter sind entscheidend: Versöhnung ist geschehen, Adoption, Kindschaft, Heiligung. Gefühle? Ertrag für den Alltag? Erst mal nebensächlich.

Und dann warnt Jesus davor, für einen Menschen allzu schnell den Bogen zum Reich Gottes zu schlagen. Nein, wir sollten über die Nebenwirkungen des Glaubens aufklären: Sterben des falschen Ichs, eventuelle Verfolgung, Leiden für Jesus wegen Spott und Hohn, Verantwortung für den Bau des Reiches Gottes, Hingabe an einen unsichtbaren (wenn auch erfahrbaren) Gott… mmhm… das sollten wir den Menschen sagen… und das verursacht bei mir immer noch Magengrummeln, wenn ich Bekehrungsaufrufe bei Evangelisationen erlebe… hat man den Leutchen gesagt, was auf sie zukommt? Hat man ihnen die Konsequenzen vor Augen geführt? Zu Jesu Zeiten waren die recht klar und deutlich. Heute sind sie verschüttet. Umso wichtiger, dass wir zur radikalen Nachfolge aufrufen und die Gnade nicht zu billig unters Volk werfen. Dieses wird sie dann - zu Recht -mit Füßen treten. Denn billige Gnade, das ist keine Gnade mehr.





pablik vjuing - und die Veränderung von Wortinhalten

30 06 2008

Nu isse vorbei - die EM2008 und endlich verschwinden die vielen unsäglichen Fahnen aus den Autofenstern und sausen einem nicht mehr als Geschosse Richtung Windschutzscheibe auf der Autobahn (weil eben nur bis Tempo 80 ausgelegt).

Apropos: public viewing war ja wieder mal das Stichwort diese EM. Aber wo kommt das eigentlich her? Der englische Begriff kommt ursprünglich (bis vor ein paar Jahren zumindest) von der Aufbahrung eines Leichnams zur letzten Betrachtung der Trauernden und Kondolierenden (F.A.Z./30.6.2008). Nun könnte man sagen: die deutsche Mannschaft hat gestern auch ziemlich tot gespielt… aber nein: dieses Wort hat einfach innerhalb von wenigen Jahren eine komplett neue Sinnfüllung erhalten. Spannend. Und lehrreich für Christen.

Bei meinem “Casting” beim WDR haben wir auch eine nette Menge an Medientheorie bezüglich Vermittlung geistlicher Inhalte bekommen und die geistlichen Unworte im Radio erfahren: Gnade, Buße, Sühne, Reich Gottes… all diese Begriffe werden einfach nicht mehr oder eben schief gefüllt vom Normalhörer einer Radiosendung vor dem ersten Kaffee. Also: striktes Verbot. Gut, Sühne sowieso, denn da (die Medienstelle gehört zur Rheinische Landeskirche) tobt auch gerade die Diskussion um die Haltbarkeit der Sühnetheologie (grmpf). Aber auch sonst: wie finden wir neue Worte für bekannte Begriffe, ohne sie zu verwässern oder zu vereinseitigen? In Gemeinde haben wir da einen Bildungsauftrag, dass solche Begrifflichkeiten erklärt und so erhalten bleiben. Aber gegenüber Entkirchlichten? Was hast du für Vorschläge für Umschreibungen für bekannte dogmatische Begriffe des christlichen Glaubens? 





Unfreiheit entlarven…

27 06 2008

Es gibt zwei Arten von Propheten. Die einen erklären den Geknechteten, dass sie frei sein können. Das ist der schwierige Weg des Mose. Die anderen erklären denen, die sich für frei halten, dass sie in Wahrheit geknechtet sind. Dies ist der noch schwierigere Weg Jesu.
(Richard Rohr, Vom wilden Mann zum weisen Mann)

Die Frage des Pilatus: was ist Wahrheit - das ist nicht mehr die Frage in der Postmoderne. Eine Binsenwahrheit (sic!). Vielleicht ist heute eher die Frage: was ist Freiheit? Denn darum dreht sich in Gesprächen eine ganze Menge, Freiheit von Zwängen, finanzielle Freiheit, Freiheit zur Selbstverwirklichung. Und nur durchs Christ-werden verschwinden solche Gedanken ja nicht automatisch, sondern werden manchmal nur getauft und fromm verbrämt. Zur echten Freiheit der Kinder Gottes zu kommen - das setzt voraus, die eigene brutale Unfreiheit zu erkennen, die dann am stärksten herrscht, wenn wir uns besonders frei fühlen. Echte Freiheit bedeutet Bindung an eine Person: Jesus. Alles andere ist Teil einer Werbeveranstaltung des Teufels.





Sind Christen Sünder? Nein!

19 06 2008

Was treibe ich im Augenblick so? Äußerlich: Medialer Overkill wegen meines Buches innerhalb von zwei Wochen: gestern Radioaufnahmen im ERF (Calando - Ausstrahlung Mitte August), nächste Woche Rundfunkschulung beim evangelischen Rundfunkbeauftragten für den WDR in Düsseldorf, übernächste Woche Donnerstag Fernsehaufnahmen für Cafe Aperto (Bibel-TV) - Ausstrahlung 10.8., 22 Uhr. Gut, für die Rundfunkschulung bin ich vom BFeG vorgeschlagen, hat also nix mit dem Buch zu tun, die suchen neue Sprecher für die Morgenandacht WDR1-WDR5 (können wir nicht irgendwie WDR4 umgehen?). Und sonst?

… beschäftige ich mich zunehmend mit der Frage: wer bin ich eigentlich in Christus. Bin ich immer noch ein Sünder? Und das Faszinierende ist vom Neuen Testament her: nein, ich bin kein Sünder mehr. Ich sündige immer noch (1.Joh 1), aber ich bin kein Sünder mehr. Hier ist die Unterscheidung zwischen Tat und Identität wichtig und entscheidend - wenn auch für westlich gepolte Menschen schwer geistlich umzusetzen, denn wir identifizieren und oft mit unseren und über unsere Taten! 3 Stellen kennt das NT noch, die darauf hindeuten könnten, dass Christen noch Sünder sind (Identität) - aber alle drei sind meines Erachtens doch bei näherem Hinsehen auf die Zeit vor der Hinwendung zu Christus gemünzt. Und auch wenn es mir noch unklar erscheint, wie man solche schönen Einsichten für sich umsetzt (jenseits der intellektuellen Befriedigung, etwas Schönes erkannt zu haben - wobei das sicherlich nicht neu ist…), bei dem Thema bleibe ich mal dran. Gibt also irgendwann mal eine Predigt oder so…

Irgendwelche Tipps oder Anmerkungen?





Warum nur?

15 05 2008

“Gott spricht zu uns. Wir spüren, wie diese Begegnung mit Gott Kreise in unserem Leben zieht - wie auf einem ruhigen See. Doch die Welt wirft gedankenlos Steine in unser Leben, die diese Bewegung zerstören. Und wir lassen es zu. Als Folge verlieren wir die Vision, die Gott uns für diese Welt und für unsere Rolle darin geben kann. Zu rasch und oft ohne uns zu wehren, machen wir statt Geschichte lieber Geld, tauschen Leben gegen Beruf, leben für das Wochenende statt für Gott. Wir verzichten um des Erfolgs willen auf Sinn und Bedeutung und machen Jagd nach Oberflächlichkeiten wie akademische Würden, Haus, Wagen, Aktienportfolio, statt im Großen zu leben. Wir werden gerettet, aber nicht gepackt; erlöst, aber ohne Drang.” (James Emery White, Hart gegen den Wind, R. Brockhaus Verlag, Seite 10)

Warum nur machen wir nicht ernst? Was steht uns im Wege? Mutmaßungen: Wir haben schiefe Bilder von Gott, vom Leben, von uns selbst. Wir müssen weniger machen, mehr loslassen. Wenige ich, mehr wir. Weniger wir, mehr Gott. Zeit auskaufen. Ernst machen. Und dabei spielerisch bleiben - denn das Leben ist eine Choreographie, eine Liturgie (=heiliges Spiel) Gottes. Was denkst du?





Klimatische Theologie…

12 05 2008

Manchmal scheint es mir, dass unser Klima auch Auswirkungen auf die Theologie hat. Bei diesem Wetter (fröhliche 26 Grad und blauer Himmel seit Tagen) werde ich unweigerlich entspannter, gelassener, aber auch ein Stück antriebsloser in meinem theologischen Denken - Australier würden das als laid back bezeichnen. Siesta und Revolutionsgetöse passen irgendwie nicht zusammen. Obwohl ja gerade die Südländer eine reiche Tradition im aufmüpfigen, verändernden Denken haben und in Italien nur eins vorhersehbar ist: das Ende der jeweils aktuellen Regierung und der Wechsel zur nächsten, die dann doch wieder leider vom Herrn Berlusconi geleitet wird (frisch geliftet). Ist es Zufall, dass der grübelige und strenge Protestantismus ausgerechnet in kühleren Regionen gewachsen ist?

Mit den steigenden Temperaturen sinkt bei mir die theologische Denkfrequenz - aber steigt die Reflexionsfrequenz und -tiefe. Bei einem guten Reserva den Blick in den Sternenhimmel vor dem nachtblauen Zelttuch des Horizonts gewandt… und unweigerlich gehen die Gedanken nach innen und nach vorne: wo gehe ich hin, was mache ich hier eigentlich, wer bin ich im Kern… keine intellektuelle Frage, eher eine stille Befindlichkeit. Seltsam. Aber eigentlich ganz schön… heiter, melancholisch, froh, still, leicht lächelnd und unter allem das Glimmen einer neuen Glut des Aufbruchs. 





Leidenschaftlicher Glaube - leidenschaftliche Gemeinde

21 04 2008

Ich sondere heute mal keine Weisheiten ab. Sondern Fragen. Fragen, die mich bedrängen. Fragmente, deswegen verzeih den vielleicht etwas konfusen Stil (außerdem ist es mitten in der Nacht und die Frage hält mich seit vielen Tagen wach und macht mich zunehmend traurig und ratlos und leer). Wie entsteht in einer Gemeinde eigentlich Leidenschaft? Ok, das könnte man nun reduzieren auf die Frage: wie entsteht eigentlich leidenschaftlicher Glaube. Da würde ich antworten - so aus der lamäng, wie der Rheinländer sagt - durch Gottes Geist und das Hören auf ihn und das Erfülltsein mit ihm. Durch Zeit mit Gott - in seinem Wort, im Gebet. Durch radikal offene Gemeinschaft. Aber ist das alles ein Garant für Leidenschaft? In meinem Leben nicht. Vielleicht bin ich aber auch zu schwach dafür, habe meinen geistlichen Zugang nicht voll erwischt, oder was auch immer… ich habe eine Leidenschaft für Gemeinde, für Jesus, für die frohe Botschaft - aber ich bin nicht immer leidenschaftlich.

Nun erwarte ich eigentlich keinen permanenten spirituellen Rausch - das wäre eher pathologisch und der Glaube verkäme zur Droge oder zur Magie. Eins von beidem. Aber kann man die Leidenschaft des Glaubens so einfach hochrechnen auf Gemeinde? Auf diesen gemischten Gemeindekörper, in dem bei uns im Augenblick so viel an so vielen kleinen Stellen passiert - aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, irgendetwas steht mächtig gleichzeitig auf dem Gas - und auf dem Bremspedal? Da quietschen die Reifen, es lärmt gewaltig und der Gummibelag entwickelt mächtig Rauch - aber so richtig voran geht es nicht… man schätzt die Gemeinschaft, man schätzt die Angebote der Gemeinde, man schätzt die hochwertigen Gottesdienste (auch wenn man durchaus hier und da keinen Stress damit hat, einfach mal weg zu bleiben), die Gemeinde wächst nett vor sich hin und trotzdem kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass ein Motto dran wäre: reduce to the max - reduziere auf das Maximum. Vielleicht ist weniger mehr?

Wie entsteht eine gemeinsame Leidenschaft für Reich Gottes, für die Verlorenen, die haltlos, wenn auch manchmal erfolgreich durch das Leben taumeln? Stattdessen hetzen manche ohne eine echte Reich-Gottes-Vision durch den Alltag - gefangen und gefressen von den schnöden, aber bedrängenden Alltagsproblemen. Ehe, Geld, Besitz, Kindererziehung… die Liste ist lang und ich finde mich da ja hier und da genauso wieder… Aber Gottes Handeln in diesen Bereichen erwarten? Mhm. Die Hoffnung ist da, aber die Realität?

Nun brauchen Veränderungen Zeit - das weiss ich von mir selbst. Aber ich erwarte einfach mehr. Gott erwartet mehr - denn wir sind ja Kämpfer an seiner Seite für ein neues Reich! Und in den Sendschreiben der Offenbarung lesen wir mehr als einmal: wenn nicht…. dann nehme ich euch den Leuchter weg. Die Zeit ist also keine Schleuderware - und ich möchte Jesu Auftrag gerecht werden. Gelassen, aber direkt und zielstrebig. Schaffe ich selbst längst nicht immer, aber ich träume von einer leidenschaftlichen Gemeinschaft, die eine derartige geistgewirkte Dynamik entwickelt, dass das eigene Taumeln aufgefangen, verwandelt und das Feuer neu entfacht wird. Weil überall Gott sichtbar am Werk ist. Ich liebe diese Gemeinde, ich bin Teil von ihr, ich will ihr dienen und mit ihr wachsen - ich frage nur: was steht denn da auf dem Bremspedal? Fragen halt. Fragmente… - und die Sehnsucht nach einer wahrlich nicht perfekten, aber leidenschaftlichen Gemeinde voller Erwartungen an Gott. 





Jesus - der erste (und wahre) Vertreter der Globalisierung?!

16 04 2008

Zur Herstellung von 100 Liter Biotreibstoff wird soviel Getreide benötigt, dass ein Mensch davon ein Jahr leben könnte. Wegen unserer Öko-Fantasien sterben mittlerweile Menschen massenhaft, weil in den Ländern der 2/3-Welt Lebensmittel zu teurerem Sprit verbraten werden, anstatt Menschen leben zu lassen. Nunja, Herr Gabriel leidet ja (augenscheinlich) keinen Hunger… und Hauptsache unser Gewissen ist rein und die Umwelt kann um 0.05% mehr aufatmen. Sollen doch Tausende sterben. Sind ja nur 1 Milliarde Menschen, die gerade ein Hungerproblem haben…

All das sind natürlich negative Auswirkungen einer Globalisierung, die es mit einer Leichtigkeit wie nie ermöglicht, aus reinem Profitstreben Dinge in 20000 Kilometer Entfernung billig produzieren zu lassen - und damit den lokalen Markt dort leer zu saugen. Angefangen hat das natürlich schon in der Kolonialzeit, als zugunsten von Kaffee, Kakao, Tee etc… heimische Produkte in Südamerika und Afrika verdrängt wurden und weite Teile der Bevölkerung in den Hunger bzw. die wirtschaftliche Abhängigkeit von den Kolonialherren gestoßen wurden. Heute aber schockiert die Unmittelbarkeit, die Rasanz, mit der die Heuschrecken weiterziehen und überall auf lokale Heuschrecken treffen, die gerne das kurzfristige Angebot annehmen, bis alles leer gesogen ist und die Karawane zum nächsten Billiglohnland weiter zieht…

Globalisierung ist nicht vermeidbar. Wir erleben sie. Wir können sie nicht stoppen. Sie ist Fakt. Das Problem ist auch nicht die Globalisierung - das Problem ist die fehlende Kontrolle, das freie Spiel der Kräfte. Haben wir Christen dazu nichts zu sagen? Immerhin: Jesus hat als Erster den Blick geweitet auf die ganze Welt (weg von der Auserwählung eines kleinen Volkes). Er hat die Verantwortung für die ganze Welt gepredigt. Jesus hat seinen Jüngern einen Horizont aufgestoßen, wie er nie zuvor so weit war. Aber er hat eben gleichzeitig diesen globalisierten Horizont unter seine Lehre gestellt, seine Ethik, die sich aus der Nachfolge ergibt. Was hieße das praktisch für eine Ethik der Globalisierung nach Jesus Vorbild? Ich will keine christliche Globalisierung postulieren - die gibt es genauso wenig wie eine christliche Politik. Oder christliche Musik. Aber das freie Spiel der Kräfte, das letztlich den Starken bestimmen lässt, weil dieser die längsten Hebel hat - das kann es auch nicht sein…

Der Globalisierung entgegen steht der Rückzug ins Private. Vor der Komplexität der Weite kapitulieren immer mehr Menschen und ziehen sich zurück ins Kleine. Heraus kommt so was wie Biosprit. Politiker produzieren Gutmenschentum und schaffen es nicht, die Folgen global zu bedenken. Weil eben nur Deutschland im Blick ist. Auf kleiner Ebene: wozu gesellschaftliches Engagement, man kann doch als winziges Rädchen im weltweiten Gefüge eh nicht viel ändern. Gut, dass unser Herr das anders gesehen hat: er hat globalisiert und weltweit gedacht - und dabei lokal gehandelt. Tun wir es ihm nach - Jesus ist auch Herr der Globalisierung!

P.S. zum Thema Hunger findet sich auch noch ein lesenswerter Beitrag von Bento Bernd