downsize your life - das Leben vereinfachen und den Glauben stärken

8 07 2008

Über peregrinatio-Peter kommt heute ein wirklich herausforderndes Zitat aus einem Buch, das er gerade liest…:

Wenn wir in der Kirche wirklich zusammen Gottes Familie sind, dann wirkt sich die Entscheidung eines Paares, ein Ferienhaus zu kaufen, auf ihre Beziehung zu der alleinerziehenden Mutter in der Gemeinde aus, die zwei Jobs verrichtet, um die Miete zu zahlen und Essen auf den Tisch zu stellen. Es ist schwer vorstellbar, wie sie eine ehrliche Beziehung zu einander haben können, selbst wenn sie zu derselben Gemeinde gehören.

Puh, starker Tobak. Und dennoch ganz biblisch konform, sofern es sich um echte Not handelt und nicht um Herumliegen in der sozialen Hängematte. Man lese mal Apostelgeschichte 4, 32ff:

32 Alle in der Gemeinde waren ein Herz und eine Seele. Niemand betrachtete sein Eigentum als privaten Besitz, sondern alles gehörte ihnen gemeinsam. 33 Mit großer Überzeugungskraft berichteten die Apostel von der Auferstehung Jesu, und alle erlebten Gottes Güte. 34 Keinem in der Gemeinde fehlte etwas; denn wer Häuser oder Äcker besaß, verkaufte seinen Besitz 35 und übergab das Geld den Aposteln. Die verteilten es an die Bedürftigen.

Wie gesagt: starker Tobak, der mich immer wieder hinterfragt. Sorgen wir in der Gemeinde für einen gewissen Ausgleich? Gerade in Zeiten schrumpfender Sozialsysteme? Oder um es mit Haggai zu sagen: leben wir in feinen Häusern, während der Tempel Gottes in Trümmern liegt? Sind wir bereit, eine Nummer kleiner zu leben, wenn es dem Reich Gottes und den Bedürftigen in ihm hilft? Mir fällt immer wieder auf, wie viel Krempel man sich so anschafft. Gerade Kinder laufen aus Gruppendruck mit unheimlich viel Zeugs herum, dass nach wenigen Wochen out ist und entsorgt wird… aber sind Erwachsene immer besser?

Unsere Regel als Familie ist zunehmend geworden: (1) lieber wenig in guter Qualität kaufen und da dann teurer eine Nummer kleiner (Nachhaltigkeit) und (2): bei jedem Kauf eine Verzögerung einbauen und zwar: je teurer, desto länger (Das hat zur Folge, dass ich mir eine neue Digitalkamera, die ich ersehne, erst ein halbes Jahr später kaufe, um wirklich zu wissen, ob ich sie brauche). Und (3): bei jedem Kauf außerhalb des normalen Budgets fragen: brauche ich das wirklich? Brauche ich es auch noch in 2 Jahren? In 10 Jahren? Vielleicht hilft das ja, sensibel zu werden…





Cola und Kokain - Glaube und leere Versprechen

4 07 2008

Warum ist Cola so beliebt? Seien wir ehrlich: nicht wegen des Geschmacks. Schmeckt nicht schlecht, aber sooo einen Erfolg rechtfertigt die Brause doch wohl nicht allein durch den Geschmack?! Nun: die Mischung aus extrem viel Zucker und Koffein macht es. Das gute Gefühl. Die erste Rezeptur des Erfrischungsgetränks Coca-Cola enthielt bis 1906 sogar einen Extrakt aus Cocablättern (und erhielt so seinen Namen), so dass ein Liter Coca Cola rund 250 Milligramm Kokain enthielt. Dann häuften sich die Todesfälle und der Zusatzstoff wurde entfernt. Nun möchte man Cola keine Absicht unterstellen (Kokain galt bis 1926 offiziell als nicht schädigend) - aber so eine Munterbrause verkauft sich natürlich! Kundenbindung at it’s best…;-)

Bogen zum Glauben: auch da kann ich mich - wenn man sich mal in der freikirchlichen Szene evangelikaler und charismatischer Provenienz umguckt - nicht des Eindrucks erwehren, dass hier mit Speck Mäuse gefangen wird. Wenn sie denn noch gefangen werden, in deutschen Landeskirchen diskutiert man lieber darüber, ob denn der Sühnegedanke überhaupt noch tragbar ist für den modernen Menschen … (dazu an anderer Stelle mehr). Viele Versprechen werden gemacht, der Glaube wird marktwirtschaftlich und funktional aufgeladen (was bringt mir denn Jesus?).

Dumm nur, dass es gar nicht zuerst um das menschliche Wohlgefühl geht… es geht gar nicht so sehr darum, ob ich mich plötzlich viel besser fühle, weil mich Jesus befreit hat! Das mag sogar sein, aber die Fakten dahinter sind entscheidend: Versöhnung ist geschehen, Adoption, Kindschaft, Heiligung. Gefühle? Ertrag für den Alltag? Erst mal nebensächlich.

Und dann warnt Jesus davor, für einen Menschen allzu schnell den Bogen zum Reich Gottes zu schlagen. Nein, wir sollten über die Nebenwirkungen des Glaubens aufklären: Sterben des falschen Ichs, eventuelle Verfolgung, Leiden für Jesus wegen Spott und Hohn, Verantwortung für den Bau des Reiches Gottes, Hingabe an einen unsichtbaren (wenn auch erfahrbaren) Gott… mmhm… das sollten wir den Menschen sagen… und das verursacht bei mir immer noch Magengrummeln, wenn ich Bekehrungsaufrufe bei Evangelisationen erlebe… hat man den Leutchen gesagt, was auf sie zukommt? Hat man ihnen die Konsequenzen vor Augen geführt? Zu Jesu Zeiten waren die recht klar und deutlich. Heute sind sie verschüttet. Umso wichtiger, dass wir zur radikalen Nachfolge aufrufen und die Gnade nicht zu billig unters Volk werfen. Dieses wird sie dann - zu Recht -mit Füßen treten. Denn billige Gnade, das ist keine Gnade mehr.





Unfreiheit entlarven…

27 06 2008

Es gibt zwei Arten von Propheten. Die einen erklären den Geknechteten, dass sie frei sein können. Das ist der schwierige Weg des Mose. Die anderen erklären denen, die sich für frei halten, dass sie in Wahrheit geknechtet sind. Dies ist der noch schwierigere Weg Jesu.
(Richard Rohr, Vom wilden Mann zum weisen Mann)

Die Frage des Pilatus: was ist Wahrheit - das ist nicht mehr die Frage in der Postmoderne. Eine Binsenwahrheit (sic!). Vielleicht ist heute eher die Frage: was ist Freiheit? Denn darum dreht sich in Gesprächen eine ganze Menge, Freiheit von Zwängen, finanzielle Freiheit, Freiheit zur Selbstverwirklichung. Und nur durchs Christ-werden verschwinden solche Gedanken ja nicht automatisch, sondern werden manchmal nur getauft und fromm verbrämt. Zur echten Freiheit der Kinder Gottes zu kommen - das setzt voraus, die eigene brutale Unfreiheit zu erkennen, die dann am stärksten herrscht, wenn wir uns besonders frei fühlen. Echte Freiheit bedeutet Bindung an eine Person: Jesus. Alles andere ist Teil einer Werbeveranstaltung des Teufels.





Leidenschaftlicher Glaube - leidenschaftliche Gemeinde

21 04 2008

Ich sondere heute mal keine Weisheiten ab. Sondern Fragen. Fragen, die mich bedrängen. Fragmente, deswegen verzeih den vielleicht etwas konfusen Stil (außerdem ist es mitten in der Nacht und die Frage hält mich seit vielen Tagen wach und macht mich zunehmend traurig und ratlos und leer). Wie entsteht in einer Gemeinde eigentlich Leidenschaft? Ok, das könnte man nun reduzieren auf die Frage: wie entsteht eigentlich leidenschaftlicher Glaube. Da würde ich antworten - so aus der lamäng, wie der Rheinländer sagt - durch Gottes Geist und das Hören auf ihn und das Erfülltsein mit ihm. Durch Zeit mit Gott - in seinem Wort, im Gebet. Durch radikal offene Gemeinschaft. Aber ist das alles ein Garant für Leidenschaft? In meinem Leben nicht. Vielleicht bin ich aber auch zu schwach dafür, habe meinen geistlichen Zugang nicht voll erwischt, oder was auch immer… ich habe eine Leidenschaft für Gemeinde, für Jesus, für die frohe Botschaft - aber ich bin nicht immer leidenschaftlich.

Nun erwarte ich eigentlich keinen permanenten spirituellen Rausch - das wäre eher pathologisch und der Glaube verkäme zur Droge oder zur Magie. Eins von beidem. Aber kann man die Leidenschaft des Glaubens so einfach hochrechnen auf Gemeinde? Auf diesen gemischten Gemeindekörper, in dem bei uns im Augenblick so viel an so vielen kleinen Stellen passiert - aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, irgendetwas steht mächtig gleichzeitig auf dem Gas - und auf dem Bremspedal? Da quietschen die Reifen, es lärmt gewaltig und der Gummibelag entwickelt mächtig Rauch - aber so richtig voran geht es nicht… man schätzt die Gemeinschaft, man schätzt die Angebote der Gemeinde, man schätzt die hochwertigen Gottesdienste (auch wenn man durchaus hier und da keinen Stress damit hat, einfach mal weg zu bleiben), die Gemeinde wächst nett vor sich hin und trotzdem kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass ein Motto dran wäre: reduce to the max - reduziere auf das Maximum. Vielleicht ist weniger mehr?

Wie entsteht eine gemeinsame Leidenschaft für Reich Gottes, für die Verlorenen, die haltlos, wenn auch manchmal erfolgreich durch das Leben taumeln? Stattdessen hetzen manche ohne eine echte Reich-Gottes-Vision durch den Alltag - gefangen und gefressen von den schnöden, aber bedrängenden Alltagsproblemen. Ehe, Geld, Besitz, Kindererziehung… die Liste ist lang und ich finde mich da ja hier und da genauso wieder… Aber Gottes Handeln in diesen Bereichen erwarten? Mhm. Die Hoffnung ist da, aber die Realität?

Nun brauchen Veränderungen Zeit - das weiss ich von mir selbst. Aber ich erwarte einfach mehr. Gott erwartet mehr - denn wir sind ja Kämpfer an seiner Seite für ein neues Reich! Und in den Sendschreiben der Offenbarung lesen wir mehr als einmal: wenn nicht…. dann nehme ich euch den Leuchter weg. Die Zeit ist also keine Schleuderware - und ich möchte Jesu Auftrag gerecht werden. Gelassen, aber direkt und zielstrebig. Schaffe ich selbst längst nicht immer, aber ich träume von einer leidenschaftlichen Gemeinschaft, die eine derartige geistgewirkte Dynamik entwickelt, dass das eigene Taumeln aufgefangen, verwandelt und das Feuer neu entfacht wird. Weil überall Gott sichtbar am Werk ist. Ich liebe diese Gemeinde, ich bin Teil von ihr, ich will ihr dienen und mit ihr wachsen - ich frage nur: was steht denn da auf dem Bremspedal? Fragen halt. Fragmente… - und die Sehnsucht nach einer wahrlich nicht perfekten, aber leidenschaftlichen Gemeinde voller Erwartungen an Gott. 





Geistliche Atmosphäre im “Wilden Osten”

9 03 2008

War auf einer Tagung in Friedensau - in der Nähe von Burg - in der Nähe von Magdeburg. Absolute Pampa. Ansiedlungsverbot während der DDR-Zeit, Wohnerlaubnis nur für Studenten der Siebenten-Tags-Adventisten. Wie eine Enklave liegt das schöne Gelände mitten im Wald. Man meint den Rückzug aus der verfolgten und bedrängten Wirklichkeit immer noch spüren zu können.

Vorher Magdeburg, dort übernachtet und erschrocken. Neben den schönen alten Gebäuden und diversen Bausünden der vergangenen Jahrzehnte in Klotzbauweise vor allem Menschen, traurige Menschen, desillusionierte Menschen, leere Menschen. Ich gehe immer gerne durch die Straßen der Stadt und habe das stundenlang dort gemacht. Selten ein Lächeln, viel Härte und ganz viel Leere und geistliche Dunkelheit. Wie eine Regenwolke dunkel und schwer hing eine eigenartige Last auf mir, wie ich es sonst kaum erfahren habe.

Später erzählte mit ein sonst ganz nüchterner Christ, er würde wie eine graue Decke über der Stadt spüren, wie ein Schleier der Hoffnungslosigkeit. Eine Decke, die die frohe Botschaft fern hält, obwohl viele Menschen aller Denominationen beten und versuchen, Gemeinde zu bauen…Mich hat das frustriert - und vielleicht fehlt uns die Antenne oder auch die Methodik, um mit solchen “Decken” umzugehen!?





Die dunkle Seite des Internet: Pornographie

5 02 2008

Reden wir über das Schmuddelthema. Warum? Weil es auch immer wieder mal mein Schmuddelthema ist. Wie bei 60% der Männer. Und weit mehr in meiner Altersklasse. Also zwischen 30 und 40. Gerade auch bei denen, die für Gott arbeiten wollen. Warum drüber reden? Weil Jesus es anordnet und uns als Weg der Befreiung nahe legt: bringt die Sachen ans Licht (also in seine Gegenwart), dann kann es befreit und geheilt werden.

Nach vorsichtigen Schätzungen sind ein Fünftel der aufgerufenen (!) Seiten im Internet pornographisch. Das wäre in medizinischen Kategorien gedacht eine Epidemie. Wenn man denn Pornographie als krank bezeichnen und einordnen würde. Ist sie aber. Sie macht abhängig, degradiert Frauen und Männer, verdreht die Gottesebenbildlichkeit, ist Ausdruck einer tiefen Leibfeindlichkeit (!).
Vielleicht kommen wir hier ins Gespräch über die Gründe für den Bedarf nach Pornographie. Ich bin nicht prüde erzogen worden, habe kein verdorbenes Verhältnis zu meinem Körper und freue mich am Anblick einer schönen Frau. Und das ist auch gut so - denn so hat Gott uns erschaffen. Pornographie dagegen hat einen instrumentalen Charakter - sie steht eigentlich für etwas Anderes. Für den Abbau von Frust, von Aggression, von Langeweile, von Hilflosigkeit - letztlich: von einer mangelhaften Gottesbeziehung, in der es an Leidenschaft fehlt. Ich halte es mit einem Erziehungspsychologen, der einmal sagte: Wachstum und Reife entstehen am Aushalten von inneren und äußeren Spannungen. Das lernen Kinder immer weniger. Spannungsabbau - sprich: der leichte Weg der Befriedigung ist z.B. die Pornographie, aber auch die Esssucht u.a. - aber all diese Dinge halten uns infantil, binden uns und verhindern - christlich gesprochen - Vollmacht und Wachstum auf Jesus zu. Hilfsmittel? Bei mir sind das:

ein guter Internetfilter - safeeyes hat sich bei mir seit einem Jahr bestens bewährt - und läuft auch auf Mac. Die 40 Euro im Jahr sind bestens investiert, abgesehen davon, dass man mit dem Ding auch seine Kinder schützen kann… wer bereits die Anschaffung für sich verweigert, hat ein wirkliches Problem!

Offenheit - mit anderen Männern und der eigenen Partnerin (so vorhanden) darüber reden und diskutieren. Wer als Mann behauptet, noch nie innerlich eine Frau ausgezogen zu haben, der lügt sich was in die Tasche oder ist bereits in der Ewigkeit. accountability ist entscheidend - wie geht es dir bei der Pornographie? Die Frage von einem guten Freund oder Mentor ist wichtig!

Seelsorge - darüber reden und durchschauen, wozu die Pornographie bei MIR dient. Pornographie ist immer instrumental!

Bloss keine Fixierung! - denn dann wird das Thema zum Hauptthema. Sünde gehört aber besiegt bzw. ist eigentlich schon besiegt und der Sieg gehört gelebt! Zentrum sind aber Gnade und Jesus.

Es ist an der Zeit, das Thema anzusprechen. Denn es wütet in der Dunkelheit - und nicht zuletzt verdirbt Pornographiesucht wirklich erfüllenden und leidenschaftlichen Sex mit der eigenen Frau. Ich “investiere” an andere Stelle - was meiner Frau aber eigentlich zusteht. Reden wir darüber.





Alles ist erleuchtet…

29 01 2008

Alles ist erleuchtet ist nicht nur ein abgedrehter und lesenswerter Roman von Jonathan Safran Foer (wer nennt sein Kind nach einem Gewürz?), sondern auch - mit etwas anderer Wortwahl - christliche Grundwahrheit. Dementsprechend nennt Rob Bell sein Programm ja auch “everything is spiritual” - alles ist geistlich (auf DVD erschienen und eine Anschaffung wert, wenn man des Englischen mächtig ist - danke für den Tipp, Peter!).
Sicherlich nicht im pantheistischen Sinne, als wenn alles von Gottes Geist durchtränkt sei - dann wäre es ein angemessener Gottesdienst, Bäume zu umarmen. Aber in dem Sinne, dass kein Bereich dieser Welt einfach so nicht geistlich ist! Gott ist überall, er will überall Reich Gottes bauen, er wirkt überall, spricht überall. Wer ihn auf Gottesdienste und Stille Zeiten beschränkt, der entwertet diese nicht nur (denn sie haben eine eigene Bedeutung, die noch über das hinaus geht), sondern verpasst außerhalb dieser Momente Gottes Reden und Wirken.
The best time for planning a book is while you’re doing the dishes. - so sagt es Agatha Christie. Und mit Bruder Lorenz und seinem mittelalterlichen Klassiker von der Gegenwart Gottes auch beim simplen Kochen kann man schließen: Gott produziert überall um dich herum Wellen - kannst du sie reiten? Dann musst du sie erst entdecken. Dazu muss man aber mit ihnen überhaupt erst einmal rechnen! Und das verlangt wahrscheinlich eine echte Verwandlung unseres Denkens, das gerne zwischen geistlich und Sonstiges trennt. Eins der größten Hindernisse zu einer ganzheitlichen und wie selbstverständlich ins Leben integrierten Gotteserfahrung ist genau dieser unselige Dualismus. Alles ist geistlich.





Drehen um den eigenen Bauchnabel

6 01 2008

Lese gerade Donald Millers “Blue like Jazz” zu Ende. Viele Perlen, manchmal Leerlauf, aber hat sich trotzdem gelohnt, weil unverkrampft, originell und manchmal provokativ. Gerade auf dem Klo (dort liegt immer ein Stapel Theologie) vor dem Schlafengehen den schönen Satz gelesen (sinngemäß zusammengefasst):

“Eine der schwersten Lektionen meines Lebens habe ich in Graceland (einer WG) gelernt: Im Film meines Lebens geht es nicht um mich, obwohl ich in jeder Szene die Hauptrolle spiele”.

Das macht Gemeinschaft. Das machen bei mir die Kinder, deren Vater ich nun seit drei Jahren sein darf. Das kann eine WG auslösen, in der ich weniger Privatsphäre habe als gewohnt, das löst auch eine Gemeinde aus, in der ich integriert und authentisch lebe. Offen gesprochen: ich bin manchmal ein ziemlich egoistischer Arsch Typ. Der alte Adam in mir findet sich immer wieder ganz klasse und will im Mittelpunkt stehen. Ist weniger geworden, zuckt aber noch ab und an kräftig. Gemeinschaft korrigiert das. Eine vereinzelte, individualistische Gesellschaft hat deswegen zwangsläufig nur eine Richtung: zu noch mehr Egoismus. Aber es gibt auch eine (manchmal romantische) Sehnsucht nach Gemeinschaft. Aber wehe, sie hinterfragt mich, sie knabbert an meinem Selbstbild, sie ist, tja, nicht so wie ich… dann kann man sich eigentlich nur ehr-erhaltend unter theologischem, pragmatischem, ideologischem Deckmäntelchen wieder zurückziehen und weiter vereinzeln und leider auch noch ich-bezogener werden. Eine ungute Spirale nach unten.

Aber es gibt auch das Gegenteil und das ist ein gutes Stück Reich Gottes, das ich im Augenblick in unserer Gemeinde erlebe: zusammen sein, sich öffnen, manchmal schmerzhaft echt werden und erleben: Gott liebt mich trotzdem, er liebt mich direkt und er liebt mich durch meine Geschwister hindurch. Wer das einmal gewagt und erlebt hat, der will nicht mehr anders. Denn es ist ein Vorgeschmack auf die Ewigkeit. Habe Mut, dich der Gemeinschaft zu stellen, zu öffnen, mitten in sie hineinzugehen und sie auszuhalten, wenn es unangenehm wird, sei es in der Ehe/Familie, in der Gemeinde, in der WG… Reich Gottes ist kein Einzelkampf.





Eine wirksame Strategie des Teufels

10 12 2007

Ich liege im Dämmerlicht im Bett, neben mir meine Frau Isa, zwischen uns Merle, die mal wieder ihre Alpträume hat und sich dann ängstlich aufschreiend in das T-Shirt von Isa verkrallt, als wolle sie sagen: bitte, geh nicht weg. Genau das musste sie auf Intensiv erleben, als sie langsam aufwachte aus dem künstlichen Koma und mit ihren Schmerzen vom Valium-Entzug fertig werden musste - nachts blieb sie damit allein und schrie - stundenlang, ohne dass dauernd die Nachtschwester trösten konnte. Bis endlich die Verlegung in ein normales Zimmer Mutter und Tochter wieder zusammen brachte. Ich schaue mit das an, streichele über den kleinen warmen Kopf und muss selbst ein wenig weinen. Wie zerbrechlich ist ein solches Kind, wie zart, wie bedürftig. Und langsam heilen auch die inneren Wunden und jede Menge Baby-Zufriedenheit und Lächeln macht sich breit…

Warum ich das erzähle? Weil parallel jede Woche zwei Kinder zu Tode gequält werden. 2 Babies dort, 5 dort - die Medien sind voll damit und dennoch erfassen sie nur die obersten Grausamkeiten. Kleinkinder, die verhungern, ein Baby, das mit über 100 Knochenbrüchen schließlich an den Schmerzen krepiert. Hilflose Politiker angesichts einer Bevölkerung, die orientierungslos vor sich hin dümpelt. Wo falsche Ideologien, fehlende Orientierung an einer höheren - auch moralischen - Instanz, also Gott, wo unglaubliche soziale Armut und Verwilderung sich breit machen. Wenn man selbst Vater ist und einen so kleinen Wurm in den Armen hält und gerade dann, wenn der kleine Wurm - so wie unsere Merle - auf ganz besondere Weise zu einem Gottesgeschenk geworden ist durch die schwere OP - dann kann man das alles nur mit großen Schmerzen sehen und hören. Es macht wütend, hilflos, traurig - aber nicht wütend auf diese Eltern, denn obwohl sie Täter sind und verantwortlich - sie sind oft alleingelassene Kreaturen, die das ausleben, was in uns allen steckt, wenn es nicht von Gott geheilt und vergeben wird. Ich begegne diesen Eltern mit Unverständnis und ich würde sie gerne schütteln, ich verstehe sie nicht und wünsche mir eine gerechte Strafe, viel mehr wünsche ich mir aber, dass die Gesellschaft und gerade wir Christen Verantwortung übernehmen.

Und hier schlägt die wirksame Strategie des Teufels zu: wir Christen sind so oft mit uns selbst beschäftigt und mit unsinnigen, kleinen Querelen in der Gemeinde und der Christenheit, die so viel Kraft und Freude kosten (und vor denen Paulus schon warnt). Und in Freikirchen gilt: hey, wir haben zwar keinen Papst, dafür aber in jeder Gemeinde 2 oder 5 oder 7 Päpste, die sich für unfehlbar halten. Die wichtig sein wollen, die nicht dienen, sondern richtig bedient werden wollen (wehe, man macht nicht alles richtig!). Und so fetzen wir uns um nebensächliche Themen, die mit den Dingen, die die verlorenen Menschen da draußen beschäftigen: NICHTS zu tun haben. Und oft genug sind das auch die Themen, die Christen stillschweigend mit sich herumtragen: wie kann meine Ehe besser gelingen, warum passiert so etwas wie mit den 5 Babies und wie kriege ich das selbst hin mit der Erziehung? Warum kämpfe ich so sehr mit sexuellen Versuchungen? Wie kann ich in meinem Beruf bestehen, ohne auszubrennen?

Wie viel reden wir dagegen über: Kleinigkeiten im Vergleich dazu. Manchmal können auch Kleinigkeiten wichtig sein (wie bauen wir Gemeinde, was sind die richtigen Modelle für die Zukunft etc…), aber sie sollen nur dem großen ganzen dienen und es darf eben kein Selbstläufer werden.

Die Lösung? Ein dienendes Herz, das die Probleme der Menschen (auch der Christen!) adressiert und vom Glauben her beleuchtet. Das anpackt und hilft bei den unterschwelligen Fragen, die manchmal quälen. Die Verweigerung, sich an den Kleinigkeiten aufzureiben. Der gemeinsame Wille, eine gemeinsame Vision vom Reich Gottes im Blick zu halten und nicht die kleinen Füchse hineinzulassen, die den Weinberg (Gemeinde) zerstören wollen. Radikale Ausrichtung auf die Liebe zu Gott, zum Nächsten und zum Salz- und Lichtsein in dieser Welt. Das wünsche ich mir, wenn ich über den kleinen Kopf von Merle streichele, die sich entspannt, während ich davon träume, dass wir (ja auch ich!) weniger Forderungen an andere haben und an Gemeinde und an Leitung und an was auch immer, sondern endlich kapieren: alle Christen sind Gemeinde und haben Verantwortung. Nehmen wir sie nicht wahr, sündigen wir. Werde wesentlich.





Das ist die Hölle! Huber und die Höllenfrage…

17 11 2007

Vorgestern bei Kerner - der bekennende Atheist (bereits eine quasireligiöse Wortverknüpfung!) Richard Dawkins diskutiert mit Bischof Huber und dem unvermeidlichen Heiner Geissler über die Hölle. Auch noch dabei: ein blasser katholischer Bischof. Und Dawkins staunt Bauklötze: hey - die Christen in Europa haben die Hölle praktischerweise abgeschafft! Das ist ja toll und fortschrittlich! Geissler leugnet die Hölle komplett, Huber insistiert noch auf der Verantwortlichkeit des Menschen (tun Humanisten auch - nur nicht vor Gott), aber lobt die liberale Theologie für ihre Demontage des Höllengedanken.

Ihr Lieben: habt ihr den Verstand und vor allem die Augen ausgeknipst?

  • Was soll eine abstrakte Verantwortlichkeit des Menschen vor Gott, wenn diese keinerlei Konsequenzen hat? „Lauf nicht auf die Autobahn, mein Kind, du könntest überfahren werden. Wenn du es doch tust, wirst du eben überfahren, ich habe dich dafür aber immer noch ganz doll lieb!“ Super Gottesbild. Nur dass ein solcher Gott ohne Konsequenz nicht liebevoll, sondern dumm und lieblos wäre.
  • Keiner beachtet anscheinend die theologisch gegebene Linearität zwischen Reich Gottes auf Erden und Reich Gottes in der neuen Welt, bzw. Hölle auf Erden und Hölle in der Ewigkeit. Beide sind bereits hier und jetzt verortet, wenn auch in geringerem Maßstab und in abgeschwächter Intensität. Beide werden gesteigert ins unermesslich Schöne bzw. Grausame in der Ewigkeit. Dazwischen liegt auf persönlicher Ebene der Tod, der seit Jesus Christus immer noch schlimm ist, aber seine Bedeutung verloren hat - bzw. auf globaler Ebene die Wiederkunft Christi mit der Schaffung einer neuen Erde in Kontinuität der jetzigen Schöpfung, nur eben: geheilt! Das ist gutes biblisches Zeugnis - und so ist eben das Reich Gottes bereits mitten unter uns, aber auch die Hölle! Und wer wollte das leugnen? Wer verschließt die Augen vor der Tatsache, dass diese Welt bereits in Teilen grausame höllische Realität ist? Huber anscheinend schon. Ich kann das nicht und ich will mir nicht vorstellen müssen, wie Hölle in der Ewigkeit aussieht. Ich will Menschen in die Ewigkeit hinein lieben und retten. Aber es gibt eben keine Ewigkeit ohne Hölle, kein Gut ohne Böse, keine Herrlichkeit ohne Verfolgung, kein Friedensreich ohne das Aufbäumen der Gegenseite. Huber sieht das nicht. Gott sei ihm gnädig.