Buße also – unangenehmes Thema für viele. Schade eigentlich – Julius Schniewind spricht ja von der „Freude der Buße“. Aber wie viel Buße ist notwendig und was ist theologisch fundiert bzw. nur kirchengeschichtlich bedingt in unserer Sichtweise der Umkehr?
Lese gerade in einem Buch von Andrew Wommack. Wommack gehört zu der theologischen Richtung (Wort-des-Glaubens-Bewegung), die sehr stark den Glauben an die neue Identität in Christus vertritt und so Heilung, Wohlstand, Befreiung etc. nahe legt. Ich empfinde schon seit geraumer Zeit diese theologische Richtung in manchen Punkten als durchaus hilfreich und auch biblisch verankert, aber wie immer, wenn alles in ein System passen muss, wird es gefährlich. Stichwort Buße und Umkehr. Hier wird behauptet: das sei quasi nicht mehr nötig, denn es ist in Christus alles vergeben, alles geschenkt, alles getan, was Gott getan haben kann. Ich muss es nur ergreifen. Und so folgt ein schönes Zitat, das mich aufgerüttelt hat:
„und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben haben unseren Schuldnern“ (Matthäus 6,12) – Es ist offensichtlich, dass dies kein Gebet aus dem neuen Bund ist. Deine Sünden sind dir bereits vergeben worden. Du musst sie nicht mehr dauernd bekennen und beten: Vergib uns unsere Sünden. Sobald du geglaubt und den Herrn empfangen hast, sind deine Sünden vergeben…
Zitat Ende. Mmmhm. Abgesehen davon, dass ich denke, man muss die grundlegende Buße in der initialen Hinwendung zu Gott von der Buße in der Heiligung (und selbst die ist ja Gnade!) unterscheiden -was macht Wommack mit 1.Johannes 1,8.9: „Wenn wir behaupten, sündlos zu sein, betrügen wir uns selbst. Dann ist kein Fünkchen Wahrheit in uns. 9 Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, dann erfüllt Gott seine Zusage treu und gerecht: Er wird unsere Sünden vergeben und uns von allem Bösen reinigen“? Johannes geht es sicherlich um den Prozess der Heiligung und beschreibt dennoch, dass Gott immer noch vergibt! Präsens! Warum, wenn doch alles vergeben ist? Hier scheint das System der „Wort-des-Glaubens“-Bewegung zu versagen. Wie alle Systeme – weil Gott sich meines Erachtens nicht in Systeme pressen lässt.
Ich bleibe dabei – möchte dies aber hier gerne diskutieren, um auch meine Meinung zu hinterfragen und zu schärfen – Wüstenzeiten sind wichtig, damit wir neu gereinigt und ausgerichtet werden, Buße und Umkehr sind heilsam und hilfreich (weil sie unsere Leitung zu Gott freihalten), das Vater-Unser gehört auch in den neuen Bund, denn durch die Verschriftung in der Bibel ist es ja auch an die nachösterliche Gemeinde gerichtet (wobei ich Wommack zustimme: es geht um die Inhalte, nicht um den exakten Wortlaut). Generell kann uns die Wort-des-Glaubens-Bewegung einiges Gutes beibringen, aber sie schießt hier und da (nach meinem Erkenntnisstand) kräftig über das Ziel hinaus. Und welche Bewegung tut das nicht? Zitat wikipedia: „…nur eine sehr geringe Bandbreite der menschlichen Erfahrung hat Platz in dieser Theologie. Leid (in mancher Rhetorik auch Mitleid), Zweifel, Scheitern und andere Unannehmlichkeiten sind Teile des Lebens, die es zu ignorieren gilt.“
Und damit komme ich nicht zurecht. Denn ich zweifle immer wieder mal, kenne auch Leid in meinem Leben und möchte dieses nicht triumphalistisch verbrämen. Bahn frei zur Diskussion.
Neueste Kommentare