Schwermütige Momente - und der Weg aus ihnen heraus.

18 04 2008

Gestern war so ein Tag… der Schwermut und Melancholie. Fröhliche Sanguiniker werden nun den Blogeintrag weg klicken - ist schon ok. Sie ahnen ja nicht, dass ihnen etwas fehlt. Äh, fehlt? Nun will ich mich nicht in Schwermut suhlen - das wäre unangemessen. Aber sie hat einen tieferen Sinn!

Schwenken wir zu Kierkegaard - meinen Leib und Magen-Philosophen, der praktischer weise auch noch Christ und Zyniker war. Sozusagen der Harald Schmidt der Philosophie. Naja. Ansatzweise. Dieser Sören Kierkegaard hat jedenfalls unter seiner Schwermut gelitten - heute würde man sie als Depression diagnostizieren und Pillen einwerfen. Das habe ich auch schon einmal eine Zeit lang in einer schweren Phase getan und es war gut. Denn wenn die Schwermut nicht eingeordnet werden kann - dann kann sie zur existenziellen Verzweiflung werden. Kierkegaard definiert nämlich die Verzweiflung doppelt: Verzweifelt man selbst sein wollen auf der einen Seite und Verzweifelt nicht man selbst sein wollen auf der anderen Seite. Beides ist von übel, das erste führt zu Trotz (so bin ich eben), das andere zu Schwäche (ach, könnte ich mich loswerden). Beides führt in Schwermut und/oder Zynismus. Sünde ist dann laut Kierkegaard: dass der Mensch vor Gott verzweifelt nicht er selbst sein will oder dass er vor Gott verzweifelt er selbst sein will. Und der Sinn? Zu erkennen, dass man in der Schwebe zwischen diesen Zuständen in Gott geborgen ist und sich von ihm her definiert. In meinen Worten. Und das ist ja gut jüdische Denke - der Mensch wir Mensch am Du Gottes (Buber). Und die Sanguiniker? Die haben noch einen langen Weg vor sich, denn sie sind auf der untersten Stufe des Weges: Sich seiner Verzweiflung und seines Selbst nicht bewusst sein (uneigentliche Verzweiflung). Einfach so zu leben - dafür hat Kierkegaard nur Ironie und Herablassung übrig. Wer sich allerdings durch die Schwermut durchgekämpft hat und den Weg zur Definition vor Gott zwischen den beiden Extremen eingenommen hat - der erfährt Freiheit und Erlösung.

Und ich? Ich spüre: mir tun in meiner Schwermut Begegnungen mit Menschen gut. Das spüre ich sofort. Wenn ich an meinem Schreibtisch hänge und nur noch depressive englische Pop-Musik höre und dabei Absinth trinke (nicht im Ernst!!), dann tun mir Menschen gut. Am Du finde ich mich wieder. Mein Lernfeld: diesen Weg intensiver in Gott zu finden und nicht nur in Menschen. Letzteres ist gut - denn wir sind auf echte Gemeinschaft angelegt, ersteres aber ist das Ziel der Schwermut.

Literaturtipp: Romano Guardini - Vom Sinn der Schwermut und natürlich: Sören Kierkegaard: Die Krankheit zum Tode (dafür aber Muße und den Mumm, sich durch eine unsägliche Sprache durchzubeißen, wird aber belohnt).





Das Loch nach der Anspannung - und der Weg hinaus?

21 02 2008

Wieder mal passiert: da ist eine wichtige und an die Nerven gehende Aufgabe geschafft und prompt ist sie da: die Erkältung. Passiert mir diesen “Winter” nicht zum ersten Mal. Es ist ein Phänomen, das ich auch in anderen Menschen-Berufen wahrnehme, wie zum Beispiel bei (engagierten) Lehrern - sie halten durch bis zu den Ferien, fahren in Familienurlaub und werden krank. Weihnachten? Krank. Das Loch nach der Anspannung oder sollte man besser sagen: Überlastung?
Und? Was sagt das? Keine Ausgewogenheit im Lebensstil. Kein täglicher, wöchentlicher und monatlicher Ausgleich für die Überlastung. Zu wenig Gespür für die frühen Signale des Körpers und der Seele, wie zum Beispiel Verspannungen, Magen- oder Verdauungsprobleme, Kopfschmerzen. Die haben alle auch seelische Gründe und Wurzeln im Lebensstil. Pausen wahrnehmen, Sabbat halten, Frei-Zeit ohne Druck einplanen, Spielen - all das kann vielleicht helfen. Aber: was vor allem fehlt, ist das Gespür für die Signale. Das natürliche Empfinden: hier musst du zurückfahren und dich schützen, hier musst du anders dosieren, hier musst du mal seelsorgerisch arbeiten mit einem Vertrauten zusammen, hier muss ich Schuld vor Gott bekennen, die mein Herz verseucht. Wie sagte David - frei übersetzt: als ich dir die Sünde verschweigen wollte, verdorrten meine Glieder…
Achtsamkeit im guten, nichtesoterischen Sinne lernen - das ist auch eine christliche Tugend. Und: wenn wir uns selbst nicht mehr ganzheitlich wahrnehmen können, wie sollte das bei anderen und bei Gott gelingen? Dann aber wandeln wir nicht in der Wahrheit, sprich: Wirklichkeit und Realität, sondern in einem Zerrbild. Und das kann nur krank machen. Was sind deine Hilfestellungen, um mehr Gespür zu entwickeln und sorgfältiger mit Seele, Körper und Geist umzugehen?





Licht-Power für das Leben!

31 12 2007

Sitze gerade am Schreibtisch und schaue aus der zweiten Etage in die typisch dunstige, schneelose, rheinische Winterlandschaft. Hübsch, aber auch ein wenig deprimierend, wenn man dazu denn neigt. Und das tu ich nun mal.

Also wird sie wieder für die nächsten Monate ausgepackt, die Lichtlampe. 2 Stunden jeden Tag volle Lotte Lux in die Augen beim Arbeiten. Wie gut das tut! Als ich diese Lampe (Achtung: so genannte Wohlfühllampen wirken nicht!! Tipps gerne auf Anfrage) vor zwei Jahren gekauft habe, habe ich es bei der ersten Sitzung zeitlich übertrieben und dann kribbelte der ganze Körper und ich fühlte mich wie auf Drogen (nun werden gestrenge Wächter meines Blogs - ja, die gibt es! - mutmaßen, ich hätte schon mal Drogen ausprobiert und ich muss den Wächtern sagen: ich werde es nicht dementieren. Aber auch nicht bestätigen. Dieser Gedanke sagt nämlich mehr über den Denker als über das Objekt des Denkens aus…). Doch zurück zum Thema.

Licht tut gut! Dem Körper und der Seele. Dazu noch das Licht der Welt, dass nicht zufällig, wenn auch historisch unkorrekt, in die dunkle Jahreszeit gekommen ist. Und noch mal dazu die vielleicht erst einmal etwas rätselhafte Aussage der Bibel, wie wichtig das Auge für den Menschen ist, ob es klar ist und worauf es schaut. Aber so ist es: schaue ich ins Licht, wird in mir Licht. Schaue ich auf das Dunkle in mir, in meiner Arbeit, in meiner Umgebung, dann werde ich auch Dunkel und es zieht mich herunter. Also: Licht auf allen Ebenen anknipsen! Genießen! Auftanken! Licht werden!