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Artikel getaggt mit ‘Gnade’

Kritische Nachfrage: Leben wir doch ein verkapptes Gesetz?

19 März, 2009 wegbegleiter 10 Kommentare

Komme gerade von der diesjährigen Theologischen Woche des Bundes FeG – und bin hochgradig inspiriert. Thema war schlicht Gesetz und Evangelium. Und das auf hohem Niveau. Prof. Hans-Joachim Eckstein und Prof. Wilfried Härle vor allem waren einfach beeindruckend. Präzise, anspruchsvoll, dennoch geerdet und nicht vollkommen verquast in der Wortwahl. Ein paar Impulse, die mein Herz einfach erwärmt haben. Dich lassen sie vielleicht kalt, das ist auch ok, ich habe sie gerne gehört und sie haben mir geholfen, Dinge zu klären. (ACHTUNG: ich werde das Wort Luther verwenden. Wer mich jetzt wieder mit Lutherhass zupostet, wird sofort als spam deklariert. Wer historische Personen nicht differenziert wahrnehmen kann, gehört hier nicht hin.). Ich mische Gehörtes mit selbst Gedachten, man möge mir das verzeihen…

Eckstein referierte unter anderem auch über das Heiligungsverständnis. Gerade bei den Pietisten und Freikirchen verkomme die Heiligung doch leicht wieder zur getarnten Gesetzlichkeit, mit der man sich im Nachhinein doch als würdig erweisen wolle. Doch auch Heiligung sei Gnade. Eckstein betonte, dass Heiligung zu oft als Tat missverstanden würde. Dabei ginge es viel mehr um eine Haltung. Nämlich auf Christus zu schauen und von ihm her auf das Leben, sich selbst etc…. zu schauen. Und dann aus Liebe danach zu leben, was man erkennt.

Wie schnell verkommt auch unsere „Entscheidung“ für Christus zur frommen Leistung. Doch selbst der Glaube ist ja Geschenk. Und wir willigen ein und nehmen an. Mehr aber nicht. Gott geht 99 Schritte auf uns zu und geht mit uns zusammen den einen Schritt. Nicht wir machen das. Wenn wir das täten oder auch nur im Ansatz glaubten, dann würde bei der ersten Krise sofort der Gedanke hochkommen: habe ich mich richtig entschieden? Ich kann mich gar nicht richtig entscheiden, das hat Gott in Christus längst getan. Ich kann nur die Hand ergreifen und glauben. So ist auch die Heiligung weniger ein sich selbst den Puls fühlen und ein Drang, sich selbst verändern zu wollen (dazu neige ich!), als vielmehr ein Wachstum im Vertrauen auf Christus und ein zunehmendes Sehen von ihm her. Frucht wächst dann von alleine! Das ist Frohe Botschaft!

Härle klamüserte sehr schön den Gewissenskonflikt von Luther auseinander und er ist mir so zum ersten Mal richtig spürbar geworden. Sehe ich das Gesetz als Heilsweg – sprich: ich halte die Gebote und versuche so, in den Himmel zu kommen (vereinfacht ausgedrückt), dann verstoße ich gleichzeitig gegen das Liebesgebot gegenüber Gott. Denn wenn ich den eigenen Gehorsam gegenüber den Gesetz in den Mittelpunkt stelle, dann kreise ich um mich selbst und kann Gott nicht mehr lieben (homo incurvatus in se – der in sich verkrümmte Mensch). Zudem man einen Scharfrichter und Zuchtmeister eh nicht lieben kann. Das Gesetz als Heilweg ist also ein Teufelskreis und gar nicht haltbar!! Zumal dann nicht, wenn ich die Verschärfung des Gesetzes durch Jesus in der Bergpredigt hinzu nehme und dieses mich dann nicht nur im Verhalten, sondern auch in der Tiefenschicht meines Herzens trifft. Halte ich das Gesetz dem Wortlaut nach, liebe ich Gott nicht und kreise um mich selbst. Halte ich das Gesetz nicht, erlange ich kein Heil. In diesem Teufelskreis fühlte sich Luther unbarmherzig gefangen und konnte sagen: ich hasse Gott!!

Tun wir das nicht vorschnell ab… wie viele Menschen denken heute noch bei Christentum an Gebote?? Und: wie viele Christen werden traurig daran, wenn sie Gebote (wie zum Beispiel das Gebot: du musst täglich Stille Zeit machen!) nicht halten. Hier gilt es, den Galaterbrief zu verinnerlichen und nicht wieder das Gebot aufzurichten (wo man doch im Geist begonnen hat). Wenn ich Gebote halte, dann ist das eine Frucht des Geistes und der Liebe – und wenn ich sie nicht halte – dann ist die Gnade größer. Eine gefährliche Freiheit und Spannung. Aber so ist es biblisch und befreiend.

Werde die Vorträge wohl in einigen Wochen als mp3 erhalten. Wer Interesse hat, kann sie dann gerne von mir beziehen, ich werde dann darauf hinweisen.

Die Gnade Gottes in Jesus Christus sei gerade jetzt mit dir. Lebe aus der Gnade. Betrachte dich und dein Leben aus der Gnade. Und der Himmel wird jubeln und dein Herz wird diesen Jubel widerhallen.

Das Wunder, das als Butterbrot anfing

24 Februar, 2009 wegbegleiter 18 Kommentare

Marc Driscoll von Mars Hill Church erzählt eine schöne Geschichte, angelehnt an die Speisung der 5000, die mein Herz bewegt hat…

Jesus fragt: wer kann etwas zu Essen beisteuern? Ein kleiner Junge kommt nach vorne und gibt Jesus sein angebissenes Butterbrot. Jesus bedankt sich, betet und segnet das Brot, teilt es und alle Menschen werden davon satt. Grandios, ein Wunder! Jemand fragt Wochen später den kleinen Jungen nach dem Geheimnis seines Erfolges, dass er mit Jesus ein so großes Wunder erlebt hat. Der Junge zuckt mit den Schultern und antwortet: das Geheimnis ist in einem kurzen Satz zusammen zu fassen: ich habe einfach alles, was ich hatte, Jesus gegeben und auf ihn vertraut. Mehr nicht. 

… und deswegen hat der Junge auch kein Buch darüber geschrieben und damit Millionen verdient. Dahinter steckt: es ist alles Gnade. Denn wer hat das Brot gemacht? Gott. Wer hat dem Jungen den Verstand gegeben? Gott. Der Junge hat in seinem Geist den kleinen Impuls Gottes verspürt und war gehorsam. Bereit sich zu blamieren, war seine Liebe größer, und er reichte sein Butterbrot … und daraus geschah ein Wunder.

Das Einfache tun. Dem Impuls des Geistes folgen. Einfach gehorsam sein. Damit rechnen, dass Gott aus den kleinsten Dingen ein Wunder machen kann (z.B. aus Glauben so winzig wie Senfkörner). Wer immer nur auf das Große starrt, wird das Wunder nicht erleben. Dort, im Kleinen beginnt es. Wie damals, beim kleinen Mönch Luther. Du machst den Unterschied. Wenn du beginnst, im Kleinen Jesus alles zu geben und ihm zu vertrauen.

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