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Artikel getaggt mit ‘Heiligung’

Ein Grund: Warum unsere Heiligung so kraftlos ist!

29 Oktober, 2009 wegbegleiter 24 Kommentare

Es gibt viele theologische und seelsorgerische Gründe, warum das Wachstum im Glauben stockt… manchmal darf es auch einfach stocken und man muss nicht an sich selbst herum rupfen. Genau so wenig kann man einen Grashalm dazu bringen, schneller zu wachsen, indem man an ihm zieht. Unsere Aufgabe ist es aber, unsere Haltungen und Maßstäbe zu überprüfen und biblisch zu korrigieren. Eine innere Haltung ist mir aufgefallen, die Wachstum im Glauben effektiv behindert und verhindert…

… und das ist der Mangel an Hoffnung und an einer ausgeprägten und biblischen Sicht vom Kreuz. Ich erläutere das mal: Christ und Christin sind eingespannt zwischen zwei Polen, einem hinter uns liegenden Pol zuerst. Dieser Pol ist das Kreuz und all das, was Christus für uns am Kreuz vollbracht hat und was durch die Auferstehung besiegelt worden ist. Wir sind versöhnt, dürfen die Freundschaft mit Gott genießen und sind mit Verheißungen nur so überschüttet. Dieser historische Fakt, der bis heute in das Leben Einzelner hinein wirkt, dient als erster Motivator, ethisch zu leben und die Gebote Gottes gerne zu halten. Ein Ehemann, der seine Frau liebt, muss sich auch nicht anstrengen, nicht fremd zu gehen.

Müssen wir schon an dieser Stelle nachlegen? Ist das Wissen um diesen vergangenen und doch so gegenwärtigen Pol zu theoretisch, zu dogmatisch korrekt, aber zu wenig verinnerlicht? Ich denke, so ist es. Hier gälte es, kreative Formen und ganzheitliche Methoden der Vergegenwärtigung für die Menschen unserer Zeit zu entwickeln und neue Bilder für das Einmalige und Einzigartige zu finden. Der andere Pol liegt noch vor uns…

…und betrifft die Ewigkeit bei Gott und seine Wiederkunft. Die ersten Christen haben das Maranatha gebetet – heute beten wir: Herr, komme wieder, aber nicht so schnell, ich möchte gerne noch meine Kinder aufwachsen sehen. Oder Men in Black, Teil 3. Oder… In einer landesweiten Atmosphäre der relativen Hoffnungslosigkeit (sieht man vom Dauergrinsen Westerwelles ab) scheint auch den Christen der Blick auf die Herrlichkeit der Zukunft abhanden gekommen zu sein. Aber diese Hoffnung motiviert uns doch, Christus mehr Raum zu geben, uns vorzubereiten, uns einzustellen auf diesen wunderbaren Moment!

Natürlich: es gab auch die elende Druck-Variante, die mich schon beengt, wenn ich sie nur höre und die am Evangelium vorbei geht (huhu, Charly!). „Willst du wirklich vom Herrn im Kino überrascht werden, wenn er wieder kommt?“ Ja, toll. Was ist denn das für ein Gottesbild? Der Herr wird sich freuen, seine Nachfolger und Freunde zu sehen, wenn er wieder kommt. Er wird die eventuelle Sünde sehen, die gerade anliegt und sprechen: „Komm her, auch dafür bin ich gestorben! Du bist rein!“ Dann wird er auf die Seinen zugehen und sie in die Arme schließen und wir werden gemeinsam lachen.

Wir brauchen eine klare eschatologische, also in die Zukunft Gottes gewandte Hoffnung. Auch sie muss ganzheitlich, bildhaft, emotional, intellektuell unterfüttert sein, damit sie endlich unsere Herzen erreicht und wir dem gerne entgegen leben und so: gerne die Gebote halten, die zu halten überhaupt kein Problem ist für den, der liebt und der ein klares Bild vom Kreuz und von der Hoffnung hat.

 

Kritische Nachfrage: Leben wir doch ein verkapptes Gesetz?

19 März, 2009 wegbegleiter 10 Kommentare

Komme gerade von der diesjährigen Theologischen Woche des Bundes FeG – und bin hochgradig inspiriert. Thema war schlicht Gesetz und Evangelium. Und das auf hohem Niveau. Prof. Hans-Joachim Eckstein und Prof. Wilfried Härle vor allem waren einfach beeindruckend. Präzise, anspruchsvoll, dennoch geerdet und nicht vollkommen verquast in der Wortwahl. Ein paar Impulse, die mein Herz einfach erwärmt haben. Dich lassen sie vielleicht kalt, das ist auch ok, ich habe sie gerne gehört und sie haben mir geholfen, Dinge zu klären. (ACHTUNG: ich werde das Wort Luther verwenden. Wer mich jetzt wieder mit Lutherhass zupostet, wird sofort als spam deklariert. Wer historische Personen nicht differenziert wahrnehmen kann, gehört hier nicht hin.). Ich mische Gehörtes mit selbst Gedachten, man möge mir das verzeihen…

Eckstein referierte unter anderem auch über das Heiligungsverständnis. Gerade bei den Pietisten und Freikirchen verkomme die Heiligung doch leicht wieder zur getarnten Gesetzlichkeit, mit der man sich im Nachhinein doch als würdig erweisen wolle. Doch auch Heiligung sei Gnade. Eckstein betonte, dass Heiligung zu oft als Tat missverstanden würde. Dabei ginge es viel mehr um eine Haltung. Nämlich auf Christus zu schauen und von ihm her auf das Leben, sich selbst etc…. zu schauen. Und dann aus Liebe danach zu leben, was man erkennt.

Wie schnell verkommt auch unsere „Entscheidung“ für Christus zur frommen Leistung. Doch selbst der Glaube ist ja Geschenk. Und wir willigen ein und nehmen an. Mehr aber nicht. Gott geht 99 Schritte auf uns zu und geht mit uns zusammen den einen Schritt. Nicht wir machen das. Wenn wir das täten oder auch nur im Ansatz glaubten, dann würde bei der ersten Krise sofort der Gedanke hochkommen: habe ich mich richtig entschieden? Ich kann mich gar nicht richtig entscheiden, das hat Gott in Christus längst getan. Ich kann nur die Hand ergreifen und glauben. So ist auch die Heiligung weniger ein sich selbst den Puls fühlen und ein Drang, sich selbst verändern zu wollen (dazu neige ich!), als vielmehr ein Wachstum im Vertrauen auf Christus und ein zunehmendes Sehen von ihm her. Frucht wächst dann von alleine! Das ist Frohe Botschaft!

Härle klamüserte sehr schön den Gewissenskonflikt von Luther auseinander und er ist mir so zum ersten Mal richtig spürbar geworden. Sehe ich das Gesetz als Heilsweg – sprich: ich halte die Gebote und versuche so, in den Himmel zu kommen (vereinfacht ausgedrückt), dann verstoße ich gleichzeitig gegen das Liebesgebot gegenüber Gott. Denn wenn ich den eigenen Gehorsam gegenüber den Gesetz in den Mittelpunkt stelle, dann kreise ich um mich selbst und kann Gott nicht mehr lieben (homo incurvatus in se – der in sich verkrümmte Mensch). Zudem man einen Scharfrichter und Zuchtmeister eh nicht lieben kann. Das Gesetz als Heilweg ist also ein Teufelskreis und gar nicht haltbar!! Zumal dann nicht, wenn ich die Verschärfung des Gesetzes durch Jesus in der Bergpredigt hinzu nehme und dieses mich dann nicht nur im Verhalten, sondern auch in der Tiefenschicht meines Herzens trifft. Halte ich das Gesetz dem Wortlaut nach, liebe ich Gott nicht und kreise um mich selbst. Halte ich das Gesetz nicht, erlange ich kein Heil. In diesem Teufelskreis fühlte sich Luther unbarmherzig gefangen und konnte sagen: ich hasse Gott!!

Tun wir das nicht vorschnell ab… wie viele Menschen denken heute noch bei Christentum an Gebote?? Und: wie viele Christen werden traurig daran, wenn sie Gebote (wie zum Beispiel das Gebot: du musst täglich Stille Zeit machen!) nicht halten. Hier gilt es, den Galaterbrief zu verinnerlichen und nicht wieder das Gebot aufzurichten (wo man doch im Geist begonnen hat). Wenn ich Gebote halte, dann ist das eine Frucht des Geistes und der Liebe – und wenn ich sie nicht halte – dann ist die Gnade größer. Eine gefährliche Freiheit und Spannung. Aber so ist es biblisch und befreiend.

Werde die Vorträge wohl in einigen Wochen als mp3 erhalten. Wer Interesse hat, kann sie dann gerne von mir beziehen, ich werde dann darauf hinweisen.

Die Gnade Gottes in Jesus Christus sei gerade jetzt mit dir. Lebe aus der Gnade. Betrachte dich und dein Leben aus der Gnade. Und der Himmel wird jubeln und dein Herz wird diesen Jubel widerhallen.

Warum nur?

15 Mai, 2008 wegbegleiter 3 Kommentare

„Gott spricht zu uns. Wir spüren, wie diese Begegnung mit Gott Kreise in unserem Leben zieht – wie auf einem ruhigen See. Doch die Welt wirft gedankenlos Steine in unser Leben, die diese Bewegung zerstören. Und wir lassen es zu. Als Folge verlieren wir die Vision, die Gott uns für diese Welt und für unsere Rolle darin geben kann. Zu rasch und oft ohne uns zu wehren, machen wir statt Geschichte lieber Geld, tauschen Leben gegen Beruf, leben für das Wochenende statt für Gott. Wir verzichten um des Erfolgs willen auf Sinn und Bedeutung und machen Jagd nach Oberflächlichkeiten wie akademische Würden, Haus, Wagen, Aktienportfolio, statt im Großen zu leben. Wir werden gerettet, aber nicht gepackt; erlöst, aber ohne Drang.“ (James Emery White, Hart gegen den Wind, R. Brockhaus Verlag, Seite 10)

Warum nur machen wir nicht ernst? Was steht uns im Wege? Mutmaßungen: Wir haben schiefe Bilder von Gott, vom Leben, von uns selbst. Wir müssen weniger machen, mehr loslassen. Wenige ich, mehr wir. Weniger wir, mehr Gott. Zeit auskaufen. Ernst machen. Und dabei spielerisch bleiben – denn das Leben ist eine Choreographie, eine Liturgie (=heiliges Spiel) Gottes. Was denkst du?

Sünden nach der „Bekehrung“

25 Januar, 2008 wegbegleiter 28 Kommentare

Habe in der Vorbereitung auf unsere Taufe am Sonntag (7 Täuflinge = 4 Jugendliche, 3 Erwachsene – einfach großartig! – Ich werde total verkrumpelte Hände bekommen vom langen im Wasser stehen.;-)) einen schönen Satz vom wie immer pointierten Martin Luther gefunden:
„Mit der Erbsünde nach der Taufe verhält es sich ebenso wie mit einer Wunde, die zu heilen beginnt. Es ist zwar in Wirklichkeit eine Wunde, aber eine, die heilt und fortlaufend den Vorgang der Heilung durchmacht, jedoch immer noch eitert und schmerzt.“

Abgesehen vom von mir nicht (so) geteilten Konzept der Erbsünde ist das eine plastische Beschreibung des manchmal anstrengend erscheinenden Kampfes gegen die Sünde nach der Hinwendung zu Jesus (und Taufe – sieht die Bibel ja meist recht eng zusammen). Es sind keine Schuldschmerzen mehr, keine neuen Wunden, sondern Heilungsschmerzen. Und der Herr und Meister desinfiziert, reinigt, entfernt Eiter und Schorf. Nicht angenehm, aber ein positiver Prozess. „Haltet euch der Sünde für gestorben“ – sagt Paulus im Römerbrief – eine echte Provokation, aber Wahrheit des Evangeliums. Toll!

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