Immer wieder fällt mir bei Konflikten in der Gemeinde, aber auch im privaten Bereich, auch in der eigene Ehe eins auf: Stolz ist die Hauptursache für Konflikte und vor allem für deren Weiterbestehen. Kommt man miteinander ins Gespräch (ja, wenn es denn schon so ist!), dann kann eigentlich bei aller vielleicht notwendigen Diskussion von Fragen auf der Sachebene letztlich nur eins helfen: sich die Hand zu reichen, sich zu vergeben (nicht zu vergessen! Das ist eine andere Schiene!), willentlich einen Schlussstrich zu ziehen und dem anderen zu sagen: ich mache Fehler, du machst Fehler, wir sind begnadigte Sünder und leben von der Gnade, die vergibt, auch wenn wir es nicht erkennen. Und das alles nicht als theoretisches Konzept, sondern konkret: ich habe an dieser Stelle gefehlt. Wo ein Konfliktpartner das nicht kann - scheitert jedes Gespräch.
Letztlich steckt das Problem aber noch tiefer - denn hinter der mangelnden Fähigkeit zu sagen: ich habe mich geirrt, ich habe dir gegenüber einen Fehler gemacht steckt eigentlich Gottlosigkeit. Scott Peck hat einmal weise gesagt: das Problem für die Gott ist nicht die Sünde (für die ist er in Jesus Christus gestorben), das Problem ist das Verbergen der Sünde. Wer nun vor anderen seine konkrete Sünde verbergen muss, offenbart damit einen geistlichen Notstand. Und noch weiter: er (meistens ist es ein Er) bedroht aktiv seinen Glauben. Denn Jesus selbst sagt: wenn ihr nicht vergebt, wird euch auch nicht vergeben werden. Reden wir uns dieses Wort nicht klein!
Letztlich steckt hinter diesem Stolz aber noch ein zweites: ein mangelndes Wissen von der eigenen Identität bei Gott. Oder anders gesagt: Minderwertigkeitskomplexe. Da bricht es in der Tat mehr als einen Zacken aus der Krone, wenn man eingestehen müsste: ja, ich habe gegen dich gesündigt. Da bricht die Welt zusammen, vor allem die Scheinwelt, die man von sich selbst aufgebaut hat.
Das sind so die Erkenntnisse, wenn ich in mein eigenes Herz schaue und ich bin dankbar, dass mich Gott vergeben gelehrt hat - auch wenn ich noch manchmal blutiger Anfänger bin. Mir ist bange um die Christen, die nicht vergeben können. Sie verletzen sich selbst und - schlimmer noch - sie verletzen andere Menschen, manchmal ganze Gemeinden. Und keiner kann ihnen helfen außer Gott selbst, der das harte, aber gleichzeitig so kleine, verletzte Herz erreicht.
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