Hölle die zweite: was sie mit unserem Gottesbild zu tun hat!
Nach dem vorigen Post über die aggressiven Höllenprediger (ich habe dabei nichts gegen ein vernünftiges und evangeliumsgemäßes Vorkommen der Hölle in der Verkündigung gesagt!), noch ein Gedanke…:
Wie stellen wir uns eigentlich Gott im Gericht vor? Ich male zwei Extreme und je nachdem, zu welchem Bild wir eher neigen, werden wir auch glauben und Glauben weiter geben…
- Gott ist ein zorniger, fäuste- und waffenschwingender Despot, der im Gericht es endlich all den gottlosen Menschen zeigen kann. Er fällt knallhart und mit steinerner Miene sein Urteil und mit einem Wisch schickt er die Menschen in die ewige Verdammnis, worauf er zufrieden und in seinem Zorn gesättigt den Heiden zuschaut, wie sie in den Flammen schmoren und um Gnade winseln. Mit einem unwilligen, herablassenden Grunzen dreht sich Gott zur Seite und widmet sich seinen Kindern. Sollen doch die Massen schmoren – sie haben es verdient und sein Durst nach Gerechtigkeit ist endgültig gestillt.
- Gott ist der liebende Vater, der sogar seinen Sohn für die Menschen gegeben hat, die er so sehr liebt. Seine Geschöpfe sind sie – seine Kinder noch nicht und er wollte so gerne, dass sie es wären! Das ist sein erklärtes Ziel und so geht er durch den Geist den Menschen bis zum Tod nach und muss trotzdem bei allzu vielen, ja bei der Mehrheit erkennen, sie wollen ihn nicht. Diese Erkenntnis schmerzt ihn zu Tränen, denn er sieht, wie die Menschen ohne ihn falsch und ohne echte Hoffnung leben. Das schmerzt sein Vaterherz, denn er liebt diese Welt, die er so wunderschön geschaffen hat. Im Gericht begegnet er all diesen Menschen und in einem Akt des Schmerzes und der Gerechtigkeit kommt er nicht umhin, zusammen mit den Heiligen, das Urteil zu sprechen und den freien Willen der Menschen somit ernst zu nehmen. Bedrückende Stille herrscht beim Gericht. Der Vater weint um seine verlorenen Geschöpft, die er so sehr liebt. Er hat sie mit seiner Liebe ziehen wollen – aber sie haben nicht gehört. Nun werden sie umsonst rufen müssen. Das Vaterherz schreit auf vor Schmerz – ganz so, wie es geschrien hat beim Tod seines Sohnes am Kreuz.
Anti-Christ ist übrigens vom Griechischen her nicht Gegen-Christus, sondern Anstatt-Christus. Höllenprediger voller Aggression meinen, an der Stelle eines zornigen Gottes den Menschen die Hölle um die Ohren hauen zu müssen. Sie meinen es gut. Aber überlassen wir doch dem Herrn das Gericht. Der Riss wird dabei mitten durch die Gemeinde gehen, denn längst nicht alle, die Zeichen und Wunder und große Worte vollbracht haben, werden die Ewigkeit sehen – obwohl sie Jesus als Herrn anerkannt haben. Das sollte vorsichtig machen. Wir sollten uns nie (!) an die Stelle von Christus oder Gott setzen wollen – das bedient nur die Gegenseite!
Welchen Gott siehst du? Ich sehe den zweiten. Aber ich kann die verstehen, die meinen, den ersten zu sehen. Sie sind Verführte und ich kann das aus meiner Biographie her nachvollziehen. Verführt von den eigenen Projektionen, Prägungen und verkrümmten Gottesbildern. Jesus hat längst allen Zorn Gottes auf sich genommen. Gott hat die Welt(!) mit sich versöhnt. Er begegnet den Menschen als ein Geliebter, als Bräutigam, der sie alle hinein lieben möchte in sein Reich. Leider werden viele nicht folgen. Gott wird sie ernst nehmen müssen. Voller Schmerz. Wir aber sollten auf gute Weise Evangelium reden und leben. Das ist unser Job. Salz und Licht. Nicht Flamme und Schwert.
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