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Artikel getaggt mit ‘Hölle’

Hölle die zweite: was sie mit unserem Gottesbild zu tun hat!

26 September, 2009 wegbegleiter 12 Kommentare

Nach dem vorigen Post über die aggressiven Höllenprediger (ich habe dabei nichts gegen ein vernünftiges und evangeliumsgemäßes Vorkommen der Hölle in der Verkündigung gesagt!), noch ein Gedanke…:

Wie stellen wir uns eigentlich Gott im Gericht vor? Ich male zwei Extreme und je nachdem, zu welchem Bild wir eher neigen, werden wir auch glauben und Glauben weiter geben

  1. Gott ist ein zorniger, fäuste- und waffenschwingender Despot, der im Gericht es endlich all den gottlosen Menschen zeigen kann. Er fällt knallhart und mit steinerner Miene sein Urteil und mit einem Wisch schickt er die Menschen in die ewige Verdammnis, worauf er zufrieden und in seinem Zorn gesättigt den Heiden zuschaut, wie sie in den Flammen schmoren und um Gnade winseln. Mit einem unwilligen, herablassenden Grunzen dreht sich Gott zur Seite und widmet sich seinen Kindern. Sollen doch die Massen schmoren – sie haben es verdient und sein Durst nach Gerechtigkeit ist endgültig gestillt.
  2. Gott ist der liebende Vater, der sogar seinen Sohn für die Menschen gegeben hat, die er so sehr liebt. Seine Geschöpfe sind sie – seine Kinder noch nicht und er wollte so gerne, dass sie es wären! Das ist sein erklärtes Ziel und so geht er durch den Geist den Menschen bis zum Tod nach und muss trotzdem bei allzu vielen, ja bei der Mehrheit erkennen, sie wollen ihn nicht. Diese Erkenntnis schmerzt ihn zu Tränen, denn er sieht, wie die Menschen ohne ihn falsch und ohne echte Hoffnung leben. Das schmerzt sein Vaterherz, denn er liebt diese Welt, die er so wunderschön geschaffen hat. Im Gericht begegnet er all diesen Menschen und in einem Akt des Schmerzes und der Gerechtigkeit kommt er nicht umhin, zusammen mit den Heiligen, das Urteil zu sprechen und den freien Willen der Menschen somit ernst zu nehmen. Bedrückende Stille herrscht beim Gericht. Der Vater weint um seine verlorenen Geschöpft, die er so sehr liebt. Er hat sie mit seiner Liebe ziehen wollen – aber sie haben nicht gehört. Nun werden sie umsonst rufen müssen. Das Vaterherz schreit auf vor Schmerz – ganz so, wie es geschrien hat beim Tod seines Sohnes am Kreuz.

Anti-Christ ist übrigens vom Griechischen her nicht Gegen-Christus, sondern Anstatt-Christus. Höllenprediger voller Aggression meinen, an der Stelle eines zornigen Gottes den Menschen die Hölle um die Ohren hauen zu müssen. Sie meinen es gut. Aber überlassen wir doch dem Herrn das Gericht. Der Riss wird dabei mitten durch die Gemeinde gehen, denn längst nicht alle, die Zeichen und Wunder und große Worte vollbracht haben, werden die Ewigkeit sehen – obwohl sie Jesus als Herrn anerkannt haben. Das sollte vorsichtig machen. Wir sollten uns nie (!) an die Stelle von Christus oder Gott setzen wollen – das bedient nur die Gegenseite!

Welchen Gott siehst du? Ich sehe den zweiten. Aber ich kann die verstehen, die meinen, den ersten zu sehen. Sie sind Verführte und ich kann das aus meiner Biographie her nachvollziehen. Verführt von den eigenen Projektionen, Prägungen und verkrümmten Gottesbildern. Jesus hat längst allen Zorn Gottes auf sich genommen. Gott hat die Welt(!) mit sich versöhnt. Er begegnet den Menschen als ein Geliebter, als Bräutigam, der sie alle hinein lieben möchte in sein Reich. Leider werden viele nicht folgen. Gott wird sie ernst nehmen müssen. Voller Schmerz. Wir aber sollten auf gute Weise Evangelium reden und leben. Das ist unser Job. Salz und Licht. Nicht Flamme und Schwert.

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Fragwürdig: Menschen durch die Hölle mit der frohen Botschaft erreichen?

25 September, 2009 wegbegleiter 12 Kommentare

In Hamburg unterwegs – Bundestag der Freien evangelischen Gemeinden – und dabei stoße ich auf ein Objekt des massiven Fremdschämens: einen Straßenprediger, der mit grimmiger Miene und Höllentiraden brüllend den Menschen auf der Straße von der frohen Botschaft erzählt. Der Satz ist schon ein Widerspruch in sich, die Reaktionen der Menschen in der Fußgängerzone sprachen Bände, Kopfschütteln, Fassungslosigkeit, Desinteresse. Das Schlimme ist, dass von solchen Leuten die negativen Reaktionen noch positiv gewertet werden, denn so ist es halt in der Welt…

Auch wenn ich mich damit unbeliebt mache: Ihr lieben Höllenprediger! Einfach mal den Mund (nach dem, was solche Münder verlässt, müsste ich „Fresse“ schreiben) halten, die Bibel lesen und sich selbst kennen lernen! Benötigt Verkündigung Aggression? Jesus wird nur aggressiv gegenüber den Frommen… wo kommt denn bei euch die Aggression her? Wirkt nicht sehr froh und erlöst! Ihr zerstört Menschen und schickt sie indirekt selbst in die Hölle! Indem er nämlich das Herz der Menschen endgültig gegen den Glauben aufbringt, indem er ihr die zarten Pflanzen bei denen zerdrückt, die sich gerade erst öffnen und es selbst vielleicht noch gar nicht wissen (lest Jesu Worte dazu!). Indem ihr jeden menschenfreundlichen Versuch anderer Christen zerstört durch euer Gehabe. Und da hilft auch der eine Bekehrte gegenüber den 100 Menschen nicht, die von dieser Botschaft zurecht abgestoßen sind und sich endgültig verschließen. Ihr werdet euch für eure „Bemühungen“ eines Tages vor Gott rechtfertigen müssen!

Das Vorbild der Evangelisation ist nicht Johannes der Täufer, sondern Jesus Christus! Natürlich: an einer Stelle in der Apostelgeschichte wird in einem evangelistischen Gespräch des Paulus vor den Konsequenzen des Unglaubens deutlich gewarnt (Apg 24,25). Zurecht. Aber da hat vorher persönliche Beziehungsaufnahme statt gefunden (anstatt Gießkannen-Verkündigung). Da wurde die frohe Botschaft verkündet. Ich bin der letzte, der die Realität der Hölle leugnet – ohne Jesus geht man ewig verloren, das ist unaufgebbare Wahrheit aller christlichen Kirchen (wirklich? Noch?). Aber ist das der Anfang der Verkündigung? Soll das eine frohe Botschaft sein? Zumal ich die Erfahrung gemacht habe, dass die meisten Menschen, wenn man mit ihnen tief ins Gespräch kommt, durchaus kapieren, dass die Hölle längst begonnen hat, mitten im Leben, manchmal mitten in ihrem Leben. Auch hier ist Jesus Vorbild – im Gespräch mit der Frau am Jakobsbrunnen.

Passt die Verkündigung – egal ob vor Massen von einem Geistlichen oder von Laien im persönlichen Gespräch (ich unterscheide nicht zwischen Laien und Geistlichen) – ist sie evangeliumsgemäß, das ist die entscheidende Frage, an der sich in Zukunft viel entscheiden wird. Wir sollen mit Salz gewürzt reden – das heisst: wir müssen dran sein am Puls der Zeit (am, igitt, Zeitgeist) und müssen auf gute und pointierte Weise benennen können, was schief läuft. Wir sollen Vertrauen zu den Menschen gewinnen, indem wir ihnen dienen, ohne sie als Missionsopfer zu verstehen. Wir müssen vor allem selbst die Liebe und die Befreiung Christi ausstrahlen, die wir an uns erlebt haben. Wird der Mangel daran nicht allzu oft kompensiert – manchmal durch lautes, aggressives Höllengeschrei? Durch den Ruf nach christlichen Werten? Durch Gesetzlichkeit und Geschimpfe gegen die „Welt“? Und wenn wir dann einen Menschen vor uns haben, den wir von Herzen lieb haben und spüren, dass sich dieser der Konsequenzen seiner Verweigerung nicht bewusst wird – dann sollten wir in Sanftmut und Klarheit erwähnen, dass es ein zu spät gibt und ein: nicht mehr zurück.

Evangelisation geschieht vor allem durch eins: durch die Kraft und den Geist. Wenn wir das nicht beherzigen und uns nur auf Worte verlassen – dann sind wir verlassen.

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Ein Schritt von der Hölle entfernt

9 September, 2008 wegbegleiter 1 Kommentar

Einige wollen gerne da wohnen, wo man noch die Kirchenglocken hört; ich will einen Laden haben, der Errettung anbietet, einen Schritt von der Hölle entfernt (ein Chinamissionar, zitiert in: red moon rising (S. 239 -deutsche Ausgabe))

Dieses Zitat ist bei mir hängen geblieben. Und es ist wahr. Vieles an der evangelikalen Bewegung in Deutschland und auch in den USA ist tendenziell gut bürgerlich. Die Kirchenglocken sollten in der Nähe sein, man ist lieber mit Christen als mit Nichtchristen zusammen, kein Wunder, mit denen kann man auch mehr und tiefergehender Themen teilen. Meistens. Es gibt selbst bei radikalen Bewegungen eine selbstlaufende Entwicklung hin zum Bürgerlichen, zum sesshaft werden, weg von den Verlorenen, hin zu denen, die auch so denken wie man selbst. Christliche Gettoisierung. Damit verlieren wir aber Jesu Auftrag aus den Augen, der eben beinhaltet, keinen Platz zu haben, wo man den Kopf hinlegen kann und mitten in der Welt zu leben und dort Zeuge zu sein.

Das mag auch mit einer Angst vor dem Schmutz der Welt zu tun haben. Ist man dem gewachsen, was man da sieht und erlebt? An äußerem und inneren Elend? Diese Vorsicht und Befürchtung hat aber vor allem ein ganzes Stück mit mangelnder Erkenntnis des eigenen Herzens zu tun: denn meine Sünde ist nicht geringer, mein Herz nicht abgründiger, ich bin nicht besser, nur besser dran durch die Gnade Gottes in Jesus Christus. Also kann ich mich getrost auf Menschen einlassen, die mitten in schwierigen Verhältnissen leben – ohne Angst vor Verschmutzung zu haben.

Aber nun bitte nicht von der anderen Seite vom Pferd fallen: man kann nur in der Nähe der Hölle überleben, wenn man gleichzeitig eine Gemeinschaft hinter sich hat, in der man auftanken kann, die für einen betet, die trägt und hinterfragt. Wie immer in der jüdischen Denke ist das kein Entweder-Oder, vielmehr ein sowohl als auch – wir brauchen beides: Kirchenglocken und das Leben am Abgrund der Hölle. Und beides sollte intensiv gelebt werden, um nicht geistlich auszubrennen (auf der einen Seite) oder aber den wirklichen Auftrag aus den Augen zu verlieren (auf der anderen Seite).

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Das ist die Hölle! Huber und die Höllenfrage…

17 November, 2007 wegbegleiter 4 Kommentare

Vorgestern bei Kerner – der bekennende Atheist (bereits eine quasireligiöse Wortverknüpfung!) Richard Dawkins diskutiert mit Bischof Huber und dem unvermeidlichen Heiner Geissler über die Hölle. Auch noch dabei: ein blasser katholischer Bischof. Und Dawkins staunt Bauklötze: hey – die Christen in Europa haben die Hölle praktischerweise abgeschafft! Das ist ja toll und fortschrittlich! Geissler leugnet die Hölle komplett, Huber insistiert noch auf der Verantwortlichkeit des Menschen (tun Humanisten auch – nur nicht vor Gott), aber lobt die liberale Theologie für ihre Demontage des Höllengedanken.

Ihr Lieben: habt ihr den Verstand und vor allem die Augen ausgeknipst?

  • Was soll eine abstrakte Verantwortlichkeit des Menschen vor Gott, wenn diese keinerlei Konsequenzen hat? „Lauf nicht auf die Autobahn, mein Kind, du könntest überfahren werden. Wenn du es doch tust, wirst du eben überfahren, ich habe dich dafür aber immer noch ganz doll lieb!“ Super Gottesbild. Nur dass ein solcher Gott ohne Konsequenz nicht liebevoll, sondern dumm und lieblos wäre.
  • Keiner beachtet anscheinend die theologisch gegebene Linearität zwischen Reich Gottes auf Erden und Reich Gottes in der neuen Welt, bzw. Hölle auf Erden und Hölle in der Ewigkeit. Beide sind bereits hier und jetzt verortet, wenn auch in geringerem Maßstab und in abgeschwächter Intensität. Beide werden gesteigert ins unermesslich Schöne bzw. Grausame in der Ewigkeit. Dazwischen liegt auf persönlicher Ebene der Tod, der seit Jesus Christus immer noch schlimm ist, aber seine Bedeutung verloren hat – bzw. auf globaler Ebene die Wiederkunft Christi mit der Schaffung einer neuen Erde in Kontinuität der jetzigen Schöpfung, nur eben: geheilt! Das ist gutes biblisches Zeugnis – und so ist eben das Reich Gottes bereits mitten unter uns, aber auch die Hölle! Und wer wollte das leugnen? Wer verschließt die Augen vor der Tatsache, dass diese Welt bereits in Teilen grausame höllische Realität ist? Huber anscheinend schon. Ich kann das nicht und ich will mir nicht vorstellen müssen, wie Hölle in der Ewigkeit aussieht. Ich will Menschen in die Ewigkeit hinein lieben und retten. Aber es gibt eben keine Ewigkeit ohne Hölle, kein Gut ohne Böse, keine Herrlichkeit ohne Verfolgung, kein Friedensreich ohne das Aufbäumen der Gegenseite. Huber sieht das nicht. Gott sei ihm gnädig.