Ein Grund: Warum unsere Heiligung so kraftlos ist!
Es gibt viele theologische und seelsorgerische Gründe, warum das Wachstum im Glauben stockt… manchmal darf es auch einfach stocken und man muss nicht an sich selbst herum rupfen. Genau so wenig kann man einen Grashalm dazu bringen, schneller zu wachsen, indem man an ihm zieht. Unsere Aufgabe ist es aber, unsere Haltungen und Maßstäbe zu überprüfen und biblisch zu korrigieren. Eine innere Haltung ist mir aufgefallen, die Wachstum im Glauben effektiv behindert und verhindert…
… und das ist der Mangel an Hoffnung und an einer ausgeprägten und biblischen Sicht vom Kreuz. Ich erläutere das mal: Christ und Christin sind eingespannt zwischen zwei Polen, einem hinter uns liegenden Pol zuerst. Dieser Pol ist das Kreuz und all das, was Christus für uns am Kreuz vollbracht hat und was durch die Auferstehung besiegelt worden ist. Wir sind versöhnt, dürfen die Freundschaft mit Gott genießen und sind mit Verheißungen nur so überschüttet. Dieser historische Fakt, der bis heute in das Leben Einzelner hinein wirkt, dient als erster Motivator, ethisch zu leben und die Gebote Gottes gerne zu halten. Ein Ehemann, der seine Frau liebt, muss sich auch nicht anstrengen, nicht fremd zu gehen.
Müssen wir schon an dieser Stelle nachlegen? Ist das Wissen um diesen vergangenen und doch so gegenwärtigen Pol zu theoretisch, zu dogmatisch korrekt, aber zu wenig verinnerlicht? Ich denke, so ist es. Hier gälte es, kreative Formen und ganzheitliche Methoden der Vergegenwärtigung für die Menschen unserer Zeit zu entwickeln und neue Bilder für das Einmalige und Einzigartige zu finden. Der andere Pol liegt noch vor uns…
…und betrifft die Ewigkeit bei Gott und seine Wiederkunft. Die ersten Christen haben das Maranatha gebetet – heute beten wir: Herr, komme wieder, aber nicht so schnell, ich möchte gerne noch meine Kinder aufwachsen sehen. Oder Men in Black, Teil 3. Oder… In einer landesweiten Atmosphäre der relativen Hoffnungslosigkeit (sieht man vom Dauergrinsen Westerwelles ab) scheint auch den Christen der Blick auf die Herrlichkeit der Zukunft abhanden gekommen zu sein. Aber diese Hoffnung motiviert uns doch, Christus mehr Raum zu geben, uns vorzubereiten, uns einzustellen auf diesen wunderbaren Moment!
Natürlich: es gab auch die elende Druck-Variante, die mich schon beengt, wenn ich sie nur höre und die am Evangelium vorbei geht (huhu, Charly!). „Willst du wirklich vom Herrn im Kino überrascht werden, wenn er wieder kommt?“ Ja, toll. Was ist denn das für ein Gottesbild? Der Herr wird sich freuen, seine Nachfolger und Freunde zu sehen, wenn er wieder kommt. Er wird die eventuelle Sünde sehen, die gerade anliegt und sprechen: „Komm her, auch dafür bin ich gestorben! Du bist rein!“ Dann wird er auf die Seinen zugehen und sie in die Arme schließen und wir werden gemeinsam lachen.
Wir brauchen eine klare eschatologische, also in die Zukunft Gottes gewandte Hoffnung. Auch sie muss ganzheitlich, bildhaft, emotional, intellektuell unterfüttert sein, damit sie endlich unsere Herzen erreicht und wir dem gerne entgegen leben und so: gerne die Gebote halten, die zu halten überhaupt kein Problem ist für den, der liebt und der ein klares Bild vom Kreuz und von der Hoffnung hat.
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