Alles ist erleuchtet…

29 01 2008

Alles ist erleuchtet ist nicht nur ein abgedrehter und lesenswerter Roman von Jonathan Safran Foer (wer nennt sein Kind nach einem Gewürz?), sondern auch - mit etwas anderer Wortwahl - christliche Grundwahrheit. Dementsprechend nennt Rob Bell sein Programm ja auch “everything is spiritual” - alles ist geistlich (auf DVD erschienen und eine Anschaffung wert, wenn man des Englischen mächtig ist - danke für den Tipp, Peter!).
Sicherlich nicht im pantheistischen Sinne, als wenn alles von Gottes Geist durchtränkt sei - dann wäre es ein angemessener Gottesdienst, Bäume zu umarmen. Aber in dem Sinne, dass kein Bereich dieser Welt einfach so nicht geistlich ist! Gott ist überall, er will überall Reich Gottes bauen, er wirkt überall, spricht überall. Wer ihn auf Gottesdienste und Stille Zeiten beschränkt, der entwertet diese nicht nur (denn sie haben eine eigene Bedeutung, die noch über das hinaus geht), sondern verpasst außerhalb dieser Momente Gottes Reden und Wirken.
The best time for planning a book is while you’re doing the dishes. - so sagt es Agatha Christie. Und mit Bruder Lorenz und seinem mittelalterlichen Klassiker von der Gegenwart Gottes auch beim simplen Kochen kann man schließen: Gott produziert überall um dich herum Wellen - kannst du sie reiten? Dann musst du sie erst entdecken. Dazu muss man aber mit ihnen überhaupt erst einmal rechnen! Und das verlangt wahrscheinlich eine echte Verwandlung unseres Denkens, das gerne zwischen geistlich und Sonstiges trennt. Eins der größten Hindernisse zu einer ganzheitlichen und wie selbstverständlich ins Leben integrierten Gotteserfahrung ist genau dieser unselige Dualismus. Alles ist geistlich.





Prayer! What prayer?

9 01 2008

gebet_essen.jpgOder für die musikalisch Interessierten Leser auch: crisis! What crisis? Passt genauso, denn ich nehme eine Krise des Gebets bei vielen überzeugten Christen wahr. Der alltägliche, selbstverständliche Umgang mit Gott ist eben das nicht mehr: selbstverständlich. Stattdessen ist Gebet oft nur noch der Notnagel wie in dieser herrlichen Karikatur. Gott will aber jede Minute unseren Lebens Reich Gottes bauen. Mit diesem Bauen dringen wir aber in einen Krieg ein, der unsichtbar unter uns tobt. D.h. Gegenwehr ist zu erwarten, ja, ist logisch! Dann ist aber genauso logisch, dass Gebet einfach not-wendig im wahrsten Sinne des Wortes ist. Vielleicht verdirbt auch nur eine falsche, materialistische Weltsicht die Freude und die Notwendigkeit des Betens…





Drehen um den eigenen Bauchnabel

6 01 2008

Lese gerade Donald Millers “Blue like Jazz” zu Ende. Viele Perlen, manchmal Leerlauf, aber hat sich trotzdem gelohnt, weil unverkrampft, originell und manchmal provokativ. Gerade auf dem Klo (dort liegt immer ein Stapel Theologie) vor dem Schlafengehen den schönen Satz gelesen (sinngemäß zusammengefasst):

“Eine der schwersten Lektionen meines Lebens habe ich in Graceland (einer WG) gelernt: Im Film meines Lebens geht es nicht um mich, obwohl ich in jeder Szene die Hauptrolle spiele”.

Das macht Gemeinschaft. Das machen bei mir die Kinder, deren Vater ich nun seit drei Jahren sein darf. Das kann eine WG auslösen, in der ich weniger Privatsphäre habe als gewohnt, das löst auch eine Gemeinde aus, in der ich integriert und authentisch lebe. Offen gesprochen: ich bin manchmal ein ziemlich egoistischer Arsch Typ. Der alte Adam in mir findet sich immer wieder ganz klasse und will im Mittelpunkt stehen. Ist weniger geworden, zuckt aber noch ab und an kräftig. Gemeinschaft korrigiert das. Eine vereinzelte, individualistische Gesellschaft hat deswegen zwangsläufig nur eine Richtung: zu noch mehr Egoismus. Aber es gibt auch eine (manchmal romantische) Sehnsucht nach Gemeinschaft. Aber wehe, sie hinterfragt mich, sie knabbert an meinem Selbstbild, sie ist, tja, nicht so wie ich… dann kann man sich eigentlich nur ehr-erhaltend unter theologischem, pragmatischem, ideologischem Deckmäntelchen wieder zurückziehen und weiter vereinzeln und leider auch noch ich-bezogener werden. Eine ungute Spirale nach unten.

Aber es gibt auch das Gegenteil und das ist ein gutes Stück Reich Gottes, das ich im Augenblick in unserer Gemeinde erlebe: zusammen sein, sich öffnen, manchmal schmerzhaft echt werden und erleben: Gott liebt mich trotzdem, er liebt mich direkt und er liebt mich durch meine Geschwister hindurch. Wer das einmal gewagt und erlebt hat, der will nicht mehr anders. Denn es ist ein Vorgeschmack auf die Ewigkeit. Habe Mut, dich der Gemeinschaft zu stellen, zu öffnen, mitten in sie hineinzugehen und sie auszuhalten, wenn es unangenehm wird, sei es in der Ehe/Familie, in der Gemeinde, in der WG… Reich Gottes ist kein Einzelkampf.





Eine wirksame Strategie des Teufels

10 12 2007

Ich liege im Dämmerlicht im Bett, neben mir meine Frau Isa, zwischen uns Merle, die mal wieder ihre Alpträume hat und sich dann ängstlich aufschreiend in das T-Shirt von Isa verkrallt, als wolle sie sagen: bitte, geh nicht weg. Genau das musste sie auf Intensiv erleben, als sie langsam aufwachte aus dem künstlichen Koma und mit ihren Schmerzen vom Valium-Entzug fertig werden musste - nachts blieb sie damit allein und schrie - stundenlang, ohne dass dauernd die Nachtschwester trösten konnte. Bis endlich die Verlegung in ein normales Zimmer Mutter und Tochter wieder zusammen brachte. Ich schaue mit das an, streichele über den kleinen warmen Kopf und muss selbst ein wenig weinen. Wie zerbrechlich ist ein solches Kind, wie zart, wie bedürftig. Und langsam heilen auch die inneren Wunden und jede Menge Baby-Zufriedenheit und Lächeln macht sich breit…

Warum ich das erzähle? Weil parallel jede Woche zwei Kinder zu Tode gequält werden. 2 Babies dort, 5 dort - die Medien sind voll damit und dennoch erfassen sie nur die obersten Grausamkeiten. Kleinkinder, die verhungern, ein Baby, das mit über 100 Knochenbrüchen schließlich an den Schmerzen krepiert. Hilflose Politiker angesichts einer Bevölkerung, die orientierungslos vor sich hin dümpelt. Wo falsche Ideologien, fehlende Orientierung an einer höheren - auch moralischen - Instanz, also Gott, wo unglaubliche soziale Armut und Verwilderung sich breit machen. Wenn man selbst Vater ist und einen so kleinen Wurm in den Armen hält und gerade dann, wenn der kleine Wurm - so wie unsere Merle - auf ganz besondere Weise zu einem Gottesgeschenk geworden ist durch die schwere OP - dann kann man das alles nur mit großen Schmerzen sehen und hören. Es macht wütend, hilflos, traurig - aber nicht wütend auf diese Eltern, denn obwohl sie Täter sind und verantwortlich - sie sind oft alleingelassene Kreaturen, die das ausleben, was in uns allen steckt, wenn es nicht von Gott geheilt und vergeben wird. Ich begegne diesen Eltern mit Unverständnis und ich würde sie gerne schütteln, ich verstehe sie nicht und wünsche mir eine gerechte Strafe, viel mehr wünsche ich mir aber, dass die Gesellschaft und gerade wir Christen Verantwortung übernehmen.

Und hier schlägt die wirksame Strategie des Teufels zu: wir Christen sind so oft mit uns selbst beschäftigt und mit unsinnigen, kleinen Querelen in der Gemeinde und der Christenheit, die so viel Kraft und Freude kosten (und vor denen Paulus schon warnt). Und in Freikirchen gilt: hey, wir haben zwar keinen Papst, dafür aber in jeder Gemeinde 2 oder 5 oder 7 Päpste, die sich für unfehlbar halten. Die wichtig sein wollen, die nicht dienen, sondern richtig bedient werden wollen (wehe, man macht nicht alles richtig!). Und so fetzen wir uns um nebensächliche Themen, die mit den Dingen, die die verlorenen Menschen da draußen beschäftigen: NICHTS zu tun haben. Und oft genug sind das auch die Themen, die Christen stillschweigend mit sich herumtragen: wie kann meine Ehe besser gelingen, warum passiert so etwas wie mit den 5 Babies und wie kriege ich das selbst hin mit der Erziehung? Warum kämpfe ich so sehr mit sexuellen Versuchungen? Wie kann ich in meinem Beruf bestehen, ohne auszubrennen?

Wie viel reden wir dagegen über: Kleinigkeiten im Vergleich dazu. Manchmal können auch Kleinigkeiten wichtig sein (wie bauen wir Gemeinde, was sind die richtigen Modelle für die Zukunft etc…), aber sie sollen nur dem großen ganzen dienen und es darf eben kein Selbstläufer werden.

Die Lösung? Ein dienendes Herz, das die Probleme der Menschen (auch der Christen!) adressiert und vom Glauben her beleuchtet. Das anpackt und hilft bei den unterschwelligen Fragen, die manchmal quälen. Die Verweigerung, sich an den Kleinigkeiten aufzureiben. Der gemeinsame Wille, eine gemeinsame Vision vom Reich Gottes im Blick zu halten und nicht die kleinen Füchse hineinzulassen, die den Weinberg (Gemeinde) zerstören wollen. Radikale Ausrichtung auf die Liebe zu Gott, zum Nächsten und zum Salz- und Lichtsein in dieser Welt. Das wünsche ich mir, wenn ich über den kleinen Kopf von Merle streichele, die sich entspannt, während ich davon träume, dass wir (ja auch ich!) weniger Forderungen an andere haben und an Gemeinde und an Leitung und an was auch immer, sondern endlich kapieren: alle Christen sind Gemeinde und haben Verantwortung. Nehmen wir sie nicht wahr, sündigen wir. Werde wesentlich.





Das ist die Hölle! Huber und die Höllenfrage…

17 11 2007

Vorgestern bei Kerner - der bekennende Atheist (bereits eine quasireligiöse Wortverknüpfung!) Richard Dawkins diskutiert mit Bischof Huber und dem unvermeidlichen Heiner Geissler über die Hölle. Auch noch dabei: ein blasser katholischer Bischof. Und Dawkins staunt Bauklötze: hey - die Christen in Europa haben die Hölle praktischerweise abgeschafft! Das ist ja toll und fortschrittlich! Geissler leugnet die Hölle komplett, Huber insistiert noch auf der Verantwortlichkeit des Menschen (tun Humanisten auch - nur nicht vor Gott), aber lobt die liberale Theologie für ihre Demontage des Höllengedanken.

Ihr Lieben: habt ihr den Verstand und vor allem die Augen ausgeknipst?

  • Was soll eine abstrakte Verantwortlichkeit des Menschen vor Gott, wenn diese keinerlei Konsequenzen hat? „Lauf nicht auf die Autobahn, mein Kind, du könntest überfahren werden. Wenn du es doch tust, wirst du eben überfahren, ich habe dich dafür aber immer noch ganz doll lieb!“ Super Gottesbild. Nur dass ein solcher Gott ohne Konsequenz nicht liebevoll, sondern dumm und lieblos wäre.
  • Keiner beachtet anscheinend die theologisch gegebene Linearität zwischen Reich Gottes auf Erden und Reich Gottes in der neuen Welt, bzw. Hölle auf Erden und Hölle in der Ewigkeit. Beide sind bereits hier und jetzt verortet, wenn auch in geringerem Maßstab und in abgeschwächter Intensität. Beide werden gesteigert ins unermesslich Schöne bzw. Grausame in der Ewigkeit. Dazwischen liegt auf persönlicher Ebene der Tod, der seit Jesus Christus immer noch schlimm ist, aber seine Bedeutung verloren hat - bzw. auf globaler Ebene die Wiederkunft Christi mit der Schaffung einer neuen Erde in Kontinuität der jetzigen Schöpfung, nur eben: geheilt! Das ist gutes biblisches Zeugnis - und so ist eben das Reich Gottes bereits mitten unter uns, aber auch die Hölle! Und wer wollte das leugnen? Wer verschließt die Augen vor der Tatsache, dass diese Welt bereits in Teilen grausame höllische Realität ist? Huber anscheinend schon. Ich kann das nicht und ich will mir nicht vorstellen müssen, wie Hölle in der Ewigkeit aussieht. Ich will Menschen in die Ewigkeit hinein lieben und retten. Aber es gibt eben keine Ewigkeit ohne Hölle, kein Gut ohne Böse, keine Herrlichkeit ohne Verfolgung, kein Friedensreich ohne das Aufbäumen der Gegenseite. Huber sieht das nicht. Gott sei ihm gnädig.




Aufs Herz kommt es an!

29 10 2007

“Dieselbe Sonne, die das Eis zum Schmelzen bringt, kann den Ton steinhart machen!” (BIll Johnson) - und so ist es auch mit Gottes Werk in dieser Welt, an dir und mir. Auf unser Herz, auf unsere innere Haltung kommt es an, ob wir von Gottes Geist und Gottes Willen weich und formbar werden oder eben hart und unbeweglich.

Das ist spannend bei alten Leuten zu beobachten, die mit Jesus gegangen sind - manche sind immer härter und enger geworden, andere weicher, barmherziger, weiter und dabei nicht weniger wahrhaftig. Man bewegt sich immer in eine der beiden Richtungen - in welche du?





Beten nach Schlumpfart

26 10 2007

schlumpf.jpgDochdoch - dieser Post ist durchaus ernst gemeint. Ich habe letzte Woche einen betenden Mönchschlumpf ersteigert, denn den gibt es so nicht mehr auf dem Markt. Nun steht er auf meinem Mac herum (aber natürlich nicht auf der Tastatur, wie auf dem Bild!) und erfreut das Kind in mir. Aber auch mehr - denn dieser Mönchschlumpf hat eine vorbildliche Gebetshaltung - äußerlich wie innerlich.

Er sitzt nicht in Haarwaschhaltung mit geschlossenen Augen (unsägliche Aufforderung mancher Liturgen: wir neigen uns zum Gebet! Bitte! Es gibt mehr als eine Gebetshaltung, liebe Liturgen!) - nein, unser Schlumpf steht aufrecht und blickt sogar mit wachen Augen in die Welt. Welt und Gebet gehören für ihn zusammen, Reich Gottes findet für ihn nicht nur unsichtbar statt, sondern auch sichtbar. Sein Blick ist schon fast neugierig zu nennen, als wolle er schauen, was die Welt ihm von Gott und seinem Handeln zeige…

Gleichzeitig umspielt sein Gebet ein friedliches Lächeln. Er ringt nicht mit seinem Gott, sondern genießt dieses offene Gebet und hat dabei heitere Gelassenheit (trotz (oder wegen?) Zölibat). Er kann ganz wie Luther sagen: nun sitzt ich hier bei meinem Wittenbergisch Bier und weiß: Gott handelt! Gott sitzt im Regimente, da darf man wohl im Gebet lächeln - trotz vielleicht widriger Umstände.

Dennoch - trotz aller Offenheit der Gebetshaltung - die Hände sind gefaltet, es geht hier nicht um Chaos, sondern schon um Sammlung und Konzentration - so ist der Mönchschlumpf ganz bei sich und dennoch ganz bei Gott und seiner Welt.

Möge also dein Gebet schlumpfiger werden und bitte: das ist jetzt keine Erlaubnis, blau zu beten, obwohl das besser wäre, als blau nicht zu beten. Daneben sagt aber Paulus: wir sollen uns nicht mit Alkohol abfüllen, sondern mit der Fülle des Geistes - insofern ist blau erlaubt, nur eben abgefüllt mit Gottes gutem Geist. Und jetzt Augen auf zum Gebet!