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Artikel getaggt mit ‘Seelsorge’

Heilsam: Wohin mit Wunden und Verletzungen?

5 Oktober, 2009 wegbegleiter 30 Kommentare

Was gefällt uns eigentlich so gut an gemütlichen italienischen Altstädten? Die Perfektion? Die Makellosigkeit? Nein – das malerisch Verkommene. Nicht alles ist perfekt, sondern hier und da bröckelt der Putz und trotzdem: hat es Liebe und Stil. In den Häusern mit der ockerfarbenen Fassade verbergen sich oft wunderschöne und elegante Wohnungen…

Warum nur streben wir so oft nach Perfektion und komplettem Heilsein? Anders gefragt: wie bewertest du deine Wunden? Die Wunden, die dir das Leben geschlagen hat. Damit habe ich lange gekämpft. Ich bin überzeugt. Gott möchte Wunden heilen. Aber er möchte sie nicht verschwinden lassen, denn sie haben aus uns auch etwas gemacht! Sind Teil unserer Geschichte! Gott will um jeden Preis die Verbitterung und den Groll heilen, der sich auf Wunden häufig aufbaut. Er möchte die Mauern niederreißen, die wir um die Wunden als Schutz erbaut haben. Was macht er mit den Wunden? Er heilt sie, aber sie werden sichtbar bleiben. So wie der Auferstandene noch die Wundmale an seinem geistlichen Leib trug. Warum?

Weil Wunden Chancen sind. Weil Wunden uns zu Persönlichkeiten machen, die nicht auf sich selbst vertrauen, sondern auf Gott. Paulus hat das erlebt. Er war eher klein, konnte rhetorisch nicht glänzen, trug so manche Wunde mit sich herum. Das Leben und der Glaube haben ihn schon mehr als einmal vom Pferd geworfen. Was sagt er dann?

Denn derselbe Gott, der gesagt hat: »Aus der Finsternis soll Licht hervorstrahlen!«8, der hat es auch in unseren Herzen hell werden lassen9, sodass wir10 in der Person11 von Jesus Christus den vollen Glanz von Gottes Herrlichkeit erkennen.
Wertvolles Gut in unscheinbaren Gefäßen
7 Wir allerdings sind für diesen kostbaren Schatz, der uns anvertraut ist, nur wie zerbrechliche Gefäße12, denn ´es soll deutlich werden, dass` die alles überragende Kraft, ´die in unserem Leben wirksam ist,` Gottes Kraft ist und nicht aus uns selbst kommt.
Denn derselbe Gott, der gesagt hat: »Aus der Finsternis soll Licht hervorstrahlen!«der hat es auch in unseren Herzen hell werden lassen, sodass wir in der Person von Jesus Christus den vollen Glanz von Gottes Herrlichkeit erkennen. Wir allerdings sind für diesen kostbaren Schatz, der uns anvertraut ist, nur wie zerbrechliche Gefäße, denn es soll deutlich werden, dass die alles überragende Kraft, die in unserem Leben wirksam ist, Gottes Kraft ist und nicht aus uns selbst kommt. (2. Korinther 4, NGÜ)
Er beschreibt sich und uns als tönerne Gefäße. Es gab damals schon eiserne Gefäße, die unzerbrechlich waren, hölzerne Gefäße, die zäh und robust waren. Paulus nimmt als Bild die tönernen, zerbrechlichen Gefäße. Gerade im Kontrast zu diesen leuchtet das Licht Christi, das in jedem Christen wohnt, umso deutlicher auf und wir erkennen den Glanz von Gottes Herrlichkeit. Weil unser „Glanz“ ihn nicht mehr überstrahlt! Weil die Risse in den Gefäße gerade die Orte sind, an denen das helle Licht nach außen blinzeln kann. Wunden werden in der Hand Gottes und am Kreuz Christi zu Chancen und schließlich zu Gaben. Sie machen uns einmalig und unser Ziel darf es nie sein, makellos und perfekt zu werden. Es reicht, dass das einer ist. Christus. Und dass dieser eine sich Gefäße wie dich sucht und sie erwählt.
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Wichtig für die Seele: Grenzen setzen! Nicht Mauern!

22 September, 2009 wegbegleiter 5 Kommentare

Wenn mich einer nach den zwei wichtigsten geistlichen Themen und Entwicklungen der letzten paar Monate fragen würde, dann würde ich darauf wie folgt antworten. Teil 1 jetzt – Teil 2 in einigen Tagen an dieser Stelle! Wird sonst zu lang…;-)

Hast du Grenzen? Wir leben – da sind sich Seelsorger und Therapeuten einig – in einer grenzenlosen Gesellschaft. Grenzenlosigkeit ist zum Dogma erhoben, alles aufnehmen, was kommt, alles konsumieren, koste es, was es wolle. Das Problem: dafür ist unser Herz nicht geschaffen, unser Herz benötigt zum Schutz Grenzen. Deswegen ist innere Grenzenlosigkeit ein wichtiger Hauptgrund für burn-out und Depression!

Sprüche 4,23: Mehr als alles, was man sonst bewahrt, behüte dein Herz! Denn in ihm entspringt die Quelle des Lebens.

Das Wort, dass im Hebräischen mit dem Behüten verbunden ist, hängt wiederum zusammen mit dem Wächter, der in einer jüdischen Stadt das Tor bewacht und schaut, wer hinein kommt und wer hinaus darf und geht. Wir haben eine Verantwortung für die Grenzen unseres Herzens! Nehmen diese aber nicht wahr – viel zu oft nicht! Kannst du Nein sagen? Kannst du Verantwortung übernehmen für die Dinge, die hinein kommen dürfen und die anderen abblocken? Wir werden bestürmt mit Eindringlingen. Sie kommen von außen (Anforderungen, Aufgaben, Angriffe, alltägliches Allerlei an Informationen), sie kommen von innen (innere Stimmen, die bestätigen, verurteilen).

Doch Achtung: Grenzen sind nicht Mauern! Wie viele Menschen haben schon früh im Leben Mauern um das Herz gebaut als Schutz vor Verletzungen. Wie verständlich und manchmal überlebensnotwendig. Mauern aber sind hart und statisch. Ich schütze vielleicht meine Außenwelt durch Mauern vor meinen Äußerungen – die Mauern sperren aber auch gute und aufbauende Worte in mir ein. Die Mauern mögen mich vor Verletzungen einer bestimmten Art schützen – sie blocken aber auch die guten und positiven Erfahrungen ab! Nimmst du Gott nicht wahr? Dann liegt das zu 100% nicht an Gott – sondern meist an alten Mauern um deinem Herzen. Diese sind gefährlich und machen bitter gegenüber dem Leben:

Achtet darauf, dass niemand sich selbst von Gottes Gnade ausschließt! Lasst nicht zu, dass aus einer bitteren Wurzel eine Giftpflanze hervorwächst, die Unheil anrichtet; sonst wird am Ende noch die ganze Gemeinde in Mitleidenschaft gezogen (Hebräer 12,15, fantastisch übersetzt in der NGÜ)

Man kann sich durch Mauern und die damit verbundene Bitterkeit langsam aber sicher von der Erfahrung der Gnade ausschließen! Man verletzt aber auch den Leib damit! Grenzen sind nicht Mauern. Grenzen haben Tore! Tore, aus denen z.B. Böses und Schlechtes die innere Stadt verlassen darf Richtung Gott. Tore, die Gutes aufnehmen und sich am Schönen erfreuen. Die Verantwortung für dieses Tor hast du! Du bist der Torwächter für dein Herz.

Keine Grenzen zu haben – wechselnde Grenzen zu haben – das Ich verschwimmt und ist unklar. Das Herz wird verletzt und ist ungeschützt. Das ist fatal! Gott hat uns ein Mittel gegeben, um heilsame Grenzen zu leben: die Wahrheit seines Wortes und damit verbunden das Leben aus dem Geist. So geschult kann der Torwächter endlich Verantwortung übernehmen und das Herz schützen. Doch Achtung: unsere Grenzen werden nicht heilsam funktionieren, wenn hinter der Grenze noch dicke Mauern sind. Diese Mauern müssen durch die Liebe Gottes beseitigt werden. Daran hängt zwar nicht dein Heil – aber deine Heiligung. Hast du den Mut zu diesem Weg? Ich kenne so viele fromme und „siegreiche“ Christen – die trotzdem ein Herz voller Mauern haben… ich war auch so einer. Aber in meine Mauer sind Breschen geschlagen worden – doch dazu mehr im nächsten post…

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Wie Wunden voranbringen können

18 Januar, 2008 wegbegleiter 3 Kommentare

Unsere Kultur – auch wenn es schon fast ein Klischee ist – ist eine Kultur der Wohlfühlmaximierung. Auf der einen Seite. Auf der anderen Seite ist sie auch Opferkultur, Menschen verharren in ihren Zuständen und schieben der Geschichte, der Gesellschaft, egal wem die Schuld dafür zu, dass sie sich nicht ändern müssen. So entsteht eine Zweiteilung: diejenigen, die Spaß haben (oder meinen zu haben) und diejenigen, die im verkrümmten Dasein verharren. Beides spricht für einen kranken Umgang mit den Wunden, die uns das Leben zufügt… genauer:
Der Wohlfühler (klingt nach: der Picknicker) verleugnet die Wunden und will sie minimieren um jeden Preis. Das Leben als einzige Erfolgs-Story. Im christlichen Genre dient Gott der Stabilisierung dieses Systems. Er sorgt in den mir unzugänglichen Lebensbereichen für die Absicherung und garantiert so den Erfolg und das Wohlgefühl. (Bitte beachten: ich rede in Extremen!) Obwohl diese Menschen besonders fromm und „gläubig“ rüberkommen (Gott will dich auf jeden Fall gesund, reich, schön machen und das ohne jeden Aufwand), missbrauchen sie eigentlich die Souveränität Gottes. Und sie übersehen, dass Wunden (nicht nur bei Operationen) notwendig sein können, damit eine Heilung beginnt. Jakob ringt mit Gott und wird verwundet. Fast keine biblische Gestalt kommt ohne seelische (und körperliche) Verwundungen durchs Leben und gerade diese machen oft den Unterschied. Wann? Wenn sie angenommen und dann aber auch geheilt werden. Und genau da…
…kommen die Opfer ins Spiel. Sie jammern über ihre Wunden und verweigern die Heilung. Die Wunden dienen als Rechtfertigung, sich nicht weiter zu entwickeln, weil ja die Startbedingungen so schlecht sind. In der Seelsorge dreht man sich bei solchen Menschen schnell im Kreis und konkrete Schritte werden mehr oder weniger geschickt verweigert. Im Glauben sind das die Menschen, die Gott klein machen und vermeintlich mit ihm im Leiden verbunden sind. Jesus will heilen und helfen? Nicht doch. Nur: Jesus hat gelitten, damit… Jesus hat sich Wunden schlagen lassen, um… – sprich: seine Wunden waren zielgerichtet. Und er hat nicht herumgejammert. Sehr wohl geklagt, aber Klage ist zielgerichtet, Jammern nicht. Wenn uns alles zum Guten dienen kann, dann gilt das besonders für die Wunden, die Verletzungen. Sie können zu einer echten Qualität werden, wenn sie von Gott geheilt und verwandelt werden.
Wo stehe ich, wo stehst du in diesem Spektrum?

Das größte Hindernis für das Zusammenleben

27 Dezember, 2007 wegbegleiter Kommentieren

Immer wieder fällt mir bei Konflikten in der Gemeinde, aber auch im privaten Bereich, auch in der eigene Ehe eins auf: Stolz ist die Hauptursache für Konflikte und vor allem für deren Weiterbestehen. Kommt man miteinander ins Gespräch (ja, wenn es denn schon so ist!), dann kann eigentlich bei aller vielleicht notwendigen Diskussion von Fragen auf der Sachebene letztlich nur eins helfen: sich die Hand zu reichen, sich zu vergeben (nicht zu vergessen! Das ist eine andere Schiene!), willentlich einen Schlussstrich zu ziehen und dem anderen zu sagen: ich mache Fehler, du machst Fehler, wir sind begnadigte Sünder und leben von der Gnade, die vergibt, auch wenn wir es nicht erkennen. Und das alles nicht als theoretisches Konzept, sondern konkret: ich habe an dieser Stelle gefehlt. Wo ein Konfliktpartner das nicht kann – scheitert jedes Gespräch.

Letztlich steckt das Problem aber noch tiefer – denn hinter der mangelnden Fähigkeit zu sagen: ich habe mich geirrt, ich habe dir gegenüber einen Fehler gemacht steckt eigentlich Gottlosigkeit. Scott Peck hat einmal weise gesagt: das Problem für die Gott ist nicht die Sünde (für die ist er in Jesus Christus gestorben), das Problem ist das Verbergen der Sünde.  Wer nun vor anderen seine konkrete Sünde verbergen muss, offenbart damit einen geistlichen Notstand. Und noch weiter: er (meistens ist es ein Er) bedroht aktiv seinen Glauben. Denn Jesus selbst sagt: wenn ihr nicht vergebt, wird euch auch nicht vergeben werden. Reden wir uns dieses Wort nicht klein!

Letztlich steckt hinter diesem Stolz aber noch ein zweites: ein mangelndes Wissen von der eigenen Identität bei Gott.  Oder anders gesagt: Minderwertigkeitskomplexe. Da bricht es in der Tat mehr als einen Zacken aus der Krone, wenn man eingestehen müsste: ja, ich habe gegen dich gesündigt. Da bricht die Welt zusammen, vor allem die Scheinwelt, die man von sich selbst aufgebaut hat.

Das sind so die Erkenntnisse, wenn ich in mein eigenes Herz schaue und ich bin dankbar, dass mich Gott vergeben gelehrt hat – auch wenn ich noch manchmal blutiger Anfänger bin. Mir ist bange um die Christen, die nicht vergeben können. Sie verletzen sich selbst und – schlimmer noch – sie verletzen andere Menschen, manchmal ganze Gemeinden. Und keiner kann ihnen helfen außer Gott selbst, der das harte, aber gleichzeitig so kleine, verletzte Herz erreicht.