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Artikel getaggt mit ‘Spiritualität’

Simplify your spirituality

5 Dezember, 2008 wegbegleiter 11 Kommentare

Das Thema hat mich nun endgültig gepackt. Siehe auch dieser Post vor einigen Tagen, der unheimlich viele Leser hatte.

Nun les ich gerade ein seelsorgerisches Buch von John und Paula Sandford („Umgestaltung des inneren Menschen“), und da springt mich ein Satz an: „das Fleisch (sprich: die alte menschliche Natur, die lieber ohne Gott auskommen möchte) ist der Vater der Ruhelosigkeit.“ Und ich ergänze: der Teufel hat immer wieder einen Plan: unseren Alltag komplex und gehetzt zu machen und zeitliche Leerstellen möglichst schnell und sei es noch zu sinnlos aufzufüllen. Denn er weiß: Ruhe ist eine Verheißung für die Kinder Gottes. Und Ruhelosigkeit (sei es auf der Zeitachse oder auf der Komplexitätsachse unseres Lebens) treibt uns weg von Gott, lässt uns seine Stimme überhören, macht uns fahrig und unkonzentriert gegenüber der leisen Stimme Gottes. Und wenn dann noch unser Glaubensleben Druck ausübt… dann dient unsere Spiritualität – sei sie privat oder gemeindlich praktiziert – dem Fleisch und Mister S. – aber nicht Gott. Dann ist die Religion und damit der Tod im Topf, aber keine heilmachende, christuszentrierte und befreiende Spiritualität. 

Deswegen: Leerstellen einbauen (Blaise Pascal (sinngemäß zitiert): die Problematik der Menschen heute ist es, dass sie nicht mehr mit sich allein eine Stunde in einem Raum sein können). Nichts tun. Schweigen. Sich Gott hinhalten. Gebete mit wenigen, langsamen, sorgfältigen Worten (plappert nicht wie die Heiden!) und dafür mehr Zeit zum Hören Gottes. Komplexität herausnehmen. Im Alltag (sorgt euch um nichts!), aber auch in der Praxis des Glaubens. Gebet der Bibel beten (Psalmen). Weniger Impulse, die dafür vertiefen und umsetzen. Der Teufel möchte, dass wir uns an 10 verschiedenen Stellen gleichzeitig ändern. Denn er ist der Ankläger und er weiss: das wird nie gelingen. So verbündet er sich mit dem Fleisch und treibt uns in die Selbstverbesserungsspirale (die sehr fromm getarnt sein kann! die aber immer letztlich traurig macht!). Gott verklagt nie! Er hinterfragt sanft und liebevoll und möchte dich in die Weite führen. Deswegen lohnt es, das eine Thema heraus zu finden, das in den nächsten Monaten dran ist. Was noch? Ich forsche daran herum. Spannend. Ideen?

P.S. dieser Post spricht nicht gegen eine kindliche Beziehung zu Gott, die ganz selbstverständlich mit ihm redet und so eben auch viele Worte macht. Alles zu seiner Zeit. Ich denke aber, es gibt auch Zeiten und Reifestufen des Glaubens, in denen die Worte weniger werden dürfen, ja sogar müssen. So wie Liebende einfach zusammen sitzen und sich in die Augen sehen und dabei verstehen.

P.S. die Zweite: und wenn jemand einen treffenderen nicht-englischen Namen für diese Gedanken hat: bitte! Ich bin selbst damit nicht zufrieden…;-)

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Wir lesen zu viel Bibel!

26 November, 2008 wegbegleiter 34 Kommentare

Punkt. Mit dieser kleinen Bombe hat mich ein Artikel von Hans-Jürgen Jaworski aus dem aktuellen Hauskreismagazin erreicht. Und es haben sich plötzlich, sanft und leise, viele Mosaiksteine zusammengesetzt in meinem Nachdenken über Spiritualität privat und in der Gemeinde. Ich arbeite an einer Spiritualität, die Spannungsfelder ernst nimmt und nicht einfach auflöst. Und ich arbeite an einer einfachen Spiritualität – aber Achtung: keiner simplen. Eher: simplify your spirituality. Slow down your spirituality. Was sind die Argumente des Artikels – von mir weiter gedacht. 

Wir sind in einer Informationsgesellschaft bombardiert mit Impulsen, die uns beeinflussen. Im Gemeindeleben pflanzt sich das durch eine Flut von Angeboten fort. In einer durchschnittlichen Freikirche mit einem durchschnittlich engagierten Mitglied bekommt dieses gute Impulse durch die Predigt. Dann noch gute Impulse durch den Hauskreis. Nicht zu vergessen die Bücher, die man liest und das allmorgendliche Andachtsheft. Auf jeden Fall sind es mehrere Impulse pro Woche. Nur: die Bibel will ja verändern, prägen, sie hat Sprengkraft und ist ein zweischneidiges Schwert. Nur (die zweite): das empfindet fast keiner mehr so. Die Bibel wird immer weniger gelesen, sie wird auch nicht als lebensverändernd wahrgenommen. Was läuft schief? 

Zu viel Bibel. Inflation der Bibel. Zusätzlich zu all den anderen Informationen, die wir verarbeiten müssen. Ein Dietrich Bonhoeffer war da weiser: er hatte als Regel des christlichen Zusammenlebens das Lesen eines Textes, einer Perikope pro Woche. Nicht mehr. Jeden Tag den gleichen Text. Und dann meditieren, nachsinnen, wiederkäuen (ruminatio) und ins Leben umsetzen. Denn Gottes Wort ohne Tat ist tot. Bis zur Reformation war das normal: die Christen konnten zumeist nicht lesen und lebten von den biblischen Bildern in der Kirche und von der (selektiven) Lesung der Schrift. Darauf mussten sie herumkauen. Weitere fromme Impulse: Fehlanzeige. War das nur schlechter? So sehr ich dankbar bin für Gottes Wort für jedermann – hilft aber nix, wenn es nichts verändert).

Zu viel Bibel: das erklärt auch das immer weniger werdende Bibellesen, denn die Freude daran hängt an der Wirksamkeit und der erlebten Sprengkraft der Schrift. Immer wieder schön zu beobachten im Gemeindeleben: da erlebt jemand eine solide Lebensveränderung und plötzlich liest er (oder sie) auch wieder gerne Bibel. Die Sprengkraft ist erlebt worden. Genau das sollte aber viel häufiger passieren! Was ich aber inflationär bekomme und nicht verdauen kann – das hängt mir irgendwann zum Halse raus, weil es auch nicht satt macht, sondern voll…

Konsequenz? Da bin ich am beten und ringen, aber die Konsequenzen wären gewaltig. Reduktion der eigenen Spiritualität auf wenige, dafür tief gehendere Bestandteile. Ein Text pro Woche. Optimalerweise auch noch der aus der Predigt vom Sonntag. Hauskreise, die sich mit der vergangenen Predigt vertiefend beschäftigen (das Konzept von „sticky church„). Dienstgruppen, die Unterstützung bieten, das Gelernte umzusetzen und praktisch werden zu lassen. Predigtreihen, die semitisch kreisend (so arbeitet die Bibel, z.B. das Johannesevangelium) ein Thema oder eine Bibelstelle von immer neuen Seiten beleuchten. So dass nur noch ein Grundimpuls für einige Wochen übrig bleibt. Der von verschiedenen Seiten beleuchtet und vertieft wird. Echter und authentischer Austausch über die erlebten Konsequenzen.

Vieles fügt sich in mir zusammen – und die Konsequenzen könnten intensiv sein (ich empfinde zumindest dabei eine lange nicht mehr gespürte Leidenschaft). Wagen wir so zu denken? Und zu handeln?

Spiritualität der Spannungen

16 September, 2008 wegbegleiter 4 Kommentare

Bin gerade intensiv am Thema Spiritualität. Wegen eines neuen Buchkonzepts, aber auch wegen spannender Vorträge nächstes Jahr in Südbayern und überhaupt seit vielen Jahren immer wieder. Weil mich manches Eindimensionale in diesem schwammigen Bereich unbefriedigt lässt und mein eigenes Glaubensleben nicht recht voran bringt. Also mal ein paar Gedanken zum Sortieren. Spiritualität ist ein Gummibegriff. Ich fülle ihn einmal so: Spiritualität ist das, was mich als ganzer Mensch aus Körper, Seele und Geist im Glauben reifen lässt. Innere Haltung, Aktion, Leben und Glauben, Beziehungen, alles spielt mit hinein. Mag sein, dass es andere Definitionen gibt und die gibt es wie Sand am Meer, aber so fülle ich diesen Begriff. 

Der Psychologe Robert Affemann hat in seinem immer noch lesenswerten Buch über die Entwicklung der Geschlechtlichkeit etwas bemerkt, was mich seitdem verfolgt. Reife entsteht am Aushalten von Spannungen. Genau das versucht unsere Gesellschaft aber zu vermeiden. Ich will was haben? Ich kaufe was. Spannung aufgelöst. Ich will Sex? Ich nehme ihn mir, dann eben notfalls mit mir selbst. Spannung aufgelöst. Ich glaube, das System ist verstanden…;-). Eine Spiritualität, die in die Reife der Beziehung zu Gott führen will, muss also Spannungsfelder beinhalten, die uns permanent in eine Spannung hinein bringen und genau das tut die Bibel meines Erachtens massiv. Eine anstrengende, aber produktive Spannung. Wir versuchen diese vielleicht auch wieder aufzulösen und uns für einen der beiden Spannungspole zu entscheiden, aber genau das verhindert Reife und damit gelebte Spiritualität. Kleines Beispiel: Aktion und Kontemplation. Wie viele Menschen entscheiden sich für eine der beiden Seiten: Innerlichkeit vs. Anpacken. Aber nur beide zusammen gelebt – und zwar nicht als weicher Mittelweg, sondern in den spannungsreichen Außenpolen – führt in die Reife und ist eigentlich sinnvoll! Und so könnte man noch diverse Spannungsfelder aufziehen und dabei bin ich gerade. Und diese Spannungsfelder haben spannende Folgerungen für unser Glaubensleben…;-)

Kategorien:geistliches Leben Schlagworte:

Ist Beten immer einfach?

18 Oktober, 2007 wegbegleiter 4 Kommentare

Bei Storch hat sich über seine feinen Ausführungen zum Vers „Betet ohne Unterlass“ eine kleine Diskussion ergeben, die mir zu schnell abzusaufen droht, deswegen hier der Versuch einer Fortführung bei meinen Lesern und vielleicht können die ja bei Storch auch mitreden. Denn wir haben ein spannendes Thema der Glaubenspraxis vor uns: wie leicht fällt uns Gebet? Gebet ist großartig, wir können mit dem Vater und Schöpfer reden und auf dem Gebet ruhen bombastische Verheißungen. Soweit die bekannte Theorie. Trotzdem leiden viele mir bekannte Christen immer wieder einmal unter Gebetslosigkeit oder empfinden das Gebet als trocken und unfruchtbar. Liest man nun die Kommentare, könnte der Eindruck hochkommen: hey, ist doch alles easy. Genug Geist und die richtige Einstellung und Beten ist t-o-t-a-l einfach.

Von der Theorie stimme ich dem zu: bist du mit Gottes Geist erfüllt mit zum Rand, dann sollte das Gebet keine Pflichtübung mehr sein, sondern schlicht Freude und Bedarf… und trotzdem ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich schneller den Rechner hochfahre, als mir vorher noch Zeit zu nehmen, bei einem Tässchen Kaffee mit Gott zu reden und so den Tag zu beginnen (und nun sag nicht, storch, es läge am Kaffee…;-). Und viele andere langjährige Christen berichten mir auch von ihren Kämpfen und Niederlagen. Sind wir nicht siegreich genug in unserem Glauben? Haben wir was nicht kapiert? Nicht genug Geist? Das sind so die Fragen von einem, der Gebet liebt und unendlich viel darüber gelesen hat – aber immer noch kämpft… wie geht es dir?