Archiv

Artikel getaggt mit ‘Teufel’

Ist der Teufel an allem schuld? Was ist mit Depression und Verletzungen?

29 Juni, 2009 wegbegleiter 21 Kommentare

Je nach theologischer Ausrichtung ist der Teufel eine Person, die nicht existiert, zu vernachlässigen ist bzw. nicht existieren darf, weil man sich damit eines veralteten Weltbildes schuldig macht. Oder auf der anderen Seite wird der Teufel quasi immer am Werk gesehen. Ich stolpere über alte Verletzungen in meinem Herzen – der Teufel muss am Werk sein. Ich werde versucht zu einer alten Lieblingssünde – hey, der Teufel ist auf Achse! Beide Seiten sind schief, obwohl natürlich die zweite näher an der Wahrheit ist – sage ich jetzt mal so, die erste tut sich selbst überhaupt keinen Gefallen, denn die Leute spüren das Böse in der Welt.

Doch man tut sich mit dem allzu leichten Führen des Teufels im Munde ebenso keinen Gefallen, denn biblisch ist das Bild wohl komplexer. Wir werden versucht, bzw. erprobt (was im Griechischen das gleiche Wort ist) vom:

  • Teufel
  • von der Welt (hier im abwertenden Sinne als altes ungöttliches System mit falschen Schwerpunkten)
  • eigenen Fleisch (denn obwohl der neue Mensch bereits geschaffen ist und eine neue Kreatur da ist, laufen wir noch in alten Schienen und leben zu oft aus den alten Reaktionsmustern und Prioritäten heraus)

Hier ist Jakobus 1,14 zu nennen: es ist die eigene Begehrlichkeit, die zur Sünde verführt und wir haben keine Entschuldigung (hier Richtung Gott – denn der kann nicht versuchen, aber genauso wenig wie in Richtung Teufel oder Welt). Sprich: ich würde den Teufel sparsam als Versucher verwenden. Denn dieser ist ein Geschöpf und nicht auf Augenhöhe mit Gott. Er ist nicht überall auf der Welt gleichzeitig gegenwärtig (sonst würde er nicht wie ein Raubtier umherstreifen!) und deswegen kann er schon rein physikalisch nicht hinter jedem Lebensproblem stehen. Er ist bereits besiegt und nichts (!), was er tut, tut er ohne vorherige Einwilligung Gottes. Ansonsten müssten wir davon ausgehen, dass der Sieg Christi nicht vollständig ist und der Teufel immer noch im Leben eines Christen machen kann, was er will. Deswegen kann Erprobung und Versuchung als Freude betrachtet werden (so die Forderung des NT) – weil Gott es in unserem Leben zulässt und uns so reifen lassen will. Eine Ehre!

Als nächstes kommt die spannende Frage in den Blick: was sollen und müssen wir als Versuchung betrachten? Mir scheint es manchmal so zu sein, als wird in unseren Breiten zu sehr vom Wohlfühlgedanken ausgegangen und so schnell etwas als „mit Christus eigentlich gestorben“ betrachtet, obwohl es schlicht zum Leben in der Welt (aber nicht von der Welt!) dazu gehört. Was ist z.B. mit den eigenen Verletzungen und Wunden, die das Leben geschlagen hat? Sind die weg? Sind die Fleisch? Manche scheinen das zu vertreten und ich sage ein deutliches NEIN! Diese Sichtweise belastet und verletzt Menschen (eigentlich solltest du nicht mehr depressiv sein – hey, du bist doch eine neue Kreatur!) und geht einen einseitigen via triumphalis – wogegen unser Herr einen via crucis gegangen sind, stehen wir über ihm? NEIN! Wir leben eindeutig im Spannungsfeld zwischen diesen beiden Polen (eben nicht von der Welt, aber in der Welt!).

Selbst der auferstandene Leib Christi trug als Erkennungsmerkmal die alten Wundmale (!). Gott verwandelt Tränen in Diamanten (wir kommen mit verheulten und nassen Gesichtern in die Ewigkeit, wenn wir die Bibel ernst nehmen!!), Wunden machen stärker als je zuvor! Gott benutzt das Schwere unseres Lebens, damit wir wachsen und stärker im Geist werden. Dazu führt er uns – wenn wir ihn lassen – ganz zart und doch direkt durch unser Dunkel hindurch. Manche Schicht muss zerbröseln, muss geheilt werden und angerührt werden, weil sie sich so eingebrannt hatte in unserer Seele. Wenn das geschieht und es geschieht durch den Geist – dann kann unser Geist umso besser die Seele in eine Richtung prägen, die Freude macht, die geist-reich ist!

Es hat also meines Erachtens keinen Sinn, bei einer Depression den Sieg zu proklamieren und zu behaupten: da ist ja gar nichts! Gerade so entsteht ja Depression – durch Unterdrückung von Gefühlen, durch innere Verletzung. Eine solche Spiritualität machte krank! Stattdessen dürfen wir zu den Wunden stehen und sie sogar als Zeichen unserer Person tragen (Jesus hatte wie gesagt auch keinen makellosen (nach unseren Maßstäben!) Auferstehungsleib)! Aber nicht als Opfer, dass diese Verletzungen einfach blind akzeptiert und sie als Entschuldigung vorträgt – sondern die Wunden als Aufgabe sieht, die Gott stellt. Die uns weiter in die Tiefe der Beziehung zu ihm hinein führt. Tränen sind oft ein guter Weg der Spiritualität! (Genau wie Fest und Freude!)

Kurz: natürlich mag es Situationen geben, in denen Persönlichkeitsschichten auftauchen, die bereits solide bearbeitet und bewusst unter das Kreuz gebracht sind, wo Gott heilsam eingegriffen hat – wenn sie dann wieder in die alte Spur rutschen wollen, dann dürfen wir uns getrost auf die Heilung berufen und diese Regungen verweisen! Aber nutzen wir diese Gelegenheit nicht vorschnell, um dem manchmal schmerzhaften Weg des Zerbruchs und der Heilung aus dem Wege zu gehen! Es gibt – das bestätigen alle großen Lehrer der Kirchengeschichte – keine geistliche Abkürzung! Und dann ist nicht der Teufel schuld, nicht wir, nicht die Welt – sondern Gott weist uns sanft auf einen Raum in unserem Lebenshaus hin, den er bereits liebevoll und mächtig unter seine Vergebung gestellt hat – den wir aber noch verschlossen halten, aus Angst, aus Panik, aus Trauer, aus traumatischer Verletzung heraus. Gott ist so gut! Er arbeitet mit uns – und nicht an uns vorbei!

Nichts geschieht einfach so. Nichts geht an Gott vorbei. Gott hat es gegeben und er kann es auch nehmen. Und die geheilten Verletzten sollen – so Paulus – andere in dem trösten, wo sie selbst verletzt waren. Wunden werden zu Gaben und zu Aufgaben! Wie groß ist unser Gott!

Ich verabschiede mich in den Urlaub. Ab dem 4.7. wird die Kommentarfunktion de-aktiviert für drei Wochen. Dann treibe ich mich in Cuxhaven herum. Gott ist an der Arbeit.

Und passend zum Thema weise ich auf ein wunderschönes Lied und Video hin – gefunden beim curioustraveller Rolf….

Eine wirksame Strategie des Teufels

10 Dezember, 2007 wegbegleiter Kommentieren

Ich liege im Dämmerlicht im Bett, neben mir meine Frau Isa, zwischen uns Merle, die mal wieder ihre Alpträume hat und sich dann ängstlich aufschreiend in das T-Shirt von Isa verkrallt, als wolle sie sagen: bitte, geh nicht weg. Genau das musste sie auf Intensiv erleben, als sie langsam aufwachte aus dem künstlichen Koma und mit ihren Schmerzen vom Valium-Entzug fertig werden musste – nachts blieb sie damit allein und schrie – stundenlang, ohne dass dauernd die Nachtschwester trösten konnte. Bis endlich die Verlegung in ein normales Zimmer Mutter und Tochter wieder zusammen brachte. Ich schaue mit das an, streichele über den kleinen warmen Kopf und muss selbst ein wenig weinen. Wie zerbrechlich ist ein solches Kind, wie zart, wie bedürftig. Und langsam heilen auch die inneren Wunden und jede Menge Baby-Zufriedenheit und Lächeln macht sich breit…

Warum ich das erzähle? Weil parallel jede Woche zwei Kinder zu Tode gequält werden. 2 Babies dort, 5 dort – die Medien sind voll damit und dennoch erfassen sie nur die obersten Grausamkeiten. Kleinkinder, die verhungern, ein Baby, das mit über 100 Knochenbrüchen schließlich an den Schmerzen krepiert. Hilflose Politiker angesichts einer Bevölkerung, die orientierungslos vor sich hin dümpelt. Wo falsche Ideologien, fehlende Orientierung an einer höheren – auch moralischen – Instanz, also Gott, wo unglaubliche soziale Armut und Verwilderung sich breit machen. Wenn man selbst Vater ist und einen so kleinen Wurm in den Armen hält und gerade dann, wenn der kleine Wurm – so wie unsere Merle – auf ganz besondere Weise zu einem Gottesgeschenk geworden ist durch die schwere OP – dann kann man das alles nur mit großen Schmerzen sehen und hören. Es macht wütend, hilflos, traurig – aber nicht wütend auf diese Eltern, denn obwohl sie Täter sind und verantwortlich – sie sind oft alleingelassene Kreaturen, die das ausleben, was in uns allen steckt, wenn es nicht von Gott geheilt und vergeben wird. Ich begegne diesen Eltern mit Unverständnis und ich würde sie gerne schütteln, ich verstehe sie nicht und wünsche mir eine gerechte Strafe, viel mehr wünsche ich mir aber, dass die Gesellschaft und gerade wir Christen Verantwortung übernehmen.

Und hier schlägt die wirksame Strategie des Teufels zu: wir Christen sind so oft mit uns selbst beschäftigt und mit unsinnigen, kleinen Querelen in der Gemeinde und der Christenheit, die so viel Kraft und Freude kosten (und vor denen Paulus schon warnt). Und in Freikirchen gilt: hey, wir haben zwar keinen Papst, dafür aber in jeder Gemeinde 2 oder 5 oder 7 Päpste, die sich für unfehlbar halten. Die wichtig sein wollen, die nicht dienen, sondern richtig bedient werden wollen (wehe, man macht nicht alles richtig!). Und so fetzen wir uns um nebensächliche Themen, die mit den Dingen, die die verlorenen Menschen da draußen beschäftigen: NICHTS zu tun haben. Und oft genug sind das auch die Themen, die Christen stillschweigend mit sich herumtragen: wie kann meine Ehe besser gelingen, warum passiert so etwas wie mit den 5 Babies und wie kriege ich das selbst hin mit der Erziehung? Warum kämpfe ich so sehr mit sexuellen Versuchungen? Wie kann ich in meinem Beruf bestehen, ohne auszubrennen?

Wie viel reden wir dagegen über: Kleinigkeiten im Vergleich dazu. Manchmal können auch Kleinigkeiten wichtig sein (wie bauen wir Gemeinde, was sind die richtigen Modelle für die Zukunft etc…), aber sie sollen nur dem großen ganzen dienen und es darf eben kein Selbstläufer werden.

Die Lösung? Ein dienendes Herz, das die Probleme der Menschen (auch der Christen!) adressiert und vom Glauben her beleuchtet. Das anpackt und hilft bei den unterschwelligen Fragen, die manchmal quälen. Die Verweigerung, sich an den Kleinigkeiten aufzureiben. Der gemeinsame Wille, eine gemeinsame Vision vom Reich Gottes im Blick zu halten und nicht die kleinen Füchse hineinzulassen, die den Weinberg (Gemeinde) zerstören wollen. Radikale Ausrichtung auf die Liebe zu Gott, zum Nächsten und zum Salz- und Lichtsein in dieser Welt. Das wünsche ich mir, wenn ich über den kleinen Kopf von Merle streichele, die sich entspannt, während ich davon träume, dass wir (ja auch ich!) weniger Forderungen an andere haben und an Gemeinde und an Leitung und an was auch immer, sondern endlich kapieren: alle Christen sind Gemeinde und haben Verantwortung. Nehmen wir sie nicht wahr, sündigen wir. Werde wesentlich.

Gottes Stimme oder des Teufels Admiral?

24 Oktober, 2007 wegbegleiter 1 Kommentar

Wie höre ich Gottes Stimme? Mich hat gerade in der Vorbereitung auf ein Seminar die Erkenntnis getroffen, dass ich sie an ihrem Klang erkennen kann. Ja, genau, an ihrem Klang. Gott klingt nie genervt oder ungeduldig, er klingt auch nicht enttäuscht oder sorgenvoll. Klingt Gottes Stimme so in deinem Herzen? Dann ist Er es nicht, sondern der Gegenspieler oder eben deine eigenen inneren Stimmen, die dich verurteilen und runterziehen.

Gottes Stimme hat auch keinen militärischen Tonfall, sie bellt dich nicht an, brüllt nicht herum, droht dir nicht, macht dich nicht klein. Selbst wenn sie für dich unangenehme Wahrheiten aussprechen muss, wird sie dabei liebevoll und hilfreich sein und nicht zerstörerisch. Gott winkt dir gegenüber nicht mahnend mit dem Zeigefinger (wie in dem alten Mainzelmännchen-Spot, als Det mit der Sonne spielte und Gott sagt: Nanana!) – denn Gott sieht dich, wenn du an seinen Sohn glaubst, absolut liebevoll und wie einen reinen Heiligen an – nichts stört ihn an dir! Selbst mitten in der Sünde nicht. Nichts und niemals stört ihn etwas an dir, denn er sieht dich rein – durch Jesus Christus hindurch. Natürlich will er dich korrigieren und wachsen lassen – aber aus Liebe und nicht aus Genervtsein über all deine Fehler. Und wenn du versucht hast, ihm ähnlicher zu werden, eine Sünde los zu werden z.B., eine schlechte Angewohnheit vielleicht und du hast es wieder nicht geschafft – Gott straft dich nicht, sondern freut sich über deinen ernst gemeinten Versuch, wie ein Vater sich über die ersten Schritte eines Knirpses freut und nicht über das Hinfallen entsetzt ist – denn das gehört dazu. Glaube also nicht den verurteilenden Stimmen!

Ich spüre bei mir, wie oft ich ungefiltert etwas meine, als Gottes Stimme wahrzunehmen – und dabei sind es meine eigenen Stimmen in mir oder eben: des Teufels Admiral, der mich anbellt.  Wir brauchen eine Schutzinstanz, die unsere Stimmen wahrnimmt und bewusst einordnet, bevor sie ungefiltert das Herz erreichen und dort zerstörerisch wirken können. Die Transaktionsanalyse nennt diese Instanz Erwachsenen-ICH und das trifft es gut. Denn genau das heißt wohl ein Stück im Glauben erwachsen werden: Verantwortung übernehmen für die vielen Stimmen und sie einordnen und dann – plötzlich – kann ich die heilende und heilsame Stimme Gottes hören.

Kategorien:Seelsorge, geistliches Leben Schlagworte: , , , ,