Eine wirksame Strategie des Teufels

10 12 2007

Ich liege im Dämmerlicht im Bett, neben mir meine Frau Isa, zwischen uns Merle, die mal wieder ihre Alpträume hat und sich dann ängstlich aufschreiend in das T-Shirt von Isa verkrallt, als wolle sie sagen: bitte, geh nicht weg. Genau das musste sie auf Intensiv erleben, als sie langsam aufwachte aus dem künstlichen Koma und mit ihren Schmerzen vom Valium-Entzug fertig werden musste - nachts blieb sie damit allein und schrie - stundenlang, ohne dass dauernd die Nachtschwester trösten konnte. Bis endlich die Verlegung in ein normales Zimmer Mutter und Tochter wieder zusammen brachte. Ich schaue mit das an, streichele über den kleinen warmen Kopf und muss selbst ein wenig weinen. Wie zerbrechlich ist ein solches Kind, wie zart, wie bedürftig. Und langsam heilen auch die inneren Wunden und jede Menge Baby-Zufriedenheit und Lächeln macht sich breit…

Warum ich das erzähle? Weil parallel jede Woche zwei Kinder zu Tode gequält werden. 2 Babies dort, 5 dort - die Medien sind voll damit und dennoch erfassen sie nur die obersten Grausamkeiten. Kleinkinder, die verhungern, ein Baby, das mit über 100 Knochenbrüchen schließlich an den Schmerzen krepiert. Hilflose Politiker angesichts einer Bevölkerung, die orientierungslos vor sich hin dümpelt. Wo falsche Ideologien, fehlende Orientierung an einer höheren - auch moralischen - Instanz, also Gott, wo unglaubliche soziale Armut und Verwilderung sich breit machen. Wenn man selbst Vater ist und einen so kleinen Wurm in den Armen hält und gerade dann, wenn der kleine Wurm - so wie unsere Merle - auf ganz besondere Weise zu einem Gottesgeschenk geworden ist durch die schwere OP - dann kann man das alles nur mit großen Schmerzen sehen und hören. Es macht wütend, hilflos, traurig - aber nicht wütend auf diese Eltern, denn obwohl sie Täter sind und verantwortlich - sie sind oft alleingelassene Kreaturen, die das ausleben, was in uns allen steckt, wenn es nicht von Gott geheilt und vergeben wird. Ich begegne diesen Eltern mit Unverständnis und ich würde sie gerne schütteln, ich verstehe sie nicht und wünsche mir eine gerechte Strafe, viel mehr wünsche ich mir aber, dass die Gesellschaft und gerade wir Christen Verantwortung übernehmen.

Und hier schlägt die wirksame Strategie des Teufels zu: wir Christen sind so oft mit uns selbst beschäftigt und mit unsinnigen, kleinen Querelen in der Gemeinde und der Christenheit, die so viel Kraft und Freude kosten (und vor denen Paulus schon warnt). Und in Freikirchen gilt: hey, wir haben zwar keinen Papst, dafür aber in jeder Gemeinde 2 oder 5 oder 7 Päpste, die sich für unfehlbar halten. Die wichtig sein wollen, die nicht dienen, sondern richtig bedient werden wollen (wehe, man macht nicht alles richtig!). Und so fetzen wir uns um nebensächliche Themen, die mit den Dingen, die die verlorenen Menschen da draußen beschäftigen: NICHTS zu tun haben. Und oft genug sind das auch die Themen, die Christen stillschweigend mit sich herumtragen: wie kann meine Ehe besser gelingen, warum passiert so etwas wie mit den 5 Babies und wie kriege ich das selbst hin mit der Erziehung? Warum kämpfe ich so sehr mit sexuellen Versuchungen? Wie kann ich in meinem Beruf bestehen, ohne auszubrennen?

Wie viel reden wir dagegen über: Kleinigkeiten im Vergleich dazu. Manchmal können auch Kleinigkeiten wichtig sein (wie bauen wir Gemeinde, was sind die richtigen Modelle für die Zukunft etc…), aber sie sollen nur dem großen ganzen dienen und es darf eben kein Selbstläufer werden.

Die Lösung? Ein dienendes Herz, das die Probleme der Menschen (auch der Christen!) adressiert und vom Glauben her beleuchtet. Das anpackt und hilft bei den unterschwelligen Fragen, die manchmal quälen. Die Verweigerung, sich an den Kleinigkeiten aufzureiben. Der gemeinsame Wille, eine gemeinsame Vision vom Reich Gottes im Blick zu halten und nicht die kleinen Füchse hineinzulassen, die den Weinberg (Gemeinde) zerstören wollen. Radikale Ausrichtung auf die Liebe zu Gott, zum Nächsten und zum Salz- und Lichtsein in dieser Welt. Das wünsche ich mir, wenn ich über den kleinen Kopf von Merle streichele, die sich entspannt, während ich davon träume, dass wir (ja auch ich!) weniger Forderungen an andere haben und an Gemeinde und an Leitung und an was auch immer, sondern endlich kapieren: alle Christen sind Gemeinde und haben Verantwortung. Nehmen wir sie nicht wahr, sündigen wir. Werde wesentlich.





Gottes Stimme oder des Teufels Admiral?

24 10 2007

Wie höre ich Gottes Stimme? Mich hat gerade in der Vorbereitung auf ein Seminar die Erkenntnis getroffen, dass ich sie an ihrem Klang erkennen kann. Ja, genau, an ihrem Klang. Gott klingt nie genervt oder ungeduldig, er klingt auch nicht enttäuscht oder sorgenvoll. Klingt Gottes Stimme so in deinem Herzen? Dann ist Er es nicht, sondern der Gegenspieler oder eben deine eigenen inneren Stimmen, die dich verurteilen und runterziehen.

Gottes Stimme hat auch keinen militärischen Tonfall, sie bellt dich nicht an, brüllt nicht herum, droht dir nicht, macht dich nicht klein. Selbst wenn sie für dich unangenehme Wahrheiten aussprechen muss, wird sie dabei liebevoll und hilfreich sein und nicht zerstörerisch. Gott winkt dir gegenüber nicht mahnend mit dem Zeigefinger (wie in dem alten Mainzelmännchen-Spot, als Det mit der Sonne spielte und Gott sagt: Nanana!) - denn Gott sieht dich, wenn du an seinen Sohn glaubst, absolut liebevoll und wie einen reinen Heiligen an - nichts stört ihn an dir! Selbst mitten in der Sünde nicht. Nichts und niemals stört ihn etwas an dir, denn er sieht dich rein - durch Jesus Christus hindurch. Natürlich will er dich korrigieren und wachsen lassen - aber aus Liebe und nicht aus Genervtsein über all deine Fehler. Und wenn du versucht hast, ihm ähnlicher zu werden, eine Sünde los zu werden z.B., eine schlechte Angewohnheit vielleicht und du hast es wieder nicht geschafft - Gott straft dich nicht, sondern freut sich über deinen ernst gemeinten Versuch, wie ein Vater sich über die ersten Schritte eines Knirpses freut und nicht über das Hinfallen entsetzt ist - denn das gehört dazu. Glaube also nicht den verurteilenden Stimmen!

Ich spüre bei mir, wie oft ich ungefiltert etwas meine, als Gottes Stimme wahrzunehmen - und dabei sind es meine eigenen Stimmen in mir oder eben: des Teufels Admiral, der mich anbellt.  Wir brauchen eine Schutzinstanz, die unsere Stimmen wahrnimmt und bewusst einordnet, bevor sie ungefiltert das Herz erreichen und dort zerstörerisch wirken können. Die Transaktionsanalyse nennt diese Instanz Erwachsenen-ICH und das trifft es gut. Denn genau das heißt wohl ein Stück im Glauben erwachsen werden: Verantwortung übernehmen für die vielen Stimmen und sie einordnen und dann - plötzlich - kann ich die heilende und heilsame Stimme Gottes hören.