Lust und Frust an der Gemeinde – und ein passendes Zitat von Martin Bühlmann

Montagmorgen. Pastorensonntag, wie man so schön sagt. Manchmal aber auch ein tiefes Loch (das sich erst heute nachmittag bei IKEA richtig füllen wird). Denn da ist eine Sehnsucht in mir und ein Beten und Ringen um geistliche Leidenschaft in der Gemeinde. Was wäre möglich, wenn 20 oder 30 Leute zusammen kämen, die sagen: ja, wir wollen Reich Gottes bauen, radikal, um jeden Preis. Ja, wir stehen zusammen und gehen zusammen, auch wenn uns Details unterscheiden. Ja, wir schauen mehr auf Gott, als auf uns und unsere Bedürfnisse und Befindlichkeiten. Ja, wir wollen Menschen erreichen, die ohne Jesus gehen und wollen Leidenschaft leben und weitergeben.

Stattdessen: eine eigenartige, graue, suppige und schwer greifbare Trägheit. Nicht bei allen, das sei ferne, aber so als Grundstimmung. Was bremst uns als Gemeinden? Mir ein Rätsel. Ich suche immer noch und wahrscheinlich ist die Antwort vielschichtig und eben nicht monokausal. Martin Bühlmann, Leiter der Vineyard Gemeinde in Bern bringt einen Aspekt auf den Punkt in seinem Buch über die Gemeinde mit dem doofen Titel „we are family“, Zitat (S.91):

„der Blick ist nach innen gerichtet, nicht nach außen. Die persönliche Versorgung und Befriedigung eigener Bedürfnisse wird höher gewertet als das Anliegen, Gott fern stehende Menschen zu erreichen. (…) Wir existieren aber nicht für uns selbst, sondern für eine Welt, die die Botschaft von Jesus braucht. (…) Wir müssen neu lernen, dass die Ortsgemeinde kein Selbstbedienungsladen ist, in dem wir so lange unsere Bedürfnisse stillen können, wie es uns gefällt. Wir müssen lernen, dass Gemeinden keine Lebensabschnittspartner sind, sondern eine Familie, in der wir verbindlich leben und deren Dienst wir teilen.“

Füreinander einstehen, zusammen kämpfen. Bei einem Lebensabschnittspartner-Gemeindemitglied kämpft die Gemeinde eben nicht nur an einer Front (wie können wir Menschen erreichen und dem Teufel Schaden zufügen), sondern leider auch an einer zweiten Front: wie können wir so toll sein wie die andere Gemeinde in xy 10 Kilometer weiter, damit uns die Leute nicht abwandern. Nur genau so lässt sich Gemeinde nicht bauen. Ist in Eschweiler auch nur ein Randthema und doch: die Grundstimmung ist ja gesellschaftlich bedingt, die Gemeinde als Bedürfnisbefriediger ist common sense unter Christen. Aber biblisch?

Na, ich komme wieder aus meinem Loch und forsche und bete weiter: wie entsteht Leidenschaft. In mir zuerst und in meiner Gemeinde, die ich lieb habe und der ich dienen möchte.

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2 Antworten zu “Lust und Frust an der Gemeinde – und ein passendes Zitat von Martin Bühlmann

  1. blue mondays sind überwindbar. ich vermute, dass du weisst wie: augen auf jesus und von allem anderen wegschauen. nur das machen, was er dir sagt.
    es braucht zeit eine gemeinde zu verändern (und sich selbst). bis dahin kommt kein wort leer zurück, aber jedes wort ist same: beginnt klein, ist höchst störanfällig und braucht zeit zum wachsen.

  2. Amen dazu. Die eigene Prsönlichkeitsstruktur hat auch ne Menge damit zu tun – denke ich im Augenblick. Viele Pastoren und leidenschaftliche Arbeiter im Reich Gottes sind Perfektionisten und nachdenkliche Melancholiker. Und denen fällt es schwerer, von sich selbst wegzukommen, von eigener Leistung und von der eigenen Stimmung. Arbeite dran… aaaaahhh, schon wieder Leistung!

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