Wie das Gespräch unter Freunden Depressionen verstärkt

In christlichen Kreisen gilt es als erstrebenswert, gespeist von einem Lebensstil der Echtheit und Transparenz, auch in kleinen Gruppe miteinander über das zu reden, was einen beschäftigt. Das kann der best friend sein oder aber ein persönlicher Hauskreis. Diese Form des gegenseitigen Ermutigens und Hindurchtragens und -betens wird manchmal als kleine Seelsorge betrachtet und ich denke, diese ist auch biblisch gut verankert, in den Aufforderungen gerade des Paulus, einander zu ermahnen und ermutigen. Nun haben Forscher herausgefunden, dass unter Mädchen das gemeinsame „Wiederkäuen“ (Co-Rumination) Depressionen verstärkt und eine Spirale auslösen kann. Die verstärkte Depression oder Angststörung löst den noch stärkeren Wunsch nach Wiederkäuen aus, das wiederum… etcetc…

Bei Männern wurde das anscheinend nicht beobachtet und offensichtlich auch weniger bei erwachsenen Frauen. Das spricht für eine Deutung: Mädchen verlinken emotional solche Gespräche anders, sie erfüllen einen Selbstzweck. Und warum ist das bei Erwachsenen anders? Man kann nur mutmaßen – ich vermute aus meiner seelsorgerischen Praxis eins: ein Gespräch darf nicht beim Wiederkäuen stehen bleiben – irgendwann sind die Nährstoffe futsch. Seelsorge muss dagegen auch Wege aufzeigen, Entwicklungschancen, erste Schritte. Männer denken tendenziell ergebnisorientierter, vielleicht tritt deswegen das Problem bei ihnen weniger häufig auf. Aber die Beobachtung des fruchtlosen Kreisens um ein Problem im Gespräch habe ich auch schon bei älteren Frauen gemacht oder aber bei eher „weichen“ Männern – und ich neige manchmal auch dazu. Das Gespräch um seiner selbst willen hat also nur begrenzten Wert – Wege müssen aufgezeigt werden. Will das eine Person nicht, dann spricht das dafür, dass sie Wiederkäuen will, dass sie gefangen ist in der Spirale der Co-Rumination. Und da gälte es dann als Seelsorger, mutig zu intervenieren und auf eine Konkretion zu drängen.

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2 Antworten zu “Wie das Gespräch unter Freunden Depressionen verstärkt

  1. das kennt doch jeder von uns, dass man sich im gespräch nach unten schrauben kann. meiner ansicht nach eines der grössten probleme in gemeinden: man besprciht probleme bis sie immer grösser werden statt sie zu bebeten bis sie kleiner werden.

  2. Korrekt! Wichtig ist mir die Zwischenstufe, dass die Weisheit zum Zuge kommt und konkrete Auswege von Gott her aufzeigen kann, anstatt nur in der Problembeschreibung hängen zu bleiben. Und dann ist das Gebet dran (und zwischendurch). Meiner bisherigen Erfahrung nach gibt es nämlich auch Menschen, die sich selbst beweinen wollen, um dann mit einem Gebet ein Trostpflästerchen zu bekommen nach der Masche – dir geht es so schlimm, da kann man nur noch beten. Gebet kann in solchen Fällen Flucht sein. Gebet ohne persönliche Aktivität und den Willen zur Veränderung ist dagegen meines Erachtens kraftlos und damit auch wirkungslos. Also: besprechen und analysieren – Wege aufzeigen – beten… so mein Stand im Augenblick…

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