Phasen der Krankheit – Blockaden der Heilung – aber auch des Glaubens

Bei der (in manchen Fragen unsäglichen, aber hier sehr kompetenten) Sterbeforscherin Kuebler-Ross findet sich ein Phasenmodell, das die meisten Kranken nach ihrer Diagnose durchlaufen, natürlich nicht bei Schnupfen, sondern bei schwerwiegenden Dingen. Diese Phasen kommen morgen in meiner Predigt zum Thema Heilung vor, mir fällt aber zunehmend auf, dass diese Phasen auch sehr wertvoll sind, wenn wir Blockaden im Glauben analysieren wollen. Denn ob Krankheit, oder ein schwerer Weg, den uns Gott zumutet – letztlich scheinen mir die Reaktionsphasen sehr ähnlich zu sein. Spannend! Aber zuerst einmal die Phasen – ein Zitat aus meinem Predigtmanuskript:

Die erste Phase ist oft Verdrängung oder Verleugung. Das wird schon wieder, ist doch gar nicht so schlimm, ich bin das gar nicht, die meinen jemanden anders. Oder es kommen wohlmeinende Christen an und verkünden vorschnell und übergestülpt eine Heilung – das kann auch eine Verdrängung sein, sich der Krankheit zu stellen. Krankheit ist Aufgabe und körperliche Gesundheit kein biblisches Ideal, so sehr sie Fakt im Reich Gottes ist. Wir können nicht sagen: nur der Gesunde zählt etwas, dann sind wir blitzschnell beim Denken vom unwerten Leben.

Zweite Phase: Aggression und Auflehnung. Warum ich? Warum nicht jemand anders? Ich will nicht! Ich hasse das alles. Womit habe ich das verdient? Auch in dieser Phase kommt es selten zu einem echten und offenen Dialog mit Gott. Dennoch ist diese Phase wichtig für die Entwicklung einer reifen Haltung zur Krankheit.

Dritte Phase: das Verhandeln. Wenn ich gesund werde, widme ich mein Leben Gott, bin immer nett oder was auch immer. Der Kuhhandel. Aber an dieser Stelle kann – wenn es denn irgendwann mehr um Gott als um den Handel geht, wirklich eine neue Gottesbegegnung stattfinden.

Vierte Phase: wenn das ewige Hin und her zwischen Hoffen und Bangen nur noch weh tut und nervt, dann kommt die Resignation. Hat doch alles keinen Sinn mehr – ich werde mit dieser Krankheit leben müssen. Kapitulation. Ein gefährlicher Punkt, aber auch ein fruchtbarer, denn von ihm aus gibt es zwei Wege, einen guten und einen traurigen. Traurig ist die Annahme der Krankheit, die nichts mehr erwartet. Nach der Masche: selig sind die, die nichts erwarten, denn sie können nicht enttäuscht werden. Auf der anderen Seite aber die Annahme in Hingabe: ich akzeptiere die Krankheit an als einen Weg meines Lebens und verstärke nun meine Hingabe an Gott und mein Bitten um echte Veränderung und um ein Wunder. Nun aber nicht mehr als Flucht, sondern aus der Position eines Menschen, der den Weg aus Gottes Hand genommen hat.

Nur mal so gefragt: kann es sein, dass diese Phasen auch von vielen Christen durchlaufen worden sind und sie nun in der Annahmephase ohne Erwartung hängengeblieben sind? Nach der Masche: ich lebe mit Gott, ich nehme alles aus seinen Händen, aber ich erwarte nichts mehr, ich bin passiv und Opfer… andere dagegen bleiben lange hängen in der Phase: ich bin das gar nicht, das ist alles Einbildung, Glaub eist doch schön bunt und nett… oder die andere Phase: wenn ich mehr bete und Bibel lese, Gott, klappt dann alles wieder etwas leichter?

Ziemlich relevant diese Phasen! Und vielleicht durchläuft man sie auch gar nicht sequentiell, sondern springt zwischen ihnen hin und her… das Ziel aber bleibt Annahme des Weges Gottes in Hingabe.

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2 Antworten zu “Phasen der Krankheit – Blockaden der Heilung – aber auch des Glaubens

  1. interessante gedanken. ich beschäftige mich ja auch gelegentlich mal ein bisschen mit krankheit (eigentlich mit heilung). da finde ich solche dinge immer weiterbringend.
    danke

  2. nun kenn‘ ich die Bücher von Kübler-Ross fast 30 Jahren, aber das Wissen über die Sterbephasen mit den Phasen des Glaubens zu verbinden, finde ich echt klasse, da Sterben und Leben im Glauben sehr eng verbunden sind.

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