Koran im Kopf – eine bedrückend ehrliche Dokumentation

Vor zwei Tagen kam sie im WDR Fernsehen – und wer sie noch sehen kann, sollte das tun. Eine halbe Stunde lang ein sehr persönlicher Einblick in das Leben eines jungen, intelligenten Deutschen, der sich zunehmend zum Islam hingezogen fühlt und sich dabei ebenso zunehmend radikalisiert. Selten habe ich so ehrliche Aussagen gesehen: Hände abhacken, Leute steinigen – natürlich, das ist logisch in der Scharia, aber die gilt ja noch nicht in Deutschland. Mit der Betonung auf noch. Sehr beruhigend. Andere Spitzensätze: Denke nicht, sonst fängst du an zu zweifeln. Du sollst keine Freude haben unter den Juden und Christen. Du sollst sie hassen, denn Allah hasst sie, sie sind für ihn wie Schweine. Der junge Mann verbannt alles aus seinem Leben, das ihn hindert: keine Musik mehr, keine Freude mehr außerhalb der Moschee. Schließlich: natürlich sei es das Größte, für Allah zu sterben, er habe Verständnis für die Männer, die das tun, denn die hätten Angst, beim großen Endgericht nicht hineingelassen zu werden in das Paradies und ein Bombenanschlag sichere ihnen den direkten Zutritt.

Ein erschreckender Einblick in deutsche (hier: Kölner) Wirklichkeit. Spannend für mich aber natürlich der Vergleich mit ernsthaften Christen. Viele Sätze waren austauschbar: wir glauben an Gottes Wort, es ist ernst zu nehmen, man sollte danach leben etc…, bei manchen extrem biblizistischen Christen könnte man noch mehr Sätze austauschen: jede Aussage der Bibel ist wörtlich zu verstehen und nicht auszulegen, keine Freunde mehr unter Nichtchristen – ja, das gibt es auch in unseren Kreisen. Musik weltlicher Art vernichten – selten geworden, aber in den 80er Jahren durchaus nicht selten im Überschwang nach der Bekehrung. Die Sehnsucht nach dem christlichen Staat! Christliche Parteien wie PBC, Christliche Mitte.

Bei den letztgenannten Punkten kann ich nun nicht mehr mit – weil es dem Wesen der Bibel meines Erachtens widerspricht. Jesus hatte nicht nur fromme Freunde – überhaupt wird nichts Weltliches einfach so verdammt, wenn es mit Danksagung vor Gott genossen werden kann – und der christliche Staat ist kein Ziel Gottes. Das Reich Gottes arbeitet subversiv indirekt. Und so gibt es meines Erachtens Christen in der Politik – aber keine christliche Politik oder Parteien. Und die Exegese der Bibel ist notwendig – weil bereits das NT das AT exegesiert und teilweise relativiert. Zentrum der Bibel ist Christus, nicht der Buchstabe.

Und bei manchen Punkten teilten sich die Wege dann doch sehr deutlich auf. Im Islam müssen Gesetze befolgt werden, um Allah zu gefallen und selbst dann gibt es keine Gewissheit des Glaubens. Im christlichen Glauben gilt die Gnade über alles und wir werden auch durch Gnade gerettet und nicht durch Gehorsam. Der Islam gebietet es, Feinde des Islam (Ungläubige) zu hassen – Gott hat die Menschen geliebt, als sie noch Sünder waren und Petrus fordert uns auf, nach der Höchststufe der Liebe zu streben, der Liebe zu allen Menschen.

Meines Erachtens ist diese halbe Stunde ein Lehrstück für jeden Jugendkreis oder was auch immer Kreis. Denn gleichzeitig begeistert es einen unweigerlich, wie intensiv der junge Mann den Koran studiert – wenn man den Eifer für das Bibellesen in unseren Kreisen kennt und darüber traurig ist. Und die Moschee zeigt sich deutlich im Film als Treffpunkt in der Freizeit und eben nicht nur als Gotteshaus – auch das eine Anfrage an uns: können unsere Gemeinde nicht mehr Zentrum auch des alltäglichen Lebens sein. Orte des Feierns, Lachens, Redens, Ausruhens…? Aber dann bitte mit Frauen zusammen – denn die tauchten im Film nicht auf.

Zum Abschluss: hat jemand den Film gespeichert und kann ihn mir auf DVD brennen? Habe zwar einen Festplattenrecorder, aber der hat leider kein Laufwerk – und der Mitschnittservice des WDR ist schweineteuer.

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5 Antworten zu “Koran im Kopf – eine bedrückend ehrliche Dokumentation

  1. Hallo,

    die Reportage ist auf youtube zu sehen:

    (1. Teil, die anderen 3 sind von dort aus leicht zu finden)

    Schöne Weihnachtstage!

    Christian

  2. Hallo,

    erstmal vielen Dank für deinen Blog: er ist für mich ein lang gesuchter Ort für inspirierende und tiefgehende Auseinandersetzung mit geistlichen Fragen.
    Jetzt zum Beitrag: Die Frage, ob der christliche Glaubens nicht das Ziel christlicher Politik zur Folge hat, beschäftigt mich schon lange und stößt mir immer wieder auf. Gerade, weil zur Zeit in der Presse immer wieder Angst vor fundamentalistischer Einflussnahme geschürt wird. Im Beitrag steht jetzt „und der christliche Staat ist kein Ziel Gottes. Das Reich Gottes arbeitet subversiv indirekt.“ Kannst du dazu bitte nochmal ein paar Sätze verlieren?

    Vielen Dank und liebe Grüße, Dominik

  3. Hi Dominik – und Gruß an deine Frau! Ich denke in der Tat: es gibt christliche Politiker und die sollten ihre Überzeugungen auch direkt und massiv einbringen – aber keine christliche Parteien, christliche Staaten etc. Warum? Weil das nie das Ziel von Jesus war. Mal ganz pragmatisch angedacht: ein Staat wird immer ein Mischkörper aus ein paar Christen, ein paar Andersgläubigen und einem Haufen Indifferenter sein. Ein christlicher Staat würde jetzt Maßstäbe aufsetzen, die für alle gelten müssen und damit die Überzeugungen des Glaubens Anders- oder Nichtgläubigen überstülpen. Der christliche Glaube ist aber per se individual gedacht: sprich – jeder Einzelne soll frei und aus dem Ergriffensein von der Liebe und Gnade Jesu heraus seine Entscheidung treffen. Deswegen ist jede Form von Druck zum Glauben falsch und nicht evangeliumsgemäß. Nun magst du einwenden: es geht ja gar nicht um den Glauben, sondern nur um die Ethik, bzw. um heilsame christliche Gebote und die könnten auch für alle gelten. Guter Einwand. Aber es gibt nach dem Neuen Testament keine Gebote mehr ohne den Geber der Gebote. Es gibt keine Bergpredigt ohne den Prediger, Jesus Christus und hier ist einem Franz Alt zu widersprechen: die Bergpredigt ist nicht lebbar ohne Jesus! Deswegen kann ich sie für eine gemischte Gesellschaft aber eben nicht zum Maßstab erheben! Ich bin der Überzeugung, dass Politik vernünftige Regelungen für die Realitäten der Politik finden muss – z.B. in Fragen des Scheidungsrechtes, auch wenn wir Scheidung falsch finden. Solche Beispiel wird man zahlreiche finden können. Es gibt einfach keine Gebote mehr ohne Jesus und ohne Jesus kann man die Gebote in die Tonne kloppen, denn in ihm sind alle Gebote erfüllt! Wenn wir als Christen nun seinen Maßstäben folgen, dann antworten wir (hoffentlich) nicht auf Druck oder innere Antreiber, sondern auf die Liebe, die wir erfahren haben und deswegen ist das Joch eben nicht schwer, das uns Jesus auflädt. Einfach gesagt: wenn ich meine Frau liebe, gehe ich nicht fremd und empfinde das nicht als belastendes Gebot. Auweia, Bogen zurück. Deswegen denke ich: Gebote ohne den Geber sind sinnlos – den Geber aber kann und darf ich niemandem aufzwingen.
    Ein zweites: die Bergpredigt schildert das Reich Gottes, wo wie Gott es sich wünscht und es ist lohnenswert, dieses Reich in die Welt zu holen und beginnen es zu leben. Und dennoch leben wir in der eschatologischen Spannung zwischen dem jetzt schon und dem noch nicht. Sprich: wir haben irgendwie damit umzugehen, dass Menschen Sünder sind und auch (manchmal gerne) so leben. Schon deshalb ist eine christliche Politik ein seltsamer Gedanke. Wenig seltsam und hoffentlich vorhanden sind dagegen christliche Politiker, die sich einbringen und aus dem Glauben heraus Realpolitik gestalten und dabei eine schöne und kräftige Vision haben! Reich Gottes zu bauen!
    Und für allgemein gilt: Jesus war durchaus nicht apolitisch! Aber seine Hinterfragung der Verhältnisse kam eben nicht einem neuen Gottesstaat gleich, auch nicht einem Aufruf zur Revolution, sondern einer subtilen Unterwanderung des falschen Systems durch Taten der Liebe und der Weisheit. Eine stille und sanfte, aber dennoch kraftvolle Revolution der Herzen – und genau so hat sich das Christentum auch in den ersten Jahrhunderten ausgebreitet, bevor es Machtmittel wurde. Puuuh – durchatmen. Freue mich auf dein feedback und ebenso darüber, dass ich dir und euch ein paar gute Gedanken weiter geben kann…

    Liebe Grüße und Segen!

    Christof

  4. Hallo Christof,

    1000 Dank für deine ausführliche Antwort. Ich hab´sie soeben gesehen und werde mich damit noch auseinandersetzen. Vorab nur die kurze Reaktion, dass ich deine Antwort gesehen habe und Feedback noch kommt.

    LG, Dominik

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