Grenzen erleben ohne zu zerbrechen

Wenn wir in unserem Leben (vielleicht schmerzhaft) auf Grenzen stoßen, dann haben wir drei Möglichkeiten der Reaktion:
(1) Rückzug (defensiv, depressiv, bitter),
(2) Aggression (Jähzorn, Flucht nach vorne, Brechen-wollen der Grenzen, oft bei kleinen Kindern oder unreifen Menschen) oder
(3) Integration (Annahme und Akzeptanz der Grenzen)

Es ist logisch, welcher Weg sinnvoll ist und unter diesem Denken macht der Spruch Jesu sehr viel Sinn, nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten (Aggression), sondern die andere Wange hinzuhalten (Integration). Indem ich wie ein asiatischer Kämpfer nicht wild zurückschlage, sondern ausweiche und damit riskiere erneut getroffen zu werden, nehme ich der Grenze ihre Wirk- und Zerstörungskraft und schütze mich gleichzeitig selbst, denn jeder Rückschlag hat ja einen Rückstoß…

Ist das nicht zu passiv? Nein – die Wirklichkeit wird angenommen und nur die Wirklichkeit (und nicht irgendein Ideal von Wirklichkeit) kann verändert und weiter entwickelt werden. So ist das eben jetzt – kann man sagen – aber so muss es ja nicht bleiben. Dieser Weg führt in ein gelassenes Wachstum jenseits von Depression und Aggression, die immer selbstzerstörerisch wirken. Räche dich nicht selbst – mein ist die Rache, spricht der Herr. Bei ihm ist die Wirklichkeit gut aufgehoben. Ich brauche sie nicht selbst zu bekämpfen, ich brauche mich auch nicht enttäuscht und traurig zurückzuziehen, sondern kann sie getrost annehmen und abgeben.

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5 Antworten zu “Grenzen erleben ohne zu zerbrechen

  1. da ist noch der vierte weg: die grenzen sprengen / erweitern.

    Doch Jabez rief zum Gott Israels und sprach: Möchtest du mich segnen und mein Gebiet erweitern. (1.chronik 4,10)

    das ist der beste umgang damit. natürlich kann es auch grenzen geben, die man akzeptieren muss, aber damit wäre ich immer vorsichtig. die meisten akzeptieren grenzen die viel kleiner sind als ihr gebiet es eigentlich sein sollte.

  2. Aaalso – das tolle Gebet des Jabez – sorry, aber das finde ich ziemlich daneben, damit kann ich sehr wenig anfangen. Aus einer Randbemerkung des AT ein ganzes Gebäude aufzubauen…

    Wie gesagt: Gott kann meine Grenzen erweitern – aber nicht ich! Veränderbar ist immer nur die Wirklichkeit. Und um diese zu verändern, darf ich sie eben nicht ablehnen, denn in diesem Moment lehne ich mich als Mensch in der Wirklichkeit mit ab. Gott will aber mit dem arbeiten, was ich bin und nicht mit dem, was ich meiner Meinung nach sein sollte. Ich muss diese Wirklichkeit annehmen und sie Gott geben und schauen, was er damit machen will. Vielleicht beseitigt er Grenzen, vielleicht lässt er sie stehen – aber das ist seine Sache. Das biblische „Harren“ ist da für mich ein Stichwort: aktiv, betend darauf Warten, dass der Herr Wege offenbart. Aber besteht das Ziel des Christen darin, Gebiete zu erweitern? Nein, sondern in der Liebe zu wachsen und Salz und Licht zu sein. Dietrich Bonhoeffer hat sein Gebiet nicht erweitert (er war in einer absoluten Minderheitenposition und letztlich im Gefängnis), aber er hat dennoch unendlich viel für das Reich Gottes getan…

  3. äh, ich bin ja nicht wilkinson (oder wie der hiess). ich baue keine grosse theologie auf einer randbemerkung des AT auf.

    aber ich erlebe immer wieder, dass eine grenze keine ist wenn leute mit dem herrn unterwegs sind. ängste setzen grenzen und seelsorger sagen, dass wir die akzeptieren sollen – dann kommt jesus und nimmt die grenzen weg. legasthenie sorgt dafür, dass jemand im berufsleben nicht weiterkommt, dann kommt der herr und heilt sie. dazu fallen mir viele beispiele ein. ich rate nur sehr wenigen menschen ihre grenzen zu akzeptieren.
    mit meinem gott kann ich über mauern springen und wälle zerschlagen. (psalm 18,30) – noch eine biblische randbemerkung zum thema grenzen.

    ich meine, die halbe bibel handelt davon, dass jemand eben nicht seine natürlichen grenzen akzeptiert hat sondern im glauben darüber hinausgewachsen ist. was wäre alles (nicht) geschehen wenn abram sarais unfruchtbarkeit akzeptiert hätte, oder mose seine lahme zunge?

    also ganz klar: ein ziel der christen ist es über sich hinauszuwachsen und grenzen zu sprengen – unbedingt. das verstärkt doch eher die salz- und lichtkraft.

  4. Okok, da stimme ich dir zu! Vielleicht sollten wir erst mal klären, was für Grenzen wir meinen. Dass Gott nicht durch unsere Grenzen beschränkt ist, ist vollkommen klar. Er gebraucht uns so, wie wir sind. Deswegen bringt es nix, wenn ein junger Mann mit IQ 100 sich wünscht, einen IQ von 150 zu haben und Top-Wissenschaftler zu werden. Diese Vision macht ihn kaputt – aber in der Tat: Gott will diesen Mann vollmächtig gebrauchen und weiter führen, als ein Top-Wissenschaftler vielleicht gekommen wäre, nur eben in einem anderen Bereich. Manchmal muss man auch akzeptieren, dass Menschen einen nicht mögen oder vielleicht sogar verachten. Da bringt es nix, wenn ich daran kaputt gehe oder aggressiv auf die Leutchen werde, ich soll Frieden halten mit den Menschen, so es an mir ist, wie Paulus sagt. Sprich: wenn die nicht wollen, habe ich das zu akzeptieren. Natürlich bete ich aber weiterhin für Versöhnung und hoffe auf ein Wunder… Beispiel aus meinem Leben: mein Vater ist mittlerweile dement. Ich werde gesprächsmäßig kein Niveau mehr mit ihm finden, auf dem Nähe und Reflektion des Gewesenen noch möglich ist, mich hat das erst traurig gemacht, dann aggressiv und nun lerne ich das mühsam, ihn barmherzig zu akzeptieren. Gott hat vielleicht noch unerkannte Wege, ihn zu erreichen und ihn in sein Reich zu holen, aber ich…?
    Verstehst? Aber ich bin noch nicht fertig mit einer sinnvollen Unterteilung von Grenzen… vielleicht bist du da weiter.

  5. klar, ich verstehe was du meinst. ich habe mir auch noch nie gedanken um sinnvolle unterteilung gemacht, aber es dauert immer recht lange, bis ich was als grenze akzeptieren kann. allerdings kann ich mit schlechten umständen meist ganz gut zurecht kommen. und dennoch weiter kämpfen bis sich eine grenze wieder verschoben hat.

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