Drehen um den eigenen Bauchnabel

Lese gerade Donald Millers „Blue like Jazz“ zu Ende. Viele Perlen, manchmal Leerlauf, aber hat sich trotzdem gelohnt, weil unverkrampft, originell und manchmal provokativ. Gerade auf dem Klo (dort liegt immer ein Stapel Theologie) vor dem Schlafengehen den schönen Satz gelesen (sinngemäß zusammengefasst):

„Eine der schwersten Lektionen meines Lebens habe ich in Graceland (einer WG) gelernt: Im Film meines Lebens geht es nicht um mich, obwohl ich in jeder Szene die Hauptrolle spiele“.

Das macht Gemeinschaft. Das machen bei mir die Kinder, deren Vater ich nun seit drei Jahren sein darf. Das kann eine WG auslösen, in der ich weniger Privatsphäre habe als gewohnt, das löst auch eine Gemeinde aus, in der ich integriert und authentisch lebe. Offen gesprochen: ich bin manchmal ein ziemlich egoistischer Arsch Typ. Der alte Adam in mir findet sich immer wieder ganz klasse und will im Mittelpunkt stehen. Ist weniger geworden, zuckt aber noch ab und an kräftig. Gemeinschaft korrigiert das. Eine vereinzelte, individualistische Gesellschaft hat deswegen zwangsläufig nur eine Richtung: zu noch mehr Egoismus. Aber es gibt auch eine (manchmal romantische) Sehnsucht nach Gemeinschaft. Aber wehe, sie hinterfragt mich, sie knabbert an meinem Selbstbild, sie ist, tja, nicht so wie ich… dann kann man sich eigentlich nur ehr-erhaltend unter theologischem, pragmatischem, ideologischem Deckmäntelchen wieder zurückziehen und weiter vereinzeln und leider auch noch ich-bezogener werden. Eine ungute Spirale nach unten.

Aber es gibt auch das Gegenteil und das ist ein gutes Stück Reich Gottes, das ich im Augenblick in unserer Gemeinde erlebe: zusammen sein, sich öffnen, manchmal schmerzhaft echt werden und erleben: Gott liebt mich trotzdem, er liebt mich direkt und er liebt mich durch meine Geschwister hindurch. Wer das einmal gewagt und erlebt hat, der will nicht mehr anders. Denn es ist ein Vorgeschmack auf die Ewigkeit. Habe Mut, dich der Gemeinschaft zu stellen, zu öffnen, mitten in sie hineinzugehen und sie auszuhalten, wenn es unangenehm wird, sei es in der Ehe/Familie, in der Gemeinde, in der WG… Reich Gottes ist kein Einzelkampf.

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