Alles ist erleuchtet…

Alles ist erleuchtet ist nicht nur ein abgedrehter und lesenswerter Roman von Jonathan Safran Foer (wer nennt sein Kind nach einem Gewürz?), sondern auch – mit etwas anderer Wortwahl – christliche Grundwahrheit. Dementsprechend nennt Rob Bell sein Programm ja auch „everything is spiritual“ – alles ist geistlich (auf DVD erschienen und eine Anschaffung wert, wenn man des Englischen mächtig ist – danke für den Tipp, Peter!).
Sicherlich nicht im pantheistischen Sinne, als wenn alles von Gottes Geist durchtränkt sei – dann wäre es ein angemessener Gottesdienst, Bäume zu umarmen. Aber in dem Sinne, dass kein Bereich dieser Welt einfach so nicht geistlich ist! Gott ist überall, er will überall Reich Gottes bauen, er wirkt überall, spricht überall. Wer ihn auf Gottesdienste und Stille Zeiten beschränkt, der entwertet diese nicht nur (denn sie haben eine eigene Bedeutung, die noch über das hinaus geht), sondern verpasst außerhalb dieser Momente Gottes Reden und Wirken.
The best time for planning a book is while you’re doing the dishes. – so sagt es Agatha Christie. Und mit Bruder Lorenz und seinem mittelalterlichen Klassiker von der Gegenwart Gottes auch beim simplen Kochen kann man schließen: Gott produziert überall um dich herum Wellen – kannst du sie reiten? Dann musst du sie erst entdecken. Dazu muss man aber mit ihnen überhaupt erst einmal rechnen! Und das verlangt wahrscheinlich eine echte Verwandlung unseres Denkens, das gerne zwischen geistlich und Sonstiges trennt. Eins der größten Hindernisse zu einer ganzheitlichen und wie selbstverständlich ins Leben integrierten Gotteserfahrung ist genau dieser unselige Dualismus. Alles ist geistlich.

6 Kommentare

  1. Ich denke, dass die meisten kirchl. Gemeinschaften genau an einem anderen Dualismus scheitern, der vllt. seine Wurzel im Nichtverstehen der Incarnation und des Gehorsam hat. Im frommen Ghetto ist es einfach fromm zu sein. Man hat dort oft seine eigene Sprache (man denke nur an diese merkwürdige Formulierung:Wiedergeborener Christ- es gibt keine anderen Christen, warum also solch ein Wort?) und eigene Umgangsformen kultiviert, sogar das anderes als die anderen sein im Alltäglichem mutiert oft vom Zeugnis zum Schutzwall gegen die anderen. Grade bei Freikirchlern scheint, wir hier und die anderen irgendwo da, ein häufiges Phänomen und grenzt auch, was ich erschreckend finde, andere Konfessionen aus. Incarnation meint, Gott ist wirklich Mensch geworden, er hat Teil an unserer Geschichte und unserem Leben. Und er taucht auch ungefragt am Arbeitsplatz auf. Es ist weniger das Denken, was Situationen ändert, sondern das Handeln. Auch wen Gehorsam ein mit vielen negativen Punkten besetzter Begriff ist, so denke ich, dass viel Heil im Gehorsam zu finden ist, denn menschliches Denken greift oft zu kurz. Einfach mal das tun, was das Wort sagt, auch wenns einem gegen den Strich geht.

  2. Jo, stimme dir absolut zu. Auch wenn ich unsere Freikirche zumindest nicht so negativ erlebe… aber in der Tat ist manche Denke und vor allem Spreche ausgrenzend und durch die teilweise Unverständlichkeit bereits Zeichen einer Subkultur. Gott will aber in der Kultur und durch die Kultur wirken.

  3. Aber grade bei den Freikirchlern finde ich es schade. Weil ja grade dort so viel Wert auf die Mission gelegt wird. Dass eine Messe für Zufallsbesucher unverständlich bleibt, versteht sich von selbst. Ob jetzt nach NO oder TLM gefeiert wird, ist da ziemlich egal, wer vorher nicht einen Blick in „Katholizismus für Dummis“ (gibt es wirklich) geworfen hat, wird nicht wirklich mitbekommen worum es geht. Wenn ich mir jedoch den ein oder anderen Freikirchler in meiner Umgebung angucke, bekomme ich das Gefühl ich sollte mal einen Kurs „Evangelikal als Fremdsprache“ machen, weil – ganz ehrlich- Deutsch ist das nicht mehr.

  4. Nur mal um son bisschen klug zu scheißen. Safran heißt, so steht es in meinem Kochbuch, rotmachend oder sei rot auf Farsi. Was in der Tat ein merkwürdiger Name ist- für ein Kind, für die Pflanze zutreffend.U.U. ist angsprochener Autor jedoch Safran genannt worden, weil man im Altertum Brautleuten Safran aufs Bett streute, damit die Hochzeitsnacht möglichst amüsand wurde… was sich als Sprichwort verselbständigte und man über besonders ausgelassene Leute sagte, dass sie in einem Bett aus Safran geschlafen. So ähnlich wie man heute jemanden fragt, ob er in der Kabadose übernachtet hat, wenn er derbe Sprüche klopft. Also ist anzunehmen, dass die Eltern ihrem Kind mit diesem Namen unbeschwerte Heiterkeit wünschten. Was ja mal echt nett ist.

  5. Gut klug-geschissen! Wieder was gelernt – der Spruch mit der Kabadose ist aber auch lustig, den kannte ich gar nicht, woher kommt das denn? Grüße an dich Bee!!

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