Erdogan, die Türken, die Deutschen und die Christen

Darf man das mal sagen: der türkische Ministerpräsident Erdogan geht mir auf den Keks. Da brennt ein maroder Altbau nieder und Menschen sterben, Türken. Schlimm. Aber kein Hinweis auf Brandstiftung bis jetzt. Reflexartig tauchen türkische Politiker und Polizei auf, die die Ermittlung begleiten wollen. Erdogan spricht (FAZ heute) von der Möglichkeit eines Neuanfangs zwischen Deutschen und Türken. Ääääh – habe ich da was verpasst? Oder wird da nur der Anlass gesucht, um nach der Roland Koch-Kampagne nun kräftig ins Gegenteil zu verfallen, nämlich in eine blinde Akzeptanz türkischen Fehlverhaltens? Sind ja alles nur arme Opfer…. armer schwarzer Kater.

Nur mal so angemerkt. Ich kenne kaum einen Jugendlichen in meinem Umfeld, der nicht von Übergriffen türkischer Jugendlicher berichten kann – Koch hat einen unsäglich blöden Wahlkampf geführt, die Problematik aber existiert und ist nicht politisch genehm und wird deswegen gedeckelt. Außerdem: vielleicht wäre ja die Ermordung von deutschen Christen und Missionaren in der Türkei auch mal ein Anlass für einen Neuanfang gewesen – darauf wird aber natürlich nicht bestanden. Stattdessen kann man nun nachlesen, dass die Anklageschrift der türkischen Staatsanwaltschaft gegen die Mörder der christlichen Missionare ein Vielfaches an Seiten über das „unerlaubtes“ Tun der Missionare enthält als über die Tat der Mörder und deren hochrangige Hintermänner. Außerdem werden ganz zufällig und sonst unüblich die Kontaktpersonen der Missionare namentlich und mit Adresse aufgeführt – einsehbar für jeden Prozessinteressierten. Na, da kann man doch gleich gelbe Sterne an die Christen kleben und ihnen ein Schild umhängen: tötet mich, ich bin nur ein Christ und meine lieben deutschen Mitbürger und Politiker interessiert das einen Scheissdreck, ob ich sterbe.

Und nun tobt Erdogan, der selbst genug Dreck am Stecken hat und immer noch fleissig den Genozid der Türken an den Armeniern leugnet mit betroffener Miene durch Ludwigshafen und spricht ohne jeden konkreten Hinweis auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund von Neuanfang zwischen Türken und Deutschen. Das ist sicherlich muslimische Logik und Strategie – toll finden muss man das nicht. Es verachtet und instrumentalisiert die Opfer der Katastrophe und zeigt nur ein: es wird mit zweierlei Maß gemessen. Das deutsche Muster: Auf jüdische Opfer und Antisemitismus wird (Gott sei dank) reagiert, auf muslimische Opfer soll mehr reagiert werden und Christen sind scheissegal. In Schweden werden bereits Pastoren verhaftet, die in Predigten andeuten, dass Homosexualität nicht in Gottes Sinne sei – und wo landen wir bald? Ist das die vielbeschworene Toleranz? Die nicht mehr hinterfragen darf, ohne in Verdacht zu geraten? Erdogan – ich kann gar nicht so viele Kekse kaufen, wie du auf selbige bei mir gehen kannst.

Advertisements

11 Antworten zu “Erdogan, die Türken, die Deutschen und die Christen

  1. wow, das ist mal ein scharfer blogbeitrag in der sonst so entspannten christlichen blogcommunity. du hast schon recht, könnte mich auch keksen.

  2. ich hoffe euch ist allen klar, dass dieser Beitrag gespeichert wird und auch alle, die ihn anklicken.
    (ganz zu schweigen von denen, die auch der Meinung des Autors sind…)

  3. Das ist aber nun doch sehr seltsam und nur auf den übermäßigen Genuss von Guinness zurückzuführen, oder? Da hat man als Christ das Gesetz hinter sich gelassen und fordert dessen teilweise Einführung in das Zivilrecht. Neben der Kappe das.

  4. Wir sind es selber schuld. Wir ziehen viel zu schnell den Schwanz ein, wenn es darum geht, sich bei Chefs und Kollegen unbeliebt zu machen. Wenn daran denke, dass meine ehemaligen türkischen Kollegen einen Aufstand im Betrieb veranstalten konnten, weil sie am Zuckerfest frei haben wollten und sie pünktlich zum Ramadan darüber jeden informierten, dass Kekse in der Teeküche und Kollegen, die ihr Butterbrot am Arbeitsplatz reinschieben eine Zumutung für sie sind, sehe ich wie es geht. Meine Gruppenleitung sah mich vor drei Jahren entgeistert an, weil ich ihr sagte, dass ich ganz sicher nicht an Fronleichnahm arbeiten werde- immerhin ein gesetzlicher Feiertag in NRW. Halbe Stunde später wagten sich dann auch Tatjana und Bernd in den Chefglaskasten, um zu erklären, dass sie bestimmt nicht an diesem Tag arbeiten würden. Auf der Teamsitzung dürften wir dann einzeln Stellung nehmen, warum wir das Dreimonatsziel durch unser Fernbleiben gefährden wollen. Erdal meinte nach der Sitzung, geht zum Betriebsrat, die hat ja wohl den Arsch offen. Wir sind nicht gegangen… Warum eigentlich nicht?

  5. Pingback: Dieses Blog wird “geblockt” - sprich zensiert: in der Türkei! « Wegbegleiter - Fährtensucher - Wellenreiter·

  6. Das ist ein schwieriges Thema. Ich bin für Toleranz. Und zwar von allen Seiten. Ich finde, dass wir auf andere Religionen Rücksicht nehmen sollten. Warum sollten muslimische Kollegen am Zuckerfest nicht freihaben? Nur das mit dem Aufstand wegen dem Voressen geht gar nicht. Da muss man eine andere Lösung finden.
    Es gibt aber eine Sache, die ich nicht tolerieren kann – Homophobie. Sicher, es gibt Stellen in der Bibel, die homophob lesbar sind, aber die muss man im Kontext der Zeit lesen. Ich habe dazu mal einen interessanten Link gefunden: http://evangelischesfrankfurt.de/2013/12/liebe-homosexualitat-und-die-bibel/
    (Natürlich muss man sich fragen, ob Verhaftungen da richtig sind. Aber den Grund kann ich nachvollziehen.)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s