Jesus – der erste (und wahre) Vertreter der Globalisierung?!

Zur Herstellung von 100 Liter Biotreibstoff wird soviel Getreide benötigt, dass ein Mensch davon ein Jahr leben könnte. Wegen unserer Öko-Fantasien sterben mittlerweile Menschen massenhaft, weil in den Ländern der 2/3-Welt Lebensmittel zu teurerem Sprit verbraten werden, anstatt Menschen leben zu lassen. Nunja, Herr Gabriel leidet ja (augenscheinlich) keinen Hunger… und Hauptsache unser Gewissen ist rein und die Umwelt kann um 0.05% mehr aufatmen. Sollen doch Tausende sterben. Sind ja nur 1 Milliarde Menschen, die gerade ein Hungerproblem haben…

All das sind natürlich negative Auswirkungen einer Globalisierung, die es mit einer Leichtigkeit wie nie ermöglicht, aus reinem Profitstreben Dinge in 20000 Kilometer Entfernung billig produzieren zu lassen – und damit den lokalen Markt dort leer zu saugen. Angefangen hat das natürlich schon in der Kolonialzeit, als zugunsten von Kaffee, Kakao, Tee etc… heimische Produkte in Südamerika und Afrika verdrängt wurden und weite Teile der Bevölkerung in den Hunger bzw. die wirtschaftliche Abhängigkeit von den Kolonialherren gestoßen wurden. Heute aber schockiert die Unmittelbarkeit, die Rasanz, mit der die Heuschrecken weiterziehen und überall auf lokale Heuschrecken treffen, die gerne das kurzfristige Angebot annehmen, bis alles leer gesogen ist und die Karawane zum nächsten Billiglohnland weiter zieht…

Globalisierung ist nicht vermeidbar. Wir erleben sie. Wir können sie nicht stoppen. Sie ist Fakt. Das Problem ist auch nicht die Globalisierung – das Problem ist die fehlende Kontrolle, das freie Spiel der Kräfte. Haben wir Christen dazu nichts zu sagen? Immerhin: Jesus hat als Erster den Blick geweitet auf die ganze Welt (weg von der Auserwählung eines kleinen Volkes). Er hat die Verantwortung für die ganze Welt gepredigt. Jesus hat seinen Jüngern einen Horizont aufgestoßen, wie er nie zuvor so weit war. Aber er hat eben gleichzeitig diesen globalisierten Horizont unter seine Lehre gestellt, seine Ethik, die sich aus der Nachfolge ergibt. Was hieße das praktisch für eine Ethik der Globalisierung nach Jesus Vorbild? Ich will keine christliche Globalisierung postulieren – die gibt es genauso wenig wie eine christliche Politik. Oder christliche Musik. Aber das freie Spiel der Kräfte, das letztlich den Starken bestimmen lässt, weil dieser die längsten Hebel hat – das kann es auch nicht sein…

Der Globalisierung entgegen steht der Rückzug ins Private. Vor der Komplexität der Weite kapitulieren immer mehr Menschen und ziehen sich zurück ins Kleine. Heraus kommt so was wie Biosprit. Politiker produzieren Gutmenschentum und schaffen es nicht, die Folgen global zu bedenken. Weil eben nur Deutschland im Blick ist. Auf kleiner Ebene: wozu gesellschaftliches Engagement, man kann doch als winziges Rädchen im weltweiten Gefüge eh nicht viel ändern. Gut, dass unser Herr das anders gesehen hat: er hat globalisiert und weltweit gedacht – und dabei lokal gehandelt. Tun wir es ihm nach – Jesus ist auch Herr der Globalisierung!

P.S. zum Thema Hunger findet sich auch noch ein lesenswerter Beitrag von Bento Bernd

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3 Antworten zu “Jesus – der erste (und wahre) Vertreter der Globalisierung?!

  1. Guter Beitrag Christof und Danke für den Link.
    Interessant wie Du das Thema beleuchtest!

    „Politiker produzieren Gutmenschentum und schaffen es nicht, die Folgen global zu bedenken.“
    das ist genau der Punkt – wissen tut es jeder, nur gehandelt wird nach der Maxime „das Hemd ist näher als die Hose“ – das kann nicht lange gut gehen und WIR sollten schon HEUTE damit aufhören…

  2. Interessante Perspektive, vielen Dank! Nur: Warum sollte es keine „christliche Globalisierung“ geben können? Wenn „Christentum“ dabei nicht als zwangsmissionarische Gängelung der Welt durch des Westen verstanden wird, sondern als das, was Kern des Christlichen ist, nämlich Nachfolge Christi (wie Sie selbst andeuten), dann kann es doch durchaus darum gehen, der neoliberalen Globalisierung eine christliche entgegenzusetzen.

    Mit ökumenischen Grüßen,
    Ihr
    Josef Bordat

  3. Gruß zurück und willkommen auf meinem Blog, lieber Josef Bordat! Ist natürlich eine Frage der Füllung des Begriffs „christliche Globalisierung“. Da sind wir uns sicherlich einig.
    Ich bin grundsätzlich vorsichtig mit solchen Schlagworten wie „christliche Politik“, „christliche Musik“ – denn was bedeutet das? Meines Erachtens geht es immer mehr um Christen, die Politik machen, die Musik machen… warum der Unterschied? Weil es z.B. „die“ christliche Politik meines Erachtens nicht gibt. Die Bibel gibt uns eine Ethik an die Hand, aber ist sie geeignet, einen Staat zu führen, der ja immer in corpus mixtum ist? Die Ethik wird durch Christen eingebracht – aber bei einer Realpolitik müssen auch handfeste Kompromisse gemacht werden, die hier und da auch sogar dem Wesen des Neue Testament widersprechen können – wie z.B im Eherecht…. So gibt es gute Politik oder schlechte Politik – aber eben keine christliche. Was aber gut und schlecht ist, das ist wahrlich ein diffiziler Prozess der Bewertung, der sich sicherlich nicht vom Stammtisch aus klären lässt…

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