Leidenschaftlicher Glaube – leidenschaftliche Gemeinde

Ich sondere heute mal keine Weisheiten ab. Sondern Fragen. Fragen, die mich bedrängen. Fragmente, deswegen verzeih den vielleicht etwas konfusen Stil (außerdem ist es mitten in der Nacht und die Frage hält mich seit vielen Tagen wach und macht mich zunehmend traurig und ratlos und leer). Wie entsteht in einer Gemeinde eigentlich Leidenschaft? Ok, das könnte man nun reduzieren auf die Frage: wie entsteht eigentlich leidenschaftlicher Glaube. Da würde ich antworten – so aus der lamäng, wie der Rheinländer sagt – durch Gottes Geist und das Hören auf ihn und das Erfülltsein mit ihm. Durch Zeit mit Gott – in seinem Wort, im Gebet. Durch radikal offene Gemeinschaft. Aber ist das alles ein Garant für Leidenschaft? In meinem Leben nicht. Vielleicht bin ich aber auch zu schwach dafür, habe meinen geistlichen Zugang nicht voll erwischt, oder was auch immer… ich habe eine Leidenschaft für Gemeinde, für Jesus, für die frohe Botschaft – aber ich bin nicht immer leidenschaftlich.

Nun erwarte ich eigentlich keinen permanenten spirituellen Rausch – das wäre eher pathologisch und der Glaube verkäme zur Droge oder zur Magie. Eins von beidem. Aber kann man die Leidenschaft des Glaubens so einfach hochrechnen auf Gemeinde? Auf diesen gemischten Gemeindekörper, in dem bei uns im Augenblick so viel an so vielen kleinen Stellen passiert – aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, irgendetwas steht mächtig gleichzeitig auf dem Gas – und auf dem Bremspedal? Da quietschen die Reifen, es lärmt gewaltig und der Gummibelag entwickelt mächtig Rauch – aber so richtig voran geht es nicht… man schätzt die Gemeinschaft, man schätzt die Angebote der Gemeinde, man schätzt die hochwertigen Gottesdienste (auch wenn man durchaus hier und da keinen Stress damit hat, einfach mal weg zu bleiben), die Gemeinde wächst nett vor sich hin und trotzdem kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass ein Motto dran wäre: reduce to the max – reduziere auf das Maximum. Vielleicht ist weniger mehr?

Wie entsteht eine gemeinsame Leidenschaft für Reich Gottes, für die Verlorenen, die haltlos, wenn auch manchmal erfolgreich durch das Leben taumeln? Stattdessen hetzen manche ohne eine echte Reich-Gottes-Vision durch den Alltag – gefangen und gefressen von den schnöden, aber bedrängenden Alltagsproblemen. Ehe, Geld, Besitz, Kindererziehung… die Liste ist lang und ich finde mich da ja hier und da genauso wieder… Aber Gottes Handeln in diesen Bereichen erwarten? Mhm. Die Hoffnung ist da, aber die Realität?

Nun brauchen Veränderungen Zeit – das weiss ich von mir selbst. Aber ich erwarte einfach mehr. Gott erwartet mehr – denn wir sind ja Kämpfer an seiner Seite für ein neues Reich! Und in den Sendschreiben der Offenbarung lesen wir mehr als einmal: wenn nicht…. dann nehme ich euch den Leuchter weg. Die Zeit ist also keine Schleuderware – und ich möchte Jesu Auftrag gerecht werden. Gelassen, aber direkt und zielstrebig. Schaffe ich selbst längst nicht immer, aber ich träume von einer leidenschaftlichen Gemeinschaft, die eine derartige geistgewirkte Dynamik entwickelt, dass das eigene Taumeln aufgefangen, verwandelt und das Feuer neu entfacht wird. Weil überall Gott sichtbar am Werk ist. Ich liebe diese Gemeinde, ich bin Teil von ihr, ich will ihr dienen und mit ihr wachsen – ich frage nur: was steht denn da auf dem Bremspedal? Fragen halt. Fragmente… – und die Sehnsucht nach einer wahrlich nicht perfekten, aber leidenschaftlichen Gemeinde voller Erwartungen an Gott. 

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19 Antworten zu “Leidenschaftlicher Glaube – leidenschaftliche Gemeinde

  1. Hi Christof,

    … genau die Sorte von Fragen, mit denen ich mich auch rumschlage. Ich erlebe das bei mir in der Gemeinde so, dass die Gemeindearbeit von einigen wenigen getragen wird, die anderen sind allenfalls Zaungäste, die – böse gesagt – dann kommen, wenn sie gerade nichts besseres zu tun haben. Und bei denen, die mitarbeiten frage ich mich manchmal, ob das nicht eher aus traditionsgeprägtem Pflichtbewusstsein heraus passiert …
    Und nicht zuletzt ich selbst: Ich predige anderen die Notwendigkeit von Leidenschaft, während ich selbst immer wieder in der Versuchung stehe, mich in einem netten, kleinbürgerlichen Leben einzurichten. Das gelingt mir aber nicht, weil mich das Gefühl umtreibt, dass irgendwas nicht stimmt, nicht so ist, wie es sein sollte. Paradox: Ich will eigentlich die Veränderung und habe gleichzeitig Angst davor.
    Ich hoffe und bete, hier in meiner Einkehrwoche einige Impulse von Gott zu dem Thema zu erhalten…

    Liebe Grüße von der Insel!

  2. Hi Christof,

    hab jetzt laaange drüber nachgedacht, was ich dazu sagen soll… hier geht es ja um nix weniger, als den Kern der ganzen Nachfolge!
    Mir gefällt der Begriff „Leidenschaft“ in dem Zusammenhang nicht so recht, bibl. hat der keinen guten Ruf und wird im Zusammenhang mit Begierde genannt (Kol.3,5 / 1.Tess.4,5) – ist schon klar was du meinst, aber es handelt sich doch eigentl. um „Hingabe“ – oder?

    Nun will ich ja hier keine Wortklauberei machen, aba das Erste würde ich immer dem seelischen Bereich zuordnen, während das Zweite eine Geisteshaltung, eine geistliche Einstellung / Handlungsweise ist – verstehst du, wie ich meine? Hier ist für mich näml. der Knackpunkt: Leidenschaften unterliegen den äusseren Einflüssen, den Gefühlen, Befindlichkeiten usw. – sie können durch eine flammende Predigt geweckt und angeheizt werden, verglühen aba genauso schnell auch wieder, wenn die Bedingungen sich ändern…
    während die Hingabe eine willentliche, vom Glauben (und wenn es nur ein Senfkorn ist) und der agape getragene Einstellung / Handlungsweise ist, die nicht so schnell ins schlottern kommt, die steigerungsfähig ist und vor allem Beständigkeit auch im „Krisenfall“ ermöglicht.

    Hier vermute ich also den „Bremseffekt“ – im seelischen Bereich – wo wir eben noch nicht „Wiedergeborene“ sind und den Bedingungen und Einflüssen der trägen Masse weiterhin ausgesetzt sind… Leidenschaft ist ein (positiver) Teil davon, Hingabe hilft uns diese Schwächen zu überwinden.

    Segen!

  3. @Bento: du hast natürlich Recht mit deiner Unterscheidung. Mit Leidenschaft meine ich eine heilige Leidenschaft für das Reich Gottes – als ich zum Glauben gekommen bin, sprach man immer vom Brennen für Jesus. Leidenschaft ist für mich eben auch emotionale Beteiligung und Freude am Reich Gottes – nicht nur intellektuelle Zustimmung. Aber natürlich hast du Recht: wo nur noch emotionale Beteiligung ist, da fehlt die Substanz, da fehlt die Hingabe an Jesus, um auch in schweren Zeiten durchzuhalten. Aber wie stärkt man die Hingabe lautet dann die verschobene Frage…?

  4. Noch ein Fragment (sorry, ich fahre voll auf diese Unterscheidung ab 😉 :
    habe heute morgen drüber nachgedacht, wo Jesus selber leidenschaftlich (im diesem pos. Sinn) gewesen sein könnte – da fällt mir eigentl. nur die Säuberung des Tempels ein (selbst bei Lazarus stand der Lehreffekt im Mittelpunkt).
    Also sollten wir viellt. mit Leidenschaft den Tempel reinigen, damit mehr Platz für Hingabe ist?…

  5. Och, da fallen mir noch mehr Stellen ein – überall da, wo steht: es ging ihm durch die Eingeweide (splanchna) – haben neuen Übersetzungen nicht mehr, da geht es ihm auch emotional durch und durch. Tempelreinigung ist für mich eher heiliger Zorn, aber das kann natürlich ein Bestandteil sein von Leidenschaft. Petrus kommt mir als leidenschaftlicher Prototyp in den Sinn – lieber irgendwas wagen, als nix zu tun. Dafür dann lieber daneben hauen… toller Typ. Aber eben auch manchmal ein „Teufel“ – wie Jesus ihn nennt…

  6. …würde mich interessieren, welche Stellen das sind!
    ja klaro – Petrus war schon so einer… aber auch noch nach Pfingsten?
    Versteh mich bloß nicht falsch – ich hab nix gegen L.! 🙂

  7. Je nun, ich würde nicht so stark vor- und nachpfingstlich trennen. Petrus hat ne Menge leidenschaftlichen Mist gemacht und Jesus hat ihn trotzdem nach der Auferstehung (!) wieder angenommen und zum Zentralapostel gemacht. Das sagt ja auch etwas aus. Nach Pfingsten hören wir halt nicht so viel von ihm – nur dass er theologisch Mist baut und sich mit Paulus in den Haaren liegt – viel mehr haben wir von ihm nicht. Leidenschaftlich finde ich ihn weiterhin, auch z.B. bei Hananias und Saphira. Da ist er direkt, tough und voller Energie. Auch bei der ersten Heilung nach Pfingsten (apg 3) finde ich ihn sehr stark und energiegeladen.
    Energie ist übrigens auch ein nettes Wort in dem Zusammenhang – als Kontrast zur Mattheit und Müdigkeit in manchen Gesichtern. Be-geisterte Christen strahlen Energie und Erwartung aus…

  8. Bis vor einigen Jahren haben mich die Amischen, die Hutterer und die chassidischen Juden mit der ihnen eigenen, spezifischen Leidenschaft des Glaubens beeindruckt.

    Heute weiß ich, daß diese Frömmigkeit oft nur äußerlich ist, und daß es hinter den Kulissen bei diesen Glaubensspezialisten manch schreiende Not gibt.

    Auch unter den Frömmsten der Frommen (bei denen es doch ganz offensichtlich Leidenschaft/Eifer/Hingabe gibt) ist jedes Übel vorhanden, das ein menschliches Hirn sich ausdenken kann.

    Brüder, ich verstehe all Eure Gedanken und ich teile sie. Ja, ich habe auch Sehnsucht nach einer lachenden, tanzenden und singenden Gemeinde, deren leidenschaftliche Liebe zu Gott zum Salz der Erde und zum Licht der Welt wird. Aber vielleicht hängen wir die Latte zu hoch. Gut möglich, daß Gottes Barmherzigkeit größer ist als unser Hunger nach der leidenschaftlichen Gemeinde.

    Ich lese zur Zeit ein gutes Buch. 😉 Heute morgen hat mich Kapitel 8 ‚Erster Hauptgang: einfach (so) glauben‘ nachdenklich und still gemacht. Laßt uns das immer wieder unseren Gemeinden sagen und darüber predigen: weg vom jüdischen und hin zum christlichen Gottesbild. Weg vom ‚Um-zu-Glauben‘ hin zum ‚Einfach-so-Glauben‘.

    Wir werden es mit Gottes Hilfe immer wieder schaffen, das Licht zu hellerem Leuchten zu bringen. Aber, solange wir hienieden sind, werden wir auf das große Dermaleinst warten müssen.

    Für den König!

    Hans

  9. Klaro! Wir leben noch nicht im Schauen. Und dennoch kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren und dieser Eindruck entspringt nicht einem enthusiasmierten Geist: wir schlagen uns unter Wert und bleiben nicht unter unseren, sondern unter Gottes Möglichkeiten für uns. Gemeinde ist immer Gemeinschaft von (begnadigten) Sündern – um Gottes Willen also keine Forderung nach reiner Gemeinde – aber in aller Zerbrochenheit viel zu erwarten von Gott, das ist denke ich schriftgemäß. Ich empfinde Gott als zu gnostisch in vielen Herzen und zu als zu wenig inkarniert, sprich: fleischgeworden. Da sind wir zu griechisch und zu wenig jüdisch im Denken. Aber wir haben vorgestern im Leitungskreis darüber Stunden diskutiert – und wenige Sätze können das nur unzureichend beschreiben. Es ist ein Vortasten auf unbekanntem Terrain… und ebenfalls klaro: Leidenschaft, Energie, was auch immer wird nicht geschehen, weil wir es wollen und Gott funktionalisieren – sondern weil es in leere Hände gegeben wird von einem Gott, der um seiner selbst willen gesucht werden will.

  10. Und was ist mit dem Esel? Ein Esel muss kein Gärtner und kein Ingenieur sein. Man bindet ihm die Scheuklappen um, damit er nicht merkt, dass er ständig nur im Kreis geht. Er hört vielleicht das Knarren des Wasserrades, hört wie Wasser aus den Radschaufeln in die Rinne des Bewässerungsgrabens rauscht, aber er hat keine Ahnung wohin das Wasser fließt. Er läuft blind seinen Weg im Kreis unter den Bäumen, bemerkt vielleicht den Wechsel von Licht und Schatten, aber den Garten hat er nie gesehen, er läuft immer nur im Kreis. Manchmal bleibt er stehen, weil die Eintönigkeit seine Beine schwer macht, manchmal rennt er, in der Hoffung das Geschirr, das ihn gefangen hält, würde zerreißen, wenn er nur kräftig genug dran zieht. Aber das passiert nie. Er läuft immer nur im Kreis. Manchmal hört er die Vögel in den Bäumen zwitschern. Sie besingen die Schönheit eines Gartens, einer blühenden Oase in der Wüste und staunen über das ausgeklügelte Bewässerungssystem. Und der Esel denkt, wenn ich doch auch nur einen solchen Garten schaffen könnte oder solche Kanäle erfinden könnte. Ich wäre so gerne ein Gärtner.

  11. @bee: verstehe das Bild, aber nicht so ganz die Analogie. Sorry, aber sind wir Diskutierenden jetzt Esel? Oder Gärtner? Rätselhaftigkeit umwölkt mein Hirn…;-)

  12. Nun, ich als hochdekorative Fachkraft kann nur sagen:“Deine Antwort läßt tief blicken.“*
    Erstmal ist es schön festzustellen, dass der Esel scheinbar nur im meinem Teil des Ghettos als Bild für den Dienst strapaziert wird. **Aber natürlich gilt die Grundregel für Bilder. Jeder darf sich genau das aussuchen, was er sein möchte. Aber warum Esel oder Gärtner sein, wenn man auch Vogel sein kann? Wenn ich mir einen Job aussuchen könnte, würde ich Vogel nehmen. Warum sich für einen der beiden mühsamen Jobs entscheiden, wenn man frei von Sorgen auf Ästen schaukeln, fröhliche Schwätzchen halten und sich nach Lust und Laune zwischen Himmel und Erde bewegen könnte?
    Aber Okay, mal weg von meinen Wünschen. Das Problem des Esels ist,denke ich, klar der arme Kerl hat keine Ahnung was er da eigentlich macht und ist dem entsprechend frustriert. Ich denke, dass viele Haupt- und Nebenamtler genau das Problem haben. In ihrem recht eingeschränkten Blickfeld passiert Nichts, oder nicht das was sie erwarten. Dabei ist es, denke ich, völlig unerheblich, ob es im Dienst einen meßbaren und sichtbaren Erfolg gibt. Es ist nicht schlecht, mehr Leidenschaft, mehr Einsatz und mehr mehr, sehen zu wollen, nur sollte man sich selbst und den Erfolg nicht daran messen. Sonst findet man sich schnell im Riß Erfolg vs. Vertrauen. Wenn man davon ausgeht, dass das was man tut im Plan ist und darauf vertraut, dass es -wie, wann und bei wem auch immer- Früchte tragen wird, kann man sich viel Frust ersparen.
    *Mich ins Glas, natürlich! 😉
    **Ich verdächtige hiermit den Hl.Jose Maria Escrivá mit dem Esel-Dienst-Ding angefangen zu haben. Davor war der Bruder Esel des Hl. Franz von Assisi eher ein Bild für die Oposition des Leibes.

  13. Danke, bee, für deine klugen und tiefgründigen Gedanken. (Warum gibst du eigentlich dein Blog nicht an? Ich kenn es doch eh, hehe). Ich fühlte mich umwölkt, weil ich ich mich nicht als Kreisläufer mit Scheuklappen wahrnehme. Dazu ist der „Beruf“ als Pastor in einer Freikirche viel zu abwechslungsreich (wenn ich da mit meinen seufzenden katholischen und evangelischen Kollegen rede, gerade aus dem Bistum Aachen, die teilweise schon ihr Feldbett auf dem Friedhof aufschlagen…). Aber mit deinen Erklärungen lichtet sich das Bild. Ja! Man darf an den eintreffenden Erwartungen den eigenen Erfolg nicht messen. D’accord! Aber woran sonst? Das ist vielleicht ein Problem beim Hauptamtlichen (neben der üblichen und fatalen Vermischung aus persönlicher Gottesbeziehung und beruflicher Beauftragung)… wächst die Gemeinde? Toll, aber ist es immer wirklich toll? Nein, auch Krebs wächst und Wachstum ist kein Wert an sich. Kein Wachstum ist allerdings auch kein Wert an sich, sondern zu häufig die hochgehaltene Fahne des schmalen Weges und des Opfergedankens (wir armen Christen…). Vielleicht sollte man Erfolg ausschließlich daran fest machen, ob man Gott gehorsam ist. Aber wann ist man das? Wenn man seinen Weisungen folgt – sprich: Gottes Wort plus Input aus Gebet, Gespräch etc…. nicht einfach… wenn Gott sich verbirgt… aber vielleicht verberge ich mich ja nur? Deus absconditus… achja, ich schreibe wieder Fragmente, so bin ich halt in schwermütigen Phasen der Neuorientierung. Ist auch gut so. Wie ein lieber Freund (Hans aus FFB) geschrieben hat: die Tiefe des Falles entspricht der Höhe des Berges. Ich will lieber so leben als als „Flatliner“ buw. Stoiker… Gute Nacht.

  14. Zwei Sachen fallen mir ein:
    1. Der Opfergedanke scheint mir oft ziemlich verzerrt. Opfer meint ja eigentlich, dass man etwas von seinen -wirklichen oder gedachten- Besitz freigibt , damit Gott damit machen kann was er will. Irgendwie hat sich der Gedanke fest gesetzt, das opfern immer Leid auslöst. Wäre es so, wären wir wirklich arm dran.
    2. Wir def. Sein wahrscheinlich falsch. Irgendwie reicht es uns nie, einfach nur da zu sein. Wir stellen uns unseren Lebenslauf meist vor wie die Geschichten in Entwicklungsromanen. Wir messen uns und andere daran welche Fähigkeiten wir entwickeln und wie viel wir vom Leben haben, welche (meist durch die Umgebung vorgegebene Ziele wir haben). Wenn man mit Leuten zusammen rumhängt, die Erflog über gut bezahlte Jobs, Autos, Haus im Grünen o.ä. definieren, fühlen wir uns unbehaglich, wenn diese Dinge fehlen. Gerne motzt man in christlichen Kreisen über dieses Werte, aber irgendwie scheint Bekehrung meist nicht eine Umkehrung des Verhaltens sonder häufiger eine Umdefinierung von Zielen auf weniger materiellen Kram zu sein. Wenn dann Sachen nicht so laufen, wie wir wollen, knatschen wir rum, dass wir das nicht verdient haben. Richtig! Wir haben unser Leben nicht verdient, wir bekommen es geschenkt. Wir verwechseln zu häufig etwas haben mit sein und geliebt sein mit besitzen.

  15. Do kimm i nimma mit. Entweder hat mich der Putzmitteldunst des heutigen Gemeindehaus-Frühjahrsputzes so umnebelt, oder das letzte Drittel des dreifachen Birngeists, den ich mir vorhin reingezogen habe, war zuviel.

    Außerdem bin ich bekennender Wahl-Bayer und stehe von daher zu einem unkomplizierten Umgang mit den Gedanken eines menschlichen Gehirns. Ich strebe ergo die ‚inwändige Tranquilität‘ an, von der Gerhard Polt gern spricht.

    Jetzt schließt mal für einen Moment die Augen und versetzt Euch in einen bayerischen Biergarten. Unter blühenden Kastanien, auf einer Holzbank sitzend, vor Euch eine frischgezapfte, gut eingeschenkte Mass (nicht das, sondern die, und mit kurzem Vokal, bitte). Also so eine Situation, wie in Psalm 23: ‚Kosi rewaja‘ – mein Becher fließt über!

    Und dazu wieder Gerhard Polt mit einer geistigen Sternschnuppe:

    Zeit ist Zeit.
    Ist Einheit für Gemütlichkeit.
    Wäre Gemütlichkeit
    dreitausendsechshundert
    Sekunden in Zeit,
    für wieviel Gemütlichkeit
    bliebe dann Zeit?

    Zeit plus Zeit ist mehr Zeit.
    Brot plus Zeit ist Brotzeit.
    Zeit mal Zeit ist Mahlzeit.

    Der Maikäfer dreht
    um den Tisch eine Runde,
    Du weißt nicht das Jahr,
    Du kennst nicht die Stunde.

    Die Kastanie im Biergarten blüht,
    freue Dich,
    Du bist auf erdbebensicherem Gebiet.

    Das ist die Wurzel aus Zeit.
    Das ist per Saldo – Gemütlichkeit.

    Ich weiß, das ist kein adäquater Beitrag zu Euren Gedanken. Aber das mit dem Esel check ich immer noch nicht, und, ehrlich gesagt, es is mir wurscht.

    Habedieehre und Prost!

    😉

  16. @bee: stimme dir in allen Belangen zu. Sein ist wichtiger als Haben. Und der Mensch wird nicht am Objekt zum Ich, sondern am göttlichen Gegenüber – so ist es zumindest jüdisch gedacht – vergisst man nur dauernd…

    @Hans: sehr nettes Opus von Herrn Polt! Wenn du aber schon den Psalm 23 und den überströmenden Becher mit dem Biergarten in Verbindung bringst: wo sind denn da die Feinde, in deren Angesicht dir Gott voll einschenkt..;-)? Gut, ich als Gladbacher würde sagen: im Zweifelsfall Bayernfans, oder?

  17. An Feinden gebricht es uns wahrlich nicht … „Viel Feind’, viel Ehr’!“ (Georg von Frundsberg). Und, indem daß mir Baiern san, ham mir so viel Feind, daß der Becher sozusagen ständig überfließen muß.

    Nein, Spaß beiseite. Wie kann ich das erklären? Ludwig Ganghofer soll gesagt haben: ‚Wen Gott lieb hat, den läßt er fallen in dieses Land‘.

    Obwohl ich nun seit über dreißig Jahren hier, in der Nähe von München, lebe, packt mich immer wieder dieses Gefühl der Glückseligkeit, dieser Rausch der bairischen Griabigkeit, wenn in mir das Bewußtsein hochsteigt, in einem der schönsten Landstriche dieser Erde zu leben.

    Besonders morgens, wenn ich auf dem Weg zur Arbeit am Ufer des spiegelglatten Wörthsees entlangfahre, mit dem Blick auf die Zugspitze und das Kloster Andechs auf dem ‚Heiligen Berg‘.

    Und dann, stell Dir vor, eine Mass, einen Radi und einen ‚Obatztn‘ mit einer reschen Brezn. Soll ich Dir was sagen? Da halte ich es mit Luther und sag dem Teufel: „Leck mich am Arsch“.

    P.S.: Fußball interessiert mich nicht die Bohne, des is mir ois wurscht.

  18. Tja, Hans… mir persönlich wäre ein Kölsch und ein Mettbrötchen lieber … Rettich gibt es bei mir nur bei hartnäckigem Husten.

  19. Koelsch und Mettbroetchen? Genehmigt, sehr lecker! Aber Floens, das ginge garnicht!

    Viele liebe Gruesse an alle Leser, aus dem wundervollen Tel Aviv

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