Politisch korrekt zurück ins frühe 19. Jahrhundert

Einiges ist schon geschrieben worden über den Artikel des SPIEGEL über das böse Christival und die damit verbundenen bösen, machtgeilen (naja, wohl eher die stillen im Lande) Evangelikalen und Charismatikern. Nun erwarte ich von Augsteins Konsorten nichts Anderes und will auch nicht in das SPIEGEL-Bashing einstimmen (genauso wenig wie ich Volker Beck von den GRÜNEN pauschal in die Pfanne hauen kann – bei der Debatte um die verbrauchende Embryonenforschung hat er christlichere Standpunkte vertreten als die C-Partei-Riege…). Dennoch finde ich eine Entwicklung faszinierend, die ja bereits in anderen demokratischen Ländern (Schweden) weiter fort geschritten ist…

Da wird doch glatt wieder angedacht und angeregt, Christen ein Versammlungsverbot und ein Gemeindehausbau-Verbot aufzuerlegen, wenn sie denn gegen das Grundgesetz reden und handeln. Mmmhm. Hatten wir für Freikirchen schon mal in Deutschland zu Zeiten von Preussens Gloria – wollen wir im Namen der political correctness dahin zurück? Und wo beginnt das? Bei einem Wort gegen Homosexualität? Sex vor der Ehe (ein Grundrecht, wenn man dem SPIEGEL-Artikel glaubt)? Gender mainstreaming?

Verständlicherweise regen den SPIEGEL (man dient halt seiner Klientel) gerade diese sexualethischen Fragen auf. Geht man aber auf ein Versammlungsverbot bei Verstoß gegen das Grundgesetz, dann könnten auch recht bald andere Worte verboten sein: gegen hemmungslosen Konsumwahn,  gegen Egoismus, gegen die Ideologisierung von politischen Haltungen (sei es rechts oder links), für mehr Gehorsam gegenüber Gott – vielleicht sogar gegen den Staat, wo er sich gegen Gebote Gottes wendet… kann das gewünscht werden? Hier beginnt Demokratie in dieser Form der Diktatur derer, die entweder genug Geld haben oder laut genug schreien ihren antichristlichen Anteil zu offenbaren (den jede Ideologie hat – leider herrscht bezüglich des Systems Demokratie Denkverbot – sie scheint geradezu sakrosankt und stagniert damit auf fatale Weise in einer schnellen Welt). 

Unter diesen Vorzeichen halte ich die Absage der Seminare des Christivals für einen noch größeren Fehler – denn bald wird von den Gegnern die Schraube weiter gedreht. Und was tun wir? Wenn wir uns nicht als Opfer gerieren und zurückziehen wollen? Vorschläge erwünscht… 

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2 Antworten zu “Politisch korrekt zurück ins frühe 19. Jahrhundert

  1. Ich hab ja keine Ahnung was man so auf einem Christival macht, aber ich nehme an, dass es eine Art Kirchentagsveranstaltung ist. Nun, dass ein Teil der Medien nicht grade weltanschauungsneutral ist, ist schon lange so und wundert mich nicht. Mal ist es das Opus wahlweise auch die LC oder die SJ, was angeblich die Weltherrschaft an sich reißt, dann wieder der Islam, der Europa überrennt. Das Dämlichste was man tun kann, ist auf seiner Insel zu hocken und nur im eigenen Dunstkreis zu motzen. Gute Apologetik wäre angesagt.

  2. Auf der Ebene persönlich gelebten Glaubens würde ich ganz platt sagen, die praktische Umsetzung des Glaubens in meinem Verhältnis zu den Mitmenschen wirkt glaubwürdiger als alle Statements – die Realität zeigt schließlich, auf welchem Fundament mein Glaube steht.
    Was natürlich nicht heißen soll, dass wir zum politischen und gesellschaftlichen Tagesgeschäft keine eigenen Meinungen formulieren sollten. Natürlich sollen wir das, und da wird uns in Zukunft schon ziemlich der Wind ins Gesicht wehen, gerade im Bereich Ethik (und ich meine nicht nur Sexual- oder Beziehungsethik…).
    Ich bin mir auch schon längst nicht mehr sicher bei der Frage, wie demokratisch nun eigentlich unsere westlichen Demokratien sind. Wenn Demokratie (unter anderem) praktisch heißt, dass jede Meinung und jeder Lebensentwurf in einer Gesellschaft existieren darf, dann sind wir in der Tat auf dem Weg in eine Diktatur – oder in eine Zwischenform zwischen Demokratie und Diktaktur, in eine Mediokratie, in der spezifische Interessengruppen bestimmen und redigieren, was und wie gesendet oder gedruckt werden darf. (und was dann von den zum größten Teil unkritischen Konsumenten übernommen wird…) Hört sich an wie eine abstruse Verschwörungstheorie, ist aber schon längst Realität.

    Was mir im Bereich öffentliche Statements auch noch wichtig erscheint, ist, dass wir als verschiedene christliche Konfessionen und Denominationen lernen, zweitrangige Themen zweitrangig sein zu lassen und uns aufs wesentliche und wichtige zu konzentrieren. Es wird unseren Stand nicht besser machen, wenn wir uns um Fragen wie Musikstil, Kleidungsstil, Zungenreden ja/nein etc… streiten – Fragen, die unseren nicht glaubenden Zeitgenossen völlig am Allerwertesten vorbei gehen… Man kann ja verschiedener Meinung zu verschiedenen Themen sein (in dem Bewusstsein dass alle Erkenntnis Stückwerk ist), aber Widerstand gegen den chrisltichen Glauben wirft uns doch aufs Wesentliche zurück – hoffentlich.

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