Grinsen macht krank!

So nun haben wir es amtlich (und die F.A.S. hat es am Sonntag gebracht): Dauergrinsen macht krank! Soviel zum Dalai Lama. Aber Dieter Zapf von der Uni Frankfurt bezieht es weniger auf ihn, als auf Berufsgruppen, die das professionell betreiben müssen: Verkäufer, Call-Center-Mitarbeiter und Stewardessen hat er untersucht und begleitet. Fazit: ein natürliches Lächeln dauert zwischen einer halben Sekunde und vier Sekunden – alles darüber hinaus ist künstlich und macht krank, baut innerlich Aggressionen auf, die dann natürlich zu Depressionen führen können. Zapf stellt heraus: solche Berufsgruppen bräuchten dringend Rückzugsräume, in denen sie ihr echtes Ich mit all den angestauten Aggressionen über nervige Kunden rauslassen und einfach sie selbst sein dürften.

Amen dazu. So allmählich geht der ganze positiv-Denken-Eso-Müll den Bach runter. Lächle und du fühlst dich auch besser. Jo. Und man wird auf Dauer krank. Man kann natürlich auch krankhaft pessimistisch sein und die Mundwinkel zu oft den Forderungen der Schwerkraft übergeben. Klar. Aber darum geht es hier nicht. Fakt ist: jede Fassade macht auf Dauer krank. Nun kann keiner ohne Fassaden leben, denn so funktioniert nun mal unsere Gesellschaft und es wäre ja auch gar nicht wünschenswert, vollkommen transparent zu sein wie Jim Carrey in „Der Dummschwätzer“. Die Frage ist eher: bin ich mir dieser Fassade bewusst? Oder verwechsele ich sie irgendwann mit mir selbst? Habe ich Räume der Offenheit? Und habe ich eine Gemeinde, in der ich das leben darf und kann? Inwieweit fördert mein Glaube die Offenheit und Transparenz oder verstärkt sogar noch das Fassadenspiel? Wenn ich so manche Grinsekatzen von amerikanischen Pastorenehepaaren sehe und beobachte, dann beschleicht mich ein Verdacht, dass fromm sein die Sache nicht automatisch verbessert…;-)

Äh, daran arbeite ich gerade für die Predigt am nächsten Sonntag. Thema: Selbstbilder oder: wie ich mich nicht mehr selber im Wege stehe. Am Sonntag in der FeG Eschweiler und ab mittags dann im Netz als PDF und mp3 (wenn unser PC (würg!) mitmacht).

Advertisements

5 Antworten zu “Grinsen macht krank!

  1. jo – gutes und wichtiges Thema!

    „Und habe ich eine Gemeinde, in der ich das leben darf und kann?“
    Wir waren mal längere Zeit in einer Gemeinde, wo ich hinterher erschrocken festgestellt habe, dass wir uns dort fast ausschließl. mit unserer „frommen Fassade“ begegnet sind und das ist schrecklich! Es ist auch enorm schwer diesen „gruppendynamischen Prozess“ zu durchbrechen, selbst wenn man selber damit beginnt… wohl der Gemeinde, in der der Geist der Wahrheit offen wirken kann!

    Segen bei der Vorbereitung!

  2. Nochmals Amen. Ich sehe es eigentlich fast als meine Hauptaufgabe an, unsere Gemeinde hier in eine solche Richtung zu fördern. Und gottseidank habe ich hier in unserer FeG liebe Mitstreiter. Wir haben gerade einen Männerkreis gegründet, in dem wir offen und persönlich (!) über heikle Themen reden wie Internetpornographie, wann ist der Mann ein Mann etc… und das tut sooo gut.

  3. Das mit dem Grinsen kenn ich. Und mich nervt es, wenn ich solchen Leuten begegne, die so ein Fassadengrinsen haben. Allerdings sind mir auch schon (ein paar wenige) Christen begegnet, die einfach eine tiefe innere Freude ausstrahlen, auch dann wenn sie nicht grinsen. Bei denen ist das echt und das ist beeindruckend!!!

  4. Ja, Dienstleistung ist anstrengend. Und ständig nett zu Leuten sein geht einem auf die Dauer auf den Nerv. Wir verarschen uns oft gegenseitig im Büro, da bekommt man schonmal ein „Get Rich or Die Tryin‘ “ statt des üblichen „Viel Erfolg!“ mit auf den Weg. Wenn ich nach Hause komme zieh ich mir als erstes die Arbeitsklamotten aus. Auch wenn ich an dem Tag keine Erstpräsentation hatte, zu denen man ja den Standarddreier trägt und ich als Frau einige Vorteile habe was die Wahl meiner Klamotten angeht. Solange ich in den Klamotten stecke, benehme ich mich wie ein Terrier. Ich höre mich schon manchmal nach der Arbeit zur Kassiererin an der Tanke sowas beklopptes sagen wie:“Gute Geschäfte.“ Trotzdem Freundlichkeit kostet nichts. Es ist das einzige was ich meinen Händlern nicht in Rechnung stelle. Und ich denke, man kann damit großzügig sein, das Leben ist schon schwer genug, ich muss es mir nicht noch schwerer machen, in dem ich jeder Laune nachgebe. Und ob grimmige Menschen besser leben oder mehr sie selber sind, bezweifele ich. Dauerbeleidigtsein ist genauso doof. Ich komm jetzt in das Alter wo man so merkwürdige Linien in der Haut entdeckt und ich hab mir letztens auf dem Weg durch die Fußgängerzone mal bewust alte Leute angeguckt. Man kann anhand der Falten im Gesicht sehen, ob jemand viel lächelt oder eher grimmig ist. Es ist schon merkwürdig wie viele alte Leute wirklich mit ner eingemeißelten „Flunsch“ rumlaufen. Als wären sie vom Leben in einer Tour enttäuscht oder beleidigt worden. Da tacker ich mir doch lieber die Mundwinkel nach oben, was den Vorteil hat, dass Leute einen auch anlächeln.

  5. @bee: na, hoffen wir doch, dass es einen gesunden geistlichen Mittelweg gibt. Mit einer Freude, die von innen kommt und nicht in den so häufigen Griesgrammienen endet, die ich auch so oft in Deutschland beobachte bei alten Leuten. Ab 40 ist jeder für sein Gesicht selbst verantwortlich! Und das meine ich nicht als Slogan für mehr Kosmetik…:-)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s