Sind Christen Sünder? Nein!

Was treibe ich im Augenblick so? Äußerlich: Medialer Overkill wegen meines Buches innerhalb von zwei Wochen: gestern Radioaufnahmen im ERF (Calando – Ausstrahlung Mitte August), nächste Woche Rundfunkschulung beim evangelischen Rundfunkbeauftragten für den WDR in Düsseldorf, übernächste Woche Donnerstag Fernsehaufnahmen für Cafe Aperto (Bibel-TV) – Ausstrahlung 10.8., 22 Uhr. Gut, für die Rundfunkschulung bin ich vom BFeG vorgeschlagen, hat also nix mit dem Buch zu tun, die suchen neue Sprecher für die Morgenandacht WDR1-WDR5 (können wir nicht irgendwie WDR4 umgehen?). Und sonst?

… beschäftige ich mich zunehmend mit der Frage: wer bin ich eigentlich in Christus. Bin ich immer noch ein Sünder? Und das Faszinierende ist vom Neuen Testament her: nein, ich bin kein Sünder mehr. Ich sündige immer noch (1.Joh 1), aber ich bin kein Sünder mehr. Hier ist die Unterscheidung zwischen Tat und Identität wichtig und entscheidend – wenn auch für westlich gepolte Menschen schwer geistlich umzusetzen, denn wir identifizieren und oft mit unseren und über unsere Taten! 3 Stellen kennt das NT noch, die darauf hindeuten könnten, dass Christen noch Sünder sind (Identität) – aber alle drei sind meines Erachtens doch bei näherem Hinsehen auf die Zeit vor der Hinwendung zu Christus gemünzt. Und auch wenn es mir noch unklar erscheint, wie man solche schönen Einsichten für sich umsetzt (jenseits der intellektuellen Befriedigung, etwas Schönes erkannt zu haben – wobei das sicherlich nicht neu ist…), bei dem Thema bleibe ich mal dran. Gibt also irgendwann mal eine Predigt oder so…

Irgendwelche Tipps oder Anmerkungen?

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24 Antworten zu “Sind Christen Sünder? Nein!

  1. Also ich würde sagen, dass auf die Frage „Sind Christen Sünder?“ sowohl NEIN als auch JA gültige Antworten sind, man muss es nur richtig erklären.

    Mich verwirrt das Ganze regelmäßig, weil „Sünde“ in der Bibel offensichtlich zwei verschiedene Bedeutungen hat. Es bedeutet „moralische Verfehlung“, aber auch „Trennung von Gott“, wobei das beides wieder miteinander zusammen hängt, aber nicht das selbe ist.
    Denn die „moralische Verfehlung“ trennt EIGENTLICH von Gott. Und zwar komplett. Wohin die Sünde kommt, wendet sich Gott ab. Aber da wir durch Jesus reingewaschen werden, können wir, die wir immer noch moralische Verfehlungen begehen, vor Gott treten und mit ihm eine Beziehung eingehen.

    Sind wir Sünder? Ja, denn wir begehen Sünde und sind Knechte der Sünde (Joh 8,34).
    Sind wir Sünder? Nein, denn wir haben mit Gott Frieden geschlossen.

    VOR GOTT (und das ist wohl die entscheidende Perspektive) sind wir jedenfalls keine Sünder mehr, dank Jesus Christus. 🙂

  2. @Philip: danke für deine Ergänzung, aber: genau das denke ich eben nicht – unsere Identität ist eben nicht mehr Sünder (auch wenn wir sündigen). Das von dir angeführte Zitat aus Joh 8,34 beschreibt meines Erachtens den unerlösten Menschen – Jesus spricht zu seinen Nachfolgern, die sich selbst als Freie verstehen und erklärt ihnen, wie sie WIRKLICH seine Jünger sein können und dann folgt der Satz: Ein Sklave gehört nicht für immer zur Familie. Nur der Sohn gehört für immer dazu. Wenn der Sohn euch frei macht, dann seid ihr wirklich frei. – sprich: wer Jesus als Retter und Erlöser erlebt (und das können die Jungs jetzt noch nicht, denn sie befinden sich VOR Ostern), der ist frei und kein Sklave der Sünde mehr. Dasselbe Missverständnis bei Römer 7 – hier spricht Paulus nicht vom Christen, sondern vom unerlösten Menschen, niemals würde der große Verkündiger der Gnade noch von einem Christen als Knecht der Sünde reden! Insofern: Christen sündigen – sind aber keine Sünder, sondern Heilige (die sündigen). Ich denke, wir müssen echt lernen, Identität und Handlung auseinander zu halten… möge uns das zur Freiheit in Christus leiten…:-)

  3. Die Unterscheidung von Werk und Person grenzt bei manchen ja schon an theologischer Selbstbefriedigung.
    Ich frage mich gerade in diesem Fall nach dem Nutzen der Erkenntnis. Was macht es für einen Unterschied, ob ich Sünder bin oder „nur“ sündige.
    Ich sündige. Hab gerade erst wieder so richtig scheiße gebaut. Bin ich nun ein Sünder oder ein gerechtfertigter Sünder? Das ist mir egal.
    Ich sündige. Non posse non peccare. Und dieser Erkenntis ist bitter.
    Ja, mir ist vergeben. Das ist gut zu wissen!
    Aber mich interessiert nicht die passende Vokabel, sondern mehr eine „Sünden-Vermeidungs-Strategie“. Die Wortklauberei lenkt doch nur vom eigentlichen Problem, oder nicht?

  4. Hi Achti! Ich finde erst einmal solche Unterscheidungen nicht sinnlos, wenn sie aus Gottes Wort herleitbar sind, dann rechne ich erst einmal damit, dass sie einen Sinn haben. Zweitens könnte es sich doch als wertvoll erweisen, mehr zu wissen, wer man im tiefsten Inneren ist? Vielleicht tut das auf Dauer im Kampf gegen die Sünde gut? Ich weiß es noch nicht, aber die Identitätsfrage ist keine intellektuelle Selbstbefriedigung, das ist knallharte Realität in Seelsorge oder auch bei uns im Männerkreis – die Identität bestimmt im Hintergrund die Realität… das auszuleben, das ist ein anderes Thema, aber irgendwo muss man ja anfangen…

  5. Was ist denn überhaupt ein Sünder? Was ist Sünde? Was ist „Sünde tun“? Was ist „in Sünde leben?“

  6. Bingo!

    Für mich gehört diese Unterscheidung durch Gottes Wort zu den wichtigsten und tragendsten Erkenntnissen in der Nachfolge. Hier wird zwischen Seele und Geist messerscharf unterschieden und NUR das ermöglicht uns letzlich aus dem Geist zu leben und nicht an dem, was ich nicht will, aber doch tue, letztlich kirre zu werden…
    du hast wohl recht, dass es auch ein Problem unseres entweder/oder Denkschemas ist –

    wer z.B. längere Zeit verheiratet ist, hat doch erlebt, wie dieser Fakt auch durch die Zeiten trägt, wo es gar nicht so nach „ein Leib“ aussieht… die Tatsachen sind die Grundlagen und die Besinnung auf sie, gibt uns doch die Kraft zu überwinden und das zu manifestieren, was nunmal die Wirklichkeit ist…

    Ansonsten kennst du ja meine Sprüche schon zu dem Thema 😉
    ich freu mich sehr, das hier von dir zu lesen!

    Segen

  7. Hi Philip! Ein Sünder ist meines Erachtens ein Mensch, der aus seinem von Gott los gesagten Ego heraus lebt, dessen Ego auf dem Thron sitzt und der den Geist nicht in sich trägt. Diese Ichzentriertheit erzeugt in uns die Sünden, die wir alltäglich begehen. Die sind damit nicht das Problem, sondern die falsche Wurzel, das falsche Zentrum, der fehlende Geist in einer Person. Mit der Vergebung, mit der Hinwendung zu Christus wir der Geist neu installiert, die Seele (nicht im griechischen, sondern im jüdischen Sinne als näphäsch verstanden, also als Einheit aus Verstand, Wille, Gefühl) sitzt nicht mehr auf dem Thron, sondern bekommt den Geist vor die Nase gesetzt. Das erklärt, warum wir im tiefsten Sein keine Sünder mehr sind, sehr wohl aber Sünden tun. Die Seele aber wird nun samt Leib durch den Geist geheiligt, sprich: gerät langsam unter den heilsamen Einfluss des Geistes. Genau dieser Vorgang kann wohl gehemmt werden oder kann gefördert werden. Wir kommen aber zu Lebzeiten nie mehr komplett vom Sündigen los – sind aber dem Wesen nach Heilige – so spricht auch ein Paulus alle Christen an, selbst seine Nervensägen in Korinth…;-)
    Man muss sich natürlich bei solcher Anthropologie immer davor hüten, zu sehr schematisch zu werden und damit das jüdische Denken zu negieren, aber ich denke, so grob kann man es verstehen… Sünde ist Zielverfehlung meines Seins, das Sündigen eine Äußerung davon. Ersteres wird beseitigt, Letzteres wird verwandelt. So weit… in aller Bescheidenheit…

  8. Christof,
    ist Dir aufgefallen, dass ich die Kombi „theologischer Selbstbefriedigung“ gebraucht habe, und nicht sexueller SB sprach?
    Ansonsten verstehe ich diesen Absatz nicht.

  9. Sünder? Jein. Paulus sah sich noch als Sünder, obwohl er gerechtfertigt und vergeben worden ist.

    Das Wort ist gewiss und aller Annahme wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, Sünder zu retten, von welchen ich der erste BIN. 1Tim 1,15

    Ich, Danny, bin Sünder.

  10. @Achti: jetzt verstehe ich dich selbst nach mehrfachem Lesen nicht… was hat denn jetzt sexuelle SB hier zu suchen? Äh…

    @Danny: genau das ist eine der drei Stellen, von denen ich nicht glaube, dass sie Paulus auf sich in der Gegenwart bezieht. Der Kontext in den Versen davor bezieht sich auf Paulus in seinen alten Verfehlungen gegen Christus und der direkte Vers danach hat eine Vergangenheitsform, wie sie die GN richtig übersetzt:
    Es ist ein wahres Wort und verdient volles Vertrauen: Jesus Christus ist in die Welt gekommen, um die Sünder zu retten. Unter ihnen bin ich selbst der Schlimmste. 16 Deshalb hatte er gerade mit mir Erbarmen und wollte an mir als Erstem seine ganze Geduld zeigen. Er wollte mit mir ein Beispiel aufstellen, was für Menschen künftig durch den Glauben – das Vertrauen auf ihn – zum ewigen Leben kommen können.

    Eben: er hatte Erbarmen zum Beispiel für andere… Paulus spricht für mich in Vers 15 aus seiner damaligen Position heraus… dagegen könnte man jetzt zig Stellen anführen, die von paulinischer Theologie deutlich machen, dass wir keine Sklaven der Sünde mehr sind, sondern Sklaven Gottes, da ist das Loskaufmotiv, da ist das: haltet euch der Sünde für gestorben… uswusw… spannende Diskussion das!

  11. Ups.
    Ich hab in Deiner ersten Antwort das Wort „intellektuelle“ überlesen. *g*
    Sorry. Ich nehm alles zurück und behaupte das Gegenteil…

  12. Ihr seid ja alle ganz dicht am Kern der Sache, meine ich. Ich, wer oder was bin ich? Die irdische Realität sieht so aus: manchmal bin ich Jesu Ebenbild (so im Sinne von WWJD), aber mehrheitlich bin ich einer, der die ‚Pforten der Hölle‘ nicht überwinden könnte. Und in diesen Momenten setzt sich der göttliche Richter eine Brille auf, durch die er mich in einer anderen Wirklichkeit sieht: ‚as if‘. Ich bin ein Gerechter, ein Geheiligter, aber eben nur ‚as if‘. Sorry, ich weiß nicht, wie man das auf deutsch sagen könnte, vielleicht: ’so als ob‘ – klingt aber komisch. Ich bin kein Sünder (in Gottes Augen), aber ich sündige. Ich bin ein Scheißkerl, aber nichts kann mich aus Gottes Hand reißen. Amazing Grace … Um diesem Gott zu gefallen, muß ich mich nicht als Schahid an der Bushaltestelle zwischen die Schulkinder drängen, um mich zusammen mit ihnen in die Luft zu sprengen. Ich muß nicht auf Knien die Kirchentreppe hinauf rutschen und ich muß mir auch keine Spieße durch die die Zunge bohren. Ich bin, der ich bin und bin Gottes Gegenüber. Er adelt mich, indem er zu mir spricht; er sagt ‚du‘ zu mir. Gottes Allmacht ist die Macht seiner Liebe zu mir. Und die Liebe ist bekanntlich stärker als der Tod. Sünde, wo ist dein Stachel? Geh zum Teufel, Sünde, denn da gehörst du hin. Von mir hast du nichts zu fordern. Ich gehöre dir nicht mehr. Das gilt auch Euch, geliebte Brüder und Schwestern im Herrn.

    By the way, ich bin mal wieder in Deutschland … bis das Heilige Land mich wieder ruft … 😉

  13. Schalom Hans! Und danke für die erfrischenden und radikalen (im wörtlichen Sinne) Gedanken! Ja, ich denke, die entscheidende Frage ist immer wieder: durch wessen Augen betrachte ich mich selbst. Durch die Augen des „alten Adams“ in mir (inklusive unguter Prägungen, Selbstverurteilungen, aber auch Überschätzungen und Stolz), durch die Augen anderer Menschen, von deren Anerkennung ich mich abhängig mache (und deren Maßstäbe ich wie ein Fähnchen im Wind adaptiere) oder aber eben durch die Augen Gottes. Und dieser sieht mich durch die unglaubliche Gnade als Heiliger, Sohn, Freund. Nie war seine Liebe zu mir und dir größer als jetzt, nie wird sie größer sein. Segen!

  14. Hm… Oh…Große Okayness ick sehe dir am Horizont erscheinen… äh… oder lieber doch nicht…
    Ein Baum an dem Feigen wachsen ist mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Feigenbaum. Ein Tier, das bellt, ist wahrscheinlich ein Hund. Ein Mensch, der hinter einem Bankschalter steht und arbeitet, halten wir häufig für einen Banker. Warum ist ausgerechnet jemand, der eine Sünde begeht kein Sünder? Gott misst sehr wohl unsere Taten, weil er unsere Freiheit nämlich ernst gemeint hat…. toternst…
    Wieso nehmen wir unsere Realität nicht genau so ernst wie Gott sie ernst nimmt? Für Gott sind unsere Sünden ein echte Probleme und er bringt sich buchstäblich eher um, als dass er uns in unseren Sünden belässt. Warum hört sich Gnade hier so nach, schwammdrübber an? Jede Sünde wendet uns ab von Gott als unserem eigentlichen Ziel. Wenn Sünde Gott so verstört, dass es ihn nicht mehr im Himmel hält und eher seine Allmacht aufgibt, als uns aufzugeben, müsste uns das doch auch irgendwie alamieren, oder? Wenn wir Gott bitten nicht auf unsere Sünden zu schauen, sondern auf den Glauben seiner Kirche, dann ist der Glaube keine netter Gedanke, den man ab und an mal hat, sondern das fortgesetzte handeln auf das große Ziel hin, nämlich in Wort und Tat Christus ähnlicher zu werden. Gnade wird uns zwar geschenkt, aber wir müssen auch nach ihr handeln. Und da unsere Freiheit nicht von der Gnade aufgehoben wird, können wir jederzeit auch wieder aus der Gnade herausfallen. Das Gott alles mögliche anstellt, um das zuverhinder, ist eine Sache, die andere ist, dass wir jedes mal wieder an unsere Brust schlagen müssen und – wie der verlorene Sohn- unsere Situation erkennen und uns wieder auf den Rückweg machen müssen. Warum nehmen wir unsere Sünden so auf die leichte Schulter? Schließlich war der Weg rauf nach Golgatha kein lässiger Spaziergang, oder?

  15. @Bee: Nö, Golgatha war wahrlich kein Spaziergang und ich habe auch nirgendwo behauptet, das Sünde nicht ernst zu nehmen ist – wer mich kennt, der weiß das. Ich nehme aber gerade die Größe der Gnade nicht ernst, wenn ich meine, immer wieder aus ihr heraus zu fallen, wenn ich sündige. Ich bin mit Paulus eine neue Kreatur durch Kreuz und Auferstehung und wenn uns das Gewissen verurteilt, dann ist die Gnade noch größer und wir brauchen dem Gewissen nicht zu viel Raum mit seinen Anklagen zu geben, sondern dürfen auf das schauen, was einmal geschehen ist! Christus muss nicht jedes mal neu sterben, wenn ich sündige, sondern seine Gnade ist so umwerfend, dass alle vergangene, gegenwärtige und zukünftige Sünde darunter vergeben ist. Was für eine Freiheit! Deine Frage, ob wir denn die Sünde damit zu locker nehmen, wird genauso im Römerbrief geschildert, wo Paulus eben diese Freiheit extrem schildert. Und er fragt: heisst das nun, wir dürfen sündigen, damit die Gnade umso größer würde – das sei ferne! Natürlich nicht! Wer eine solche übergroße Gnade empfangen hat, die sogar den Personenkern verändert hat, der empfindet solche Dankbarkeit und Demut und Liebe vor Gott, dass er nicht absichtlich sündigen möchte… obwohl es das Fleisch, also das alte gottlose Ego immer wieder tut. Segen!

  16. Ich gebe Dir recht, wenn Du sagst, dass Gott den Menschen verwandelt. Trotzdem bleibt eine Sünde eine Sünde mit allen Folgen für den Einzelnen und die Gemeinschaft, wenn man sie behält. Freiheit wird nicht durch Gnade aufgehoben. Man kann sich jederzeit wieder von Gott abwenden. Ein schlechtes Gewissen ist ein hervorragende Alarmanlage, die man auf gar keinen Fall überhören sollte. Wenn man Gewissensbisse hat, sollte man ernsthaft über ein Schuldbekenntnis nachdenken.

  17. Stimme dir voll zu – ich rede Sünde nicht klein, nur sind wir in den Augen Gottes keine Sünder mehr, sondern Kinder und Freunde, die aber immer noch aus alter, dummer Gewohnheit mehr auf die alte, als auf die neue Natur setzen. Sozusagen Vögel, denen man die Käfigtür aufgesperrt hat und die aus Gewohnheit die Gefangenschaft der Freiheit vorziehen…
    Paulus kann ja sogar so weit gehen, dass er denen, die sündigen rät, sich der Sünde für gestorben zu halten (obwohl sie sündigen) und er fügt hinzu: denn nicht ich sündige, sondern die Sünde in mir. Sünde ist zerstörerisch, ein von Gott geschultes Gewissen eine hervorragende Alarmanlage – aber meines Erachtens kämpfe ich gegen Sünde nicht am besten aus Angst vor einem schlechten Gewissen oder gar vor Gott – sondern aus Freude über meine neue Freiheit in Gott und aus Dankbarkeit und Liebe. Das regelmäßige Schuldbekenntnis (1.Joh.1) ist natürlicher Bestandteil der Seelenhygiene. Es stärkt meine neue Natur und schwächt mein „Fleisch“. Wie gesagt: stimme dir voll zu. Ich möchte nur versuchen, mehr und mehr aus Verheißungen und Aussagen über meine Identität in Christus (en christo) zu leben und nicht aus einem Glauben, der um Sünde kreist. Das kenne ich nur zu gut. Man fällt hin und bittet um Vergebung und das geht so jahrelang und irgendwann hat sich die Sünde dermaßen aufgebläht, dass man nicht mehr um Christus kreist, sondern um die Sünde. Und da tut es dann gut, Luther zu hören, wie er einem solchen Freund, der die Freude an der Gnade verliert wegen seiner Sünden, sagt: sündige tapfer. Sündige, aber verlier nicht die Freude an der Gnade und der neuen Identität in Christus, denn dann hat der Teufel unter dem Deckmäntelchen des Gewissens und der moralischen Anständigkeit gewonnen… Gruß und gute Nacht…;-)

  18. Habe mir das jetzt nochmal durchgelesen und will nochmal erklären, wie ich es gemeint habe.

    Unsere Identität VOR GOTT ist definitiv nicht die des Sünders.
    Von der Perspektive eines Menschen sind wir aber immer noch ein Sünder, wenn man den Begriff so versteht, dass ein Sünder so jemand ist, der Sünde tut.

    Wenn also jemand zu mir sagt, dass ich ein Sünder bin, dann verstehe ich das so, dass er meinen „alten Menschen“ meint, der mit Christus gekreuzigt wurde (Röm 6,6).
    Das gehört nicht mehr zu mir, aber ein Mensch kann das nicht erkennen und deshalb macht es mir nichts aus, wenn er mich als Sünder bezeichnet. Er meint eben meine irdische Person.

    Gott hingegen kann messerscharf zwischen dem Wiedergeborenen und dem alten Menschen trennen.

    Das was da in uns sündigt, ist unser „Fleisch“, sagst du ja auch selber. Deshalb verstehe ich deine Argumentation nicht, dass ein Christ dann überhaupt noch sündigen soll. Du sagst, dass das Fleisch die Sünde tut, dann sündigt doch derjenige, der aus Geist geboren ist, nicht mehr. Denn das ist er nicht selbst (Röm 7,17).

    Ich verstehe das also immer noch so:
    Der irdische Mensch ist ein Sünder und tut Sünde, der geistliche Mensch ist kein Sünder und sündigt nicht.

    Da lasse mich aber auch gerne von etwas anderem überzeugen.

    Philip

  19. Hi Philip – wir könnten eigentlich auch telefonieren, da wir beide gerade im Netz unterwegs sind…;-). Natürlich, du hast Recht: in der Außenansicht sündige ich und komme als Sünder herüber. Ich würde mich aber selbst nicht mehr als Sünder bezeichnen, da ich meine Identität als Christ und Gotteskind einfach höher hängen möchte – tust du ja auch! Ich denke: Sprache prägt uns. Wie reden und denken wir von uns? Sagen wir uns im Herzen immer noch: ach, ich elender Sünder (ich denke das zumindest immer wieder und werde darüber sogar traurig, selbst nach einem Bekenntnis vor Gott noch, ich glaube DAS ist nun wirklich nicht mehr Gottes Wirken), oder sagen wir: gut, ich habe noch diesen alten Menschen in den Knochen, aber das BIN ich nicht mehr. Dann sind wir der Wahrheit – denke ich – näher. Denkst du ja, soweit ich dich verstanden habe, auch. Und damit sind wir doch d’accord? Ich finde es halt schwierig, sich selbst dermaßen aufzuspalten…. genau das tut biblische Menschenlehre nicht… also sehe ich mich als Heiliger (ohne jede Anmaßung und voller Bewusstsein, dass das reines Geschenk ist), der immer noch sündige Anteile in sich trägt. Andererseits sagt die Bibel auch deutlich, dass Fleisch und Geist zusammen nicht existieren können, mmmhm… ok, alle Probleme sind noch nicht gelöst, muss aber auch nicht, freu mich auch so dran und darf ja noch ein paar Jahre darüber nachsinnen – so Gott will…:-)

  20. Ja, da stimme ich voll überein.
    Das war dann wohl keine inhaltliche Differenz, sondern wohl eher eine Frage „wie drücke ich mich am Besten aus?“. Und da sind uns ja viele Möglichkeiten gegeben.

    Jetzt habe ich glaube ich auch verstanden, auf was du hinaus willst. 🙂
    Der Satan will uns immer einreden, dass wir noch nicht vor Gott gerechtfertigt sind und dass wir immer noch was leisten müssten. Und das dürfen wir uns natürlich nicht bieten lassen, denn Jesus hat unsere Schuld ein für allemal bezahlt.

    Ich habe hier dagegen eher den Dialog mit Ungläubigen im Blickfeld gehabt, denn so Kommentare wie „Haahaaa, du bist ein Sünder und ich nicht!“, sind nicht gerade förderlich.

  21. Bin eben am Lesen des Buchs „Neues Leben, neue Identität“. Da wird die Frage ausführlich beschrieben. Kann das sehr empfehlen!

  22. Vielleicht noch einen kleinen Gedankenanstoß.
    Wenn Gott mich ruft, wem ruft er da, einen Sünder, oder einen Gerechten?
    Was sieht er in mir, Die Sünden die ich tue?
    Denkt er dann, das ist er, der Helmut?
    Oder sieht er Das Wesen Jesus, das er in mein inneres gelegt hat?
    Was soll ich anschauen, wen ich über mich nachsinne?
    Meinen Sündenleib, der schon fast erstorben ist, oder soll ich Gott die Ehre geben, und mit Gott zusammen das Nichtseiende rufen als ob es da währe?

    [Röm 4,15] Denn das Gesetz bewirkt Zorn; aber wo kein Gesetz ist, auch keine Übertretung. [Röm 4,16] Darum ist es aus Glauben, daß es nach Gnade , damit die Verheißung der ganzen Nachkommenschaft sicher sei, nicht allein der vom Gesetz, sondern auch der vom Glauben Abrahams, der unser aller Vater ist, [Röm 4,17] – wie geschrieben steht: «Ich habe dich zum Vater vieler Nationen gesetzt» – vor dem Gott, dem er glaubte, der die Toten lebendig macht und das Nichtseiende ruft, wie wenn es da wäre; [Röm 4,18] der gegen Hoffnung auf Hoffnung hin geglaubt hat, damit er ein Vater vieler Nationen werde, nach dem, was gesagt ist: «So soll deine Nachkommenschaft sein.» [Röm 4,19] Und nicht schwach im Glauben, sah er seinen eigenen, schon erstorbenen Leib an, da er fast hundert Jahre alt war, und das Absterben des Mutterleibes der Sara [Röm 4,20] und zweifelte nicht durch Unglauben an der Verheißung Gottes, sondern wurde gestärkt im Glauben, weil er Gott die Ehre gab. [Röm 4,21] Und er war der vollen Gewißheit, daß er, was er verheißen habe, auch zu tun vermöge.

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