Leidenschaftlich in die Sündenfalle

Ich bin ein emotionaler und leidenschaftlicher Mensch. Dazu passend die andere Seite der Medaille: ein Hang zur Melancholie und Depression. Und immer wieder tappe ich in Sündenfallen, die mich maßlos ärgern und mich manchmal auch unbarmherzig gegenüber mir selbst werden lassen. Zumal ich auch noch Perfektionist bin (quasi eine notwendige Vorbedingung für Depressionen). Vielleicht kennst du das ja ansatzweise.

Spätestens ab dem Punkt der Unbarmherzigkeit gegenüber einem selbst gilt der Satz von Johannes, dass die Gnade stärker ist, wenn unser Gewissen uns verurteilt, denn diese Art der Selbstverdammnis ist nicht von Gott. Er bewirkt einen Zug im Herzen, der uns in die Vergebung und die Buße zieht. Aber wenn beides geschehen ist, ist alles Folgende Reaktion unseres „Fleisches“ – oder anders gesagt: unseres alten, gottlosen Menschen. Die gottgewollte Traurigkeit, von der die Bibel spricht, will zur Umkehr bewegen – sie fällt aber weg, wenn diese von Herzen gegangen wurde. Woher dann die Selbstverurteilung?

Ich habe bei Adrian Plass einen schönen Hinweis in einer Andacht über David gefunden (aus: Stürmische Zeiten). Adrian Plass und ich sind – so empfinde ich das bei der Lektüre seiner Bücher und bei den beiden Begegnungen mit ihm – irgendwie Seelenverwandte. Zudem er Engländer ist und dieses skurrile Volk schon immer meiner Sympathie genossen hat…;-). Er schreibt – sinngemäß zusammen gefasst – dass diejenigen Menschen, die leidenschaftlich und voller Herz für eine gute und göttliche Sache kämpfen leider genauso dazu neigen, leidenschaftlich und voller Herz in die Sünde hinein zu stapfen (siehe David). Weil ihr Charakter das so nahe legt. Ein Phlegmatiker, der schon für die Herstellung eines Frühstücksbrötchens seine Zeit braucht (wenn er sie denn angeht), der wird auch weniger schnell zur Sünde sein. Ein vorsichtiger Rationalist ebenso. Macht ihn das deswegen heiliger? Nein. Eben.

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9 Antworten zu “Leidenschaftlich in die Sündenfalle

  1. In Jakobus 4,17 steht ja: „Wer nun weiß, Gutes zu tun, und tut’s nicht, dem ist’s Sünde.“
    Ich bin ja eher so der Phlegmatiker und glaub mir, das ist in Sachen Selbstverdammnis auch nicht so angenehm. Da macht man sich dann nicht so sehr Vorwürfe, warum man dies oder jenes getan hat, sondern eher, warum man dies oder jenes NICHT getan hat.

  2. Auja, das ist ein guter Einwand! Es scheint so ne Art Unschärferelation der charakterbedingte Sündenempfindlichkeit zu geben…;-). Die Argumentation bleibt aber dieselbe: wenn der Charakter einem zu schaffen macht, dann darf man da auch barmherziger sein mit sich mit den Selbstvorwürfen nach der Buße.

  3. Auch nach dem Lesen deines Artikels weiß ich noch nicht, was für dich eine Sündenfalle ist bzw. worin die Sünde bei der Selbstverurteilung liegt. Vielleicht kannst du erkären, was du überhaupt unter „Sünde“ verstehst. Es würde mich interessieren.

  4. @monalisa: Hi erst mal, lange nix voneinander gelesen…;-)

    Also: Sünde (Einzahl) ist per biblischer Definition Trennung von Gott, eine Trennung, aus der der Mensch aus eigener Kraft nicht heraus kommt, vor allem nicht durch gute Taten. Diese Trennung wird von Gottes Seite durch Liebe und Gnade aufgehoben dadurch, dass Menschen glauben, und zwar an den Menschen, in dem Gott uns auf Augenhöhe begegnet und für unsere Schuld gestorben ist. Jesus. Dadurch wird Mensch fähig, das Gute zu tun und das Böse zu lassen. Fakt ist aber auch: es geschieht keine Gehirnwäsche und so tut man aus alten Mustern heraus weiterhin noch konkrete Dinge, die nicht so der Hit in Gottes Augen sind, sprich Sünden (Mehrzahl) – obwohl die Kraft da wäre, diese nicht zu tun. Ich zum Beispiel neige dazu, mich selbst und andere zu verurteilen, obwohl ich weiß, dass Gott mich und andere unendlich liebt. Oder: ich tu das Gute nicht, weil ich Schiss habe und mich davor drücke und es für mich Nachteile bedeutet. Das ist die Sündenfalle: wenn man eigentlich im Herzen weiß: ist jetzt nicht so toll und trotzdem hineinstolpert. Und das sogar manchmal willentlich. Die Botschaft des Glaubens ist nun befreiend: wenn das passiert, geh hin zu Gott, bitte schlicht um kindlich um Vergebung und weg ist es. Einfach so aus Liebe und Gnade. Keine Leistung unsererseits. Mache ich auch. Aber immer wieder ist die Gnadenlosigkeit sich selbst gegenüber größer und das Gewissen verurteilt einen immer weiter – obwohl Vergebung geschehen ist. Diese Selbstverurteilung ist nicht mehr nötig, denn Gott hat die Schuld weg genommen. Was mich also verurteilt, bin ich selbst bzw. meine charakterliche Prägung und Lebensgeschichte. Die muss erst lernen, dass Christsein Freiheit bedeutet und keine Selbstkasteiung und Leistungsdenke…
    Ich hoffe, ich war nicht zu abstrakt?

  5. Ja, bei mir ist viel passiert. Nichts mehr ist wie vorher. Von einem Tag auf den anderen.

    Woher weißt du oder besser wie, woran merkst du, das Gott dir vergeben hat?

  6. @monalisa: auha, das klingt intensiv, was du von dir andeutest. Ich wünsche dir Kraft und Segen – was auch immer dir widerfahren ist und das meine ich nicht als billiges Wort.
    Zu deiner Frage – übrigens eine sehr gute Frage! Und sie beantwortet sich am besten durch einen Bibelvers. „Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, erfülle eure Herzen und Sinne in Jesus Christus.“ Es gibt eine Wahrnehmung von shalom, vom göttlichen Frieden im Herzen, die ist unbeschreiblich. Einfach schön und frei und geliebt. Äh, und so stammele ich mir jetzt einen ab… das Tolle ist ja: in dem Moment, in dem man sich auf den Weg mit Jesus einlässt, ist ja bereits alles vergeben und getragen, alles Vergangene, Gegenwärtige und Zukünftige. D.h. ich trete mit meiner Bitte um Vergebung in etwas ein, das für Gott bereits Realität in seiner Liebe zu mir (und zu dir) ist. Diese Vergebung ist also längst nicht mehr juristisch im Sinne von da muss was getilgt werden – sondern eine Beziehungsklärung, wie zwischen zwei Liebenden… so ist letztlich der beste „Beweis“ für die Vergebung, dass man immer wieder einmal die Vaterliebe Gottes spürt und wahrnimmt – wenn auch nicht immer! Und wie leicht wird diese Wahrnehmung einseitig getrübt von der eigene Geschichte, vom eigenen Vaterbild… wie sehr ist da manchmal liebevolle Seelsorge nötig, um durchzustoßen zur Freiheit und Liebe…

  7. Ja, Kraft und Segen oder Unterstützung kann ich brauchen. s. meinen Blogeintrag vom 16.03 „Er war mein Mann“
    Ich bin als „Wörterhexe“ bekannt, daher frage ich mich/dich: Weshalb antwortest du mit einem Bibelvers, wenn es um deine eigenen Erfahrungen geht? Oder sind die Erfahrungen dergestalt, dass unsere „irdische“ Sprache die „göttlichen“ Erfahrungen / die Erfahrungen mit Gott nicht angemessen wiedergeben können?
    Die Frage soll keine Provokation darstellen!

  8. @monalisa: smiley ist gelöscht – anscheinend werden Klammern zu schnell als smiley interpretiert, seltsam… zu deiner Frage: hinter der Frage steht schon eine Grundannahme: dass biblische Worte eher Theologie oder Theorie sind und menschliche Erfahrung eine andere Sache. Tatsächlich beschreibt ja die Bibel ganz stark menschliche Erfahrung – und das auf einem Niveau, das eben mit den göttlichen Dingen zu tun hat, sie findet also Worte, die uns sonst nicht so leicht in den Kopf und über die Lippen kommen, wenn wir Dinge mit Gott erleben. Insofern erlebe ich es immer wieder, dass ein Bibelvers meine Erfahrung auf Beste und Präziseste beschreibt, wo ich nur stammele… – es ist nichtsdestotrotz meine Erfahrung: shalom – göttlicher Friede im Herzen. Das konkrete Erleben von Vaterliebe, von innerer Freiheit ohne Grenzenlosigkeit, von kleinen und manchmal auch großen Wundern, von verworrenen Spuren des Lebens, die im Rückblick dennoch irgendwie in eine Richtung weisen: Jesus. Immer wieder… Segen dir! Seine liebevollen Arme sollen dich umschlingen!

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