Gesundes Selbstbewusstsein

Dialog gerade am Frühstückstisch:
Ole (knapp 4): darf ich auf dem Klavier klimpern?
Isa und Christof (Alter wird verschwiegen): ja, warum nicht?
Einige Minuten später: Mamaaa, kannst du Wickie auf dem Klavier vorspielen?
Isa müht sich am Klavier durch die komplexe Tonfolge…
Ole (etwas ungeduldig, aber lieb): Komm, lass mich mal!

Während mir vor Lachen das Müslibrötchen aus der Hand fiel, kam ich ins Grübeln. Erfreut habe ich wieder mal bemerkt: wir haben Ole eingesundes Urvertrauen und Selbstbewusstsein mitgegeben. Das macht ihn manchmal anstrengend, aber es ist einfach gut. Er packt Dinge einfach an und probiert sie. Wenn es schief geht, schimpft er herum und macht es einfach nochmal. Und nochmal. Selbstverurteilung? Keine Spur. Ich? Ich bin klasse!! So ist Ole und so ist er gut. Und doch…

…ist es eben bei gar nicht vielen Menschen so selbstverständlich. Nun gibt es eine ungesunde Kreiserei um das Ich und die eigene Psyche, ich bin durchaus der Überzeugung, dass man dem so genannten inneren Kind auch mal einen Tritt in den Hintern geben muss. Aber man sollte es auch vorher entdeckt und gewürdigt haben! Die Mischung macht’s. Selbstreflexion ist kein Selbstzweck und auch nicht Ziel, sie ist nur Instrument und Teil des Weges, um als Mensch zu reifen. Doch die Beobachtung bleibt: viele Menschen arbeiten sich ab am Urvertrauen, am Selbstbewusstsein. Krebsen herum in Selbstverdammung und Zwängen. Mir geht es zumindest immer wieder mal so, auch wenn die Tendenz deutlich nach oben zeigt…

Was kann unser Glaube in diesem Bereich wirken? Jenseits wahrer, aber wenig hilfreicher Aussagen wie: du darfst dich selbst annehmen, weil Gott dich annimmt. Oder: deine Würde ist die eines Königskindes. Das ist wahr – aber erreicht es den verletzten Personenkern? Ich beginne, den Weg zu erahnen… Was sind deine Gedanken und Erfahrungen?

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6 Antworten zu “Gesundes Selbstbewusstsein

  1. Also mein erster Gedanke war folgender: Der Junge sieht ganz schön seinem Papa ähnlich 🙂 Ok, war nicht zum Thema, aber doch der erste Eindruck.
    Ich versuche sehr darauf zu achten, unseren Kindern Urvertrauen und Selbstbewusstsein mitzugeben. Sie mit ihren Bedürfnissen und Fragen wahr- und ernstzunehmen, Zeit mit ihnen zu verbringen, sie zu loben und zu fördern, wie es im Rahmen meiner Möglichkeiten ist.
    Das ist mir so wichtig, weil ich es anders erlebt habe, vor allem in der Beziehung zu meinem Vater. Ich kann mich nicht erinnern, dass der uns jemals für irgendwas gelobt hätte – wenn wir was gut gemacht hatten, hatten wir nur unsere Pflicht erfüllt. Ich war ja ursprünglich eigentlich kein Freund dieser „ich hatte eine schlechte Kindheit“-Nummer, aber ich merke mehr und mehr, wie genau diese Beziehung mein Leben geprägt hat. Und zwar insofern, als dass Mangel an Selbstvertrauen zu meinem Alltag gehört und mir auch immer wieder das Leben schwer macht. Deswegen habe ich mich in ein regelmäßiges Coaching begeben. Ein langer Weg, und ein teurer, aber ich hoffe, der macht mein Leben entspannter. Denn mein Leben wird von diesem mangelnden Selbstbewusstsein ja auch dann geprägt, wenn ich mich gar nicht bewusst damit beschäftige – es prägt, gestaltet und erschwert ja auch die Wahrnehmung meiner Mitmenschen und den Umgang mit ihnen…

  2. Meine Gedanken? Was mir einfällt? Mehr sogar als diese 4 Punkte hier …

    1. das innere Kind in mir zu entdecken, ist eine sehr wichtige, oft schmerzhafte aber dann so befreiende, tolle Sache.

    2. mit meinem Glauben hat es sehr viel zu tun, denn es hat zwangsläufig etwas mit meiner Gottesbeziehung zu tun, wie ich Gott sehe, empfinde, erfahre usw. usf.

    3. Aufbruch zu einem freien und gesundem Kind (gerade als Erwachsene), hat sehr viel mit meiner Persönlichkeit und so mit – oh Wunder – schon wieder was mit meiner Gottesbeziehung zu tun.

    4. … und die Bibelverse die mir dazu einfallen: „wenn ihr nicht werdet wie die Kinder“ und „liebet euren nächsten wie euch selbst“ – was für mich keine „Selbstverliebtheit“ bedeutet, sondern die Tatsache: „solange ich einen einzigen Menschen weniger lieb habe, als mich selbst, sollte ich mich fragen, warum das so ist.“

    … sehr schön, wie ihr beide (Christof und cTraveller) hier den Umgang mit und an euren Kindern beschreibt und selber dabei auf dem Weg seid. Also, lasst uns werden wie die Kinder 🙂 Warum müssen wir zu der Erkenntnis erst in die Jahre kommen? *grins* Ich jedenfalls könnte mir in den Hintern treten, dass ich das nicht schon eher so erkannt habe, denn das Leben nach der Erkenntnis ist richtig schön …

    … und dabei fällt mir dann noch ein Bibelvers ein (mein Taufspruch): Das gute Werk, dass ER bei euch angefangen hat, wird er vollenden bis an den Tag, an dem Jesus wieder kommt (frei übersetzt)

    Segen euch Sabina

  3. Pingback: 2005 - Liebe deinen Nächsten « sabina online·

  4. @Rolf (ctraveller): jo, Supervision genieße ich auch einmal im Monat – und jedes Mal kommt es zu schönen Impulsen, die wieder ein Mosaiksteinchen ergeben…

    @Sabina: danke für deinen Input. Die Fakten sind oft genug auch klar – und du beschreibst ein paar zentrale gut und treffend. Zu einer reiferen Persönlichkeit zu werden, das ist dann oft genug der lange Weg, den deutest du an und der ist wahrscheinlich auch nicht für jeden identisch beschreibbar. Aber genau daran versuche ich mich, an einer frischen Sicht auf Spiritualität, die mich packt, die mich verändert, die mich als Menschen mit all meinen Beziehungen (zu mir selbst, zum Nächsten und zu Gott) integriert. Ich arbeite daran und der südbayrische Kreis FeG darf sich im Februar an den ersten Ergebnissen in zwei Vorträgen (hoffentlich) freuen…;-) aber ich werde natürlich auch hier weiter auf dem Weg sein und das so transparent wie es irgendwie geht…

  5. Der persönliche Weg ist nicht nur „wahrscheinlich“ nicht identisch (langsam lesen) 😉 , er ist absolut individuell, wenn gleich auch mit manch einem Freund recht ähnlich.

    Ebenso die frische Sicht auf Spiritualität, die einen packt. DAS sie uns aber alle packt, dass wünsche ich uns sehr. Vor allem, dass sie erhalten bleibt, WENN sie uns packt …

    Danke für deine Transparenz.

    Uns allen eine „frische“ Reise 😉

  6. Der Südbayerische Kreis freut sich nicht erst im Februar, sondern schon jetzt auf die Vorträge! 😉

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