Die versteckte Not der Seele: Scham.

Das beschäftigt mich gerade im Rahmen meiner Predigtvorbereitung für Sonntag: Scham. Nicht das Schamgefühl, das uns gesunde Grenzen einhalten lässt – nein: die Scham, die im Tiefsten eine Empfindung auslöst: Ich bin ein Fehler. Die Scham, die genau diese vermeintlich fehlerhafte Identität durch eine äußere Hülle des Wohlverhaltens überdeckt (wie auch immer der jeweilige soziale Kontext Wohnverhalten definiert…).

Es ist diese versteckte Scham, die einen aggressiv reagieren lässt, wenn man von einem Autofahrer auf der Autobahn gedrängelt wird – denn dieser vermittelt dadurch versteckt: du bist ein Nichts, ich bin ein Jemand – verschwinde aus meinem Weg. Und genau diese oft überhaupt nicht realisierte Scham blockiert auch Freude im Glauben, letztlich wird sogar das Heil bedroht. Denn wer seine minderwertige Identität schützen will, der wird sie nur ungern öffnen vor dem Vater – schambesetzte Menschen können Geschenke nur schwer annehmen, auch das Geschenk der Gnade…

Und letztlich macht Scham eins: sie lässt einen um sich selbst und das eigene Ego kreisen. Deswegen fühlen sich schambesetzte Menschen in Gemeinden und Gemeinschaften wohl, in denen man sie Opfer sein und/oder ihre fromme Show bzw. Schutzschicht hochziehen lässt (wie auch immer die gefärbt ist: evangelikal, charismatisch oder kirchlich). Das Evangelium lehrt aber eins: Verantwortung übernehmen für das (auch verletzte) Ich, es freiwillig vor Jesus hingeben und Ihn Mittelpunkt sein lassen. Kann es sein, dass die Scham tiefer und in häufiger in uns sitzt, als wir denken?

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Eine Antwort zu “Die versteckte Not der Seele: Scham.

  1. Sehr gute Frage.
    Aus meinem persönlichen Leben kann ich nur sagen, dass es sich lohnt, diese Scham zu überwinden und immer weiter zu überwinden.
    Mir hat einfach die Erkenntnis ganz doll geholfen, wenn Gott all meine Haare gezählt hat, deren Anzahl ich noch nicht einmal kenne, warum soll ich mich dann verstecken? Aber auch Glatzköpfige kennt Gott in und auswendig 🙂

    Oder ein anderes Beispiel frei nach Psalm 139: Gott durchschaut mich – aus der Ferne erkennt er, was ich denke – mein ganzes Leben ist ihm vertraut – schon bevor ich rede, weiß er was ich sagen will – von allen Seiten umgibt er mich – er kennt mich besser, als ich mich … und all das ist zu dem auch noch ein unergründliches Geheimnis, unbegreiflich und zu hoch für mich.

    Wenn das so ist, warum dann nicht die Scham überwinden. Stück für Stück.

    Einen gesegneten Godi.

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