Vom Umgang mit alten Gedanken und Erlebnissen

Seit einer Woche steht neben meinem Computer eine schicke Festplatte und diese beinhaltet die so genannte Time Machine. Mein iMac legt automatisch und für mich nicht wahrnehmbar Backups an und auf Knopfdruck kann sehr elegant jede noch so alte Datei, die einmal weggeworfen wurde wiederhergestellt werden. Das ist faszinierend, effektiv und très chic! Keine Daten gehen verloren – kein Photo, keine mail, alles ist wiederherstellbar. Für einen beruflichen Rechner eine unabdingbare Sache. Aber natürlich kommen mir da wieder geistliche Gedanken und Bezüge…

Wie ist das eigentlich mit unseren Gedanken und Erlebnissen? Auch diese werden abgespeichert und auch wenn sie vermeintlich vergangen sind – sie sind noch da! Zeit heilt keine Wunden und löscht auch keine Erlebnisse. Bei einem passenden Auslöser kommen die alten Kamellen wieder hoch und prägen erneut das Leben, ziehen herunter, drücken nieder. Jeder Mensch kennt das. Und irgendwann ist die innere Festplatte, unsere Seele (im hebräischen Sinne, also unsere näphäsch) einfach überfüllt, aber anstatt nun die alten Daten zu überschreiben (wie das time machine machen würde), kommt es zum Ausbrennen, zum Zusammenbruch, zur Depression. In der Depression ist ja im Wortsinn etwas niedergedrückt worden – unsere Seele vergisst aber nie, unser Körper übrigens auch nicht. Was ist also die Lösung für dieses Dilemma? Dass wir irgendwann an einen Punkt geraten, an dem wir innerlich überfüllt sind und nicht mehr ein und aus wissen?

Ich taste mich heran und vielleicht ergänzt du in den Kommentaren deine Gedanken. 

  1. Regelmäßige Seelenhygiene. Seelsorge, richtig verstandene Beichte, aber auch ein gesundes Maß an Gedankenkontrolle (was sage ich da eigentlich gerade? Welcher Gedanke kommt mir da eigentlich gerade – soll ich diesen durchlassen in meine Seele?). Gedankenkontrolle (man spricht im Mönchtum von der Türwächterübung) vermittelt der eigene Seele: ich achte auf dich, ich lasse nicht zu, dass dich alles zumüllen darf. Dabei wird der Gedanke nicht bekämpft, sondern gelassen abgewiesen. 
  2. Tagebuch. Im Tagebuch dürfen Gedanken zur Schrift werden und damit an Kraft verlieren. Tagebuchschreiben hat eine lange therapeutische Tradition. Es tut gut, sich Gefühle und Erfahrungen von der Seele zu schreiben…
  3. Gebet. Gott um Heilung der Gedanken bitten und ihm bewusst die Prägungen anvertrauen. Er kann aus Mist noch Diamanten formen…
  4. Ausrichtung auf den Nächsten. Ich mache die Erfahrung, dass Gemeinschaft gut tut. Der Mensch wird am Du zum Ich (Buber) – und so erlebe ich in schweren Phasen, das mir Menschen gut tun (ohne dabei das Schwere zu verdrängen). Natürlich nicht alle Menschen. Sondern Menschen, die aufbauen, die es gut meinen, mit denen man schweigen kann und lachen und weinen. Anderen gehe ich in solchen Momenten eher aus dem Weg – aus Selbstschutz. 
  5. Bewusst gute Gedanken und Prägungen pflegen. Seine Seele mit Positivem füttern. Die dunkle Sicht verdunkelt auch Dinge, die gar nicht dunkel sind. „Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er die Gutes getan hat!“
  6. Nicht kämpfen, sondern loslassen! Die dunklen Dinge, die mich bedrängen, sind nicht mein Feind (ich rede hier nicht von Kräften der unsichtbaren Welt – diese gehören mit Autorität bekämpft!) – sie sind Teil von mir. Ich kann aus ihnen lernen. Ich kann sie loslassen in die Hände Gottes, der damit etwas anfangen kann. Kämpfe ich gegen innere Regungen mit Gewalt, schade ich mir selbst und mache Teile in mir zu einem noch größeren Problem. Kurz: es ist ok, mal nicht gut drauf zu sein und eine Krise zu haben. Lassen wir nicht unser Seelenleben von Denken der dauergrinsenden Glückssucher infizieren – große Teile englischer Popmusik wären ohne Melancholie nicht entstanden…
  7. Hast du noch mehr Tipps? Dann los…;-)

10 Kommentare

  1. Suuuper Christof!!

    Gaanz wichtiges Thema und immer aktuell.
    Habe just einen entspr. Komment. bei Storch gepostet und lese das nun hier bei dir säuberlich aufgearbeitet – sehr krass!.. 😉

    Für mich ist Punkt 2 der erste – die Verletzungen usw. müssen vor den Thron Gottes und dort im Feuer der Liebe und Vergebung verbrannt werden – es muss Papa wirklich ganz übergeben werden!
    dann kommt bei mir dein Punkt 1, damit die Viecher nicht wieder „auferstehen“…

    Die anderen Punkte sind auch echt hilfreich – sehr gut angesprochen das Thema – Danke!

  2. ja, einen habe ich noch, einen ganz wichtigen: „fasten“ – nämlich von allem, was uns wieder in die alte zeit zurück katapultiert. das ist oft voll schwer, denn manchmal will ich gerne zurück, mich schlecht fühlen usw. es war für mich wichtig, manche sachen konsequent aus meinem leben raus zu tun (z.b. nicht nur kein drogen mehr nehmen sondern auch einige musik nicht mehr zu hören).

  3. @Bento: das ist in der Tat faszinierend. Aber so ist das in der Verbundenheit des Heiligen Geistes..;-)

    @Storch: danke für die Ergänzung. Spannendes Thema, weil man erst mal realisieren muss, was denn schadet! So scheint der Fernseher diversen Ehen ziemlich zu schaden, wenn ich so an meine Begleitungen denke… wenn man gerne CSI, 24, House und Hart aber fair guckt (das ist so mein Programm mit Isa zusammen neben den Nachrichten), dann ist manchmal einfach zu wenig Zeit für Gespräch und ohne Gespräch langt der Teufel zu in einer Ehe… aber wie immer dient wohl temporäres Fasten dazu, langfristig ein gesundes und kontrolliertes Maß zu finden. Zumindest bei Sachen, die nicht per se Sünde sind, die gehören nicht gefastet, sondern verbannt. Interessant wäre mal eine Liste von Dingen, die man fasten kann, weil sie schon öfter mal geistlich Stress gemacht haben…

  4. Oder wie eine alte Nonne mir mal sagte:“Life and love are not about follow your heart, but about lead your heart.

  5. Baaah … der passende Auslöser ist gerade bei mir da und die alte Kamelle kommt gerade wieder hoch. Nicht mehr mit voller Kraft, wie in alten Zeiten. Aber der beste Beweis, dass das alte Erlebnis nicht vergessen ist. So eine time machine besitze ich zwar in meinem Leben nicht, alle Daten sind aber trotzdem noch nicht geschreddert. Ich kam mal hier zurück, um undemütig ein wenig zu jammern und wähle den Modus „Punkt 6 – nicht kämpfen, loslassen“ ….

  6. @Sabina: na, da denke ich doch glatt an dich im Gebet…;-) und: jammern ist auch mal erlaubt. Besser ist allerdings Klagen… ist ja sowieso der Horrorspruch: ich kann nicht klagen… (gut, dass das die Psalmisten nie gesagt haben)

  7. Danke für den Hinweis, dass wir nicht bescheiden Jammern, sondern auch bis auf’s Blut klagen dürfen.
    Danke für dein und euer Blogger-Gebet 🙂 Wenn du es zum Zeitpunkt deines Kommentares direkt umgesetzt hast 😉 dann ist wenig später ein Anruf gekommen: die weltbeste Freundin.

    Wir telefonieren zwar regelmäßig, dann aber doch nicht sehr oft. Uns trennen Kilometer.
    Freunde zu haben ist wichtig, ein kostbares Gut. Es gibt aber nur eine, die weltbeste, mit der ich mittlerweile ein so inniges Verhältnis habe, dass uns die intimsten Dinge nicht unangenehm sind.
    So was ist für Modus „Punkt 1“ ungemein wichtig, eine kostbare Perle, wirklich ungeschminkt alles offen darlegen zu dürfen, so dass Jesus auch in den dunklen Ecken Licht herein bringen kann.
    Dabei muss man nicht ein Schwerverbrecher sein, sondern es sind oft „nur“ Enttäuschungen aus der Vergangenheit, die ein Leben geprägt haben, die heute wie eine Mauer (Selbstschutz) im Weg stehen und das Leben im Überfluss blockieren.

    Nach Modus 1 ist die Sache als solches nicht total weg, auch nicht nach dem Telefonat, aber sie gewinnt immer weniger Kraft und Macht und es kommt zum Mauerfall.

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