Ein Schritt von der Hölle entfernt

Einige wollen gerne da wohnen, wo man noch die Kirchenglocken hört; ich will einen Laden haben, der Errettung anbietet, einen Schritt von der Hölle entfernt (ein Chinamissionar, zitiert in: red moon rising (S. 239 -deutsche Ausgabe))

Dieses Zitat ist bei mir hängen geblieben. Und es ist wahr. Vieles an der evangelikalen Bewegung in Deutschland und auch in den USA ist tendenziell gut bürgerlich. Die Kirchenglocken sollten in der Nähe sein, man ist lieber mit Christen als mit Nichtchristen zusammen, kein Wunder, mit denen kann man auch mehr und tiefergehender Themen teilen. Meistens. Es gibt selbst bei radikalen Bewegungen eine selbstlaufende Entwicklung hin zum Bürgerlichen, zum sesshaft werden, weg von den Verlorenen, hin zu denen, die auch so denken wie man selbst. Christliche Gettoisierung. Damit verlieren wir aber Jesu Auftrag aus den Augen, der eben beinhaltet, keinen Platz zu haben, wo man den Kopf hinlegen kann und mitten in der Welt zu leben und dort Zeuge zu sein.

Das mag auch mit einer Angst vor dem Schmutz der Welt zu tun haben. Ist man dem gewachsen, was man da sieht und erlebt? An äußerem und inneren Elend? Diese Vorsicht und Befürchtung hat aber vor allem ein ganzes Stück mit mangelnder Erkenntnis des eigenen Herzens zu tun: denn meine Sünde ist nicht geringer, mein Herz nicht abgründiger, ich bin nicht besser, nur besser dran durch die Gnade Gottes in Jesus Christus. Also kann ich mich getrost auf Menschen einlassen, die mitten in schwierigen Verhältnissen leben – ohne Angst vor Verschmutzung zu haben.

Aber nun bitte nicht von der anderen Seite vom Pferd fallen: man kann nur in der Nähe der Hölle überleben, wenn man gleichzeitig eine Gemeinschaft hinter sich hat, in der man auftanken kann, die für einen betet, die trägt und hinterfragt. Wie immer in der jüdischen Denke ist das kein Entweder-Oder, vielmehr ein sowohl als auch – wir brauchen beides: Kirchenglocken und das Leben am Abgrund der Hölle. Und beides sollte intensiv gelebt werden, um nicht geistlich auszubrennen (auf der einen Seite) oder aber den wirklichen Auftrag aus den Augen zu verlieren (auf der anderen Seite).

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Eine Antwort zu “Ein Schritt von der Hölle entfernt

  1. ..kenne da noch einen Spruch, der könnte vom selben Autor stammen:

    Wir müssen schon mit unserem Rettungswagen bis in die Hölle fahren und nicht draussen warten, bis jmd. rauskommt…

    echt zum grinsen – spricht aber eine traurige Wahrheit und das Problem des „christl. Ghettos“ an.

    Gruss + Segen

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