Rüdiger Dahlke und die christlichen Rituale…

Vorgestern im Hessischen Fernsehen eine interessante Reportage über eine einwöchige Fastenwanderung gesehen. Geleitet wurde diese von Rüdiger Dahlke, Arzt, Psychotherapeut und Kultfigur der esoterischen Szene. Mitwanderndes und fastendes Publikum: zwischen 45 und 65 schätzungsweise. Irgendwann sitzt Dahlke vor einer Hütte in den Bergen und spricht folgende bemerkenswerte Worte (sinngemäß): „wenn ich morgens ein christlichen Morgenritual anbiete, dann bleiben 40% meiner Gäste fern und tauchen erst zum Frühstück auf. Wenn ich ein indianisches anbiete oder ein buddhistisches, dann sind sie ohne Ausnahme alle da. Ich bedauere das, dass wir so wenig so unseren Wurzeln stehen können.“

Da saß ich vorm Fernseher und es begann die übliche Rotiererei in meinem Kopf, wenn ich inhaltlich auf die Reise geschickt werde (befördert von einem köstlichen Glaserl Havanna Club). Was nur ist es in unserer Gesellschaft, dass der christliche Glaube so wenig Sexappeal hat? Warum ist ein fremdes, abgedrehtes Ritual so viel beliebter und begehrter als ein christliches (das ja auch nicht mehr bekannt ist!!)? Und wir reden hier nicht von jungen Menschen meines Alters oder gar von Jugendlichen, sondern von einer Altersklasse, bei der ich bisher dachte, sie würde zumindest rein theoretisch noch ein wenig Ahnung haben und nicht nur Negativfolien vom Christentum im Kopf.

Dahlke hatte auch keine Erklärung, nur die: vielleicht negative Erfahrungen im Religionsunterricht. Glaube ich aber nicht. Die Leutchen waren bereits 40 Jahre raus aus dem Reli-Unterricht und zudem bietet dieser ja ein mehr oder minder spannenden Überblick über alle Religionen… was ist es dann? Was ich auch in Deutschland, auch hier in Eschweiler erlebe: man rechnet nicht mit den (Frei-)kirchen. Man rechnet nicht damit, dass der christliche Glaube wertvolle Antworten für das eigene Leben geben kann. Man rechnet nicht damit, dass ein Gottesdienst begeistern kann. Nur schlechte Erfahrungen? Wie seht ihr das? Was sind eure Gedanken? Was blockiert die Menschen gegenüber dem christlichen Glauben?

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24 Antworten zu “Rüdiger Dahlke und die christlichen Rituale…

  1. ja, ich denke es sind wirklich die traumatischen Erlebnisse von sonntäglicher Frömmelei, aufgesetzte Scheinheiligkeit, und offensichtliche Heuchelei – gepaart meist noch mit ungesunder Strenge oder Lauheit – die auch nach 100 Jahren nicht verblassen und die Sicht verstellen auf die erlösende Kraft der Liebe in Jesus.

    Die „Rituale“ wurden wohl nicht als zielführend, sondern eher als leere Formen wahrgenommen – da verspricht ein ausgiebiges Frühstück tatsächlich mehr „(Er)füllung“ – die Rituale der anderen sind bisher unbelastet und wecken die Neugier. In einer Welt, in der alle Wege nach Rom führen und es oft mehr darum geht sich selber zu begegnen als unserem Gott, wählt man halt lieber die Schwitzhütten, Sonnengruß und Ringelpitz mit anfassen Erlebnistour…

    von Dahlke hab ich früher einiges gelesen – mich hat immer fasziniert, dass er die christl. Wurzeln nicht leugnet.

  2. @Bento: Aber es können nicht nur solche Erlebnisse sein. Hier in der Siedlung geht fast keiner mehr in irgendeinen Gottesdienst und das manche auch schon seit Kindheit an. Wir haben also die erste Generation von Leutchen (nicht nur die aus dem „Osten“), die nicht mal mehr in der Kindheit christlichen Glauben erleben „durften“. Ist die Abneigung gegen die Kirche schon so tief im kollektiven Gefühl verankert, dass selbst diese Leute nicht mehr neugierig auf Kirche respektive Gemeinde sind? Es herrscht eine seltsame, diffuse Abneigung… bzw. vollkommen fehlende Erwartung, dass da irgendwas relevantes passieren könnte. Selbst bei denen, die keinerlei kirchliche Erfahrungen aufweisen… grübel…

  3. naja – diese Leute sind dann aber auch kaum beim Schamanen-Treffen im Teuteburgerwald dabei, verpassen aber keine Folge von „wer wird Millionär“…

    klar, dass die Sonntags nicht kommen – dein erster Satz schreit ja gradezu nach „gehet hin“…
    als ich eure schöne Wiese gesehen habe, dachte ich – hier müssten die Zaüne weg und Grillpartys mit der Nachbarschaft an den Start – ich weis: nicht nur das Wetter spricht dagegen…

  4. ich tippe auf neugier. man denkt, dass man das christliche ohnehin alles kennt und steht für einen alten hut nicht auf. sobald die leute dasselbe von islamischen sachen denken, bleiben sie dabei auch liegen…

  5. Hallo erstmal,
    ich lese hier schon länger mit und finde es grade in letzter Zeit spannend, wie du immer wieder auf Wunde Punkte hinweist.
    Zum Thema hab ich die Vermutung, dass es mit daran liegt, wie wir Christen in die Medien gelangen. Wir machen ja gerne Reklame gegen alles, was wir als Sünde betrachten. Fast schon nach dem Motto „Hallo, worum geht’s? Ich bin dagegen.“ Da fällt es dem Durchschnittsmenschen nicht schwer zu sagen, dass er sowas nicht braucht. Dann lieber etwas Buddhistisches, die haben so schöne Klostergärten und das sieht alles so gut aus. Und Kampfsportarten können die… Das hat schon Stil und gefällt eher. Wir sind so sehr mit uns selbst beschäftigt, selbst wenn ihr darüber schreiben, dass wir mit uns selbst beschäftigt sind, denken wir eher darüber nach, was man ändern könnte, als dass man es tut. So kommt es mir zumindest oft vor. Wo erleben unsere Mitmenschen heutzutage das Christentum, wenn nicht im Fernsehen. Ich muss an eine Situation denken – ich weiß grad nicht mehr, wo ich das gehört habe -, da hat jemand erzählt, dass er nach ein paar Jahren Zusammenarbeit von einem Kollegen angesprochen wurde, der meinte, „Ich bin bekennender Christ!“ und er darauf geantwortet hat, „Echt? Wusste ich die ganzen Jahre über ja gar nicht…“ Ich hab grad angefangen, dort wo ich bin, in der Schule, mit anderen über Gott und das Leben mit ihm zu reden und, das ist neu, zu helfen, wenn es seelische und zwischenmenschliche Probleme gibt. Ich glaube, dass es ein wichtiger Schritt für Christen und Gemeinden heute ist, den Menschen dort zu begegnen und zu helfen, wo sie Probleme haben und nicht Bespaßungsprogramme in der Gemeinde anzubieten, die entweder fast nur Frommen gefallen oder bei denen das gelebte Evangelium vergessen wird; um mal Extreme zu nennen.

  6. „Es herrscht eine seltsame, diffuse Abneigung… bzw. vollkommen fehlende Erwartung, dass da irgendwas relevantes passieren könnte.“
    Das trifft es genau. Die Menschen haben sich im Lauf der letzten 1100 Jahre (kollektiv, auf vielen Wegen) eine Meinung darüber gebildet, ob/wofür Gemeinde relevant ist. Und das ist keine individuelle Erfahrung, sondern sie ist ins kulturelle Weltbild unserer Gesellschaft eingegangen. Sie wird in jeder Generation ein bisschen modifiziert, aber so eine Tradition erledigt sich nicht einfach.
    Grundlegend kann so etwas nur durch grundlegend neue Erfahrungen verändert werden. Dass ein kirchlicher Mitarbeiter mal ganz nett war oder vielleicht auch geholfen hat oder guten Konfirmandenunterricht gegeben hat (das sind vielleicht die häufigsten positiven Erfahrungen, die Menschen heute mit Kirche machen) ist da noch längst keine echte Kontrasterfahrung. Kirche wird trotz allem durchaus respektiert, wenn sie ihre Sache gut macht (Pfarrer sind der zweitangesehenste Berufsstand nach den Ärzten), aber der Gedanke, dass da etwas passieren könnte, das mitreißt, Leben verändert, begeistert usw. ist einfach viel zu weit weg von der kollektiven Erfahrung (und, natürlich, nicht jeder möchte Lebensveränderung).
    Und sieh es mal aus der Sicht der Leute: ist das denn so falsch? Hat sich Kirche wirklich so stark geändert? Passiert für einen Normalverbraucher in zB einer Morgenandacht mit einiger Wahrscheinlichkeit etwas, was es lohnt, auf ein nettes Frühstück zu verzichten? Und ist es nicht aus dieser Perspektive wirklich lohnender, etwas unbekanntes Neues zu testen als etwas, das seit langem als nicht hilfreich bekannt ist? Wir wissen, dass es anders ist, und Rüdiger Dahlke erfreulicherweise irgendwie auch, aber deswegen ist es noch lange nicht selbstverständlich.
    Erst eine wirklich auf etwas breiterer Front neugewordene Kirchen/Gemeinde/Christenheit wird wieder relevant sein. Aber mit Neuwerden meine ich nicht ein bisschen Modernisierung und Pop im Gottesdienst, sondern einen anderen Bauplan. Den haben wir noch lange nicht.
    Man könnte den ganzen Zusammenhang ja auch so deuten: Gott wird uns erst wieder Menschen in größerer Zahl anvertrauen, wenn wir uns als vertrauenswürdig erwiesen haben. Und das heißt: wenn wir unsere Hausaufgaben gemacht und uns echte Erneuerung/Umkehr haben etwas kosten lassen. Ist doch eigentlich gar nicht so übel, oder?

  7. @jovan: herzlich willkommen auf meinem Blog! Ja, du hast Recht! Natürlich müssen mehr Menschen selbstverständlicher von ihrem Glauben reden. Unverkrampft und ohne mit Traktaten zu schwenken plausibel machen, warum der Glaube und warum Gott gerade jetzt in dieser Situation etwas zu sagen hat. Problem: das wissen selbst manche Christen nicht…;-)

    @tiefebene: Yep. Genau. Wir brauchen eine neue Zukunftsvision, die alles Andere sprengt. Mehr Geld in publicity, mehr tolle Modelle, mehr mehr… das kann alles kurzfristig Leutchen sammeln, die noch irgendwie im Dunstkreis der christlichen Subkultur herumlungern, aber echte Umkehr bei echten Heiden? Ausnahme! Dennoch: ich glaube immer noch an die verändernde Kraft der Verkündigung (wenn sie denn relevant ist). Nur: sie muss eingebettet sein in eine andere Art Gemeinde – aber wie kann die aussehen…?

  8. Wahrheit bringt die Menschen zum christlichen Glauben.
    Lügen blockieren die Menschen gegenüber dem christlichen Glauben.
    In diesem neuen Zeitalter gibt es ungesunde Graphiken, die man in Filme und Video Spiele sehen kann, die eine neue gefährliche Welt öffnen für diejenigen die naiv sind. Viele Direktoren sind falsche Lehrer, die Satan dienen und es nimmt nicht lange Zeit eher unser Nachbar dünkt dass das allerbeste Buch, die Bibel, das langweiligste Buch sei.

    Die Medien Fernsehen, Film, Magazine und Zeitungen haben seit Jahren meistens Negatives über Christentum geschrieben. Das Publikum sieht und liest was sie meinen und kopieren zum gewissen Masse ihre Gedanke und Meinungen. In den letzten zwei Jahrzehnten ist insbesondere eine riesige Verschlechterung im Interesse für die Bibel unter dem Publikum geschehen.
    Die Medien Fernsehen, Film, Magazine und Zeitungen haben seit Jahren meistens Negatives über Christentum geschrieben. Das

    Publikum sieht und liest was sie meinen und kopieren zum gewissen Masse ihre Gedanke und Meinungen.
    Heutzutage man läuft lieber zu Pop, Rock, Country, Reggae oder heavy Metal Musik um „klug“und „cool“ zu werden. Andere versuchen „klug“
    zu werden durch das Lesen von New Age Bücher.
    Das Ergebnis ist dass das allerbeste Buch bleibt, außer einer kleinen Gruppe, wenig oder gar nicht gelesen.

    Heutzutage viele Menschen haben negative Gedanken über Christentum schon im Kopf und gewisse negative Erfahrungen im Religionsunterricht
    können immer noch eine Rolle dabei spielen.
    Obgleich der christliche Glaube wertvolle Antworten für das eigene Leben gibt, können und wollen viele Menschen diese Tatsache nicht verstehen.
    Wahr ist der Mensch braucht das Wort Gottes um Neugierigkeit für Gott aufzuwecken.

    Leider Neugierigkeit unter den Menschen für Jesus Christus ist schwieriger und schwieriger zu finden.
    Wir leben in den letzten Tagen und Satan hat Millionen von Menschen verführt. In den letzten Jahrzehnten der Mensch ist geistlich fauler geworden. Heutzutage ziehen manche Menschen dumme Zeit raubende schädliche Programme am Fernsehen anzukuchen, anstatt etwas lohnenwertes über Gott kennenzulernen. Freunde Gottes wir haben noch viel zu tun; doch Gott ist mit uns jeder Schritt dass wir nehmen und unternehmen. Jesus Christus sei immer gelobt.

  9. Fü mich ist einer der Gründe nicht nur die traumatisierenden Erfahrungen in Kindheit und Jugend, die mich der Amtskirche den Rücken hat kehren lassen, sondern der für mich unerträgliche Herrschaftsanspruch. Ich habe weder kirchlich geheiratet, noch meine Kinder taufen lassen. Ich denke aber, dass ich sie christlich erzogen habe, aber eben nicht konfessionell gebunden, um ihnen die rigiden Strukturen der Kirche zu ersparen. Vielleicht war es aber auch nur ein fehlendes alternatives Konzept, Christentum mit anderen zu leben. Bei meinen vielen Umzügen habe ich nicht einmal erlebt, dass sich ein Pfarrer, ein Gemeindemitglied hat blicken lassen. Und ich habe nie in Großstädten gewohnt. Als ich ausgetreten bin, da klingelten sie Sturm.
    Für meinen im Frühjahr verstorbenen Mann, der Kirchenmitglied war, habe ich von Donnerstag bis einschließlich Dienstag keinen aus der Pfarrei erreichen können, mit dem ich die Gestaltung der Trauerfeier besprechen konnte, ich hätte es mir für meinen Mann gewünscht. Dienstag wurde mir mitgeteilt, der Pfarrer habe keine Zeit, kondoliert wurde nicht. Da habe ich selbst die Gestaltung in die Hand genommen, Freunde haben gesprochen, und ich hatte den Eindruck, dass sich das Wort: wo einige in meinem Namen sich versammelt haben, da bin ich mitten unter euch, erfüllt hat. Mein Mann ist ohne kirchlichen Segen verabschiedet worden. Die Freundin meines Sohnes hat ihm ien Kreuz auf die Stirn gezeichnet. Hat mich letztendlich mehr bewegt als dies ein offizieller Segen bewirkt hätte.

  10. Ich denke, durch die merkwürdige Verstrickung der Kirche mit dem Staat hat viel geschadet. Die evangelischen Kirchen waren/sind Landeskirchen und in der Vergangenheit eher ein Herrschaftsmittel als ein Entwurf eines alternativen Leben.
    In den katholischen Gegenden war der Fürst häufig gleichzeitig auch Bischof…. nicht grade die günstigste Konstellation, wenn der, der göttliche Vergebung zu sprechen soll, gleichzeitig der oberste weltliche Richter ist, oder? In der Zeit nach der franz. Revolution war meine Kirche, die mit dem Schild „Dagegen“, wobei man nach und nach vergessen hat zu sagen, was die Alternative ist. Dazu kam die recht erfolgreiche antikatholische Propaganda im deutschen Kaiserreich und danach, die der Faschisten. Vieles (z.B. auch das was Hr. Bittlinger singt) was ich an Vorurteilen höre ist eine nette Mischung daraus mit einem Spritzer Philosophie der Aufklärung. Nach ’45 haben sich die Kirchen weitestgehend zu einem halbstaatlichen Sozialservice umgestaltet und das ganz freiwillig. Ich denke, das war und ist ein großer Fehler. Oft denken Leute Kirche ist was für Sozialfälle, die ihr Leben nicht auf die Kette kriegen. Die Kompetenz einen stimmigen Lebensentwurf für Normalos anbieten zu können, ist teilweise auch garnicht mehr in der Breite vorhanden. Gibt Gemeinden in Europa wo es einfacher ist einen katholischen Schuldnerberater an den Start zu kriegen wie einen guten Beichtvater zu finden. Aber ich denke, das Problem ist inzwischen erkannt und immer mehr Bewegungen in der Kirche entdecken die alten Schätze wieder.

  11. @monalisa: das ist eine traurige Geschichte. Und einfach ein systemischer Nachteil von riesigen Volkskirchen mit zu wenigen Pastoren/Pfarrern. Hier im Bistum Aachen ist mittlerweile ein Pastor für 3 bis 4 Gemeinde zuständig – der kann sein Feldbett auf dem Friedhof aufschlagen, so wenig Zeit bleibt neben den Kasualien (Beerdigung, Hochzeit, Taufe) für das Eigentliche, nämlich für die persönliche Begegnung mit Menschen. Kasualien ohne diese persönliche Begegnung sind aber reine Routine und Magie.

    @Bee: Ja! Solange wir mit den alten Schätzen nicht wieder die lateinische Messe meinen, die nun wieder hier und da ausgebuddelt wird…;-)

  12. Och, die lateinische Messe war nie weg. In jeder größeren Stadt (in Köln ist es z.B. St.Aposteln) gibt es wenigstens eine Gemeinde, die sonntags eine Messe auf Latein hält. Allerdings in der neuen Form. Dass sich viele nicht mit der neuen Messe anfreunden konnten oder wollten, ist halt so. Ich denke B16 wollte mit dem Moto Propio eine schleichende Abspaltung verhindern, da einige Ordensgemeinschaften und ein nicht unerheblicher Teil der Laien einfach neben den Ortsgemeinden her die alte Form gefeiert haben.
    @monalisa:
    Ganz ehrlich, ich weiß nicht warum Leute erwarten, dass plötzlich jemand Gewehr bei Fuß steht, wenn ne Beerdigung, ne Taufe oder ne Heirat ansteht als wäre die Kirche soetwas wie eine Lebensabschnittsritual-Service-Gesellschaft. Bei mir ist bei Umzügen auch noch nie jemand auf der Matte gestanden, aber da auch nach einem Umzug hat die Woche noch einen Sonntag und damit zwangsläufig einen ersten Besuch in der Gemeinde vor Ort. Jahrzehntelang hat man die Mündigkeit der Laien hervorgehoben und wollte den „alten Typ“ des Pfarres nicht mehr, der streunende Ehemänner aus der Kneipe zerrte und unangemeldet auf der Matte stand, wenn jemand samstags bei der Beichte fehlte. Jetzt hat man die viel beschworene Selbstverantwortung und Leute behaupten, sie fänden den Weg in die Kirche nicht mehr alleine und wären nicht in der Lage, die Nummer des Priester-Notrufs vom Gemeindeblättchen abzuschreiben…. auch merkwürdig, oder?

  13. …wurde hier eigentl. schon erwähnt, dass letztlich immer der Widersacher (der stinkende Vater der Lüge) dahinter steckt, der die Menschen blockiert um sie vom Evangelium und von Gottes befreiender Kraft fernzuhalten?…

  14. Manno, jetzt hat der Bento mir meinen Gedanken geklaut … und ich wollte eben groß damit rauskommen! 😉 Yes, Sir, da steckt ein größerer Plan dahinter: „Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs.“

    Aber ich fürchte, damit kommen wir nicht so leicht davon. Die mangelnde Attraktivität christlicher Glaubensausübung hat auch was mit den Christen zu tun, des bin ich gewiß. Wir sind manchmal oder auch öfter als manchmal …
    … zu lehrerhaft
    … zu besserwisserisch
    … zu moralinsauer
    … zu siegesgewiß
    … zu introzentriert
    … zu abgehoben
    … zu wenig am Schicksal der Menschen um uns herum interessiert, und vermutlich sind wir gelegentlich einfach zum Kotzen.

    In unseren Gemeinden streiten wir über die Frage, ob Frauen Pastorin sein dürfen, wir streiten über die Lieder, die wir singen, und darüber, ob dabei die Hände nach oben gehen dürfen oder nicht. Putzpläne und Gemeindehausbauarbeiten sind ein ewiger Quell des Verdrusses. Statt Liebe und Versöhnung finden sich oft übles Getratsche und Hinterfotzigkeit unter uns.

    Ergo, der Teufel braucht nur hier und da ein wenig anzuschieben. Das Gros unserer Unattraktivität machen wir schon selbst.

    Darüber langweilen sich die Engel im Himmel sicher nicht, sondern regen sich mächtig auf. Wenn die könnten, wie sie wollten, dann hätten wir vielleicht manchmal einen Baseballschläger quer auf der Fresse.

    Irgendwie sind wir Christen schon mächtig bescheuert. Wir nehmen unsere Adoption als Gottes Kind als Selbstverständlichkeit hin und pflegen unseren alten Adam.

    Sorry, wenn das alles sehr schwarz gemalt ist. Mir ist eben grad danach. Gut, daß kein Baseballschläger zur Hand ist …

  15. @Hans: ja, da isser wieder, lange vermisst! Hallo Hans! Stimme dir 100-pro zu. Die anderen Fragen sind nicht unwichtig, sollten aber zügig und nüchtern abgehandelt werden, damit man sich möglichst schnell dem Eigentlichen zuwenden kann. Und das ist der geistliche Kampf. Übrigens auch ein Problem in Leitungskreisen, wo wir bei uns gerade mächtig dran arbeiten: dass man sich zu 80% mit Kleinscheiss (sorry!) beschäftigt, wo doch begabte Diakone aus der Gemeinde das viel besser könnten… anstatt geistlich zu ringen, in Diskussion und Gebet zu fighten, um die Herzen der Unerreichten zu ringen, indem man ihre Hauptblockade im Gebet bekämpft. Wenn man sie denn rausgefunden hat.

  16. Du musst dich nicht entschuldigen Hans – Zustimmung meinerseits. Was ich aber ganz kleinlaut sage. Es ist nämlich interessant mich selber zu entlarven, bzw. vom Heiligen Geist überführt zu werden.

  17. yeah Hans – hau mal richtich auf die Kacke! 🙂

    es ist wirklich das Übelste, wenn der Tempel Gottes entweiht wird – da ist schon Jesus selber drüber ausgerastet.
    Grundsätzlich halte ich aber den Heiligen Geist-Besen vor der eigenen Herzens-Tür (oder auch dahinter) für das geeignetere Werkzeug… 😉

  18. So… nach dem wir uns jetzt alle schön auf die Brust gekloppt haben…bleibt meine Neugier. Also, wie sieht es hier aus mit den christl. Morgenritualen? Bleiben hier auch lieber 40% weg?

  19. Nö, bleiben nicht weg. Aber ich gebe offen zu: ich bin vor 9 Uhr morgens nicht so sonderlich gut zu gebrauchen. Da bringe ich meinen Sohnemann in den Kindergarten und genieße dabei die Morgenstimmung, wenn sich der Nebel über dem Feld lichtet. Dann sage ich danke. Dann am Schreibtisch genieße ich meinen ersten Kaffee und halte inne. Lasse bewusst los. Denke meinen Tag durch mit seinen Aufgaben und Terminen. Lege sie schweigend vor Gott. In seine Hand. Bete also wenig bewusst am Morgen, eher kontemplativ, die Gegenwart Gottes vergewissernd. Überhaupt ist das stark meine Schiene: Gott ist immer da und ich versuche, bewusst und sensibel in seiner Gegenwart zu leben. Daneben gibt es dann natürlich bewusste Gespräche mit Gott, die aber sehr natürlich, sehr ehrlich und wie mit einem väterlichen Freund ablaufen. Vorformulierte Gebete sind eher selten. Manchmal bereite ich mich mit einem Psalm vor auf die Begegnung mit Gott.

  20. Ups, ich hatte zwar deinen Beitrage gelesen, aber nicht mitbekommen, dass sich hier eine ganz interessante Diskussion entwickelt hat (Nachteil von Feedreadern). Einige tolle Beiträge habt ihr schon beigesteuert und viele wichtige Punkte. Einen kleinen Senf hätte ich auch noch dazu:

    Ich denke die ‚Distanzierung‘ oder fehlende Erwartungshaltung von Menschen in Sachen Kirche und Christsein liegt (wenigstens zum Teil) auch daran, dass diese sich hauptsächlich aus tradierten ideologischen Vorstellungen oder diffusen Vorurteilen, die man mal unbewusst aufgesogen hat, speist. Und natürlich aus dem nicht zu unterschätzenden Bild, das unsere Medien von Kirche verbra…. ähm verbreiten. Und eben NICHT unbedingt mehr aus realen Begegnungen und Erfahrungen.

    Dieser Punkt fiel mir ein, weil wir in unserer bisherigen Gemeinde nicht selten die Erfahrung gemacht haben, dass ‚distanzierte‘ Leute, die dort einer real existierenden Gemeinde (mit modernen Formen, Glaubenskursen, einladender Gemeinschaft, Gottesdiensten die sogar den Konfis Spaß machen) sagten: wow, so kann Kirche auch sein?! Nicht alle natürlich, aber einige. Und einiges (und einige!) sind dann ‚hängen geblieben‘ oder sogar zum Glauben (zurück-) gekommen. Das erklärt natürlich nicht alles – aber fehlt manchen einfach auch die reale Erfahrung?

  21. @Ingo: ja, genau. Die Erfahrung machen wir auch. Aber erst mal einen normalen Menschen in den Gottesdienst bekommen! Ich bin der Überzeugung, dass dann manche überrascht wären! Aber allein der Gedanke ist schon abwegig, in so was zu gehen… und dafür 9.30 Uhr aufzustehen (Lieblingsausrede Nummer 1)…

  22. @ Bee – machst du morgens echt Rituale? – ist ja echt kultig 😉
    ich rede lieber mit Papa oder singe ihm schöne Lieder, dann kommt so ein wunderbarer Segen auf mich…

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