Von echter Freude (die man auch merken darf!)

So, wieder da. Leitungstagung auf Langeoog. Sehr feine Impulse. Sehr durchwachsenes Wetter. Tochter mit Magen-Darm bei Notarzt. Trotzdem in der Summe gut. Bis auf manche Menschen auf Langeoog. Nicht nur mir fiel es auf: bis auf wenige glorreiche nette Ausnahmen, die uns schon fast vor Dankbarkeit auf die Knie fallen ließen waren die Menschen in der Geschäften unfreundlich bis pampig. Nicht norddeutsch zurückhaltend – das kenne ich ja nur zu gut. Sondern unfreundlich. Höhepunkt: Betreten eines Spielwarenladens der eher altmodischen Art. Verkäuferin: wollen Sie was kaufen oder sich nur aufwärmen? Äh… ja. Wir gingen dann mal und hinter uns wurde demonstrativ die Tür laut geschlossen. War schon oft auf Langeoog, aber das war der Hammer dieses Jahr. 

Wie geht man damit um? Eine Dame aus unserer kleinen Reisegruppe vermutete persönliche Probleme und wollte Barmherzigkeit walten lassen. Ich halte es eher mit Lee Iacocca, der muffelige und unfreundliche Bedienungen fragte, warum sie eigentlich ihren Job machen? Wenn sie ihn machen, dann vernünftig und dazu gehört Kundenfreundlichkeit. Wenn die nicht vorhanden ist: Job verfehlt. Wer einmal in Amerika war, weiß, dass diese Mentalität funktioniert und wohltuend ist. Authentizität erwarte ich nicht von einem Verkäufer oder einer Verkäuferin. Sondern Fachwissen und Freundlichkeit (also bitte nienienie bei Saturn oder Mediamarkt elektronische Geräte kaufen).  

Und doch: ich war schnell wieder bei unseren Gemeinden und ihrer Anziehungskraft und bei mir selbst. Immerhin ist nach Galater 5,22 die Freude, die von innen kommt (also aus dem Geist), eine echte Frucht des Geistes direkt an Platz 2 nach der Liebe. Wenn man hinter der Liebe einen Doppelpunkt setzt, dann sogar auf Platz 1. Strahlen wir das aus? Also kein künstliches Dauergrinsen, sondern ein inneres Strahlen. Manchmal mitten im Leid, sogar mitten in der Depression. Also ich nicht. Aber diese Freude ist uns verheißen. Und sie wäre ein proprium von Christen! Das haben andere nicht. Warum ist es also so schwer? Haben wir diese Form der Freude noch nicht gefunden? Dann machen wir unseren „Job“ schlecht… und verpassen gleichzeitig wohl etwas sehr Schönes…

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16 Antworten zu “Von echter Freude (die man auch merken darf!)

  1. Von echter Freude die man merken darf ist viel bei dir, lieber Wegbegleiter, zu sehen!

    Sei ermutigt Christof; denn eine Freude von dir strahlt aus. Und sei doppelt erleichtert denn an deinem Schreiben sehe ich kein künstliches Grinsen.

    Gottes Segen dir.

    Josef

  2. Diese Freude aus dem Geist heraus, ist ja kein Werk, kein Job, den ICH erledigen kann. Aber mein Job ist schlecht, wenn ich die Beziehungspflege vernachlässige. Und warum ist genau das schwer? Weil es diesen blöden inneren Schweinhund gibt, der mich so bequem macht. Dabei verpasse ich in der Tat was schönes …

  3. „Freude, die von innen kommt, Freude, die mir niemand nimmt… dumdidum…“ Freude ist Frucht, also: wir können sie nicht machen, aber wir können die Rahmenbedingungen pflegen und sie so ermöglichen oder blockieren. Der Schweinehund, liebe Sabina, jaja, den kenne ich gut, aber wer ist das denn eigentlich? Das ist so eine komische Mischung aus alten Prägungen und Mustern und dem Teufel. Mist. Warum macht Gott es nur so kompliziert… denn da beisst sich die Katze ja in den Schwanz: weil ich so wenig Freude habe, beschäftige ich mich zu wenig mit Gott, lese Bibel etc und dadurch bekomme ich weniger Grund zur Freude… ist ja in der Ehe auch nicht anders. Der ISH (Innere Schweinehund, aber auch eine Kabelgesellschaft hier, ist aber auch nicht besser) ist der große Verhinderer, aber man wird ihn auch nicht durch schiere Disziplin los, klappt nicht! Wenn ich ihn bekämpfe, wird er größer! Denn er hat ja durchaus (zum Teil) vernünftige Ziele mit mir, sie sind nur übertrieben ausgeprägt oder veraltet… ach, ich weiß jetzt gerade auch nicht weiter.

  4. Du beschreibst den Nährboden der Kabelgesellschaft ISH 😉 sehr treffend. Sehe ich auch so. Allerdings nimmst du mir die Illusion, dass ich es es nicht mit Disziplin schaffe, wenn ich sie mir nicht schon selber genommen hätte 😦 Aber da haben wir es wieder, dass wir nichts aus Werken tun können. Also koche ich mir doch ne Tass‘ Kaffee und ziehe mich für ein Rendevouz mit meiner Stillen Zeit zurück. Ein Werk der Eigenständigkeit, zu der ich in der Lage bin 🙂

    Segen dir, damit wir weiter wissen 🙂

  5. Echt? Dazu bist du immer in der Lage? Manchmal treibt mich meine Bockigkeit sogar weg aus der Stillen Zeit. Du merkst: mein Schweinehund ist groß und dick… und er will mich eigentlich vor Gesetzlichkeit bewahren, meint es also gut, aber: ohne Stille bei Gott und in seinem Wort eben auch kein Wachstum und da beisst sich die blöde Katze wirklich in den Schwanz. Grmpf.

  6. … nee, da bin ich gerade überhaupt nicht „immer“ in der Lage. Was mich auch mehr als unzufrieden und unausgeglichen macht. Ich habe nur gedacht, ich mache das JETZT mal, der Tag heute lässt es vom Terminkalender zu.

    Danke für deinen Kommentar. Februar … Mandelblüte … blieb mir noch verborgen, möchte ich zu gerne mal erleben …

    Bin dann mal „JETZT“ 🙂

  7. Diese Frau ist offensichtlich immer so, gut, dass du sie nicht als Verkäuferin bezeichnet hast, sie ist die Inhaberin, sie hätte dich sicher rausgeschmissen. Bei ihr darf man Ware, die man noch bezahlt hat, nicht einmal in die Hand nehmen. Eigentlich kann sei einem leid tun.
    Auf Langeoog gibt es noch viele dieser unfreundlichen Menschen, ihnen ist offensichtlich noch nicht klar geworden, dass sie sich auf Dauer ein solches Verhalten auch finanziell nicht erlauben können. Aber nicht alle sind so, wirklich! Schau dich einfach um!!

  8. @monalisa: nee klar, habe auch nette Leutchen erlebt, wobei nett für einen Rheinländer immer noch recht unterkühlt ist. Aber ich kenne die Nordlichter und mag sie und weiss sie einzuschätzen. Aber die Summe der schlechten Erfahrungen dieses Mal war wirklich heftig und ich bin jeder Jahr auf Pastorentagung auf Langeoog…;-(

    @sabina: das ist doch echt ein Thema. Wenn man einen geliebten Partner hat, dann verbringt man auch gerne Zeit mit ihm oder ihr. Irgendwie normal. Es sei denn, man hat gerade Knatsch und geht sich lieber aus dem Weg (ist nicht so meine Art, ich will die Dinge gerne klären!). Kann man daraus schließen, dass hinter mancher Schwäche im geistlichen Leben enttäuschte Erwartungen oder gar Streit mit Gott steht? Ich fürchte ja. Und? Erlauben wir uns den offenen Konflikt mit Gott? Die Klagelieder Jeremias und manche Psalmen machen das vor. Stattdessen schluckt man und betet pflichtschuldig seine respektablen Gebetchen. Das kann nicht gut gehen…

  9. …sag mal, wieviele Katzen hast du eigentlich, Wegi? 😉

    aber natürlich ist schonungslose Offenheit und auch mal aufn Tisch hauen besser als immer schön fromme Gebete ableiern – logo!

    Ich vermute (wie du ja schon weist) am ehesten unberechtigte(!) Selbstanklagen/-zweifel und auch der Blick auf all die unfreundlichen Langeooger dieser Welt, als Hauptursache für mangelnde Freude. Der Punkt ist doch im Gegensatz zu den Klageklägern im AT, müssten unsere Dilemma letztl. immer in Lob und Dank ausarten (Röm.7,24/25)… wenn das nicht so klappt, hilft es mir z.B. durch Sprachengebet oder Holzhacken die Kreisbewegung zu durchbrechen und so die Katze aus dem Haus zu jagen …

    Segen

  10. Auja, Holzhacken, habe ich vor ewigen Zeiten gemacht, habe aber leider weder Kamin noch Holzvorräte. Ist ja aber ne Art Katharsis, sprich: körperliches Austoben von inneren Vorgängen. Sport könnte also auch helfen, wenn der nur nicht immer so sinnvoll wäre…;-). Squash spielen hat bei mir auch eine gute Auswirkung. Auf einen kleinen unschuldigen Ball hauen und zwar in alle Himmelsrichtungen. Aber die Begeisterten in dieser Richtung werden leider immer weniger. Und b.t.w. – was machen eigentlich die ohne Sprachengebet? Ich mein, ich hab das geschenkt bekommen, aber ich kenn auch genug feine Christen, die es nicht haben… was ist deine Art, starke Gefühle konstruktiv zu bearbeiten!!

  11. Eine WAS-Frage mit zwei Ausrufezeichen? Oder sollte das ein DAS-Satz werden?

    Meine Art starke Gefühle zu bearbeiten: in der Tat Bewegung, Sport soweit es geht und Musik. Oft merke ich jedoch, dass ich zwar das augenblickliche Symptom in den Griff bekomme, oftmals aber nicht die Ursache. Mit den Ursachen gehe ich dann „offen“ ins Gebet. Gerade heute ist mir aufgegangen, wie froh ich bin, dass hier eine Menge „Gesetzmäßigkeit“ von mir abgefallen ist, sich meine Gebete also verändert haben. Ich beneide alle, die das Sprachengebet beherrschen. Ich kann es leider nicht.

    Bezogen auf deinen letzten Kommentar an mich vom 28.10.: Interessante Gedanken und aufgestellte Fragen. Seit dem ich das begriffen habe, ist mein Beziehung zu Gott geheilter. Dennoch: meine Schmerzgrenze sich mit dem Partner zu streiten, liegt deutlich niedriger als mit Gott Konflikte auszutragen … dieses Heiligkeitsding eben.

    Und dann noch was zu den Langeoogern: ich habe mal eine Praxisberatung im Winter auf Föhr gemacht und man machte mich darauf aufmerksam, dass die Winterdepression auf den Inseln sehr ausgeprägt ist. Diese absolute dunkle Stille im Vergleich zur sommerlichen Highlife-Überbuchungssituation muss in der Tat eine Menge Hoffnungslosigkeit auslösen. Erklärbare Unfreundlichkeit?

  12. @Sabina: Jo, Davids Blog ist wirklich DAS Lehrbuch fürs Gebet. Und die meisten Psalmen sind Klagepsalmen! Und sie enden meist in einem Lobpreis, bis auf einen, der düster bleibt. Davon kann man doch lernen. Und ja natürlich: der WAS-Satz sollte zwei Fragezeichen haben…;-) – partielle Amnesie war das heute morgen vor dem ersten Kaffee. Und irgendwie bin ich heute innerlich unruhig und bewegt und gar nicht so gut „drauf“. Muss aber auch nicht, denn meist folgt bei mir aus solchen Melancholie Zeiten etwas Nettes und Produktives…

  13. Wenn sie nur nicht so schmerzhaft wäre. Aber wie schreibt Scott Peck in seinem grandiosen Buch „The road less travelled“ als ersten Satz: Life is difficult. Jo. Er bezeichnet es als eins der größten Geheimnisse. Und erst wenn man das angenommen hat, kann man es transzendieren. Ich glaube, ich gehöre nicht nur zur Generation Golf (Florian Illies), sondern irgendwie auch zur Generation Doof (Weiss/Bonner) und denke immer noch tief in meinem Herzen: eigentlich sollte das Leben leicht sein. Kierkegaard macht Mut: das Leiden an diesem Leben ist natürlicher Ausdruck der empfundenen Restdistanz zu Gott. Ein glückliches Leben im Sinne von spannungsfreiem, ungetrübtem Leben ist eben Illusion und humanistischer Irrtum. Auch wenn ich ihr irgendwie doch nachtrauere…

  14. Kleine Ehrenrettung für die Insulaner: Ich befinde mich gerade in Langeoog, die Sonne scheint und die Leute sind mit einem Schlag viel freundlicher. Wobei ich um besagten Spielzeugladen einen Bogen gemacht habe…

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