Wie das mit den Finanzen so funktioniert

Eine nette und passende Parabel in aufregenden Zeiten (via Karsten Wagner, Pastor FeG Fürstenfeldbrück): 

„Chuck und sein Gaul“ oder: „Wie das amerikanische Finanz-System funktioniert“ 

Der junge Chuck will mit einer eigenen Ranch reich werden. Als Anfang kauft er einem Farmer ein Pferd ab. Er übergibt dem Farmer seine ganzen 100 Dollar und dieser verspricht, ihm das Pferd am nächsten Tag zu liefern. Am nächsten Tag kommt der Farmer vorbei und teilt Chuck eine schlechte Nachricht mit: „Es tut mir leid, Kleiner, aber das Tier ist in der Nacht tot umgefallen.“ Meint Chuck: „Kein Problem. Gib mir einfach mein Geld zurück. „Geht nicht“, eröffnet ihm der Farmer. „Ich habe das Geld gestern bereits für Dünger ausgegeben.“ 

Chuck überlegt kurz. „Na dann“, fängt er an, „nehme ich das tote Biest trotzdem.““Wozu denn?“ fragt der Farmer.“Ich will es verlosen“, erklärt ihm Chuck. „Du kannst doch kein totes Pferd verlosen!“, staunt der Farmer. Doch Chuck antwortet: „Kein Problem! Ich erzähl‘ einfach keinem, dass es schon tot ist…“ 

Monate später laufen sich Chuck – fein in Anzug und schicken Schuhen – und der Farmer in der Stadt über den Weg. Fragt der Farmer: „Chuck! Wie lief’s denn mit der Verlosung des Pferde-Kadavers?“ „Spitze“, erzählt ihm Chuck. „Ich habe über 500 Lose zu je 2 Dollar verkauft und meine ersten 1’000 Dollar Profit gemacht.“  „Ja… gab’s denn keine Reklamationen?“ „Doch – vom Gewinner“, sagt Chuck. „Dem habe ich dann einfach seine 2 Dollar zurückgegeben.“ Heute verkauft Chuck strukturierte Finanzprodukte bei Goldman Sachs 

In Zeiten, in denen immer deutlicher wird, was schon seit Jahren Fakt ist, dass nämlich unser Finanzsystem eine riesige Blase ist; in Zeiten, in denen sich die VW-Aktie wie ein Kind in der Trotzphase benimmt und zwischen manisch und depressiv schwankt; in Zeiten, in denen letztlich der Bürger für Fehler Verantwortung übernimmt, die die eigentlich Verantwortlichen nicht übernehmen wollen und sich stattdessen nur großzügig die Boni streichen; in Zeiten, in denen Autobauer nicht vernünftig wirtschaften, sondern spekulieren und nun bei der EU betteln gehen, damit sie Geld bekommen, um umweltfreundliche Autos zu entwickeln, damit sie keine Strafen an die EU zahlen müssen – in solchen spannenden Zeiten leben wir.

Und vielleicht bricht endlich die Mär vom unendlichen Wachstum zusammen, die der Club of Rome schon seit langer Zeit als Mär bezeichnet, auf der aber unser Wirtschaftssystem mit seinen Heilsverheißungen weitgehend beruht. Vielleicht beginnt diese elende Konsumfixiertheit der Generation Doof (zu der ich auch noch zähle) endlich zu brechen. Und wir erkennen: es gibt Wichtigeres im Leben als das neue Shiatsu-Kissen von Tchibo mit Naturklängen. Vielleicht beginnen wir zu fragen, was eigentlich wirklich zählt und verlassen endlich den Kokon unseres lauschigen Heims (cocooning) und beginnen wieder echte, offene Gemeinschaft zu schätzen. 

Ich habe eine Hoffnung: dass Menschen wieder mehr nach Gott fragen und zwar nicht, um ihre Bedürfnisse zu decken und die work-life-balance hinzukriegen, sondern um sich von Gott ergreifen zu lassen; dass sie beginnen, Gemeinschaft schätzen zu lernen und als das zu begreifen, was sie ist: der einzige Ort für wirkliches Wachstum. Dass Menschen die befreiende Einsicht sacken lassen: das Leben ist schwer und ich bin nicht sein Mittelpunkt. Das wäre ein echter Fortschritt. Und die genannten drei Lernfelder gelten (leider) genauso für Christen. Dass sie begreifen: Christus ist kein Angebot, ich kann ihn nicht in mein Leben aufnehmen, ich hole ihn nicht in mein Herz. Das ist Konsummethaphorik und gut gemeinte, aber letztlich schiefe Theologie. Sondern dass sie die Gnade begreifen, die Gottes Herz bewegt, Menschen durch seinen Sohn in sein Reich zu ziehen, zu ergreifen, zu erobern, hinein zu lieben in seine ganz andere Welt. Dich. Mich.

P.S. Marx hat sein Kapital herausgebracht. Mehr als einen Blick wert. Aber auch der olle Marx hat genau das kommen sehen, was wir gerade erleben und es als die vorletzte Stufe des Kapitalismus bezeichnet. Seine Schlussfolgerungen mögen die falschen gewesen sein – seine Analyse gilt wohl immer noch.

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Eine Antwort zu “Wie das mit den Finanzen so funktioniert

  1. Sehr schönes Posting. Leider bricht die Konsumfixiertheit auch hin und wieder in Gemeinden durch, nach dem Motto: „Bedient mich! Spielt nur die Musik, die ich mag, steht mir mit der Predigt bitteschön nicht auf die Füße und kümmert Euch gefälligst um meine Bedürfnisse!“ Ärgerlich und anstrengend, sowas. Ich hoffe auch, das Menschen wieder anfangen, Gott zu suchen – um seiner selbst willen, wie Du geschrieben hast…

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