Buße – nein danke!

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Nächste Woche – Buß- und Bettag. Buße ist nicht beliebt, auch unter Christen nicht. Kein Thema, für das man sich erwärmen kann, kein Thema mit Sex-Appeal. Dabei schrieb der Theologe Julius Schniewind noch ein wunderbares Büchlein über die „Freude der Buße“. Vorbei? Jesus betont, dass derjenige viel Liebe hat, dem viel vergeben wurde. Vergessen? Es ist eine kirchengeschichtliche Tatsache, dass Erweckung mit Buße begonnen hat – oft mit öffentlicher Buße. Kann es das heute noch geben in einer Welt des cocoonings, des Abkapselns, des Zurückziehens in den Individualismus? Ich und mein Gott?

Dabei vergessen wir eins: mit der Buße verlieren wir auch das Gefühl für echte Sünde. Sie verkommt zunehmend zu einem intellektuellen Konstrukt, zu dem man beipflichtend grunzt, aber innere Bewegung? Getroffensein? Fehlanzeige. Wie kann ich vor dem lebendigen Gott bestehen? Blöde Frage, der liebt mich doch total. Oder doch nicht? Dochdoch, aber nur durch Jesus hindurch wirst du gerettet und nach Hause geliebt! Streiche die Buße, verkümmere dein Sündenverständnis auf moralische Kleinigkeiten oder Gedankenkonstrukte und du verlierst in der Folge deinen Herrn. Denn den brauchst du nicht mehr… dafür erntest du den Zorn Gottes. Weil du die Tat am Kreuz letztlich ausschlägst. 

Meine Gott, wie oft bin ich nach außen Christ und nach innen und in der Praxis fast schon Atheist. Ich traue mehr meinen seelischen Regungen, den Einflüsterungen nicht wohlmeinender Menschen, meinem trügerischen Herzen, den Anforderungen und Forderungen unserer Kultur – anstatt meinem Herrn und seinem Wort an mich zu vertrauen. Dort muss wohl die Buße beginnen. Die Buße der Christen. Dann wird die Liebe wieder spürbar. Denn ohne Liebe ist jedes Engagement – und sei es noch so fromm – tot und ein Werk des „Fleisches“.

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16 Antworten zu “Buße – nein danke!

  1. Ein guter, tiefgehender Beitrag – und eigentlich mehr als nur ein Beitrag!
    Du sprichst unserem Herrn mitten aus dem Herzen.

    Buße – Umkehr, ist eigentlich das Genialste überhaupt, um frei zu werden.
    Sag ich „ja“ zu meinem alten Weg, oder sag ich ja, auf das Gute was da kommen soll?
    Die Freiheit von der Knechtschaft (um es im Bibeldeutsch zu sagen).
    Freiheit davon, Dingen nachzulaufen, was mich doch nur abhängig macht.
    Glauben wir, dass unser Gott alle Bedürfnisse stillen wird?
    Warum Trampelpfade mit Beinbrüchen, wenns doch so viel leichter sein kann?

  2. Pingback: Buße - nein danke « predigen·

  3. Sehr guter Beitrag! Eine kleine Inspiration für meine Predigtvorbereitung, vielen Dank (Tantiemen gib’s trotzdem keine… ;-). Und so wahr!

  4. jo – klasse Artikel, wichtiges Thema und Amen bes. zum letzten Absatz!

    aus meiner humble Sicht, hat das Wort Buße i.d.Bibel zweierlei Bedeutung –
    1. Umkehr – von Wegen des Verderbens zur Rettung in Jesus (Apg.2,38/3,19 u.a.)
    2. Kurskorrektur – auf dem Weg der Nachfolge (2.Kor.7,9+10/Sendschreiben Off.)

    von der zweiten schreibst du ja hier und ich finde es so wichtig, sie nicht mit der grundlegenden Buße (Umkehr) zu verwechseln (Heb.6,1!), da sie eine Folge dieser ersten ist und wirklich nur uns Christen betrifft.
    Es geht also eigentl. eher um sowas wie Reue wie Lut. ja auch 2.Kor.7,9+10 übersetzt, oder eben Kurskorrektur – „denke dran wovon du abgefallen bist /erste Liebe“ usw..

    warum mir das so wichtig ist? weil es dann ja nicht um die Heilsfrage geht, sondern darum, im vollen Segen zu leben (Erweckung u.a.)…
    „echte Sünde“ = nicht an Jesus zu glauben! (Joh. weisgradnichtwo) – die Buße, die von uns erwartet wird, betrifft die Zuckungen des „alten Menschen“ wie Eigensinn, Gier ua. (wie bei Zauber-Simon nach seiner Bekehrung Apg.8,22) oder auch Lauheit und dergl. mehr.

    So geht es dann also nicht um die existenzielle Frage „wie kann ich vor Gott bestehen“, sondern um „Frucht“ und letztl. den Wandel im Geist: „erneuert euch tägl./ zieht den neuen Menschen an“ (2.Kor.4,16/Eph.4,23/Kol3,10) – oda?

    Diese Buße bringt uns einfach zurück zum Herzen Gottes und weiter auf dem schmalen Pfad – sie ist der handelnde Teil des Gebets…

    ps – wollte das eigtl. in einem Gleichnis zum Ausdruck bringen – da ist dann aber ein eigener Blogpost draus geworden… 😉

  5. Jo, Bento, stimme dir in vielem zu. Aber…. ich denke auch ein Christ kann wieder vom Glauben abfallen (habe es schon zu oft miterlebt). Im jüdischen Denken ist Glaube immer gelebter Glaube und so kann man sagen: Glaube ohne Werke ist tot. Jesus kann sogar sagen: mancher Glaube mit Werken ist tot (Nicht alle, die Herr Herr sagen, werden das Himmelreich sehen). Will keine Angst machen, aber ich frage mich, ob wir uns nicht zu sehr auf der Buße zum Heil ausruhen? Selbst ein Paulus sagt, dass er auf Hoffnung hin gerettet sei. Natürlich hat er eine Zuversicht, eine Heilsgewissheit, aber eben keine Heilssicherheit. Alles bleibt Gnade. Aber wenn wir den Hintern nicht hochbekommen?? Was machen wir mit den krassen Aussage von Jesus: wer seinem Nächsten nicht vergibt, dem wird nicht vom Vater vergeben werden? D.h. in der Konsequenz Verlust des Heils. Jesus hat dies sicherlich auch nicht von sich gegeben um Angst zu machen, sondern um die wichtige Konsequenz des Glaubens zu beleuchten, dass ein Christ das weiter geben soll, was er auch empfangen hat. Aber: gibt er es nicht weiter, dann Gnade uns Gott… ich denke: eine heilige Scheu und Ernsthaftigkeit tut uns ganz gut. Keine Angst. Wir dürfen Gewissheit des Heils haben es ist auf Hoffnung und es ist Gnade…

    @Sabina: danke…;-) – hat meine Blogbesuche mal eben verdreifacht.

  6. 1. Kor. 3,11 Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus.
    12 Ob aber jemand auf dem Grund mit Gold, Silber, kostbaren Steinen, mit Holz, Heu oder Stroh weiterbaut:
    13 das Werk eines jeden wird offenbar werden; jener Tag wird es sichtbar machen, weil es im Feuer offenbart wird. Das Feuer wird prüfen, was das Werk eines jeden taugt.
    14 Hält das stand, was er aufgebaut hat, so empfängt er Lohn.
    15 Brennt es nieder, dann muß er den Verlust tragen. Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer hindurch.

  7. @Hans, wenn wir „er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer hindurch“ (Vers 15 b) nicht hätten ….

    Sünde und Buße liegen so nahe. Schaut euch doch gerne zur Buße auch die Strategien gegen Sünde
    an. Sehr hilfreich!

    @Wegi: das glaube ich wohl. Als ich bei Jesus.de war, dachte ich auch „upps, was macht der Wegi denn hier“ und von dort Klick, schon kam ich über einen anderen Weg daher gesurft. Ich bin auch sehr gespannt, wenn endlich die Plattform von jesus.de on ist. Schaue gerne nach christlichen Blogs und wer weiß, wer von uns dann auch umzieht.

  8. geeenau mein Lieber – wir sind auf Hoffnung hin gerettet! und wie viele verlieren diese Hoffnung, weil sie auf ihre Werke schauen und erkennen, dass sie niemals ausreichen… kloppen daraufhin das ganze Ding i.d.Tonne oder leben in ständiger Unsicherheit und mit Minderwertigkeits-Gedanken anstatt im Segen.
    Ja – auch das „wer nicht vergibt, dem wird nicht vergeben“ deute ich in Bezug auf geistl. „Lebensqualität“ und nicht auf den Heilsverlust. – lieg ich damit falsch??
    Unsere ganze Motivation soll doch aus der Liebe kommen und nicht aus Sorge um unser Heil…

  9. Ich denke auch, dass ein geretteter Mensch immer wieder zu einer Umkehr kommen muss.
    Diese Kursänderung von der Bento spricht, ist mE. auch eine Umkehr.
    ZB. in den Gedanken müssen – sollen – werden wir umkehren.

    Röm. 12,2 Und paßt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern laßt euch [in eurem Wesen] verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.

    Umkehr von gedanklich falschen Wegen, die dann ja auch zur falschen Lebensweise führen.

    Auch Christen brauchen die Umkehr (Buße) zu Gott (Seinen Gedanken und Plänen).

  10. @Bento: hassu recht. Ist wohl eher auf die Beziehung zu Gott und deren Beeinträchtigung gemünzt, als auf das eigentliche Heil. Allerdings: man kann in einer solchen Unversöhnlichkeit verhärten und dann…? Ein gefährlicher Weg. Schaffet, dass ihr selig werdet mit Furcht und Zittern – aber Gott ist es, der in euch beides wirkt, Wollen und Vollbringen. Ich habe das Gefühl, dass wir genau diese Spannung zwischen Imperativ (du musst es machen) und Indikativ (ich, Gott, mache es) versuchen aufzuheben. Vielleicht will die Bibel gar nicht, dass wir uns entspannen? Sie will weder, dass wir in Angst leben ums Heil, aber sie will auch nicht, dass wir ganz entspannt den größten Mist bauen ohne uns dabei Gedanken um Gott zu machen. Das wäre dann praktischer Atheismus. Und wäre Gott noch ein heiliger Gott, wenn er einem solchen Menschen immer noch das Heil aufdrängt, obwohl dieser es mit Füßen tritt? Nach der Masche: vorherbestimmt ist vorherbestimmt, egal was derjenige draus macht (ui, noch so’n Thema). Ja, ich denke: wenn jemand sich Sorgen um sein Heil und seine Beziehung zu Gott macht, dann ist er nie verloren – der Gleichgültige aber, der trotz Hinwendung zu Gott kalt seine Gegenwart negiert, der wird irgendwann den point of no return überschreiten, von dem der Hebräerbrief zweifach spricht.

  11. Ich bin ja gerade am AT der Volxbibel dran (huhu Bento…!) und da kann man immer wieder sehen, wie krass Gott mit Verfehlungen von seinem Volk umgeht. Es muss etwas ganz schlimmes für Gott sein, wenn seine Leute sündigen. Wir haben es vergleichsweise einfach unsere Schuld wegzuwischen, wenn man es mit dem Volk Israel vergleicht (da musste wirklich viel Blut fließen, für jede Sünde). Kaum zu fassen, dass Jesus es uns so leicht gemacht hat. Trotzdem ist es nicht billig, da geb ich Dir recht.

  12. die worte *Busse* und *Sünde* sind in einigen gemeinden schon verboten zu erwähnen, somit schon ein fremdwort geworden – mehrfach erlebt — was ist *Busse* – ein bekennen oder zugeben, es war falsch, aber auch zugleich eine zusage, es soll nicht wieder vorkommen — was ist *Sünde* – obwohl ich genau weiss, das ich es nicht machen sollte, und mache es trotzdrm — in vielen gesprächen wird heute nur schöngeredet und gestreichelt oder nur oberflächlich erklärt und nur umschrieben — wenn man tiefer in die eigenschaften eingeht, nimmt der gegenüber sofort eine abwehrstellung und es wird sogar schnellstmöglich die flucht ergriffen — wenn das leben nicht hier geklärt und geordnet wird, wie will man vor dem thron gottes bestehen, dort ist keine flucht mehr möglich — da werden viele die augen aufgehen – aber dort wird es zu spät sein — ist das zu hart — heute liebt man nur ein streichelevangelium oder ein zuckerevangelium, oft begleitend mit einem hohen bibelwissen – nur – genau hinschauen, wie man dann auch danach lebt – darf man nicht …..? Fragezeichen als etwas nicht begreifbares – oder … ! Ausrufungszeichen als bestätigung — das sind nur einige gedanken ZUM NACHDENKEN

  13. Ein gundlegendes Problem ist, dass unser Sprachgebrauch manches mal ein bisschen narrt: Wenn wir im Alltag das Wort „Buße“ hören, dann ist es unbewusst immer mit einer Art Strafe verbunden. Bei der biblischen „Metanoia“ geht es aber um Umkehr, darum, den richtigen Weg (wieder) zu finden. Der Begriff wird, so, wie ich es verstehe, nicht nur vom Defizit des Sünders her formuliert, sondern auch vom Ziel der tieferen und innigeren Gemeinschaft mit Gott (man kehrt ja nicht nur von etwas, sondern auch zu etwas um…). Die natürlich dafür sorgt, dass meine Sünden offengelegt, aufgearbeitet und vergeben werden. Und wenn ich durch Buße erkenne, wer ich vor Gott bin, und wer Gott im Vergleich dazu ist, dann kann ich nur auf die Knie oder das Gesicht fallen. Und das ist so eine heilsame Erfahrung – wie Christof schon geschrieben hat: Fast jede große geistliche Bewegung der Kirchengeschichte hat genau damit angefangen…

  14. Auch hier hilft uns das Hebräische weiter: dort geht es um ‚Tschuwa‘, wörtlich ‚Umkehr‘, ‚Zurückführung‘. Und das hat mit Strafe ebenfalls nix zu tun, sondern mit Freude über den, der umkehrt. Es ist Freude im Himmel …

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