Wir lesen zu viel Bibel!

Punkt. Mit dieser kleinen Bombe hat mich ein Artikel von Hans-Jürgen Jaworski aus dem aktuellen Hauskreismagazin erreicht. Und es haben sich plötzlich, sanft und leise, viele Mosaiksteine zusammengesetzt in meinem Nachdenken über Spiritualität privat und in der Gemeinde. Ich arbeite an einer Spiritualität, die Spannungsfelder ernst nimmt und nicht einfach auflöst. Und ich arbeite an einer einfachen Spiritualität – aber Achtung: keiner simplen. Eher: simplify your spirituality. Slow down your spirituality. Was sind die Argumente des Artikels – von mir weiter gedacht. 

Wir sind in einer Informationsgesellschaft bombardiert mit Impulsen, die uns beeinflussen. Im Gemeindeleben pflanzt sich das durch eine Flut von Angeboten fort. In einer durchschnittlichen Freikirche mit einem durchschnittlich engagierten Mitglied bekommt dieses gute Impulse durch die Predigt. Dann noch gute Impulse durch den Hauskreis. Nicht zu vergessen die Bücher, die man liest und das allmorgendliche Andachtsheft. Auf jeden Fall sind es mehrere Impulse pro Woche. Nur: die Bibel will ja verändern, prägen, sie hat Sprengkraft und ist ein zweischneidiges Schwert. Nur (die zweite): das empfindet fast keiner mehr so. Die Bibel wird immer weniger gelesen, sie wird auch nicht als lebensverändernd wahrgenommen. Was läuft schief? 

Zu viel Bibel. Inflation der Bibel. Zusätzlich zu all den anderen Informationen, die wir verarbeiten müssen. Ein Dietrich Bonhoeffer war da weiser: er hatte als Regel des christlichen Zusammenlebens das Lesen eines Textes, einer Perikope pro Woche. Nicht mehr. Jeden Tag den gleichen Text. Und dann meditieren, nachsinnen, wiederkäuen (ruminatio) und ins Leben umsetzen. Denn Gottes Wort ohne Tat ist tot. Bis zur Reformation war das normal: die Christen konnten zumeist nicht lesen und lebten von den biblischen Bildern in der Kirche und von der (selektiven) Lesung der Schrift. Darauf mussten sie herumkauen. Weitere fromme Impulse: Fehlanzeige. War das nur schlechter? So sehr ich dankbar bin für Gottes Wort für jedermann – hilft aber nix, wenn es nichts verändert).

Zu viel Bibel: das erklärt auch das immer weniger werdende Bibellesen, denn die Freude daran hängt an der Wirksamkeit und der erlebten Sprengkraft der Schrift. Immer wieder schön zu beobachten im Gemeindeleben: da erlebt jemand eine solide Lebensveränderung und plötzlich liest er (oder sie) auch wieder gerne Bibel. Die Sprengkraft ist erlebt worden. Genau das sollte aber viel häufiger passieren! Was ich aber inflationär bekomme und nicht verdauen kann – das hängt mir irgendwann zum Halse raus, weil es auch nicht satt macht, sondern voll…

Konsequenz? Da bin ich am beten und ringen, aber die Konsequenzen wären gewaltig. Reduktion der eigenen Spiritualität auf wenige, dafür tief gehendere Bestandteile. Ein Text pro Woche. Optimalerweise auch noch der aus der Predigt vom Sonntag. Hauskreise, die sich mit der vergangenen Predigt vertiefend beschäftigen (das Konzept von „sticky church„). Dienstgruppen, die Unterstützung bieten, das Gelernte umzusetzen und praktisch werden zu lassen. Predigtreihen, die semitisch kreisend (so arbeitet die Bibel, z.B. das Johannesevangelium) ein Thema oder eine Bibelstelle von immer neuen Seiten beleuchten. So dass nur noch ein Grundimpuls für einige Wochen übrig bleibt. Der von verschiedenen Seiten beleuchtet und vertieft wird. Echter und authentischer Austausch über die erlebten Konsequenzen.

Vieles fügt sich in mir zusammen – und die Konsequenzen könnten intensiv sein (ich empfinde zumindest dabei eine lange nicht mehr gespürte Leidenschaft). Wagen wir so zu denken? Und zu handeln?

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34 Antworten zu “Wir lesen zu viel Bibel!

  1. Da steckt viel Wahrheit drin.

    Ich merke es bei mir. Manchmal habe ich Phasen, da lese ich jeden Tag mehrere Kapitel, darauf folgt dann eine Zeit in der ich sehr wenig lese…

    Trotzdem setze ich mich praktisch jeden Tag mit Glaube, Jesus, Christsein etc. auseinander…

    Bin ich ein „schlechterer Christ“ wenn ich nicht jeden Tag in der Bibel lese?

    Ich denke viel wichtiger ist, dass wir die Message verstehen, die hinter der Bibel steht und nicht die Zahl der Kapitel pro Tag oder wie oft ich die Bibel durchgelesen habe.

    Z.B. das Gesetz der Liebe. Wenn ich das in meinen Alltag einbauen kann, dann ist schon viel getan…

  2. Yep! Worte ohne Verwandlung sind letztlich leer. Ich ehre Gottes Wort, indem ich ihm diese Dimension zutrauen möchte. Denn nur so beweist es sich vor uns selbst und vor Suchenden als das mächtige Sprechen Gottes konkret hinein ins Leben. Nicht durch intellektuelle Klimmzüge.

  3. Sehr interessant und mir sehr gelegen :). Ich empfinde die Bibel oft als (wie Vitali Klitschko sagen würde) „schwere Kost“. Deshalb fühle ich mich oft nicht wohl, weil ich den immer wieder kursierenden Bibelleseplänen (1-2 mal im Jahr durch die Bibel) einfach nicht so schnell folgen kann. Das schaffe ich einfach nicht.

    Momentan lese ich zum Dritten mal hintereinander das Johannesevangelium und obwohl ich es heuer schon so oft gelesen habe bemerke ich immer wieder, dass ich einige Stellen anscheinend „überlesen“ oder falsch gelesen habe.

    Ich denke die Bibel ist nicht fürs schnell lesen gemacht. Und wenn man da so durchrauscht, wird es bestimmt auch schnell langweilig und leer – man nimmt einfach nicht mehr soviel auf.

  4. Gerade Johannes ist ein typisches Beispiel – weil es zum immer wieder kreisen und wiederkäuen schon durch seine zyklischen Strukturen einlädt. Und auch die Briefe vom gleichen Autor: stetige Wiederholungen und Beleuchtungen der Grundaussagen von verschiedenen Richtungen. Geht halt nicht um Informationsvermittlung, sondern um prägende Lebensverwandlung.

  5. Für mich hat das zwei Seiten. Zum einen beschäftige ich mich zu wenig mit der Bibel „nur für mich“ und nicht von Berufs wegen. Da ist ein persönliches Defizit da, nicht geprägt von der geistlichen Tradition, sondern vom eigenen Bedürfnis. Auf der anderen Seite bin ich jemand, der mit der „Stillen Zeit“ als formaler Einrichtung („jeden Tag eine halbe Stunde, am Besten morgens nach dem Aufstehen“) schon immer etwas Schwierigkeiten hatte. Das noch verschlafene Abscannen eines Bibeltextes, den man eine Stunde später schon wieder so gut wie vergessen hatte … Was mich weiterbringt, sind Zeiten, in denen ich mir mal eine oder zwei Stunden nehmen kann, um einen Text zu lesen und ihn wirken zu lassen – schon mehr als einmal eine schöne und inspirierende Erfahrung.
    Wie Du schon sagst: Die Bibel ist ein Buch zur prägenden Lebensverwandlung. Und keine Betriebsanleitung.

  6. ..ja, ich liebe solche provokanten Thesen – weil es wahr ist! 🙂

    der immer mehr, schneller, höher, weiter-Virus hat wohl auch bei Christens längst um sich gegriffen und so hat sich (meist unbemerkt) längst der Zeitgeist in das geistl. Leben eingeschlichen – bloß keine Predigt, kein Seminar und kein Handout verpassen und alles schön im Regal in den richtigen Ordner packen… villt. auch eine Methode sich gegen wirkliche Veränderung zu immunisieren…

    das Entscheidende ist aber nicht, was unser Verstand weis, sondern was wir im Herzen glauben, nur das wird unser Leben verändern.
    Es geht ja auch nicht darum, mehr zu wissen oder zu verstehen, sondern das im Leben umzusetzten, was wir bereits verstanden haben, dann wird uns auch Neues offenbart…

  7. Ich frage mich allerdings auch wie ist Jesus mit seinen Jüngern umgegangen? Jeden Morgen erst mal eine Stunde in den alten Schriften lesen und dann los? Nebenbei bemerkt wie wurden die ganzen Schriften überhaupt mitgenommen? Tatsache ist für mich das die Jünger trotz aller ihr Wissen um die bis dato heilige Schrift, viele Dinge erst noch lernen mussten. Oft hat man ja das Gefühl die Jünger standen irgendwie immer auf der Leitung. Erst im Umsetzen und im Nachmachen und Vertrauen, konnten die Jünger wachsen. Die Bibel selbst gibt mir oft genug Ermutigung und Ermahnung. Viele Dinge lese und lese ich und versteh so vieles immer noch nicht. Doch bevor ich nicht anfange Jesus in meinem Alltag mehr und mehr Raum zu geben, bzw. los zugehen, lese ich die Bibel immer nur mit den selben Augen.
    Eins ist mir allerdings bei mir auch aufgefallen, dass ich mich oft mehr mit geistlicher Literatur beschäftige, als mit der Bibel selber. Wie wäre es 1Jahr lang auf geistlichen Kommentaren und geistlicher Literatur zu verzichten und statt dessen diese Zeit dafür zu verwenden, die Bibel zu lesen. Es kommt nicht auf die Quantität an, sondern darauf das ich mehr und mehr lerne, wie mein Leben tickt. Und ich glaube Jesus selber greift mehr in mein Leben ein…

  8. Amen, Norbert! Die Jünger hatten wie alle braven Jungs damals große Teile des Alte Testament im Köpfchen. Auch so eine vergessene Sache: auswendig lernen. Verse und kurze Passagen wiederholen und in den Kopf bekommen, damit Gott sie zur rechten Zeit benutzen kann… wenige Verse – gründlich gelernt und bedacht (aber bitte nicht als sportliche Disziplin…) – eigentlich toll!

  9. Danke für die wichtigen Impulse, auch in den Kommentaren. Ich wäre aber vorsichtig mit allgemeinen Diagnosen und dann auch Therapien. Ich selbst kenne beides: Lange auf einem Wort rumkauen, und auch mehrere Kapitel flächig lesen. Muss der Wert des Bibellesens darin liegen, jeden Tag akut lebensverändernde Erfahrungen zu machen? Oder kann ich nicht auch gelassen mit Gott und seinem Wort leben und lesen, und dann hin und wieder erleben, dass mich ein Wort „packt“, dass der Hl. Geist mich „erwischt“? Das kann ich ja nicht „machen“, muss ich auch nicht, Gott sei dank … Nur: Wenn es mich erwischt, dann sollte ich das festhalten, kauen, „ruminieren“ 🙂 und nicht gleich wegheften, zur Tagesordnung bzw. zum nächsten Impuls übergehen.
    Je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger stimme ich der Diagnose zu. Vielleicht bewegen wir uns ja aber auch in sehr unterschiedlichen Kreisen … Ich sehe weniger eine Inflation von Gottes Wort als eine Erwartungslosigkeit gegenüber Gottes Wort. Was habe ich hier eigentlich? Ein paar fromme Regeln, irgendeinen Text, von dem mir gesagt wurde, dass ich möglichst viel davon lesen soll? Einige Kommentare sprachen ja den „sportlichen Ehrgeiz“ beim Bibellesen an – der kann wirklich schaden.
    Aber wenn ich mir immer neu vor Augen führe, dass das geschriebene Wort Gottes schon an und für sich mir sagt: Gott wollte sich offenbaren, und: der einzige erklärbare Grund dafür ist seine Liebe – er hätte ja auch stumm bleiben können und hätte selbst keinen Mangel dadurch gehabt – dann gehe ich schon anders an „den Text“ ran.
    Und dann brauche und gebrauche ich gern eine Vielfalt von Ansätzen, ist dann auch Typsache: Lectio Continua, meditierendes Lesen, auswendig lernen, Sekundärliteratur heranziehen oder weglassen, Kombination mit liturgischen Texten …

  10. Der Post hast mich ganz schön nachdenklich und auch betroffen gemacht. Da ist viel Wahrheit drin. Ich bekenne: ich bin kein Stille-Zeit-Mensch und auch kein großer Beter. Aber bei der Vorbereitung zu einer Predigt kann ich ganz versinken in Gottes gutem Buch. Über klitzekleine und riesengroße neue Erkenntnisse staunen. Und den Text wiederkauen wie ein alter Ochse.

    Eine schöne Erfahrung meines Lebens war, Leiter eines Jugend-Hauskreises sein zu dürfen. Wir haben den Römerbrief gelesen und dafür 18 Monate gebraucht. Das Johannesevangelium hatten wir nach 12 Monaten durch und dann gleich wieder von vorn begonnen. Auch das ist slow spirituality: den Text atmen zu lassen und ihn wie einen guten Wein zu schlürfen und durch die Zähne zu ziehen. Und dann natürlich nicht ausspucken sondern schlucken und auf den Nachhall lauschen.

    Ein wenig Versenkung, etwas Mystik – sich an einem Wort berauschen können! Und auch ein wenig chassidisch-fröhliche Frömmigkeit.

    Ja, das gehört zu meinem Rezept für den Umgang mit der Bibel. Vom mittelalterlichen Scholastiker hin zum paulinischen Reduktionisten, der nur noch das Wort vom Kreuz hoch hält. Das ist mir Weg und Ziel.

  11. @anskarmarburg: hi erst mal und danke für die Ergänzungen. Ich denke, dass die Erwartungslosigkeit, die du zurecht ansprichst, gerade aus der verkopften Inflation des Wortes herrührt. Und natürlich kann ich auch flächig lesen – aber das kann nie die Hauptart sein… sondern muss das wiederkäuende flankieren, um so das Gelesene gut einordnen zu können.

    Natürlich: der Artikel soll keine Legitimation für Faule sein, die eh schon keinen Bock auf die Bibel hatten. Aber ich kenne so viele Leutchen, die sich an der Bibel abkämpfen und sich fragen: warum? Und wenn man dann erlebt, wie Gottes Wort konkret im Leben einschlägt, dann wird Bibellesen plötzlich wieder relevant und ganz leicht. Das muss nicht immer passieren – ich denke in der Tat, dass Gott mehr in Mosaiken arbeitet und irgendwann wird das Bild deutlich, aber bei jedem einzelnen Stein fragt man sich schon dann und wann: was soll das? Aber alles zusammen hat Sinn und verändert das Leben. Die Erwartung möchte ich haben.

    Es gibt meines Erachtens in unseren Kreisen ein schon fast magisches Schriftverständnis: lies haufenweise Bibel, das tut dir gut. Nö. Kurz gesagt. Lies weniger und setze um, was du liest – dann tut es dir gut.
    Ich kann deine Gedanken gut nachvollziehen und dennoch glaube ich: Appelle an die Menschen, sich doch klar zu machen, wie toll Gottes Wort ist und was für ein Ausdruck der Liebe Gottes (was ich glaube!!) helfen einfach nicht mehr weiter. Ich habe sie schon oft genug gehört und auch abgesondert. Gottes Wort muss erfahren werden, denn es ist: wirkmächtig! Und wenn man davon erzählt, was man mit der Bibel erlebt…. dann geht garantiert die Post ab. Danke für deinen Beitrag! Und ich habe auf Sommerzeit umgestellt…;-)

  12. @Hans: ach, Herzensbruder! Entdecken wir doch ganz neu eine einfache Spiritualität des weniger ist mehr. Ich freue mich auf dich und euch in Südbayern! Das wird ein spannender Gemeindeaufbautag!

  13. Das macht mich sehr nachdenklich.
    Ich würde allerdings, wenn man sich schon auf einen Text pro Woche beschränkt, eben nicht den Predigttext nehmen (zumindest nicht als derjenige, der die Predigt hält).
    Die private Bibellese sollte zweckfrei sein. Da geht es erstmal um mich und Gott.
    Zeit für Gott und Zeit mit Gott sind nicht identisch, nicht zu verwechseln und schon gar nicht austauschbar.

  14. Jo Achti! Gott als „Arbeitgeber“ und Gott als „Vater“ sind zwei verschiedene paar Schuhe und das ist die spezielle Problematik der Vollzeitler… mir hat da Magnus Malms „Gott braucht keine Helden“ weiter geholfen, den richtigen Stand zwischen Berufung zum Pastor und Berufung zum Kind Gottes zu definieren – ohne ihn deswegen schon ausreichend zu finden – seufz…;-)

  15. Interessante Gedanken!
    Weniger ist mehr – ja, das kann zutreffen. Aber ob man das so generalisieren kann?
    Ich bin manchmal entsetzt, wie wenig selbst manche langjährigen Christen die Bibel lesen und wie oberflächlich sie biblische Zusammenhänge kennen. Das ist die eine Seite.
    Andererseits ist es entsetzlich, wie viel Input wir oft in uns reinstopfen und wie wenig davon wir tatsächlich umsetzen. Ob es tatsächlich besser wird mit der Umsetzung, wenn wir weniger reinstopfen?

  16. Hi windhauch! Ja, ich denke, das verlangt Mut! Weniger an Stoff auf jeden Fall – aber auch den kann man ja jeden Tag neu meditieren! Also nicht unbedingt zeitlich weniger. Aber eben konzentrierter. Und auch hier ist wieder die Frage nach Henne und Ei: warum kennen heute so wenige Christen wichtige Zusammenhänge? Weil sie zu viel im Kopf haben? Weil sie Bibel nicht mehr als relevant wirklich erleben – und nicht nur vom Kopf her aufnehmen? Aus der Lernpsychologie weiß man ja: verinnerlicht wird, was ganzheitlich gelernt und erfahren wird, das wird wohl gerade und auch für die Bibel gelten… danke für deine Ergänzung!

  17. Ich habe mir auch sehr viele Gedanken zu diesem Thema gemacht. Mein Hauptpunkt ist: es geht um Kommunikation. Es geht nicht darum ein bestimmtes Pensum aus religiösem Pflichtgefühl abzuleisten. Gott will zu uns sprechen! Er gebraucht sein Wort, um zu uns zu reden. Es mag Phasen im Leben geben, in dem Gott stark durch die Bibel spricht und Phasen, in denen er andere Wege hat. Bibellesen sollte nicht zum Krampf werden, denn sonst bringt es nichts. Ein weiterer wichtiger Punkt finde ich ist Kreativität. Wir sind zu unkreativ, wenn es ums Bibellesen geht. Wahl des Ortes, Wahl der Übersetzung, Wahl der Methode usw. Lass uns kreativer werden!

  18. „warum kennen heute so wenige Christen wichtige Zusammenhänge?“

    Vermutlich auch, weil man falsch liest. Ich muss (auch von berufswegen) sehr schnell viel Informationen aufnehmen. Und irgendwie lese ich wohl auch die Bibel so, wie ein Manuskript auf Arbeit.

    Durch Philip hab ich z.B. grad wieder gemerkt, dass ich die Aussagen eines einzigen Satzes trotz wiederholten lesens gar nicht aufgenommen habe.
    Das zeigt mir aber auch, wie wichtig es ist die Bibel nicht nur alleine sondern auch mit anderen gemeinsam zu lesen und zu besprechen…

  19. … zu viele Informationen. Unser Inlandsmissionleiter Dietrich Schindler meinte letztens in einem Referat: wir sind eigentlich von Gott für das Tempo von Kamelen geschaffen.
    Tja, ist wohl wahr. Wir sind zwar ungemein anpassungsfähig, aber die extreme Beschleunigung der letzten paar Jahrzehnte hat auch unseren Glauben verändert. Nicht nur zum Guten. Deswegen ist es spannend, nach Konzepten zu suchen, wie in einer schnellen Welt ein eine einfache und langsame Spiritualität gelebt werden kann und diese zum wohltuenden Grundrhythmus wird…

  20. Im FeG-Kontext: Uns würde allgemein etwas mehr Ruhe und Liturgie gut tun.
    Seit 5 Jahren bin ich bei der Citychurch Würzburg dabei, das kann man vom Ablauf und der Atmosphäre nicht mit einem „normalen“ FeG-GoDi vergleichen.

    Vorher war ich aber ein paar Jahre Besucher eines eben solchen „normalen“ GoDis, den ich anfangs als erfrischend anders empfand, da ich aus der katholischen Kirche kam. Dann aber: Abkündigungen, wir singen ein Lied (bevorzugt mit viiiiel Text), jemand erzählt was, wir singen wieder ein Lied, stehen dazu auf, wir setzen uns wieder, Predigt, noch ein Lied etc.

    Dabei bin ich dann immer weniger zur Ruhe vor Gott gekommen. Ich wusste anschließend immer etwas mehr (was ja auch nicht schlecht ist), kam mir aber gehetzt vor.

    Ansätze, das Wort zu „vertiefen“, vielleicht gerade mal mit dem umgekehrten Mittel, es stehen zu lassen, zu zerkauen, einwirken zu lassen, in die lectio divina mitzunehmen, begrüße ich daher sehr. Oder Lieder zu singen, die nur aus einem Vers bestehen (Taizelieder leisten da gute Dienste).

    Bibel lesen kann man allgemein nie zu viel (Vorsicht, ich habe mich bei den Navigatoren bekehrt, ich kenn das nicht anders 😉 ), außerdem kenne ich mehr Leute, die zu wenig Bibel lesen als zu viel, aber jeder sollte sich natürlich hinterfragen, mit welcher Motivation er das tut und was es ihm bringt und danach so lesen, wie es seiner Beziehung zu Jesus am besten tut.

  21. @wessnet: wichtige Ergänzungen zum Thema Gottesdienst. Aber wieder einmal: kenne ich mehr Leute, die zu wenig Bibel lesen als zu viel… sagst du. Ist dann nun Ursache oder Symptom. Für mich ein Symptom – sie erleben nicht Kraft des Wortes, deswegen lesen sie wenig. Wäre es Ursache von irgendwas anderem, dann könnte man ermutigen, ermahnen, motivieren, das alles bringt aber nix – weder bei mir noch bei anderen. Meine Erfahrung. Man kann mir tausendmal erzählen, wie toll die Bibel ist, Gottes Wort, Geschenk etc… hilft mir aber nicht, mich zum täglichen Bibellesen zu motivieren und die meisten, die ich kenne, denen geht es genau so. Deswegen glaube ich an ein Symptom. Und die Krankheit ist: zu viel erlebtes falsches, weil nicht verwandlungsorientiertes, lebensveränderndes Bibellesen aus Gottes Geist heraus (und nicht aus dem eigenen Willen – Achtung: auch die Disziplin ist eine Frucht des Geistes und nicht des eigenen Willens!).
    Prägnant gesagt: selbst ein Freikirchler, der privat fast keine Bibel mehr liest, bekommt pro Monat mehr biblische Impulse, als er umsetzen und ausleben kann.

  22. Zu viel, zu wenig – das ist höchst relativ. Ich meine, es gibt Bücher der Bibel, die kann man im Zusammenhang lesen (und sollte es auch), etwa die historischen Bücher, dann gibt es fesselnde Bücher wie Koholet (Prediger) oder Hiob, da kann man ja nicht mittendrin aufhören, weil man auf die Wendungen immer wieder neu gespannt ist, dann gibt es poetische Texte, die sind schon so angelegt, dass man sie häppchenweise lesen kann (Sprichwörter, Psalmen) und schließlich gibt es einzelne Verse, besonders aus den Evangelien, die ein Lebensthema sein können, über das man ununterbrochen nachdenken kann, wo ein Stichwort als Impuls schon ausreicht („Liebet einander!“). Also: höchst relativ! Josef

  23. Hallo Josef! Stimme dir ja zu, ich denke nur: wir werfen hier verschiedene Ebenen durcheinander. Klar kann man ein Buch Exodus wunderbar in einem Rutsch durchlesen oder eine Apostelgeschichte. Natürlich dient ein Psalm dem Gebet und der Gebetsschule und will mich nicht unbedingt primär verändern (wobei, naja…) Und gerade Anfänger im Glauben tun gut daran, sich so einen Überblick zu erarbeiten, damit die genauere Lektüre nicht in der Luft hängt. Aber mir geht es weniger um das wie als um das überhaupt noch!
    Krankheitssymptom: Leute lesen immer weniger Bibel! Ist statistisch nachweisbar. Selbst die frömmsten Christen. Sie lesen einfach wenig oder gar nicht (häufiger). Und da ist mir die Methode erst mal egal – ich will wissen warum – ich will es auch bei mir wissen! Und ich stelle einfach fest: es gibt zu viele theologische Impulse. Wenn ich mal den Alltag eines normalen Gemeindeglieds sehe, dann sind es zu viele Impulse. 5 gute Gedanken in zwei Wochen mindestens. Durch Predigt, Hauskreis usw. Aber es bleiben Gedanken!
    Die zentrale Frage vieler Menschen ist: wie kann ich mich überhaupt verändern? Antwort: auf jeden Fall nicht, indem du 5 Sachen in 2 Wochen versuchst, zu justieren. Mein geistlicher Ziehvater sagte mal: der Teufel versucht dich in möglichst viele Themen zu verheddern, damit du keins richtig angehst. Nimm dir pro Halbjahr nur einen Veränderungsbereich vor! Krass, oder? Ich denke als perfektionistischer Mensch durch all die tollen Impulse, die ich empfange: ach, da habe ich mindestens 10 Veränderungsbereiche…
    Nun also: was soll die Bibel, was ist Gottes Wort? Ein Instrument der Veränderung in Gottes Hand. Nütze zur Lehre, Zurechtweisung, Besserung… letztlich zu einem Ziel: Christus ähnlicher zu werden. Das erleben die Menschen so nicht mehr. Sie erfahren Bibellesen als langweilig, anstrengend und öde. Und die Bekämpfung dieser Beobachtung kann sich nicht darin erschöpfen, indem man sagt: streng dich mal an, lies mehr, ist doch Gottes tolles Wort. Das grundlegende Paradigma muss stattdessen geändert werden: die Menschen müssen hineingeführt werden in die verändernde Kraft des Wortes. Wenig, gründlich, tief gehend, von verschiedenen Perspektiven, mit verschiedenen Methoden und Formen…

  24. Nennen sie mich Ketzer, Blasphemiker oder Ungläubigen. Überhaupt die Bibel zu lesen ist schon ein Fehler. Daran zu glauben erst recht. Klar werden sie denken „Was redet dieser Mensch für einen Unsinn“. Aber sind sie wirklich fest davon überzeugt dass diese Geschichten „Gottes Wort“ sind oder nicht doch viel eher das Wort der „Menschen“? DIe Bibel wurde erst 200 Jahre NACH der Kreuzigung von einem MENSCHEN namens Jesus geschrieben. Und zwar von IRGENDWELCHEN Menschen. Das hat nichts mit einem „höheren Wesen“ zu tun. Abgesehen davon … spätestens wenn die Menschen mal tatsächlich in den „Himmel“ (wie naiv dieser Ort doch ist) kommen, schüttel ich erstmal Ra, Odin und Thor die Hand!
    Und wenn Gott mich fragt warum ich nicht an ihn geglaubt habe?! Ich sage ihm „Zu wenig Beweise!“ …
    Ich vermute Sie werden diesen Kommentar nicht veröffentlichen. Jedoch würde ich mich trotzdem über eine Antwort freuen.

  25. @Wegbegleiter:

    Ja, du hast gewiss recht mit der „Symptomtheorie“. Unsere Situation in der CC ist aber vielleicht etwas anders als in einer traditionellen FeG: Wir haben viele junge Christen ohne freikirchlichen Hintergrund, die eben in ihrem engsten Umfeld mit Christen zu tun haben, die selbst wenig Bibel lesen.

    Ich habe einen Glaubensvater, der über Jahre hinweg in Zweierschaft mit mir durch die Bibel gegangen ist, lesend, betend (Psalmen/Prediger/Sprüche), lehrend. Wir haben wirklich Bibel gelesen, vorzugsweise, täglich, mit dem Anspruch, Jesus durch die Bibel in mein Leben sprechen zu lassen, und nicht die total interessanten neuesten Bücher amerikanischer Megachurchpastoren. Ich wünsche jedem jungen Christen eine solche Zweierschaft und den Mut, selbst manches auszulassen.

    Ach ja, Christof, wir haben echt lustig viele Gemeinsamkeiten: Kath. Kirche, FeG, Kontemplationsinteresse, mal bei den Navs gewesen, Blogger. Außerdem hatte ich als erstes Theme auch „Freshy“. Wenn du jetzt auch noch gute Italiener, Sushi und Renaissancemusik magst, mal Volleyball gespielt hast und deine Frau Martina heißt, wird es mir unheimlich 😉

    @Metalstorm:

    Na, vom Christentum scheinst Du ja nicht sonderlich begeistert zu sein. Das ist allerdings nicht verboten, sondern im schlimmsten Fall entgeht dir da was. Aber mal im Ernst: Auf Thor und Odin hätte ich nicht so Böcke.

    Was macht dich übrigens so sicher, dass Jesus „nur“ ein Mensch gewesen sin soll? Hast du dir mal wenigstens ein Evangelium vorgeknöpft und dir überlegt, was es angesichts der Selbstaussagen von Jesus für Alternativen gibt, wer Jesus war – oder ist?

  26. @metalstorm: diese Meinung ist Ihr gutes Recht, ich schließe mich wessnet an – Sie verpassen was. Und Sätze wie: DIe Bibel wurde erst 200 Jahre NACH der Kreuzigung von einem MENSCHEN namens Jesus geschrieben. Und zwar von IRGENDWELCHEN Menschen – verstehe ich erstens nicht und wenn ich sie richtig verstehe, dann ist er falsch, weil erste Papyri des NT finden sich bereits um die 70 nach Christus und auch die mündliche Tradierung der Juden vorher war und ist exzellent – das ist wissenschaftlich belegt. Aber das ist hier nicht das Thema, deswegen bitte auch nicht weiter diskutieren, das wäre doch zu sehr offtopic. Ich finde nur: man sollte den Glauben, den man auseinander nehmen will, zumindest kennen. Ich beobachte: es kursieren unheimlich viele billige Klischees über den christlichen Glauben, die mit der historischen und auch wissenschaftlichen Wahrheit nix zu tun haben. Aus einer solchen Position heraus hört man immer dieselbe stereotype Kritik. Schade. Und langweilig. Wenn dahinter echte Fragen stehen, gerne über die Kontaktmaske an mich direkt.

  27. @wessnet: ja, solche Zweierschaften sind genial, ich habe sie auch genossen und wenn man durch viel Lesen echte Veränderung erlebt, dann nur zu. Es geht mir um Veränderung und solange die erlebt wird, halleluja!

  28. Eine Religion ist höchstens eine Lebenseinstellung. Eben ein GLAUBE. Ich glaube etwas, damit ich mich besser fühle. Es gibt positive Dinge die daraus entstanden sind. Aber auch viele negative. Sie scheinen ja eh belesen zu sein und wissen sicher was ich meine. Jedoch ist Religion im Endeffekt so simpel wie ein Placebo. Ich glaube dass es so ist, denn dadurch fühle ich mich besser. Dass die Wirkung von Placebos bestätig wurde zeigt, dass so lange ich nur daran GLAUBE auch eine Wirkung folgt. Kausalitätskette. Aber warum sollte man ohne diesen ganzen, für mich, Unsinn nicht glücklicher sein können. Durch den Glauben und speziel der Bibel unterwerfe ich mich doch auch gleich wieder ein Joch, dass alles von einer höheren Macht stammt. Ist das Freiheit?! … Komme ich jetzt in die Hölle? …
    Was hätte dieser „Jesus“ gesagt wenn er die Pyramiden gesehen hätte? … Wenn er bei den Maya ein Kakaogetränk geboten bekommen hätte?! Was dann?! … Wäre er über den Ozean glaufen? … Und wieso bringt der „liebe“ „Gott“ allein in Exodus so viele Menschen um?! … Führen sie doch mal Statistik … wie viele Menschen durch „Gottes Hand“ (einfach herrlich diese propagierten Bilder … ich sprach bereit von Naivität) und wie viele durch den Teufel/Satan/wer auch immer. Ich finde es herrlich. Die Kirche. Das Christentum. Einfach jeder Form von Religion. Aber in meiner Mineralwasserflasche steckt viel mehr belebender Geist, als in einem „Roman“.

  29. @metalstorm: öde, es sind leider immer dieselben abgedroschenen Argumente, denen man nicht die echte Beschäftigung, sondern das Abgrenzen durch billige Klischees anmerkt. Zum Beispiel der lustige Begriff Freiheit – Freiheit hat immer auf der anderen Seite eine Abhängigkeit. Sie sind eben von ihrer begrenzten Gedankenwelt abhängig oder von ihrem was auch immer – die Frage ist nur: macht das, wovon man abhängig ist, frei? Und ja, Gott macht frei. Der Sohn macht frei. Karrieredenken, Kohle, Metal, Odin, der eigene vermeintliche Intellekt, was auch immer – all das macht nicht frei. Und was Kausalitätsketten angeht: kommen Sie bitte mal in der Physik des 20. Jahrhunderts an. Schrödingers Katze. Relativitätstheorie. Unschärferelation. Simple aus a folgt b Kausalitätsketten zieht heute kein seriöser Physiker mehr für die großen Fragen der Welt.

    Im übrigen: ich hatte höflich darum gebeten, diese Diskussion nicht weiter zu führen. Das ist nicht geschehen. Alle weiteren Kommentare von Ihnen sind somit als spam geblockt und werden vorher aussortiert. Danke.

  30. Pingback: Simplify your spirituality « Wegbegleiter - Fährtensucher - Wellenreiter·

  31. du hast mich mit deine Provokation gepackt. wir lesen „zuuviel“ Bibel – gerade wo ich merke, daß es bei mir eher das Gegenteil der Fall ist. Aber das was du danns schreibst, dann spricht mich an. Danke

  32. Ich denke man kann in der Bibel nie zuviel lesen ich habe manchmal Zeiten da lese ich einfach tagelang nur das Lexikon zur Bibel oder den Kommentar dazu.

    Aber jeden Tag lese ich die Tageslosung und habe jahrelang fast ausschließlich die Bibel gelesen, ohne geht es nicht wenn man eine persönliche Beziehung zu Jesus aufbauen will.

    Das schöne an Jesus und dieser leibenden Beziehung ist doch die Freiheit, jederzeit zu wissen geliebt zu werden, denn wir müssen von den kirchlichen Gesetzen und Hürden wegdenken. Da werden in den verschiedenen Denominationen doch gegenseitige Barrieren aufgestellt anstatt Gottes Geist der Einheit zu folgen.

    Wir werden in den Gemeinden zur Unselbstständigkeit erzogen meine Meinung nur in einer kleineren Hausgemeinde die Freud und Leid miteinander teilt können wir wirkliches Christentum leben, klar haben die Gemeinden ihre Berechtigung, aber letztlich ist dort Überangebot und zuwenig Stille.

    Ich will jedem ein besinnliches Fes und ein gesegnetes Jahr 2009 wünschen

  33. @Ulrich: ich habe immer so das Gefühl, das der Artikel missverstanden wird. Wenn man viel lesen und dann auch wirklich umsetzen kann, ist das prima und toll. Nur genau das fällt heute bei vielen Christen weg und ich denke eben: bei der Bibel gilt nicht: viel hilft viel, sondern: Tiefgang und Umsetzung helfen viel.
    Das Votum für die Hausgemeinde als allein selig machende Form kann ich nicht teilen. Hauskreise bieten letztlich ähnliche Chancen. Aber ich habe nix gegen Hausgemeinden. Nur: ich empfinde die Menschen in unserer Gemeinde und in anderen Gemeinden nicht per se als zur Unselbstständigkeit erzogen…

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