Eklig, aber normal: Rucola mit Schnecke

Irgendwann ist immer Premiere: gestern einen leckeren Rucolasalat gemacht (jaja, Nitrite, was soll’s, so komme ich schneller zu Jesus), dazu geröstete Pinienkerne, dickflüssigen Balsamico, feines Olivenöl, achja. Packung aufgemacht. Wer grinst mich freundlich an? Eine italienische Schnecke, die ihre schleimigen Spuren zieht und mir ein freundliches „Buongiorno“ entgegenruft (gut, Letzteres meine ich nur gehört zu haben). Den Rucola zerrupft, dazwischen diverse Kräutlein, die da nicht hineingehören. Ich bin vor Lachen fast vom Stengel gefallen… ist halt Natur und ich dachte, so was kommt nur in schlechten Witzen vor…

Erinnerte mich spontan an Mt 13, 24-43, dem Gleichnis vom Weizen und dem Unkraut. Ist halt so. Selbst im Reich Gottes. In der Gemeinde wächst Unkraut. Im eigenen Herzen krabbeln noch dunkle, schleimige Schnecken und lenken von der Neuschöpfung ab. Das Gleichnis rät zur Gelassenheit. Gott wird es richten und zu seiner Zeit entfernen. Das ist kein Aufruf zur Passivität, bewahrt aber vor hektischen Aktionismus und falschem Perfektionsstreben, bzw. Heiligungsstreben. Jesus ist der Herr des Feldes – sei es in der Gemeinde oder im eigenen Herzen.

Ich erlebe das gerade in einem bestimmten Lebensbereich. Gott lässt in mir durch verschiedene Impulse viel alten und neuen Schmerz hochkommen. Uralte, nicht verarbeitete Kamellen kommen hoch und treiben Tränen in die Augen. Ich stehe an einem inneren Raum der Gefühle, der Wut, der Traurigkeit und der Verbitterung und ich weiß: wenn ich nun mit Jesus hinein gehe und Stück für Stück das Kreuz hinein hole, das Licht der Liebe aufstrahlen lasse – dann geschieht Heilung. Doch nun passiert etwas Faszinierendes; ich frage Gott im Gebet: wollen wir hinein gehen und die Antwort lautet: noch nicht. Habe Geduld. Der Zeitpunkt, der kairos, ist noch nicht gekommen. Aber ich weiß, er wird bald kommen. Schmerzhaft – dieser Schwebezustand. Aber Gott kennt den Zeitplan. Mag sein, dass er meine Motivation reinigen möchte, mag sein, dass er mich Geduld lehren möchte oder einfach die Tatsache: es gibt Wichtigeres als Vorankommen in der Heil(ig)ung. Gott selbst. Aber die Zeit ist nah und ich freue mich. Ich stehe vor den Schnecken und Gott sagt: lass mich sie wegnehmen. Habe Geduld… 

So ist aus dem Rucolaerlebnis doch kein susipo (Supersinnlos-Post) geworden. Die Schnecken sind da. Aber so ist es natürlich und Gott kann damit umgehen. Wir auch?

Advertisements

15 Antworten zu “Eklig, aber normal: Rucola mit Schnecke

  1. Wie Du schreibst.. es gibt wichtigeres als ein vorankommen in der Heiligung.
    Ich höre Gott seit langem zu uns allen sagen:
    Du bist Mir genug!!!

    Werft allen Ballast ab, wie ihr sein solltet, oder die Gedanken, was besser werden muss. Du bist Mir genug!

    Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch irgend ein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermag von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. Röm.8,38-39

  2. … jaja, Nitrite, was soll’s, so komme ich schneller zu Jesus …

    so was von einem Mitglied von slow food zu hören, also wirklich…

    Unkraut gibts auch in der Gemeinde – und in meinem eigenen Leben, wie du schon sagst. Ich kaue gerade auf Phil. 2,12+13 rum (Indikativ und Imperativ, gut, da geht es um das Heil des Menschen, aber das Prinzip ist ja auch für Heiligung dasselbe, oder nicht?) – ich würde ja gerne das Unkraut loswerden, stoße aber immer wieder an Kapazitäts- und Motivationsgrenzen. Und stelle fest: Gott selbst ist der große Unkrautzupfer, ich muss es ihn nur tun lassen!

    Gelassenheit wird zu einem immer wichtigeren Stichwort – in einer Zeit von Hektik und „wir müssen was tun“, dir mir zusehends aus einem Mangel an Vertrauen zu stammen scheint…

  3. Puhh und ich dachte schon das wird ein Rezept mit Schnecken drin – hab ich schon mal probiert, muss ich aber ehrlich gesagt nicht nochmal haben 🙂

    Hmm was Du über Schmerz schreibst und „olle Kamellen“, das läßt mich an meinen Vater erinnern, der in seiner Kindheit sehr viel durchmachen musste. Dieser Schmerz läßt ihn nicht mehr los, er denkt viel zu oft an die Vergangenheit und das hat ihn krank gemacht. Ich hoffe und bete, dass er es durch die Gnade Jesu schaffen wird eines Tages nach vorne auf Jesus zu sehen.

    Sagt nicht auch Paulus irgendwo (sorry ich habe fast das Ganze Jahr an den Evangelien gearbeitet und mir fällt die genaue Stelle nicht mehr ein) dass man nicht zurück blicken soll?

    „bewahrt aber vor hektischen Aktionismus und falschem Perfektionsstreben, bzw. Heiligungsstreben“ – und vor einem schlechten Gewissen – einer meiner Hauptfehler.

    Danke! Mal wieder ein sehr schöner Beitrag mit der ungewöhnlichsten Einleitung die ich je gelesen habe 🙂

  4. War Jesus – wer die Hand an den Pflug liegt und zurückschaut… -heisst aber nicht, dass wir nicht verarbeiten dürfen, genauso wie Aussagen wie: sorgt euch nicht um das Morgen nicht bedeuten, dass man keine Rentenvorsorge treffen muss. Vergangenheit: ich denke, man kann sich krankhaft reflektierend in der Vergangenheit verlieren. Aber man kann auch daraus lernen, ein Stück heil werden und dann gestärkt weiter gehen. Oder verwundet und getröstet. Wichtig ist die Position. Manche Vergangenheitsbezogenheit dient der Verstärkung der eigenen Opferrolle (nach der Masche: meine bösen Eltern etc). Jesus selbst aber spricht bei den Menschen so manches Mal ihre Vergangenheit an – um sie dann aber zum Kreuz zu bringen, zu heilen und die Menschen in die Verantwortung für das Reich Gottes zu ziehen…

  5. …schneller zu Jesus? – LOL ich schmeiss mich weg! 😀
    da empfehle ich derzeit ein paar leckere Dioxin-Steaks.. jamjam

    nein, kein susipo 😉 sondern AMEN!

  6. Back to ontopic: Ich mag Schnecken sehr (mögen heißt hier: essen). Tja, ich bin im Badischen uffgwagse und mein Vater ist Franzose … aber die Rauke will ich denn auch lieber ohne Schneckenzuwage.

    Apropos Schnecken, dies war der ultimative Beweis, daß Frauen und Männer unterschiedlich denken: Unser Frauenkreis hatte vor längerer Zeit mal das Thema „Weil Männer wie Schnecken sind …“. So stand’s dann auch im Gemeindebrief.

    Eine Umfrage ergab ein klares Bild.

    Männer verstanden: Schnecken sind langsam, ergo auch Männer … mit einem Augenaufschlag und dem Gedanken ‚So ein Quatsch‘ blätterten die Männer weiter.

    Frauen verstanden: Männer ziehen sich in ihr (Schnecken-) Haus zurück, so à la Caveman. Und darin waren sich die Frauen allesamt einig … jaja, so sind die Männer.

    Krass, ne?

  7. @Hans – ja, typisch irgendwie. Männer sind aber auch manchmal sehr empfindlich. Jetzt bloß nicht wieder eine „gender“-Debatte. Das beginnt gerade in den christlichen Kreisen um sich zu ziehen und ja, ich denke, Männer und Frauen sind unterschiedlich und einander zugeordnet – und das nicht nur wegen ihrer Erziehung. Und wenn ich jetzt noch inklusive Sprache auf der Kanzel verwenden muss, gehe ich auf den Berg Athos und studiere die altgriechischen Originale der Wüstenväter und übe mich im Herzensgebet.

    Achja: slowfood hat ja nicht ummesüns das Schneckensymbol..;-)

  8. Mann, mir ist ja richtig schwindelig jetzt. Angefangen bei dieser freundlichen, italienischen Schnecke über praktisches und geisitiges Mastubieren bis ich zu den wilden TECHNO Dancern auf einer angeklickten Freundesseite kam……………..
    Ich dachte immer ich denke alleine so schräg und darf das niemanden sagen, weil die Christlein dann denken ich bin keiner von ihnen. Da muss ich wohl noch was lernen. NEIN da darf ich etwas dazu lernen.
    Klaus aus Afrika

  9. Hi Klaus und willkommen! Nö, wir sind schon mal ziemlich abgedreht – willkommen. Gott ist kreativ, wir sollten es auch sein. Tob dich mit deinen Kommentaren hier gerne aus…

  10. @ Klaus
    spontaner Gedanke: … nur Mut Klaus, hier sind viele schräge und dann so geistlich fundamentale Blogger unterwegs, die sehr authentisch ihren Weg gehen, im Blog wohl sogar herzlicher und wahrheitsgetreuer, als im wahren Leben (wage mal die Provokation, die du ja aber selber auch andeutest und hinter der wir uns auch nicht verstecken müssen).

    Denke mir, dass du in Afrika erst Recht den Mut haben darfst, auf diese schräge Art auf Gottes Stimme zu hören, als in unserem zwangsneurotischen, perfektionismussstrebenden Europa, dass uns oft die Stille für Gottes leises Flüs(tern) nimmt.

    Und wenn ich denn mal so selber zurück blicke: durch den Gedankenaustausch innerhalb der Bloggemeinde bin ich über das Jahr gewachsen und sie sind in meinen alltäglichen Geschehnissen sehr integriert worden. Wenn das nicht Leben bedeutet …

  11. @ Klaus
    Yep, welcome here oder bienvenue oder welkom oder bemvindo, je nachdem, wo in Afrika Du Dich befindest.

    Der Hans aus Bayern, das ja für manche Deutsche so was ähnliches wie Afrika ist, auch wenn nicht mehr ganz so schwarz …

  12. Danke Christof und alle Kommentarschreiber. Irgendwie fühle ich mich auf einmal nicht mehr so allein mit meinen Problemen 😉
    Und irgendwie leuchtet Gott durch diese geschriebenen Zeilen hindurch. Wer würde sich schon um Heiligung, Schnecken und Unkraut im Weizen oder im eigenen Herzen ernsthafte Gedanken machen, wenn er nicht irgendwann eine liebevolle Begegnung mit dem einzigartigen Gott gehabt hätte? Das macht ihn mir plötzlich wieder neu real!

  13. @Ralf

    … wie schön … ich wusste es kommt der Durchbruch nach einer Zeit der inneren Einkehr 😉

    Das 12. Appetithäppchen von mir an dich neu: Die Ebbe ist dazu da, in unserem Herzen eine noch größere Sehnsucht zu wecken!!
    Nach der Ebbe kommt die Flut!!!!

    Segen dir.

  14. Hi donralfo – sei gesegnet. Wir sind glaube ich beide manchmal ziemlich Kämpfende mit unserem Herrn, oder? Denke an dich. Wie Sabina sagte: nach dem Winter kommt unweigerlich der Frühling und ich versuche manchmal – nein viel zu oft, den Winter wegzuscheuchen, er ist aber wohl auch nötig. Mag ihn trotzdem nicht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s