Freiheit: …von guten Vorsätzen! …von Zwang! …zur Veränderung!

… ist Freiheit, nicht selbst zu kontrollieren, sondern Gott Gott sein zu lassen, auch im eigenen Leben. Denn Vorsätze sind tendenziell ich-zentriert (wie muss ich sein, sollte ich sein oder werden etc.) und berücksichtigen dabei nicht Gottes (Zeit-)Plan. Zudem sorgen sie für eine Spirale der Verzweiflung. Denn wenn ein Vorsatz wie so oft misslingt (nach aktuellen Untersuchungen halten nur 2% aller Diät-Haltenden dauerhaft ihr niedrigeres Gewicht!), dann entsteht Zorn – gegen Gott, denn der hätte ja bei einem so tollen Unterfangen echt mehr helfen können und dann auch gegen sich selbst (warum bin ich so schwach, schlecht….). Aus Zorn entsteht irgendwann Trauer und Depression (nach innen gewandter Zorn) – je nach Typus. Der Glaube leidet, man selbst leidet. Dabei gilt es eigentlich „nur“, in der Liebe, Gnade und Wahrheit Gottes zu leben und dies einzuüben in täglicher gelassener Abhängigkeit von ihn. Denn er ist vertrauenswürdig und verlässlich. Warum sollten wir uns noch fürchten? Warum sollten wir dann auch die Veränderung nicht besser ihm überlassen? Und dann einstimmen in seinen Plan, den er uns offenbart?

Wie das praktisch aussehen kann? Spannende Frage. Sich Gottes Liebe vergegenwärtigen – das klingt sehr kopfbezogen (oder eher kontemplativ?). Manche wählen vielleicht die Anbetung… aber schnell können auch solche frommen, geistlichen Übungen fleischlich motiviert und damit absolut kontraproduktiv werden. Ich frage mich manchmal, wie viel Religion ich eigentlich produziert habe und dabei Gott in mein System eingespannt habe und wie viel mein Bemühen Teil einer echten Freiheit des Evangeliums war… was sind deine ganzheitlichen Tipps, wie man mehr in diese Freiheit hineinwachsen kann, so dass die Einsicht zur Haltung wird?

Zwei Zitate zu Schluß. Eins vom mir sehr geschätzten Richard Rohr: „Wenn man bei Gott rumhängt, färbt er ab!“ So geschieht Veränderung.

Und eins von Dietrich Bonhoeffer, gefunden bei Alex Kupsch: „Einen Tag um den anderen auf den neuen Anfang zu warten, ihn unzählige Male gefunden zu haben meinen, um ihn am Abend wieder verloren zu geben, das ist die vollkommene Zerstörung des Glaubens an den Gott, der den Anfang einmal gesetzt hat in seinem vergebenden und erneuernden Wort, in Jesus Christus, d.h. in meiner Taufe, in meiner Wiedergeburt, in meiner Bekehrung. Gott hat mich ein für allemal zu sich bekehrt, nicht ich habe mich ein für allemal zu Gott bekehrt. Gott hat den Anfang gesetzt, das ist die freudige Gewißheit des Glaubens. Darum soll ich nicht neben den einen Anfang Gottes noch zahllose eigene Anfänge zu setzen versuchen. Gerade davon bin ich befreit, der Anfang liegt ein für allemal hinter mir, Gottes Anfang nämlich.“ (Bonhoeffer, Gesammelte Werke, Bd. IV, 506)

Amen. Dein Weg? Deine Tipps zur Verinnerlichung eines evangeliumsgemäßen Lebens?

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6 Antworten zu “Freiheit: …von guten Vorsätzen! …von Zwang! …zur Veränderung!

  1. Wenn keine neuen Anfänge, wie nennt (und macht) man das dann, von dem in der Bibel steht: Der Gerechte fällt und STEHT siebenmal WIEDER AUF?
    Buße?

  2. Hi ck10 – ich denke, hier hilft eine feinere Unterscheidung. Und auch genaues Lesen. Denn der Neuanfang, von dem Bonhoeffer spricht, ist das ständige: ich muss Gott etwas beweisen. ich muss mein geistliches Leben gestalten. Ich muss, ich muss… und da sagt er: nein – Gott hat alles gemacht. Sein einer Neuanfang reicht. Ich muss mir nicht permanent den geistlichen Puls fühlen. Und ähnliches meine ich mit den guten Vorsätzen: sie drehen sich vor allem um mich, um meine Verbesserung und genau das ist – biblisch gesprochen – Fleisch. Man kann sehr fromm tönen: dieses Jahr mache ich jeden Tag Stille Zeit und die Motivation ist nicht aus Gott genährt, sondern aus dem eigenen Willen, aus der Manipulation Gottes, damit dieser einen klasse findet, damit man sich besser fühlt, mehr gesegnet ist etc… System verstanden?
    Dein Neuanfang ist die tägliche Umkehr und Vergebung – die aber hat ja genau mit Gott zu tun und bewirkt eine neue Ausrichtung auf ihn. Und auch hier gilt mal provokativ gesprochen: wenn ich um Vergebung bitte, damit ich mich besser fühle… dann, tja, dann… stehe ich im Mittelpunkt und dann produziere ich bestenfalls Religion.

  3. „Tägliche gelassene Abhängigkeit! – das klingt gut! Für mich geschieht dieses Einüben der Abhängigkeit gerade im Wechselspiel zwischen dem eigenen Versuch der Veränderung, dem Scheitern und der immer wieder neuen Erkenntnis, dass nur Gott mich verändern kann. Also kein ausschließendes Gegenüber von: Entweder ich versuche mich selbst zu verändern ODER Gott allein verändert mich, sondern gerade beides.
    Wenn ich nur die Hände in den Schoß lege und nur darauf warte, dass Gott einen anderen Menschen aus mir macht, passiert wenig. Wenn ich nur aus eigener Kraft versuche ein anderer zu werden, passiert auch wenig. Gerade die Wechselwirkung (aus der man aber kein festes Rezept oder Zehn-Punkte-Plan machen kann) bringt Veränderung und hilft beim einüben der „täglichen gelassenen Abhängigkeit“

  4. @windhauch: du sprichst in deinen zwei Absätzen meines Erachtens zwei verschiedene Dinge ein. Beim ersten Ansatz würde ich sagen: nö. Die Erfahrung des Scheiterns ist wohl menschlich, aber ist sie erstrebenswert? Ich werde diese Erfahrung machen und sie wird mich hoffentlich lehren, aber deswegen muss ich sie nicht wollen. Zweiter Absatz: absolut d’accord! Hände in der Schoß legen ist auch nicht gemeint. Aber wenn ich die Hände aus den falschen Motiven heraus bewege, dann fürchte ich, ist die Frucht mager. Sprich: ich reagiere doch immer, WEIL ich zuerst beschenkt worden bin durch Gott. Wenn ich aber an Gottes Herzen BIN, dann sollte ich auch das tun und ausführen, was ER will.. aber eben nicht, was ich will…

  5. Hi Wegbegleiter, was du da im letzten Absatz (an Windhauch) schreibst erinnert mich an diesen scheinbaren Wiederspruch in einem der Johannesbriefe, wo es auch um Werke und Glauben geht. Ich komm nur gerade nciht darauf, wo ich suchen muß 😉

  6. @wegbegleiter
    Ja, wenn’s nur immer so einfach wäre, zwischen dem was ich will und dem was Gott will zu trennen (vielleicht muss man das ja auch nicht immer trennen?)… Das wird immer ein Mischmasch bleiben und es wird immer auch ein Scheitern geben (das heißt nicht, dass ich das Scheitern will oder es erstrebe). Aber wenn ich mit dem Scheitern auch rechne und es als etwas ganz Normales sehe und als etwas was mich auch lehren kann mehr auf Gott zu vertrauen, dann kann ich da auch mehr Gelassenheit bekommen.

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