Sicherheit bei Gott? Äh, nein!

Wieder mal ein Aha-Effekt. Hans-Peter Royer beschreibt in einem seiner Bücher die verschiedenen Zentralthemen der letzten Jahrzehnte in der westlichen Kultur. Lange war das Hauptthema (1) Gerechtigkeit. Abrüstung, Gerecchtigkeit zwischen den Menschen und Kulturen und nicht zuletzt soziale Gerechtigkeit. In den 80ger Jahren bröselte das weg und wurde ersetzt durch (2) Toleranz. Das intolerante Dogma der Postmoderne, das uns absolute Toleranz predigt und damit meint: habe keine Meinung von einer Wahrheit, es gibt sie nämlich nicht. Bzw. unendlich viele. Dieses Dogma ist so unglaublich leicht durchschaubar, und dennoch prüft es die Christenheit, denn es gilt festzuhalten: an der einen Wahrheit in Person: Jesus Christus. 

Doch nun der Aha-Effekt. Das Zentralthema dieses Jahrtausends – gerade nach 9/11 und gerade von USA her gepusht – ist: Sicherheit. Onkel Bush hat es auch wieder in seiner Abschiedrede ganz hoch gehängt. Ich war erfolgreich, weil es keinen weiteren bösen Anschlag auf die USA mehr gab. (nur zigtausend tote Soldaten, aber das ist hier nicht das Thema). Und das hat mich ganz neu gestoßen auf unsere Gebete – ob die dich auch betreffen – entscheide selbst. Denn immer häufiger und fast parallel mit dem Rückzug ins Private, mutieren auch unsere Gebete zu Sicherheitsgebeten – ist so meine Beobachtung. „Herr, bewahre uns, schütze uns, bring uns heil nach Hause, gib, dass wir gesund bleiben, dass wir genug Geld haben etcetc.“

Das System ist verstanden – und solche Gebete sind ja auch nicht komplett falsch…, aber ich fürchte: Gott wird zum Sicherheitsberater.  Und: abgesehen vom verzweifelten Gebet Jesu vor seiner Hinrichtung (und auch da geht es nicht um Sicherheit) kann ich das so nicht in der Bibel finden. Wir haben kein Recht auf Sicherheit – auch nicht von Gott her. Wir haben ein Anrecht – denn es kann uns geschenkt werden. Oder auch nicht.

Paulus hatte viel Geld, wenig Geld, wurde verfolgt, geschlagen, gesteinigt, musste fliehen… – was ist mit den Missionaren, die sich in Länder rein trauen, wo es nur so vor Gefahren wimmelt, weil sie nicht anders können, als die Botschaft weiterzugeben? Jesus hatte nichts, wo er seinen Kopf hinlegen konnte und sagte das seinen Nachfolgern auch zu. Warum beten wir nicht um Risiko? Um Abhängigkeit von Jesus in der verrücktesten und gefährlichsten Situationen? Können wir beten: Herr, mache mit meinem Leben, was du willst, auch wenn ich es schwer ertragen kann? Das wäre echte Hingabe. Sicherheit dagegen ist kein Wert an sich im Neuen Testament. Denn Sicherheiten dieser Welt lenken uns von der einzigen Sicherheit ab, die wir haben sollen: die Beziehung zu Jesus Christus. Bete mutig und verwegen! Sei Gott dankbar in allen Dingen (1. Thessalonicher 5,18). Ja, auch in den schweren und unsicheren!

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9 Antworten zu “Sicherheit bei Gott? Äh, nein!

  1. Aua! Auch wenn’s nicht angenehm ist: Du triffst den Nagel mal wieder auf den Kopf! Die Sicherheit liegt uns viel zu oft näher als der Mut und die Verwegenheit…

  2. Fühle mich auch erwischt. Ich hätte das Glaubensleben am liebsten als „gesichertes Abenteuer“ mit tapferen Gefährten und der Gewißheit, es wird gut ausgehen. So wie im Film „Der König von Narnia“, wo man inmitten des Kampfgetümmels doch immer weiß: Aslan ist da. Gott kommt unseren Ängsten ja entgegen, indem er die ganze Bibel hindurch „Fürchte dich nicht!“ sagt. Aber die Rosenbeete sind uns natürlich nicht versprochen, vor allem nicht den verfolgten Christen. Was haben sie für eine Sicherheit?

  3. Hallo lieber Christof, wenn du schreibst >>Denn immer häufiger […], mutieren auch unsere Gebete zu Sicherheitsgebeten […]. “Herr, bewahre uns, schütze uns, bring uns heil nach Hause, gib, dass wir gesund bleiben, dass wir genug Geld haben etcetc.” […] aber ich fürchte: Gott wird zum Sicherheitsberater. Und: abgesehen vom verzweifelten Gebet Jesu vor seiner Hinrichtung (und auch da geht es nicht um Sicherheit) kann ich das so nicht in der Bibel finden.“<< Dann scheint mir das du den größten Teil der Bibel – nämlich die Hebräische Bibel – komplett ausblendest.

    Psalm 3,5: „Ich schreie zum Herren: >>Hilf mir doch<<" Psalm 5,11; Psalm 6,4; usw. usw…. Oder Mose und sein Volk. Wie oft haben sie um Hilfe gebetet. Selbst Elia ist in 1.Könige 19,4 so verzweifelt das er Gott um den Tod anfleht.

    Aber ich gebe dir Recht. Mir fällt auch auf, das es in den meisten Gemeinden immer mehr (Schutz-)Bedürftige gibt und das Geistliche immer mehr (unfreiwillig) zu Therapeuten mutieren. Statt jetzt zu differenzieren zwischen "gefühlter Bedrohung" und "meßbarer Bedrohung" oder "berechtigtem Sicherheitsbedürfnis" oder "unberechtigten Sicherheitsanspruch" ist tatsächlich die Frage(n):

    A) Was verstehe ich unter Erlösung (Wer erlöst wen von was?)?

    B) Welchen Teil der Arbeit muss ich dabei selber machen.

    Altbekanntes Gebet, das es noch mal auf engsten Raum zusammenfast:

    Gott gebe mir die Gelassenheit Dinge hin zu nehmen die ich nicht ändern kann.
    Den Mut Dinge zu ändern, die ich ändern kann
    und die Weisheit, das Eine vom Anderen zu unterscheiden.

  4. @Olaf: du hast Recht, im AT, gerade in den Psalmen, finden wir solche Gebete häufiger. Aber da geht es auch um was! Da geht es eben nicht um Luxus, Auskommen, seelische Zufriedenheit und eine gute Reise, sondern ums nackte Überleben gegenüber dem Feind. Ich denke, da ist Flehen durchaus angebracht..;-)

  5. WOW – toller Beitrag! Respekt! Mir persönlich gefällt halt diese Bindung an Jesus Christus nicht, aber das ist ohenhin mein Problem 😉
    Was mich fasziniert is aber dieser Satz: „Herr, mache mit meinem Leben, was du willst, auch wenn ich es schwer ertragen kann? “ – Applaus!

  6. Ich trage diesen Beitrag jetzt schon 3 Tage mit mir rum. Seitdem arbeitet er in mir, daher habe mich dann entschlossen ein Bild aus meinem Herzen zu schreiben. Dieses Bild ist beim Nachdenken über Gebet entstanden. Ich kann es vll. nur schwer in Worte fassen – sorry. Jeder mache damit was er für richtig hält. Man kann das Bild vom Aussehen her schwer beschreiben, ich kann nur sagen, dass es kugelförmig ist.

    Das Bild ist ein Bild des Ganzen. Etwas, dass den betenden Gläubigen ausmacht. Es ist ein Bild über das Sprechen zu Gott und wie wir ihm uns anvertrauen. Es ist ein Lernprozess.

    Was du beschreibst über die Gebete an Gott, die sich nur um das Heil, Sicherheit, Gesundheit drehen, so stellen sie in diesem Bild nur eine unvollkommene Seite des Ganzen dar. Wenn man sich nur auf diese Seite verlässt, dann gibt man Gott tatsächlich nur die Rolle eines Heftpflasters und nimmt sich selbst die Möglichkeit Gottes Heil vollständig zu erfahren.

    Dein Satz „Können wir beten: Herr, mache mit meinem Leben, was du willst, auch wenn ich es schwer ertragen kann? “ ist in diesem Bild (das sich in meinem Herzen gebildet hat) auch nur ein Teil. Er ist das Ergebnis, das Ziel.

    Ein weiterer Teil, der in diesem Bild fehlt und die Brücke zu allem herstellt ist der Dank. Der Dank ist die fehlende Verbindung zwischen dem Bitten und der Hingabe, denn letztlich ist Gott unser Vater und wir seine Kinder. Ein bittendes Kind kann alles vom Vater erflehen, ob es einen Anspruch darauf hat oder nicht (wenn es bei den Menschen schon so ist, dann erst recht bei Gott). Ob das Kind das erbetene erhält (ist bei der menschl. Beziehung ja auch so) ist Gottes Wille. Ein demütiges Herz, ein Herz voller Hingabe wird jedoch voller Dank alles aus Gottes Hand nehmen.

    Hingabe und Demut vor Gott ist auch, ihm alles anzuvertrauen. Ihn um Schutz und Sicherheit zu bitten heißt auch, sich ihm hinzugeben und darauf zu vertrauen, dass er alleine die Wege lenkt! Das Gegenstück ist der Dank! Auch wenn man einen Unfall auf dem Weg hatte, Krank wurde, keine Heilung eintrat. Denn Gott ist der Vater und wir nur die Kinder, nur er sieht den Weg bis zum Ende. Der Dank macht das Bild komplett, der er führt zur Hingabe.

    Letzlich ist es nicht erforderlich Bitten überhaupt an Gott zu richten, wenn man das Ziel erreicht hat (es fällt mir schwer diese Worte zu schreiben, aber das Bild sieht so aus). Denn am Ziel (das Ganze) lebt man als Gläubiger ein leben in ständiger Kommunkation zu Gott. Es gibt nicht mehr nur ein Reden, sondern auch ein Hören. Bitte, Dank, Hingabe sind dann letztlich eins.

    Sorry wenn Euch das komisch vorkommt, mir gehts eigentlich genauso. Es war mir irgendwie ein Bedürfnis über dieses Bild zu berichten. Letztlich ist das Ergebnis wohl, dass wir uns um das Ganze bemühen sollten. Jeder Teil für sich ist gut, aber unvollständig. Der wichtigste Teil ist der Dank – denn nur über ihn kommt man zum Ziel.

    So das wars. Bild fertig.

  7. Danke für das schöne Bild, Quincy! Ja, der Dank… die Tatsache, dass er leicht als erstes hinten runter fällt, sollte verdächtig stimmen – denn dann hat der Teufel ein Interesse daran… das Grundrauschen hinter allem ist die Motivation: suche ich Gott um seiner selbst willen und aus Hingabe oder eben als Wunscherfüller und Lebensabsicherer – rein wird unsere Motivation nie sein, aber man kann sie ab und an mal reflektieren und dann auch vor Gott tragen. Bzw. Gott selbst lehrt uns durch sein Handeln, wie unsere Motivation reiner wird…

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