Befreiende Vollmacht: die Wahrheit aussprechen

Letzte Woche, es kam eine belastende mail herein, die mich beschäftigte und ich hatte mal wieder den Fehler gemacht, vor dem Schlafen noch ein wenig zu surfen (was genauso wie Fernsehen vor dem Schlafen der seelischen Gesundheit und dem Abschalten-Können nicht zuträglich ist). Also lag ich da im Bett und es kreiste. Und gebar nichts… Die Person, die die mail geschrieben hatte, füllte meinen Kopf, meine Gedanken, löste Gefühle aus… von Einschlafen natürlich keine Spur. Doch wie habe ich letztens selbst gepredigt? Die Wahrheit macht frei, so hat es Jesus gesagt (Johannes 8,31-33 – ha, eine Quellenangabe!). Und wir haben Vollmacht, nicht nur passiv zu beten, sondern im Namen Jesu zu gebieten und die Wahrheit auszusprechen.

Also los: „Herr, in deinem Namen und deiner Vollmacht banne ich alle Gedanken, die mich beschäftigen und mich gefangen nehmen und werfe sie aus meinem Herzen heraus. Du sollst der einzige Inhalt meines Herzens, meiner Gedanken sein, um dich soll ich kreisen, um niemanden sonst! Ich gebe keinem anderen Menschen, keiner anderen Sache das Recht, mich zu bestimmen, denn nur du bestimmst mich.“ Gebet zu Ende. Ganz ruhig, sachlich… und Frieden machte sich breit. Stille und innere Gelassenheit und die Kraft war wieder da, die Lähmung gewichen.

Neumodisches Krams? Nö. Im NT finden wir das Gebieten immer wieder als Form des Gebets. Es ist ein Aussprechen der Wahrheit. Anderen (Dämonen, Krankheiten, Blockaden, Sünden) und sich selbst. Denn dieses Aussprechen hat Macht, zu verändern. Andere Stimmen und Wortlaute haben sich ja längst in uns breit gemacht und haben uns manchmal falsch geprägt. Diesen inneren Einreden müssen wahrhaftige Einreden entgegengesetzt werden, denn die Wahrheit macht frei. Anselm Grün greift das in seinem Büchlein „Einreden“ eindrucksvoll auf (überhaupt sind die Kloster-Kleinschriften die eigentlich lesenswerten Bücher von ihm, ansonsten, räusper, findet sich auch manch mediokres… meine unmaßgebliche Meinung). Und noch früher in der Kirchengeschichte, der syrische Mönch Evagrios Pontikos, der zu meinen Lieblingen gehört, einer der ersten so genannten Wüstenväter (300-Blumenkohl nach Christus). Er beschreibt in seinem „antirrhetikon„, wie man biblische Wahrheiten gegen Lieblingssünden setzen kann. Sehr lehrreich.

Also: Gebet ist nicht passives Gebettel, es ist beten und reden und leben in der Wahrheit in der Beziehung zum Wort selbst, zu Christus. Dazu ist uns Vollmacht gegeben. Leg los!

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11 Antworten zu “Befreiende Vollmacht: die Wahrheit aussprechen

  1. Als ich Weihnachten im Trainingslager war, habe ich das auch ausprobiert. Ich dachte immer, ich hätte nicht die Autorität dazu und erst recht nicht die Geistesgabe. Aber das ist Quatsch. So wie ich bin, darf ich auch stottern. Und die anschließende Gebetserhöhrung zeigte mir, ich darf mich weiter auf diesem Terrain bewegen. Mit aller Macht sogar, denn diese Autorität ist uns gegeben, sich auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu berufen.

    Also auch von mir: Leg los!

  2. Pingback: Verlinkungen « dikosss·

  3. Gut, das wir solche Waffen besitzen! Ohne diese wäre es manchmal sehr schwer! Zu oft fesseln einen Gedanken und man weis nicht, wie man davon los kommt. Dann betet man einfach und es herscht wieder Ordnung.

  4. Also bei mir ist das eher wie ein Flummi, schlechte Grübeleien loslassen wollen und doch kehren diese düsteren Gedanken wieder zurück. Oft beruhigt und hilft Beten, aber oft werde ich auch rückfällig. Ist vielleicht ein lebenslanger Prozeß. Jesus ist auch für Rückfällige gekreuzigt. Trotzdem könnt ich neidig werden, wenn ich das von Wegbegleiter lese. Anselm Grün ist im Übrigen auch mein Freund, les ihn gerne.

  5. Liebe Apassionata 🙂
    Mit den Grübeleien ist es wie mit unerzogenen Kindern
    Du weißt schon,
    Im Supermarkt auf den Rücken geschmissen und geschrieen „Ich will aber“
    Natürlich vergibt uns Jesus!!!
    Aber manchmal lohnt sich der Kampf einen Durchbruch zu erzielen. 🙂

  6. @Wegbegleiteer

    Ihr habt also Vollmacht, Frieden zu gebieten? Warum nutzt ihr diese Vollmacht so wenig? Mir scheint, wenn ich an die Hochzeit zu Kanaa denke und sie in das „Jetzt“ hineinhole, stelle ich mir vor, dass Maria zu Jesus sagen würde: „Sie haben den Wein der Glaubensgnade nicht mehr“ – „sie bleiben im Wasser des Bücherwissens stecken“.
    Warum ich hier auf „wir“ verzichte? – weil es nicht wirklich „da“ ist – für mein Empfinden jedenfalls noch nicht. Danke für die Quellenangabe „300 Blumenkohl nach Christus“!! (Und wir sind xxxxBlumenkohl nach Christus?!
    Und sind doch in IHM und dürfen durch IHN „da“ sein, denn durch IHN und mIt IHM und in IHM ist Gott dem allmächtigen Vater alle Ehre gegeben –
    jetzt + in Ewigkeit. Sie dürfen das gern wieder löschen, wenn Sie das für richtig halten. Ich habe mich nur an eine Zeit erinnert, in der ich Telefon-Andachten gehört habe zum Thema „Wenn ich nicht mehr weiter weiß“ und dann davon zu sprechen wagte, dass Katholiken diese Gedanken äußern, bevor sie in ihrer Liturgie das Vater unser beten.
    Liebe Grüße + Gottes Segen für Ihre Merle

  7. @Lebensnot: es gibt so Kommentare, die verstehe ich auch nach mehrfachem Lesen syntaktisch und semantisch nicht… dieser gehört dazu, ich weiß nicht, worauf Sie rauswollen. Evagrios ist übrigens 345-399. Hatte nur zum Zeitpunkt des Schreibens nicht die Zeit (und Lust), das nachzuschauen. Und Blumenkohl ist lecker. Steht aber – falls das für Missverständnisse gesorgt haben sollte für „ungefähr“.

  8. @Wegbegleiter
    Nein, „Blumenkohl“ hat bei mir nicht für Missverständnisse gesorgt. Ich habe es genau so aufgefaßt, wie Sie es nun verdeutlicht haben: „Ersatz für eine Zeitangabe aus der Geschichte“.

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